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Nordeuropa 2009: Oulu - Oulu (10.3. und 11.3.)

Von

Dienstag, 10.3.2009
Text: David Gubler
Pünktlich um 06:30 schepperte Nils Handy. Wir schliefen zwar wieder ein, doch unerbittlich schepperte es wieder und wieder, bis ich es schliesslich aufgab und mal das Wetter in Augenschein nahm. Was ich sah gefiel mir allerdings ganz und gar nicht; rundherum alles grau in grau. Ein paar Wetterseiten später (mit bestem Dank an die Stadt Oulu fürs gratis-WLAN) war dann klar, dass es heute wohl ziemlich überall und den ganzen Tag und so ziemlich im ganzen Land so sein dürfte. Für Mittwoch war die Prognose allerdings besser, und so beschlossen wir, uns am Mittwoch auf die Suche nach den Sr2-bespannten Erzzügen zu machen.

So hingen wir am Morgen erst mal etwas gelangweilt in der Hütte vor dem Laptop. Wettermässig war aber tatsächlich keinerlei Besserung in Sicht; trotzdem wollten wir zumindest mal schauen, was so auf den finnischen Schienen läuft, und machten uns gegen Mittag auf an die Strecke nach Tampere, wo Nil eine Stelle bei Liminka kannte. Zuerst gings aber noch am Depot vorbei, um rauszufinden, ob die Erzzüge denn überhaupt fahren; aus der Tatsache, dass dort nur ein Sr2-Dreierpärchen stand, tippten wir auf ja.
An der Fotostelle angekommen (Nil hatte inzwischen schmerzhaft rausgefunden, dass der Zigarettenanzünder tatsächlich funktioniert) mussten wir zum ersten mal die ganzen warmen Kleider ausprobieren, die wir mitgebracht hatten, da die Fotostelle ziemlich offen war und ein eisiger Wind blies. Bald hatte Nil auch rekonstruiert, wie die Blocksicherung funktioniert, und so kündigte sich ein Intercity in Richtung Oulu an, gezogen von einer Sr2 mit diversen Dostos und ein paar einstöckigen Wagen, den wir gleich auf Chip brachten.
Sr2 3236 der VR zwischen Kemi und Simo

Etwas später kam aus Oulu ein Irgendwas, das in keinem Fahrplan verzeichnet war, und sich bald als Baufahrzeug entpuppte. Nun ja, immernoch besser als garnichts.
Schlussendlich erreichte uns der Gegen-IC aus Oulu, wieder mit Sr2, aber den Dostos hinten.
Sr2 3209 der VR zwischen Kemi und Simo

Danach verhiess der Fahrplan keine Züge mehr, und so zogen wir weiter an die von den Erzzügen befahrene Strecke in Richtung Muhos. Im Bahnhof von Utajärvi galt es zuerst zu warten, bis irgendwas fährt, daher vergnügten wir uns im Schnee und auf einem eingeschneiten Schotterhaufen. Nach etwa einer Stunde kam dann auch der Regionalzug aus Oulu, gezogen von einer Sr1, in ziemlich miesem Licht.
Sr1 der VR in Utajärvi

Der Zug war fünfteilig, wobei ein Wagen ein Speisewagen war; ziemlich aussergewöhnlich, angesichts dessen, dass der Zug quasi leer war. Bei dessen Abfahrt fiel mir zudem auf, dass die Wagen UIC-Konforme Kupplungen zu besitzen schienen, was aus drei Gründen seltsam war: Finnland benutzt Breitspur, die Wagen würden also nicht einfach so mal in Schweden auftauchen. Zweitens hatten die Wagen ein deutlich grösseres Lichtraumprofil, das zwar vielleicht noch zu Schweden kompatibel war, bestimmt aber nicht zu den meisten anderen europäischen Ländern. Und zuguterletzt benutzt die VR bei Güterwagen häufig eine russische Mittelkupplung, die nur mit Adaptern auf die UIC-Kupplung passt. Wir fassten den Vorsatz, dies später zu recherchieren.
Eine Stunde oder so später kam dann der Zug aus der Gegenrichtung, wieder mit Sr1 bespannt, als Kuriosität hatte dieser allerdings gleich hinter der Lok einen Gefängniswagen eingereiht.
Sr1 der VR in Utajärvi

