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Nordeuropa 2009: Abisko - Abisko (16.3. und 17.3.)

Von

Montag, 16.3.2009
Text: David Gubler
Heute wollten wir eigentlich früh aufstehen, um die Kreuzung morgens um neun in Abisko zu fotografieren. Der Blick aus dem Fenster verhiess allerdings nichts Gutes, so dass wir erst mal liegen blieben und uns erst nach neun aus dem Bett quälten. An das Morgenessen hatten wir uns inzwischen gewöhnt, es gab wie üblich Orangensaft, frisch gebackenes (oder zumindest aufgebackenes) Brot mit Butter und Konfitüre sowie Corn Flakes mit ungesüsstem Joghurt (dafür eine Ladung Zucker darauf) und Kokosnusssplitter (hmm lecker).
Das Wetter war wieder äusserst wechselhaft und der Wetterbericht sagte wieder was komplett anderes als gestern voraus (die werden wohl jeden Tag frisch gewürfelt), so blieb uns dann doch nichts anderes übrig als einfach mal raus zu gehen und zu schauen, was wohl wird. Inzwischen hatten wir leider auch den Güterzug verpasst, der heute morgen nach Narvik fuhr, wie uns der Tagesfahrplan von Banverket verriet.
Wir entschieden, unser Glück nochmal um Vassejaure zu probieren, genauer gesagt zwischen Vassejaure und Katterjak an einem See, den Nil schomal im Sommer besucht hatte. Auf der Fahrt dorthin stellten wir fest, dass es inzwischen ziemlich warm war draussen; In Abisko waren die Temperaturen gar über dem Gefrierpunkt, weiter oben allerdings nicht mehr.
Die Fotostelle war nur dank Schneeschuhen erreichbar, zum Glück aber nicht allzu weit von der Strasse entfernt. Geeignet war sie primär für Züge in Richtung Narvik, auch der Sonnenstand passte. Zu Beginn war das Wetter auch noch einigermassen gut, es gab Sonnenschein, allerdings mit ziemlich bewölktem Himmel. Bald kündigte sich der Tagzug aus Narvik an, der allerdings in der falschen Richtung kam, und die Sonne hatte sich auch gerade versteckt. Aufgrund der langen Vorwarnzeit versuchte ich mein Glück noch etwas weiter hinten, fand aber keine passende Stelle mehr; Nil erlegte ihn so gut es halt ging.
Das Wetter hellte sich wieder auf, und wenig später kam eine IORE mit leerem Zug angefahren, wieder aus der falschen Richtung, wieder ohne Sonne; das Resultat, uhm, unbefriedigend.
Nur kurz später, es schien wieder die Sonne, war der Nachtzug von vorne dran, in der richtigen Richtung. Es schien dann auch alles zu klappen, aber der Zug hätte gerade mal noch 100m vor fahren müssen, da kam wieder die unerbittliche Wolke vor die Sonne, so dass es mit viel Tele noch für sowas ähnliches wie ein Sonnenbild reichte, aber nicht so, wie wir uns das erhofft hatten.
Rc 6 der SJ zwischen Vassijaure und Katterjåkk

