bahnbilder.ch

Balkantour 2009 - Tag 4: Fushë Kosovë - Fushë Kosovë

Von

Mittwoch 8.7.2009: Fushë Kosovë - Fushë Kosovë
(Text: Neel Bechtiger; Fotos: Pascal Zingg, David Gubler)

Guten Morgen, guten Morgen, guten Morgen Sonnenschein... oder auch nicht, denn anstatt der besungenen gelben Kugel war um 7 Uhr beim ersten Fensterblick dichter Nebel vor uns über dem verlassenen Bahnhof Fushë Kosovë. Aha! Ein Blick zum Auto runter: Stand noch da; In die Kameratasche: Alles noch da. Wir konnten gemütlich weiter schlafen. Hatten wir uns also gestern Abend etwas zu viele Sorgen gemacht?! Wir schliefen auf jeden Fall mal weiter, und als kurz vor 9 Uhr der Nebel weg war und die Sonne lachte, standen wir auf.
Ohne Frühstück (die letzte Mahlzeit war das Frühstück in Slavonski Brod) liefen wir gleich mal rüber zum Bahnhof, um uns um die Genehmigung zu kümmern. Bereits im Vorfeld hatten wir uns per E-Mail „angemeldet“ und bekamen die Antwort, dass wir uns direkt vor Ort melden sollen. Am Bahnhof selber war wie erwartet nichts los, auch die Jugend war nicht anwesend, wohl noch im Bett, sofern vorhanden. Am Bahnsteig wurden wir vom Bahnhofsvorstand in Empfang genommen und via sein Büro, in welchem lauter Poster von Schweizer Zügen hingen, gelangten wir an den Empfang, wo man Zyrafete Berdynaj für uns rief. Zyrafete war sehr nett und stellte uns nach wenigen Minuten eine Genehmigung aus, für alles, irgendwie. Auf Nachfrage, was wir denn damit alles machen können, hiess es: wirklich alles, Eisenbahn fahren, Fotografieren, im BW, auf Strecke, in Bahnhöfen! Sehr nett und unkompliziert ging das Ganze von Statten, nicht mal unser Trinkgeld, welches wir wirklich gerne gegeben hätten, wollte sie.
Prishtinë
Unsere Genehmigung für den Kosovo. Wie man sieht, wurde sie später noch verlängert.

Sie selber war von unserem Tun sehr angetan und erzählte ganz stolz, dass sie letzte Woche in der Schweiz bei ihrer Familie war und die Eisenbahn da doch ganz anders sei. Sie entschuldigte sich sogar dafür, dass die Kosovo Railways nicht mehr zu bieten hätten... wir versicherten ihr aber, genau deswegen da seien ;) Unsere weiteren Fragen wurden dann geduldig beantwortet, Zugverkehr nach Mitrovica fand leider nicht mehr statt, ansonsten fahre alles wie im „Kursbuch“ (es handelt sich dabei um einen Flyer, der im Bahnhof auflag) abgedruckt, auch wenn dieses laut Aufdruck nur bis zum 1.7. gilt. Güterzugfahrzeiten konnten sie uns leider keine besorgen, bzw. sie wusste auch nicht, wer uns die Information geben könnte.
Mit der Genehmigung im Sack ging es ein erstes mal wieder raus. Hm, immer noch nichts los. Da der nächste Zug weit weg war zogen wir es vor, erste mal zum BW, welches etwa 500m in Richtung Süden vom Hotel entfernt war, zu spazieren. Wir liefen dabei an den „Slums“ von Pristina vorbei, die Kinder waren draussen bereits wieder am spielen und der Müllcontainer, welcher gestern Abend gebrannt hatte, war noch immer am rauchen. Ein beissender Gestank lag deswegen in der Luft, was die Anwohner jedoch offenbar wenig störte. Als erste Lok bekamen wir eine „Kennedy“ zu Gesicht, welche auf Hilfsdrehgestellen vor der Wagenhalle abgestellt war. Nebst den fehlenden Drehgestellen sah die Lok auch nicht mehr sonderlich fit aus, wird wohl als Ersatzteilspender verwendet.
JZ 661 der HK in Fushë Kosovë
Eine Kennedy (ex JZ 661) auf Hilfsdrehgestellen. Die Wagenhalle wird zwar noch benutzt, doch zeigt das Bild sehr gut, das hier alles schon mal bessere Zeiten erlebt hat.