Das Licht war allerdings ziemlich mager, es war auch schon etwa 17:00, und da die Strecke wohl nicht mit Ausweichstellen gesegnet ist, erwarteten wir nicht, dass noch bald ein Erzzug auftauchen würde. So beschlossen wir, nach Oulu zurückzukehren und ein feines Nachtessen zu kochen.
Nach dem Besuch einer weiteren Fotostelle allerdings, auf eisbedeckter Strasse, geschah das Missgeschick des Tages: Aufgrund von, uhm, äh, "unvorsichtiger Fahrweise" habe ich es tatsächlich geschafft, das Auto halb in den Schnee neben der Strasse zu versenken, und, wie es so sein musste, brachten wir es nicht mehr raus! Alles Schnee wegkratzen, schieben, Äste und in einen nahegelegenen Schuppen gefundene Bretter unterlegen half nichts mehr. Etwas verzweifelt hielten wir die gelegentlich vorbeifahrenden Autos auf; ein älteres Ehepaar zeigte sich zwar willig zu helfen, deren Mercedes hatte allerdings so schon Mühe mit dem Eis und ein Abschleppseil war auch nicht zu finden. Einen weiteren Versuch später kam dann allerdings eine hilfsbereite Dame vorbei, die auch ein geeignetes Fahrzeug inkl. Allradantrieb und Diff-Sperre hatte, allerdings kein Abschleppseil. Glücklicherweise kannte sie jemanden in der Nähe, wo wir uns ein Seil ausleihen konnten. Nil hatte inzwischen den Haken an der Auto-Front montiert, was allerdings auch nur mit Hilfe des Handbuches ging. Dank der Hilfe brachten wir das Auto dann auch tatsächlich aus dem Schnee raus. Danach schien soweit alles ok, aber zurück auf der Hauptstrasse begann das Auto zu vibrieren, so dass wir dachten, es sei ernsthaft etwas kaputt. Bald kamen wir aber auf die Idee, dass es sich vielleicht nur um Schnee in der Felge handelt, und nach einem Stopp an einer Tankstelle (da hier nicht gesalzen wird und die Temperaturen deutlich unter Null lagen kam der Schnee leider nicht von selbst raus) um Schnee aus der Felge zu kratzen schien wieder alles soweit ok, aber so ganz sicher waren wir nicht. Wir füllten noch den Tank und erreichten dann den Supermarkt in Oulu, wo wir uns ein feines Znacht kauften, das wir dann zurück in der Hütte zubereiten und verschlingen konnten. Anschliessend gings früh ins Bett, um am nächsten morgen für die Erzzug-Suche fit zu sein.

Mittwoch, 11.3.2009
Text: Nil Bechtiger (www.bahnpics.com)
Die Welt war noch in Ordnung als wir um kurz vor 7 Uhr in unserem Haus 11D von meinem Handy geweckt wurden. Draussen war es zwar immer noch so schlecht wie die letzten Tage, aber 200km im Landesinnern konnte das schon wieder ganz anders aussehen.
Also beschlossen wir, im Gegensatz zu gestern, den Tag so durchzuziehen wie geplant, erstes Ziel war somit die Finnisch – Russische Grenze bei Vartius. Um etwa halb 8 kamen wir raus, das Navi meinte 3.5h für die Strecke, was eine Ankunft um etwa 11 bedeutete. Prima, denn um 11:15 würde ein Erzzug in Vartius von Oulu her ankommen und einer müsste Vartius kurz darauf wieder verlassen. Also egal welche Leistung das läuft, wir würden sie erwischen.
Beim ersten mal Gas geben nach der Reingug der Räder erwarteten wir gespannt... 60, 70, 80, 90... ruckeln? NEIN.. Sehr gut! War es also doch nur der Schnee, der die gefühlte Unwucht ausgelöst hat.
Wir kamen gut voran und bewegten uns gegen den Verkehrsstrom aus Oulu raus, Muhos, Utajärvi und immer weiter ging es durch die tief verschneiten und vom Gewölk verdunkelten Landschaften. Während es draussen immer kälter wurde merkte ich beim Versuch die Hupe zu betätigen, dass diese nicht funktioniert! David hat die Hupe getötet! Der Schuft ;)
Wir passierten Paltamo, ein Ort, wo ich vor zwei Jahren die schrecklichste Pizza meines Lebens gegessen habe, und just als wir die Bahnlinie sahen kam eine Dv12 mit einem kurzen leeren Holzzug daher. Wir wendeten und erlegten den Zug im Bahnhof, wo die Lok die Wagen abgestellt hatte.
Dv12 der VR in Paltamo

