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Nordeuropa 2009: Abisko - Abisko (14.3. und 15.3.)

Von

Samstag, 14.3.2009
Text: David Gubler
Nils Natel erschrak mich am morgen früh um 7 Uhr. Wie üblich ignorierten wir es. Nil versuchte sogar, es auf den Boden zu werfen um weiterschlafen zu können, ohne Erfolg. Erst gegen halb acht standen wir auf und gingen zum Morgenessen, zum Glück nicht früher, denn vorher hätts noch nichts gegeben.
Im Essaal freuten wir uns erst mal über das Wetter, denn über Abisko sah es aus, als würde es ziemlich gut; über dem Torneträsk war es allerdings noch ziemlich verhangen. Wir schnappten uns etwas zu trinken und knabbern und machten bald Bekanntschaft mit einer Gruppe Schweizer, die neben uns Platz nahmen und ganz verstohlen flüsterten „das tönt doch au nach Schwiizerdütsch“...
Beim Essen holen fiel unser Blick auch auf die Strecke, wo gerade ein mit Dm3 bespannter Erzzug vorbei fuhr; ein gutes Zeichen, mussten wir doch vor kurzem noch darum bangen, dass hier überhaupt Dm3 fahren.
Nach dem Essen gings raus, wobei wir feststellten, dass sich das Wetter nicht so positiv entwickelt wie erhofft; es hatte zwar grössere Aufhellungen, aber auch immer mal wieder dichte Nebelschwaden. So fuhren wir erst mal in Richtung Kiruna, aber die langen Nebelbänke machten unsere Hoffnungen bald zunichte, so dass wir umkehrten um es im höchstgelegenen Abschnitt der Stecke zu probieren. In Vassijaure sah es aus, als käme die Sonne bald durch den Nebel, und da bald zwei Erzzüge kommen sollten blieben wir vorerst dort. Als Zeitvertreib versuchten wir Basistunnel durch aufgeschüttete Schneehaufen neben den Gleisen zu graben (ink. Porta Alpina), scheiterten aber an vereisten Schneeklumpen.
Der erste Zug kam eher unerwartet aus Kiruna, kündigte sich aber schon früh genug an, so dass wir die Seite wechseln und ein ziemlich nebliges Bild einer Dm3 neben dem Stationsgebäude machen konnten.
Dm3 der MTAB in Vassijaure

Ein paar Basistunnel-Zentimeter später kam der Gegenzug, immerhin leicht von der durchschimmernden Sonne angestrahlt, gezogen von einer IORE.
IORE der MTAB in Vassijaure

Das Wetter war allerdings nach wie vor nicht wie wir es uns wünschten und so zogen wir weiter ins Björnfjell. Das Wetter war dort zwar besser, aber teilweise noch immer Nebelverhangen und mit Wind bei -11°. Die Fotostelle war allerdings über drei Kilometer von der Strasse entfernt, aber wir hatten auch eine Stunde Zeit bis der Nachtzug nach Kiruna kommen sollte. Da es in dieser Gegend prinzipiell keine geräumten Strassen abseits der E10 zu geben schien, stellten wir das Auto auf einem nahen Parkplatz ab, packten Schneeschuhe, Kameratasche und warme Kleider ein und machten uns auf den Weg den Schneemobil- und Langlaufski-Spuren entlang. Dabei witzelten wir, dass es irgendwo einen Punkt geben müsse, an dem man ohne Schneeschuhe bis zur Hüfte einsinkt und diese dann doch montieren muss; genau dies geschah Nil dann auch nach der Überquerung der Bahnstrecke, die in diesem Bereich in einer Schutzgalerie verläuft. Da wir aber inzwischen zuviel Zeit gebraucht hatten, reichte es nicht mehr zur gewünschten Stelle nach den beiden Brücken von Sösterbekk und wir fotografierten den Nachtzug am anderen Ende der Kurve nach der Galerie.
Rc 6 der SJ zwischen Björnfjell und Sösterbekk

Danach gingen wir weiter, mässig zielstrebig zum gewünschten Hügel auf der anderen Talseite. Die beiden Brücken langen anfangs noch einigermassen in der Sonne, während sich dahinter bereits die Nebelwand auftürmte. Doch nicht nur das, die Sonne kam auch langsam von Wolken in Bedrängnis, und so war es als der erste Erzzug aus Kiruna kam, bespannt wieder mit IORE, auch nur noch knapp hell genug für ein gescheites Bild.
IORE der MTAB zwischen Katterat und Sösterbekk