Weiter ging es ins richtige BW, und da wurde bald auch ein Wachmann auf uns aufmerksam, aber mit der Ankündigung, eine Genehmigung zu haben, gab er sich zufrieden.
Vor dem einen Schuppen erlegten wir Kennedy 002 und dahinter Nohab 006. Diese Lok war laut Werkstatt mit einem Generatorschaden abgestellt, dieser sei in Serbien in Reparatur. Von den Serben waren die Kosovaren, wie man sich denken kann, nicht sonderlich angetan, deshalb meinte man auch, dass nicht so klar sei, wie lange die Reparatur dauern würde, denn die Serben wüssten natürlich, woher der Generator stammt.
JZ 661 der HK in Fushë Kosovë
Kennedy 002 wartet auf seinen nächsten Einsatz.

Di 3 der HK in Fushë Kosovë
Währenddessen wartet Nohab 006 auf einen neuen Generator.

Weiter standen zwischen und vor den Gebäuden Triebwagen der FS und viele Loks rum, die nicht mehr benötigt wurden und auch dementsprechend aussahen.
ALn 668 der HK in Fushë Kosovë
Ehemalige FS Triebwagen. Sie würden wohl noch laufen.

JZ 664 der HK in Fushë Kosovë
Der Lokfriedhof von Fushë Kosovë, wie man sieht ist auch hier der Krieg noch sehr presänt.

JZ 661 der HK in Fushë Kosovë
Eine weiter Reihe "Müll"

JZ 661 der HK in Fushë Kosovë
Auch sie wird nicht mehr gebraucht, im Gegensatz zu den anderen Loks auf dem Friedhof, ist die ex JZ 661 128 aber nicht eine anonyme Lok, nei es handelt sich um die Lok 001, fahren wird sie aber eher nicht mehr!

Es waren einerseits einige V60 da, viele GM-Loks, ein Franzose und hinter dem Schuppen stand noch ein SJ-Hobel. Im BW standen NOHAB 008 und 005 (die letzte Lok, die noch nicht neu lackiert wurde), sowie Kennedy 004.
Di 3 der HK in Fushë Kosovë
Ein Blick ins BW, vorne die 005 hinten die 008

Um Fahrzeiten von Güterzügen in Erfahrung zu bringen, fragten wir uns dann bis zum Depotchef durch, aber dieser konnte uns nichts sagen oder verstand unsere Frage nicht ganz. Aber für uns war das kein Problem, wir waren erstmal wieder zufrieden. Auch er wollte übrigens kein Trinkgeld, auch wenn wir ihn direkt in der Pause (um halb 11?) gestört hatten ;)
In der prallen Sonne ging es dann zurück, so dass wir gegen 11 Uhr wieder im Hotel waren. Draussen war es schon gemein heiss und wir dementsprechend total verschwitzt. Rausfahren bei dem Mittagslicht wollten wir nicht, so beschlossen wir, die folgende Züge, einer aus Han i Elzit und einer aus Pejë, im Bahnhof oder dessen direkten Umgebung erlegen. Jugendliche, die anscheinend nichts zu tun hatten und an einem Bahnhofsende sassen, veranlassten uns dann dazu, das Schauspiel der ankommenden NOHAB am anderen Ende zu geniessen. Ich hatte zwar unser gesammeltes Kleingeld in der Tasche, aber man wusste ja nie. Es wirkte schon etwas befremdlich auf uns, und die Leute konnten einem Leid tun. Nichts zu tun und wohl kaum Geld... Da einige ja bereits in der Schweiz oder in Deutschland waren, wusste man auch nicht so recht, wie gut diese auf einem zu sprechen waren, da einige ja vermutlich nicht freiwillig zurück in den Kosovo kamen.
Mit dem Zug aus Hani i Elezit kam NOHAB 007, sie zog vom Zug weg und mit einem freudig winkenden und aufs Horn drückenden Lokführer fuhr sie ins BW.
Di 3 der HK in Fushë Kosovë
Nohab 007 verlässt den etwas überdimensionierten Bahnhof von Fushë Kosovë