Nun war warten angesagt. Sonnenschein wechselte sich ab mit Bewölkung und Nebel, im Minutentakt. So warteten wir eine Stunde, ohne dass sich verkehrsmässig irgendwas getan hätte. Langsam zog es dann zu, begann zu schneien und stark zu winden, ein regelrechter Schneesturm! Wir waren zum Glück einigermassen gut verpackt und vor allem Nil vergnügte sich im Schnee.
Nach 1400 tat sich wieder was, eine IORE kämpfte sich durch das Schneetreiben in Richtung Narvik, die von Nil auch der Kuriosität halber festgehalten wurde – ich konnte keine Motivation aufbringen, die Kamera auszupacken.
Wie er gekommen ist war der Schneesturm auch wieder fertig, und die Sonne lugte wieder etwas hervor. Etwas schien von hinten zu hupen, ich hielt es aber für unmöglich, dass nach dem Erzzug schon ein anderer Zug hier war und glaubte mich getäuscht zu haben. Nil machte es schlauer und nahm die Kamera hervor, und konnte die kurz darauf erscheinende Green Cargo-Rc mit drei Güterwagen festhalten, allerdings wieder in der falschen Richtung bei zweifelhaftem Licht.
Kaum war dieser durch erschien ein ganz seltsames Teil von Vassijaure her; es war ein Wartungsfahrzeug der Banverket, womit vermutlich kontrolliert wurde, ob es keine Schneeverwehungen gab. Das Fahrzeug war auf der einen Seite mit einer grossen Bürste ausgerüstet, welche irgendwie an eine Autowaschanlage erinnert; diese wird offenbar dafür benutzt, um Weichen von Schnee zu befreien.
MTR der BV zwischen Vassijaure und Katterjåkk

Wir beide fanden das Fahrzeug interessant und knipsten es ein paar mal, aber da sich die Sonne gerade wieder versteckte war wieder nicht viel zu wollen. Wenig später kam dasselbe Fahrzeug wieder zurück, kompliziert kann der Einsatz nicht gewesen sein.
Nun war wieder ein Erzzug aus Narvik dran, diesmal mit Dm3, aber wie gesagt war an unserer Stelle für diese Richtung nicht viel zu wollen, das Resultat entsprechend bescheiden. Langsam aber sicher war auch die Sonne parallel zur Strecke und ging immer mehr auf die andere Seite, Zeit für uns eine andere Fotoposition zu suchen. Das Wetter war inzwischen wieder einigermassen schön, aber es windete sehr stark und der im letzten Schneesturm gefallene leichte Neuschnee trug dazu bei, dass ziemlich viel Schnee durch die Luft flog, was eine fast surreale Stimmung verursachte; man konnte meinen, die Hänge seien in Bewegung...
Zwischen Vassijaure und Katterjåkk

Wir aber warteten vor allem noch auf den Tagzug, der wenig später auch mit der üblichen Rc6 bespannt und nur drei Wagen lang auftachte, bei relativ spitzem halblicht an mässig geeigneter Stelle, aber besser als nichts.
Rc 6 der SJ zwischen Vassijaure und Katterjåkk

Da das Wetter aber nun nur noch schlechter zu werden schien und ich kalt hatte, machten wir uns mit sehr mässiger Ausbeute auf den Rückweg.
Wir entschieden, selbst etwas zu kochen, da wir noch Teigwaren und Sweet&Sour-Sauce hatten. Daher kauften wir uns im Supermarkt ein Pouletfleisch-Erzeugnis (genannt Chicken Nuggets) und noch etwas Sauce, so dass wir dann beide eine riesige Portion Sweet&Sour-Poulet-Nudeln hatten, was mir dann allerdings etwas zuviel war...
Nach einer Internet-Session und einem Film gings dann ab ins Bett.