Weiter ging es in Richtung Russland, wir waren gut in der Zeit und kamen auf den vereisten Strassen zügig voran. Während auf der Hauptstrasse nach Kajaani eigentlich alles geräumt wurde gab man sich auf der Strasse nach Vartius nicht sonderlich viel Mühe, an vielen stellen war die Strasse noch komplett von Eis bedeckt – nicht Schnee, sondern Eis. Ohne Spikes hätte ich da nicht fahren wollen, mit kommt man aber auch mit >80km/h gut voran, auch wenn man teilweise etwas ausserhalb seiner Spur fährt um mit zwei Rädern auf dem Asphalt zu bleiben. Dank sehr sehr wenig Verkehr und keinem einzigen Dorf innerhalb von 100km war das aber kein Problem.
Unterwegs schauten wir uns noch die ein oder andere Stelle an, nur zum sicherzugehen, dass wir bei der anschliessend geplanten Verfolgung des Erzzuges keine Stelle anfahren würden welche nicht mehr geht.
Kurz vor Vartius kam sie dann, die Sonne, wie vorhergesagt, es tat auf, aus einigen blauen Fetzen wurde eine strahlend blauer Himmel, ein Traum, perfekt für einen Erzzug!
Vartius erreichten wir um kurz nach 11, und man sah schon beim heranfahren, dass der Bahnhof leer war, kein Zug war da, nicht mal abgestellte Wagen. Ob das etwas gutes oder schlechtes bedeutet war nicht so klar, aber um weitere Informationen zu erhalten müsste Personal da sein, so wusste ich es noch vom Sommer. Als wir dann aber beim Stellwerk durch die Scheiben guckten war niemand da, alle Displays waren dunkel und auch sonst war nichts los. Nur eine Lüftung dröhnte, ansonsten war totenstille, wenn nicht gerade ein Auto oder LKW gen Russland brauste. Hmm..., dass das nichts Gutes bedeutet war uns beiden sofort klar.
Wie wir so beim Auto standen und etwas ratlos mit den Schultern zuckten fuhr ein Auto ran mit zwei Bahnangestellten drin, diese schnappten wir uns und fragten mal, ob den heute kein Zug mehr kommt. Die Antwort wollten wir so eigentlich nicht hören: Nächster Zug auf der Strecke fährt erst am Freitag. WAS! Zur Erinnerung, es ist Mittwoch. Öhm, sehr suboptimal, das waren wir uns nicht gewöhnt, zu hören, dass der nächste Zug in zwei Tagen fährt.
Wir glaubten das erstmal und verdufteten, schauten auf der Rückfahrt gelegentlich an einer Stelle vorbei, wir am Abzweigbahnhof etwa 2h standen und warteten, man weiss ja nie, vielleicht kommt doch noch einer. Die Aussichtslosigkeit der Aktion war uns da noch nicht bewusst ;)
Nach 2h in der Sonne auf der Güterrampe war es uns dann zu dumm und wir fuhren für zwei P-Züge an die Strecke von Oulu nach Kajaani zurück, um heute immerhin noch etwas zu fotografieren.
Das Wetter sah nicht mehr gut aus, das blaue Loch war noch nicht so weit gen Osten vorgedrungen, so sassen wir alsbald wieder im Schatten. Doch das Loch bewegte sich auf uns zu, so dass man doch noch auf Sonne hoffen konnte.
Erster Anlaufpunkt war der Bahnhof von Kontiomäki, ein Bahnknoten etwas nördlich von Kajaani. Eine Dv12 war mit Rangierarbeiten beschäftigt, eine Sr1 stand unfotogen herum, ansonsten war nicht viel los, trotzdem gab es noch das eine oder andere Bild.
Dv12 der VR in Kontiomäki