Da der Zug den Bahnhof erst in über einer Stunde wieder verlassen sollte, dachten wir, sie gehe ins BW und gut; wir latschten daher zurück zum Hotel. Kaum im Zimmer kam aber NOHAB 005 im alten Lack vom BW nach vorne und setzte sich vor den Zug. Hmm... also nochmal raus und den Zug im Bahnhof fotografieren, leider wegen der praktisch achsig stehenden Sonne aber nicht ideal. Wie wir da so standen kam der Bahnhofchef wieder und wollte die Genehmigung sehen, ihn interessierte wohl eher, was wir da genau für einen Zettel bekamen, als dass er uns das Fotografieren verbieten wollte. Er selber hatte uns ja am Morgen noch zur passenden Person gebracht ;)
Der Zug stand still und wir waren fertig, nun stand der Zug aus Pejë auf dem Plan. Es war zwar nur ein Triebwagen, aber bekanntlich soll man auch solche nicht verachten :)
Am besten im Licht kam der Zug beim BW in der Einfahrtskurve, so liefen wir mal dort hin. Auf dem Weg dahin sahen wir nebst dem kleinen Jungen von gestern (diesmal habe ich ihm etwas Kleingeld gegeben) auch wieder den stinkenden und noch immer rauchenden Müllcontainer ;) Der Zug, gebildet aus zwei Y1, kam pünktlich und wir erlegten ihn von einem Gebäude runter mit Minarett im Hintergrund.
Y1 der HK in Fushë Kosovë
Währenddem Neel und David den Y1 von einem der Depotgebäude runter fotografierten, stand ich etwas weiter vorne in der Einfahrt, so kamen die Y1 zuerst bei mir vorbei

Y1 der HK in Fushë Kosovë


Y1 der HK in Fushë Kosovë
Dann kamen sie bei Nil und David vorbei.

Dann war etwas Eile angesagt, wir liefen zurück zum Auto um aus der Stadt raus in Richtung Hani i Elezit zu kommen. Ziel war der Nachmittagzug mit NOHAB von Fushë Kosovë nach Hani i Elezit. Schwitzend stiegen wir ins Auto und los ging die „wilde Fahrt“ durch die Vororte von Prishtinë. Ich hatte das zweifelhafte Vergnügen, unseren Chevy zu lenken... vorbei an VBL- und Postauto-Bussen ging es bis zum zentralen Kreisverkehr (aka Möderkeisel) am Rande des Stadtzentrums, welcher dank Bauarbeiten viel mehr Verkehr verkraften musste als bei der Planung wohl vorgesehen. Irgendwie kamen wir aber durch und waren schon auf der Strasse in Richtung Skopje. Die Ausfallstrasse in diese Richtung war fertig und vierspurig, bei dem eher bescheidenen Verkehr waren Geschwindigkeiten von gegen 100km/h möglich... theoretisch zumindest. Und wieder fielen uns die sehr vielen unfertigen Bauten auf. Entweder war kein Putz auf den Fassaden oder die Gebäude befanden sich noch gänzlich im Rohbau. Auffällig waren auch die vielen neuen Tankstellen, welche im Gegensatz dazu jeweils immer fertig gebaut waren. Als sich die Spuren auf eine Spur verengten sank die Geschwindigkeit massiv, viele Trecker, LKWs und Pferdefuhrwerke verunmöglichten ein schnelles Vorwärtskommen. Dazu kam die meist kriminelle Fahrweise der Kosovaren, was die ganze Angelegenheit für gemütlliche Schweizer nicht einfacher machte.
Bis Lipjan hatten wir gefühlt genug Vorsprung vor dem Zug, um mal eine Fahrt in ein Zentrum zu wagen. Wie erwartet ging es langsam durch das Städtchen, bis wir direkt am Bahnhof landeten. Dieser machte einen netten Eindruck und sollte das erste Motiv für unseren Zug werden. Der Bahnhof war gut besucht, es warteten eine ganze Menge Leute auf den Zug. So warteten wir auf der Güterrampe vor dem Auto. Der freundliche Herr, welcher uns ein Parkticket verkaufen wollte, zog wieder ab, als wir meinten, dass wir in 5 Minuten wieder weg seien. Der Zug kam pünktlich, spuckte eine Menschenmasse aus und frass ebenso wieder eine in sich hinein. Mit lautem Getöse verliess der Zug den Bahnhof vor unserer Nase.
Di 3 der HK in Lipjan
Der nachmittägliche Regio verlässt Lipjan