Um den nächsten Erzzug, von Narvik her kommend, zu fotografieren, positionierten wir uns auf der anderen Seite des kleinen Plateaus, in der Nähe der unteren Brücke. Der Zug, bespannt mit Dm3, kam auch bald mit einer riesigen Schneestaubwolke im Schlepp.
Dm3 der MTAB zwischen Katterat und Sösterbekk

Der nächste Zug sollte ein Personenzug aus Narvik sein, den wir seitwärts fotografieren wollten. Dafür mussten wir zurück auf die andere Talseite und hinter das alte Trasse, etwas auf die Hügel hinauf. Dort erwartete uns zum ersten mal richtig eisiger Wind, der uns nach einer halben Stunde herum stehen auch spüren liess, dass es bei der Bekleidung noch ein gewisses Optimierungspotential gibt.
Während wir warteten, fuhr ein Schneemobil zu einer nahegelegenen Hütte hoch, und wie wir schon fast erwartet hatten kam der Fahrer zu uns um herauszufinden, was wir denn vor hätten. Dabei stellte sich heraus, dass er als Lokführer für CargoNet auf der Strecke Kiruna – Narvik arbeitet, quasi als Freizeitbeschäftigung mit dem Schneemobil diverse Dinge an abgelegene Hütten liefert, in diesem Fall Brennholz, und wir konnten etwas fachsimpeln. So fanden wir heraus, dass der Ausbau der ganzen Strecke für höhere Achslasten inzwischen abgeschlossen ist, dass unser Fahrplan schon den abgespeckten Verkehr berücksichtigt (normalerweise sind hier im Winter quasi stündlich Erzzüge unterwegs, laut unserem Fahrplan etwa zweistündlich), dass die Dm3 vermutlich eher später als früher ausser Dienst gestellt werden, da sie offenbar momentan in Kiruna umfangreich revidiert werden, und dass eventuell eine Sonderfahrt mit dem Ofotbahnen-Bm68 stattfindet („eventuell“ deshalb, weil er als Lokführer angefragt wurde aber absagen musste, und sich nicht sicher war, ob noch ein Lokführer gefunden werden konnte...).
Inzwischen wurde aber das Wetter immer schlechter, und von unserer seitwärts-Stelle aus war schon bald kaum die Strecke mehr auszumachen. So verschoben wir uns noch bevor der Personenzug kam über das alte Trasse zur nahegelegenen Haltestelle, von welcher aus man auf die beiden Brücken sieht. Ein paar Minuten später hatten wir dann ein ziemlich dunkles Bild dieses Zuges...
Rc 6 der SJ zwischen Katterat und Sösterbekk

... und wärmten uns kurz im Bahnhofsgebäude auf. Bevor wir gingen wollte allerdings Nil noch den Ofotbahnen-Zug abwarten, der sich auch bald mit Gehupe ankündigte, aber erst nach langer friererei auch wirklich erschien, ebenfalls im Nebel.
BM 68 der Ofotbanen zwischen Katterat und Sösterbekk

Nun hatten wir aber wirklich genug von der Kälte und dem uns schlecht gesinnten Wetter, und liefen wieder drei Kilometer zurück zum Auto. Nil wollte allerdings den Bm68 nochmals am Bahnhof Björnfjell fotografieren, doch auch dieser Ort war nicht per Auto erreichbar. So versuchten wir es zu Fuss, was sich allerdings mangels Orientierungsmöglichkeiten und da es auch sehr weit gewesen wäre nach einem knappen Kilometer als hoffnungslos heraus stellte. So fuhren wir bald zurück nach Abisko, um im Supermarkt eine neue Zahnbürste für Nil zu kaufen und uns im nahegelegenen Restaurant zu verpflegen. Zurück in der Tourist Station gabs noch eine kleine Internet-Session und dann wars auch schon wieder Zeit ins Bett zu gehen.

