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Balkantour 2009 - Tag 3: Slavonski Brod - Fushë Kosovë

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Dienstag 7.7.2009: Slavonski Brod – Fushë Kosovë
(Text: Pascal Zingg; Bilder: Pascal Zingg, David Gubler)

Eine Konsultation der Wetterkarte verriet uns vor der Abfahrt, dass es Morgen in Pristina schönes Wetter sein sollte, also entschieden wir uns diesen Tag zum Transfertag zu machen. Wir checkten gegen 9:30 Uhr in Slavonski Brod aus, wobei uns der Herr an der Rezeption fragte, wo es denn hin gehen sollte. Als wir ihm sagten, dass wir in den Kosovo fahren, begriff er die Welt nicht mehr. Er gab uns dann aber noch den Tipp, dort unten die Frauen nicht zu genau zu studieren, denn die Männer seien im Kosovo sehr eifersüchtig... Dies wurde bald zum runnig gag. Nach einem kurzen Stopp bei einem Supermarkt fuhren wir auf die Autobahn. Nach ca. einer Stunde Fahrt erreichten wir die serbische Grenze in Sid. Beim Übertritt nach Serbien stellte man uns keine Steine in den Weg, so dass wir kurze Zeit später auf der serbischen Autobahn waren. Obwohl das Wetter nicht gerade berauschend war, entschieden wir uns kurz in Ruma vorbei zu schauen, schliesslich sahen wir vor einem Jahr an gleicher Stelle und etwa zur gleichen Zeit eine Titolok im Bahnhof. Wir fuhren also ab und als wir auf den Bahnhof zufuhren war da etwas Blaues. Nil meinte erst, es könnte ein blauer Container sein, es war aber tatsächlich die 666 001. Wir fuhren also kurz zum Bahnhof um zu fragen, wann denn der Zug fahren würde, allerdings liess sich niemand finden, der zuständig schien. So fuhren wir einfach mal an unsere Stelle, an der wir letztes Jahr von der Polizei vertrieben wurden, schliesslich hatten wir diesmal eine Genehmigung und damit nichts zu befürchten.
Unbekannter Ort
unsere serbische Fotogenehmigung

Es war nun aber klar, dass es dieses Mal niemanden interessierte, was wir dort machten, ausser vielleicht den einen netten Herren, der dachte, wir hätten eine Panne. Nach rund einer Stunde Warten kam dann die 666 001 mit ihren sechs Wagen. Leider war das Licht aber nur mässig brauchbar, so dass kein wirkliches Burner-Bild entstand.
Baureihe 666 der ZS zwischen Ruma und Buđanovci
Titolok 666 001 kurz hinter Ruma, leider passte das Wetter nicht

Da das Wetter aber wie gesagt mehr schlecht als recht war, fuhren wir nach dem Titobild wieder auf die Autobahn und von da immer gegen Osten. Als wir auf der Höhe des Belgrader Flughafens waren, stand plötzlich alle 200m ein Polizist. Wir fragten uns ob dies wohl wegen der Universiade sei, oder was denn genau der Grund für dieses übermässige Polizeiaufgebot sein könnte. Weiter sahen wir, dass es in der Stadt diverse Bushaltestellen auf der Autobahn gab. Nach Belgrad folgte der wahrscheinlich langweiligste Teil der Reise, schier endlos schien die Autobahn bis Nis. Einsames Highlight war dabei der Geisterfahrer, Entschuldigung Rückwärtsfahrer, den wir jenseits der Leitplanke sahen. Als wir dann endlich in Nis waren, kamen die interessanteren Strassen, wobei vor allem der Belag, weil kaputt und gammlig, interessant war. Obwohl die Strasse eine ziemliche Holperpiste war, überholten wir immer wieder LKWs, dies zeigte uns, dass wir auf dem richtigen Weg waren. Als wir an einer Tankstelle vorbei kamen, wollten wir eigentlich noch etwas tanken, nur fragten wir uns, ob wir nun den BM oder den BMB Sprit reinlassen mussten? Da wir es nicht wussten fuhren wir weiter. Etwas später fanden wir dann eine bediente Tankstelle und man füllte uns den Tank, hoffentlich mit dem richtigen Sprit. Nach der Tankstelle fuhren wir wenig später auf eine Lastwagenkolonne auf. Schnell ahnten wir, dass dies wohl der Zoll sein musste. Irgendwie war die Lage an der Grenze recht chaotisch, da fuhren alle kreuz und quer, mal überholte ein LKW einen PKW und dann passierte das umgekehrte. Dies war vor allem so, weil PKW und LKW wie überall am Zoll getrennt abgefertigt wurden, die schmale Landstrasse jedoch keine Infrastruktur dafür bot. Nach einiger Wartezeit kontrollierte man dann unsere Papiere und winkte uns weiter in Richtung des Kosovarischen Zolls. Bevor wir aber zu den Grenzern gingen, mussten wir uns noch die Versicherung fürs Auto kaufen.
Unbekannter Ort
Die Versicherungsbescheinigung für den Kosov