Eine Verfolgung war zwar von uns geplant, ob sie von Erfolg gekrönt sein würde mochten wir aber nicht ausrechnen. Der Zug brauchte für 25 Kilometer zwar 30 Minuten, ob man mit dem Auto aber einen 50er-Schnitt erreichen würde... wohl eher nicht. Es ging schon bei der Fahrt vom Parkplatz los, die ganzen Automassen, welche vor dem Bahnübergang gewartet hatten, mussten erst mal durch, was die ersten drei Minuten kostete. Bis Ferizaj hatten wir den Zug nicht eingeholt, so fuhren wir weiter auf der Hauptstrasse und hofften, ihn weiter hinten noch zu erwischen. Die Hauptstrasse überquert die Strecke ein einziges mal über eine Strassenbrücke, und es passte! Ich dachte bei der Anfahrt noch, langsam, schauen ob was geht, falls der Zug noch nicht durch ist. Auf der Brücke schrien die Beifahrer aber „Er kommt!“. Ich hielt an, schmiss die beiden raus, fuhr weiter und wendete, um den Verkehr nicht noch weiter unnötig zu blockieren ;) Es reichte für die beiden und der Zug wurde wieder erwarten ein zweites mal nett erlegt.
Di 3 der HK zwischen Ferizaj und Gurëz
Der Regio kurz vor Gurëz

Dann brauchten wir erstmal wieder etwas Abkühlung, welche wir im nahe gelegenen Mini Market fanden. Diese Tante-Emma-Läden sind praktischerweise überall und in grosser Anzahl an den Hauptstrassen vorhanden sind. Im Geschäft wurden wir, oh Wunder, wieder sofort als Ausländer erkannt und ein anwesender Kunde kam mit uns ein wenig ins Gespräch, auch er war natürlich mal in Deutschland, wie so viele andere Leute auch. Wir konnten unsere Betriebstemperaturen mit Eis und etwas Getränk gemütlich senken und fuhren dann zur Stellensichtung mal nach Ferizaj rein. Da gab es eine sehr interessante Stadtdurchfahrt, anders kann ich es nicht beschreiben. Die Bahn ging direkt durch das Städtchen, es wurde zentimetergenau geparkt und die Bahngleise dienten mehr als Wanderweg als die stark befahrene (und viel zu schmale) Strasse nebenan. Die Fotomöglichkeiten lagen vor allem für den Vormittagszug gut, was uns im Moment nichts brachte, aber es war notiert. Weiter drehten wir noch eine Runde durch die Stadt, ehe wir zurück zur Brücke fuhren. Wir wollten da mal warten, in der Hoffnung, dass noch ein Güterzug käme, man wusste ja nie, und auf den Bildern von http://nohab-gm.de/ konnten wir erkennen, dass gegen Nachmittag gelegentlich Züge unterwegs waren. Wir standen auf die Brücke und wollten mal warten, mindestens bis zum IC aus Skopje, der in fast zwei Stunden sicher kommen würde. Genug Zeit auch für die zahlreichen Quellwolken, sich zu verflüchtigen.
Aus reiner Langweile begannen wir mal etwas die Autos zu vergleichen. Resultat: Deutlich mehr als die Hälfte konnte man als modern bezeichnen. Erstaunlich, vor allem im Gegensatz zu Serbien war dieser Anteil extrem hoch. Weiter erstaunlich war, dass in Serbien die nicht modernen Autos meist alt und Ostmarken waren, also Yugo, Skoda, Lada etc. Im Kosovo waren die „alten“ Autos aber zu 90% Deutsche Marken. VW, Mercedes, Opel, Audi... alles war vertreten. Bei den LKWs sah die Statistik etwas anders aus ;)
Während wir warteten, tauchte auf einmal ein Güterzug im Bahnhof von Gurëz auf. Es war allem Anschein nach Lok 009 der Kosovo Railways, die mit Abstand modernste Lok der Firma, eine G 1700 aus Kiel, hübsch lackiert und anscheinend wieder im Einsatz. In der aktuellsten uns bekannten Fahrzeugliste war sie als abgestellt mit Unfallschaden aufgeführt. Bevor der Zug bei uns vorbei kam wurde aber erst noch ein Waggon in ein Industriegleis rangiert. Nach 20 Minuten war dann alles fertig und der Zug zog an uns vorbei, aber leise und ohne ein Räuchlein ;(. Da hat der parallel fahrende Traktor deutlich mehr Lärm und Abgase produziert.
G1700-2 BB der HK zwischen Ferizaj und Gurëz
Das Rennen von Gurëz: Die G1700 gewann klar, obwohl der Traktor viel lauter war :)