Sonntag, 15.3.2009
Text: Nil Bechtiger (www.bahnpics.com)
Geweckt durch die Helligkeit (nicht die Sonne), welche durch unser Fenster lutzte, wachte ich bereits um halb 7 das erste mal auf, aber nur für kurz. Um 7 Uhr war es denn aber fertig lustig, der Wecker ging wieder los und nervte in die warme Gemütlichkeit hinein.
Bis wir aufgestanden waren dauerte es dann aber nochmal 30 Minuten, Frühstück gab es ja eh nicht früher. Das war dann auch der nächste Teil in unserem Programm, das Frühstück. Wie schon gestern waren eine ganze Menge Leute am Buffet zu dieser frühen Stunde ... und das am Sonntag!
Wir mampften bis kurz nach 8 und gingen dann ins Zimmer zurück, um uns auf den Tag vorzubereiten.
Im Internet entdeckte ich dank einem Tipp noch bei der Schwedischen Infrastrukturdings Tagesaktuelle Fahrpläne für die Strecken, praktisch! Wir schauten uns den Sonntag also mal an und merkten bald, dass erst in zwei Stunden wieder was geht, also legten wir noch nochmals kurz hin.
Kurz vor halb 10 gingen wir dann los nach Solbacken, einem kleinen Bahnwärterhaus zwischen Abisko und Stordalen, um die ersten Züge zu erwischen.
Das Wetter war bescheiden bis gut, es waren zwar überall Wolken, aber das immer existente Sonnenloch von Abisko war auch heute wieder da und liess uns hoffen. Nach längerer Zeit im Schatten kamen dann aber sowohl der Nachtzug nach Narvik als auch die Dm3 mit einem leeren Erzer nach Kiruna im Schatten :(
Rc 6 der SJ zwischen Abisko und Stordalen

Dm3 der MTAB zwischen Abisko und Stordalen

Wir gingen dann durch den Schnee zurück zum Wagen um nach Stordalen zu kommen. An einer Stelle, welche ich vom Herbst 05 her noch kannte, wollten wir den Tagzug nach Luleå ablichten. Völlig vergessen ging bei diesem Vorhaben leider ein voller Erzzug, welcher uns nach erreichen der Stelle in den Rücken fuhr; so blieb es bei einem Notschuss.
Für den Personenzug meinte es aber jemand gut mit uns und wir konnten ihn in der Halbsonne erlegen, praktisch und schön!
Rc 6 der SJ zwischen Stordalen und Kaisepakte

Während dem Zeitvertreib an der Stelle merkte ich auf einmal bei einer Taschenkontrolle, dass mein Handy nicht da war wo es sein sollte ....... hmm, wo konnte es sein? Kurz die Umgebung abgesucht, erfolglos. Also war es entweder im Auto, im Zimmer oder in Solbacken... hoffentlich!
Im Auto war es nicht, in Solbacken auch nicht, obwohl ich da den ganzen Platz drei mal durchpflügt hatte, dafür lag es im Zimmer. David hat es da gesucht während ich den Schnee von Slobacken durchgegraben hatte.
Mit Handy und ganz viel Elan ging es zurück in Richtung Westen bis kurz vor Kaisepackte für einen Erzzug und einen P-Zug nach Narvik.
Die Sonne schien beim hin fahren immer mal wieder ein wenig, nicht jedoch beim Warten an der Stelle.
Bevor wir die Stelle erreichten galt es aber durch den Schnee die nahe Strecke zu erreichen, was zwar mühsam war, aber schlussendlich auch ohne Schneeschuhe klappte.
An der Stelle kam erstmal eine IORE nach Kiruna,
IORE der MTAB zwischen Stordalen und Kaisepakte

dann der P-Zug nach Narvik
Rc 6 der SJ zwischen Stordalen und Kaisepakte

und danach auf die Minute im Plan eine Dm3 mit Erzzug nach Narvik.
Dm3 der MTAB zwischen Stordalen und Kaisepakte

Merkwürdig an den P-Zügen war ja, dass diese, obwohl von der SJ geführt, eine grau/rot/weisse Lackierung hatten - Warum? Muss das Material die Farbe des Vermieters haben (kommt ja wohl immer noch von der gleichen Firma, welche auch Connex das Material zur Verfügung gestellt hatte)? Warum mischt die SJ das Rollmaterial nicht und warum muss die SJ überhaupt Loks und Wagen mieten? Gehört das vielleicht zum Vertrag?
Also keine Kritik, ich finde es nicht schlecht, die Farben sind besser als schwarz, aber etwas Abwechslung könnte nicht schaden ;)
Nach den Zügen gingen wir kurz vor 16 Uhr zurück nach Abisko und erlegen da im Bahnhof vor dem Abendessen noch den Nachtzug nach Stockholm vor dem Bahnhofsgebäude.
Rc 6 der SJ in Abisko Östra

Zu Faul selber etwas zu Kochen sassen wir wieder in das Lokal nebem dem Supermarkt und bestellten diesmal etwas anderes von der Karte, will heissen keine Burger ;)
Anschliessend, es war dunkel, ging es zurück zum Touribunker, wo ich David ein wenig von meinem Urlaub 07 sitzend vor dem Kamin erzählte ;)
Jetzt ist es gleich 10 und wir sind bald Bett-Ready, oder je nach dem auch nicht... mal schauen ;)