Dienstag, 17.3.2009
Text: Nil Bechtiger (www.bahnpics.com)
Neuer Tag, neues Glück .. und wieder haben wir die 8 Uhr Kreuzung verpennt. Aber guten Gewissens, denn als ich um halb 8 aus dem Fenster geschaut hatte schneite es.
Um halb neun gings dann trotzdem raus, und wie schon gestern war der Himmel über dem Torneträsk wieder blau und an Schneeschauer war nicht mehr zu denken, das kannten wir ja langsam.
So gings dann zum Frühstück und als wir am Wetteranschlag vorbei kamen stutzen wir etwas, jetzt sagten die Sonne vorher für den ganzen Tag... gestern stand da noch es soll schneien! Merkwürdig, sie scheinen etwas unberechenbar, diese Wetterberichte.
Nach dem Frühstück und dem Frischmachen fuhren wir dann los, die Richtung war klar, auch wenn nicht vom Wetter sondern von uns selber bestimmt; Nach Osten sollte es gehen.
Wir wollten zu Beginn mal eine bekannte Stelle mit dem Torneträsk im Hintergrund besuchen, ich selbst war da zwar auch noch nie direkt, aber immerhin auf dem Parkplatz davor standen wir im Sommer 07 mal einige Zeit ;)
Die Stelle liegt zwischen Steinbacken und Kaisepakte, bzw. besser gesagt die Stellen, man könnnte da immer mal wieder variieren, wenn es denn genug Verkehr hätte.
Zuerst suchten wir die Stelle genau so wie ich sie im Kopf hatte und fanden sie nach einigen Minuten Fussweg durch den hüfthohen Schnee. Der Schnee ging noch, aber darunter war alles voller Felsen, was das Laufen alles andere als angenehmer machte, weil man nie wusste, worauf man beim nächsten Schritt tritt oder abrutscht.
Die Stelle wäre prima, zwei Faktoren störten uns jedoch, erstmal ein Baum, der war im Weg war und dessen Äste sich nicht wegbiegen liessen. Schlimmer war aber, dass der Beg in unserem Rücken der Sonne in maximal einer halben Stunde schon wieder den Blick auf die Strecke geklaut hätte. Da wir nicht daran glaubten, dass in dieser Zeit etwas kommen würde verliessen wir die Stelle, nachdem der Nachtzug nach Narvik durch war.
So stellten wir uns dann etwa einen Kilometer weiter hinten auf einen der nächsten Hügel und hier sah es massiv besser aus! Kein Kraut im Weg und der Berg war wieder soweit „weg“, dass die Sonne sicher für die nächsten Züge und Stunden reichen sollte.
Die Stelle war sogar zweiseitig, für Züge aus Narvik musste man einfach noch 50m gehen und unter einem Zaun durchrutschen, aber die Vorwarnzeit betrug etwa 2min, mehr als genug.
Aus irgend einem Grund hatten wir uns dann aber für die Züge nach Kiruna gestellt, also die Züge aus Kiruna nicht im Blick gehabt, und prompt zog nach wenigen Minuten eine IORE mit einem Erzzug gen Narvik. Öhm, eine Schande. Klar, etwas Frontschatten wäre auf der Lok gewesen, aber immerhin, es hätte die Sonne geschienen! Genervt über die eigene Dummheit warteten wir aber weiter und hofften auf einen Erzer von vorne, denn zumindest laut Plan war er fällig.
Das Wetter entwickelte sich prächtig, es zogen zwar immer wieder mal Fronten in unsere Richtung, aber der Berg zu unserer Linken mochte diese zu „schlucken“ und die Sonne blieb so immer schön frei vor Wolken.
Die Planzeit des Erzers ging vorüber ohne Zug, sollte es so werden wie gestern? Also Erzer kurz hinter dem P-Zug aus Narvik? Wir hofften und warteten, um 12:40 sahen wir dann in weiter ferne den IC auf uns zu rollen, also rutschten wir unter dem Zaun hindurch an die Stelle. Die Sonne schien wie schon die ganze Zeit und bescherte uns kurz vor 1 das erste Bild vom Tag.
Rc 6 der SJ zwischen Kaisepakte und Stenbacken