Da bis zum IC nur noch 30 Minuten Zeit waren und wir die Stelle auch etwas seitlicher verwursten konnten, blieben wir und warteten, ohne dass wirklich etwas weiteres geschah, abgesehen davon, dass wir von den ganzen Autofahrern angeglotzt wurden. Der IC aus Skopje, mit der unverschämt langen Zuggarnitur (2 Wagen ;)), rollte mit etwa fünf Minuten Verspätung mit der erwarteten NOHAB unter uns durch.
Di 3 der HK zwischen Ferizaj und Gurëz
Nohab 005 mit dem IC aus Skopje

Eine Verfolgung schlossen wir im Vornherein aus, aber wir wollten den Leerzug vor der Stadtkullise von Pristina erlegen. Dazu mussten wir aber erstmal rein in diese Stadt, was mit Müh und Not gelang. Der grosse Kreisverkehr war wie erwartet immer noch total überlastet, wir kamen aber hinter einem LKW gut durch :) Da die Stelle mit der Kulisse gleich neben dem Kreisverkehr auf einer Strassenbücke lag, mussten wir in der direkten Umgebung parken. Ein bewachter Parkplatz lud uns geradezu ein. 2,50 Euro wollte der von uns für 30 Minuten haben, war zwar vermutlich etwa 5 mal zuviel, aber wir hatten es eilig und wir waren froh, überhaupt etwas schlaues gefunden zu haben. Auf der Brücke ging die Warterei los, doch anstatt von vorne kam der Zug erstmal von hinten und stellte sich, etwas unerwartet, an den Haltepunkt Sh. Ekon. Wir benötigten die ganze Minute Standzeit, um auf der Brücke die Strassenseite zu wechseln, relativ illegal zwischen dem Verkehr hindurch. Gerade so gelang noch das Foto vom IC.
Di 3 der HK zwischen Prishtinë und Fushë Kosovë
Der IC aus Skopje strebt der Innenstadt von Pristina zu.

Dieser fuhr dann nach hinten und blieb auf einmal stehen. Da wird doch nicht... Da ist doch nicht...? Doch, genau da war er, der „Hauptbahnhof“ von Pristina, mitten im... Nichts? Naja nicht Nichts, aber Stadtzentrum ist etwas anderes. Die Lok setzte über die Handweichen um und kam relativ bald wieder zurück.
Di 3 der HK in Prishtinë
Die Lok beim Umsetzen vor der Stadtkulisse in Pristina

Di 3 der HK in Prishtinë
Der Bahnhof von Pristina, man könnte ihn glatt übersehen, ist er doch im Vergleich zum Hochhaus rechts oder zum Palast der Jugend und des Sportes links sehr mikrig geraten.

Di 3 der HK zwischen Prishtinë und Fushë Kosovë
Der IC kehrt nach dem Umsetzen wieder zurück in Richtung Fushë Kosovë

Wir liefen zum Auto zurück und sahen am Kreisverkehr den zweiten Unfall (wir kamen inzwischen drei mal am Kreisverkehr vorbei und zweimal hats gekracht). Zwei Frauen waren sich in die Seite gefahren, da aber keine Schuld sein wollte blieben die mal mitten im Kreisel stehen ;) Am Parkplatz holten wir unseren Wagen wieder ab, der Herr grüsste freundlich, hatte Freude an uns, und wir fuhren in das Chaos hinein. Der Unfall der Frauen war aus dem Weg, mit der Polizei hat man sich an den Rand gestellt, dafür hatten sich in unserer Schlange zwei andere die Seite zerkratzt, und auch die blieben erstmal stehen. Die Quote zeigte: Der Kreisel war anfällig ;) Wir passierten ihn ohne Probleme, fuhren über die Hauptstrasse bis nach Fushë Kosovë zu unserem Hotel. Das geplante Abendessen musste aber noch etwas warten, denn die Sonne stand noch am Himmel und im BW sollten jetzt jene Loks gut im Licht stehen, welche morgens nur bedingt gut standen, z.B. Kennedy 002. Am nun wieder brennenden Müllcontainer vorbei liefen wir ins BW. Da begannen wir gleich mit der Arbeit und vergassen, uns anzumelden, was wir eigentlich in Zukunft machen wollten. Der Security-Mann verschwand aber schnell wieder, als er die Bewilligung gesehen hatte und wir machten weiter. Auf dem Weg zu den Lokleichen kam aber noch ein Chef mit dem Security im Schlepptau und wollte die Genehmigung auch noch sehen. Wir hatten zwar nicht verstanden, was die beiden miteinander diskutieren, aber als der Chef den Namen der Person auf der Bewilligung las machte er eine abschätzige Geste in Richtung Bahnhof und sagte etwas. Wir deuteten dies so, dass er mit der Arbeit der Bürolisten nicht ganz einverstanden war. Auf meine Frage „Problem?“ Reagierte er nicht und gab uns den Wisch zurück. Wir wussten zwar noch immer nicht genau was da wirklich in Albanischer Sprache stand, aber es musste genug präzise gewesen sein um auch einem alteingesessenen Chef den Wind aus den Segeln zu nehmen ;)
Di 3 der HK in Fushë Kosovë
Abendstimmung im BW F. Kosovë: Nohab 007 legt sich neben Kennedy 002 schlafen, ...