Wir taten dies und fuhren dann vor zum Zoll. Dort wollte man natürlich wissen, wo wir hin wollten und warum. Nach Fushë Kosovë für Ferien, war unsere Antwort. Der Grenzer wollte uns nicht so recht glauben, dass man im Kosovo einfach so Ferien machen möchte. Wir erzählten ihm deshalb, dass wir Züge fotografieren wollten, weil die speziell seien. Auf die Frage woher wir von den Zügen wussten, antworteten wir, dass wir die Infos aus dem Internet hatten. Der Grenzer schien uns unsere Geschichte zu glauben und brachte unsere Papiere ins Zollhäuschen. Dort gab es einen Zettel in den Pass, dass wir bei der UNMIK angemeldet seien. Das witzige an der Karte ist dabei, dass die UNMIK anscheinend eine Hotmail-Adresse hat, sehr seriös, wie wir finden.
Unbekannter Ort
Die Einreisekarte für den Kosovo. Auf der Rückseite steht die Kontaktadresse, eine Hotmail-Adresse! Die Karte wurde bei der Ausreise wieder eingezogen.

Im Kosovo drin waren wir dann doch etwas erstaunt, wie gut das Land aussah. Im Vergleich zu Serbien schien es tatsächlich ein bisschen weiterentwickelt zu sein. Auch die Strassen waren in einem guten Zustand. Auf dem Weg nach Pristina machten wir dann ein wenig Autonummern-Watching. Wir sahen dabei sehr viele Schweizer Nummern, was uns aber nicht weiter verwunderte. In Pristina angekommen mussten wir uns erst einmal durch den Verkehr kämpfen, ehe wir in Fushë Kosovë landeten. Beim Bahnhof fanden wir dann nach einigem Suchen auch ein Hotel. Es heisst Hotel Bali. Das Hotel ist hinter dem Bahnhof versteckt und in einer nicht sehr belebten Gegend, wir fragten uns deshalb, wie sicher wir und vor allem unser Auto in dieser Umgebung wohl sein wird. Nil hatte vorerst jedoch keine Bedenken und meldete uns für drei Nächte an. Pro Person und Nacht kostet uns das übrigens 15 Euros. Das Zimmer ist seine 15 Euros sicher wert (Anmerkung von Nil und Gubi: Zingg hatte die einzige gescheite Matratze erwischt, die Sau!) und bietet einen ausgezeichneten Blick auf den Bahnhof. Dieser Blick zeigte uns dann auch, dass gerade die 008 am rangieren war. Wir gingen also schnell zum Bahnhof rüber und wollten die Lok ablichten, sie fuhr uns allerdings gleich vor der Nase weg. Wir schauten uns dann noch am Bahnhof um, und wurden prompt von Jugendlichen angequatscht. Sie wollten wissen wo wir wohnten, und was wir hier wollten. Das kam uns doch alles recht komisch vor. Als wir zurück zum Hotel gingen, fragten wir uns, wie sicher wir hier wohl wirklich sind, wobei wir uns vor allem um das Auto sorgen machten. Als ich allerdings meinen Laptop anschmiss und einen Bericht von Michael Frick durchlass, stellte ich fest, dass er auch hier wohnte. Dies beruhigte doch ungemein. So kamen wir dann doch noch zu einer guten Nacht, in der ich von den Nohabs und dem ehemaligen VBL-Bus, welchen wir am Bahnhof sahen, träumte.
Fushë Kosovë
Ein ehemaliger VBL-Bus in Fushë Kosovë, während dem Semester seh ich solche Busse täglich ;)

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