Etwas mühsam muss es schon sein, das Rangieren mit Finnischen und Russischen Wagen, weil die Finnen sowohl Wagen mit AK als auch mit Schraubenkupplung haben, ist mir so noch gar nie aufgefallen. Die Wagen sind immer zu Gruppen formiert, dazwischen arbeitet man mit zu Adapterwagen missbrauchten Flachwagen. Der Zug bestand so am Ende des Rangiermanövers aus Wagen mit AK Kupplung, Adapterwagen, einer Wagengruppe mit Schraubenkupplung, nochmals einem Adapterwagen und nochmal ein paar AK Wagen. Grandios!
Der erste P-Zug sollte aus Oulu kommen, gen Kajaani sogar richtig im Licht, also fuhren wir mal in diese Richtung. Auf der Karte hatte es sogar noch ein paar Kringel von vor 2 Jahren, welche wir gemacht hatten; in Natura gesehen hatten wir die Strecke bis dato aber nicht. Der Abstecher nach Kajaani hat sich aber nicht gelohnt, nur Wald da, sehr unfotogen!
Das Studieren des Fahrplans von Oulu nach Kontiomäkki brachte dann einen Konflikt zu Tage, nach der Einfahrt des P-Zug von Oulu sollte ein Güterzug Kontiomäkki verlassen, was etwas suboptimal war, da die Fahrzeiten der Züge keine wirkliche Verfolgung zuliessen.
Wieder am Bahnhof zurück erledigte sich dieses Problem aber von selber, da kein Güterzug nach Oulu bereit stand, die Sr1 war aber weg und die Wagen auch, vermutlich hatte sich der Zug vorzeitig auf den Weg gemacht – Mist! Wir schossen dann den P-Zug so gut es ging im Bahnhof...
Sr1 der VR in Kontiomäki

... und machten uns dannach auf den Weg nach Mehlahti, um eine Stelle für den P-Zug nach Oulu zu beziehen, welcher um halb 5 auf dem Programm stand.
Mit exakt dem gleichen „Verfahrer“ wie vor zwei Jahren fanden wir die Stelle nach etwa 1km Fussmarsch auf einem zum Glück geräumten Weg und setzten uns ins Gras, ähh... in den Schnee.
Die Zeit zum Zug verging ohne weitere Überasschungen und sogar die Sonne hielt sich, obwohl sie so tief stand, dass das Ende des blauen Loches wieder bedrohlich nah kam.
Wie wir da so stehen kommt der Zug, ich machte meine Fotos und hörte anschliessend nur David fluchen, was den los sei? Irgendwie ist seine Kamera abgestürzt oder so, auf jeden Fall wollte sie bis zum kompletten Verlust des Stroms (Akku entfernen) kein Foto schiessen, obwohl sonst alle Funktionen zu funktionieren schienen. Merkwürdig, und gemein, das erste richtige Bild vom Urlaub (was eigentlich schon ein Armutszeugnis ist – HILFE) dank technischer Probleme verdaddelt.
Zurück bis Oulu fuhr dann David, während ich mir nebenan ein kleines Nickerchen gönnte.
Es bot sich an, dass wir in Oulu noch kurz die Brücke vor dem BW überfuhren um zu schauen was geht .. und irgendwie war keine Sr2-Dreifachtraktion da .. wie jetzt? ACH, alles Murks.
Zum Frustmampf besuchten wir anschliessend eine Gaststätte zum goldenen M ...
Am Campingplatz Eingang cancelten wir noch unsere Reservation für die letzte geplante Nacht, da wir bereits morgen hier abdüsen wollten nach Norden, genauer gesagt Kolari (was auf Finnisch übrigens „Unfall“ bedeutet, so hofften wir, dass dies kein schlechtes Omen war).
Zurück in 11D machten wir noch unser Fleisch, welches unbedingt gemacht werden musste, und suchten noch nach unserer Hupe, die wir aber nicht fanden. Auch Onkel Gugel konnte nicht weiterhelfen, ob wir die Hupe verloren haben? ;)
Kurz vor 12 gingen wir müde und enttäuscht zu Bett, ach, es hätte so schön sein können und alles hätte gepasst, blöde Wirtschaftskrise!