Ein wenig Wolken schafften es im weiterenVerlauf immer mal wieder vor die Sonne, mehrheitlich war es aber sonnig wie es sich gehört. Nur vom Erzer hinter dem IC war nichts zu sehen. Eine halbe Stunde verging, eine Ganze, und langsam hatten wir ein Problem mit dem Licht. Die Sonne drehte in den Berg rein, womit die Stelle und wir im Schatten waren.
Um 15 Uhr genau erwarteten wir den IC nach Narvik, dass es für diesen hier mit dem Licht auch nicht mehr reichen würde war vorhersehbar, also zog ich noch ein Ass aus dem Ärmel :) Unweit kannte ich noch eine Stelle, wie weit genau war uns aber nicht klar, sicher genug weit um das Auto zu nehmen. So liefen wir die 15min zum Auto und fuhren um genau halb 3 los. Weit war es dann nicht, denn etwa 2km weiter hinten erreichten wir den Parkplatz auf dem wir, so die Erinnerung von 07, parken mussten.
Dann ging es los zur Bahn, die Schneeschuhe waren schnell montiert und auf durch den Wald. Wald ist immer schlecht, den zwischen den Bäumen ist der Schnee meist nur Staub und so kam es auch vor, dass wir trotz Schneeschuhen teilweise bis zur Hüfte einsackten - Macht das Vorwärtskommen ungemein anstrengend. Irgendwann war es uns zu dumm und wir wechselten etwas runter auf den See, wo wir doch deutlich besser vorwärts kamen.
Keuchend an der Stelle angekommen war es etwa zehn vor drei und wir erwarteten den P-Zug jede Minute. Aber erstmal kam eine IORE von hinten, na prima... eine Stunde vorher und die wäre vorne super im Licht gekommen. Wir schauten der IORE und dem leeren Erzzug zu wie sie sich in Richtun Kiruna schlängelten. Und dann kam das, was zwingen geschehen musste... wir standen noch in der Sonne. Doch genau als der IC kam war nur halb bis kein Licht mehr da. Statistisch durfte das gar nicht sein, von 10 bis 15 Uhr standen wir kaum 15 Minuten im Schatten, und genau in dieser Zeit kam einer von zwei Zügen. Ich hätte Lotto spielen sollen bei meinem „Glück“ ...
Rc 6 der SJ zwischen Kaisepakte und Stenbacken

Der Verkehr war allgemein sehr mau heute, es fielen mindesten 3 Erzzüge aus, was noch doof ist, wenn man nur fünf Züge am Tag hat (inkl. jene, bei denen das Licht nicht passt...).
Der IC war durch und nach wenigen Sonnigen Minuten zog anstatt erneutes Blau eine weisse Wand auf uns zu, der nächste Schneesturm, wie gewohnt. Wir liefen also, diesmal nur über den See, zum Wagen zurück und fuhren Richtung Abisko durch den Schnee. Die Münze entschied dann, wann wir Essen gehen würden, nämlich sofort. Ein Abendessen später waren wir zurück im Zimmer und machten uns daran den Abend zu vertreiben, aber nicht den ganzen Abend.
Auf dem Programm stand noch der IC Karven, welcher um 21 Uhr in Abisko Ö zehn Minuten Pause macht - ideal zum Fotografieren. So gingen wir kurz vor neun raus und stellten uns samt Stativ in den Bahnhof von Abisko. Der Arctic Rail Express, welcher den Karven in Abisko hätte kreuzen müssen, kam uns bereits auf dem Weg zum Auto beim Touribunker entgegen.
So stellte sich der Karven in den Bahnhof und wartete zehn Minuten vergebens, weder Fahrgäste noch ein Gegenzug waren zu beobachten.
Rc 6 der SJ in Abisko Östra

Gerade als wir aufbrachen begann der nächste Schneesturm in der Gegend und der Schnee setzte sofort an, was die Rückfahrt ungemütlich machte. Nun wusste ich immerhin, wie wertvoll die bunten Fahrbahnmarkierungen sind!
Als wir auf den Parkplatz einbogen machte sich gerade ein Womo mit französischem Kennzeichen auf den Weg... ohne Spikes bei diesem Wetter raus? Mutig, würde ich nicht machen, auch wegen zahlreicher Schneeverwehungen, welche auf der Strasse jeweils anzutreffen waren.
Im Bunker zurück setzen wir uns dann noch mit eigens aus Finnland importierten Bier nach unten an den Kamin und schlugen uns die Zeit tot... war richtig gemütlich! Draussen tobte der Schneesturm weiterhin und klopfte an die Scheibe.