DAL 3180 der HK in Fushë Kosovë
... währenddessen rostet eine ex SJ Maschine munter vor sich hin ...

JZ 661 der HK in Fushë Kosovë
... und vor dem BW zittert und bebt die alte Lok von Rocky Tocky, tschuldigung die 001 von Fushë Kosovë.

Nach der Runde im BW liefen wir gemütlich zurück, am BÜ zwischen Lok- und Wagen-Betriebswerk quatschte uns von der Seite über zwei Gleise ein Päärchen an und fragte, ob wir Deutsche seien. Ich antwortete wie immer „Nein, Schweizer“, da kam ein Daumen nach oben als Antwort. Nett! ;) Am BÜ selber war ein uns bekannten Eisenbahner dabei mit dem Funkgerät irgendwas am hantieren, wir warteten also mal ab, denn umsonst ist der bestimmt nicht hierher gelaufen. Und tatsächlich, im allerletzten Sonnenlicht kam die uns noch fehlende NOHAB von der Pejë-Strecke bis zum BÜ gefahren, setzte um und verschwand im BW.
Di 3 der HK in Fushë Kosovë
Nohab 008 kehrt nach getaner Arbeit aus Drenas zurück.

Wir liefen zurück, kreuzen unterwegs noch einige Eisenbahner und Security, die uns alle freundlich grüssten, man scheint uns also schon langsam zu kennen. Am noch immer brennenden Müllcontainer vorbei ging es zurück zum Hotel und nach dem abladen der Ausrüstung gleich weiter, um etwas zu Essen zu suchen. Unterwegs kam uns der Junge von gestern und vom Morgen entgegen, er hob nur die Hand und ich schlug ein... der Kleine ist cool ;) Nur 500 Meter vom Bahnhof entfernt fanden wir ein nettes Lokal, welches in einem gepflegten (!!) Gartenlokal auftischte. Es gab die Albanische Spezialität des Hauses, zusammen mit einem Peja, dem besten Bier des Kosovo (so suggeriert es die Werbung ;)). Es war herrlich, und pünktlich rief der Muezzin abermals durch die Gassen zum Gebete. Das Essen war sehr günstig, für weniger als 10 Euro gab es ein reichhaltiges Menü mit viel Fleisch, Beilagen, Salat, zwei mal Bier und Kaffe zum Schluss! So günstig war bisher kein von mir bereistes Land, höchstens vielleicht noch Lettland und Litauen.

Ein wirklich erfolgreicher und sehr eindrucksvoller Tag ging nun langsam zu Ende. Wir hatten an einem Tag Kosovo schon viel erlebt, viele freundliche Menschen sind uns begegnet. Man ist uns immer respektvoll und freundlich entgegen getreten. Ich hatte einige Vorurteile abgelegt, Autofahren können die hier zwar auch nicht, aber das allgemein gültige Bild vom „Kosovaren“ hat sich so überhaupt nicht bestätigt! Jetzt um 22:30 meldet sich der Muezzin das letzte mal vom Turm runter, es wird langsam ruhig draussen. Nur der beissende Gestank von verbranntem Müll liegt noch in der Luft.

Tag 5: Fushë Kosovë - Fushë Kosovë
Tag 3: Slavonski Brod - Fushë Kosovë