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Balkantour 2009 - Tag 18: Doboj - Slavonski Brod

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Mittwoch 22.07.2009: Doboj - Slavonski Brod
(Text: Neel Bechtinger; Fotos: Pascal Zingg, David Gubler, Neel Bechtinger)

Neuer Tag, neues Glück. Vielleicht ein klein bisschen mehr als gestern? So oder so stand schon am Morgen fest, dass dies der letzte Tag in Bosnien wird. Es hätte schon etwas gröberes geschehen müssen, um diesen Plan noch zu kippen. Wir liessen es erst mal gemütlich angehen, denn der erste Zug, den wir eingeplant hatten, kam in Doboj um 9:50 an. Eigentlich wollten wir wie immer um acht aufstehen, verpennten aber und kamen so erst eine halbe Stunde später aus den Federn. Nach Frühstück und Packen verliessen wir dreiviertel Stunden später das Hotel. Rückblickend wars zusammen mit dem in Niš das beste Hotel des Urlaubs, günstig und trotzdem mit allen Schickanen.
Nun fuhren wir für den Regio raus. Wir hatten noch Zeit, eine Stelle zu finden, wussten aber nicht so genau wie viel, denn dank kyrillischem Fahrplan auf meinem Handy und dummer Karte ohne kyrillische Ortsnahmen mussten wir ziemlich raten, wann der Zug wohl wo war. In Rudanka wurden wir fündig und warteten, zum Erstaunen der anwesenden Fahrgäste, im Gebüsch auf den Zug. Dass überhaupt Fahrgäste warteten war schon mal ein gutes Zeichen, so konnten wir wenigstens davon ausgehen, dass ein Zug kommt – das Gegenteil soll es hier ja auch geben. Der Zug aus Banja Luka, mit einem grünen und einem DR-mässigen Bosnier-Wagen, kam fast pünktlich an uns vorbei gefahren.
JZ 441 der ZRS zwischen Rudanka und Grabovica


JZ 441 der ZRS in Rudanka
Der Regio aus Banja Luka in Rudanka

Als nächstes standen weitere Regios sowie das Zugpaar Zagreb – Ploce auf dem Programm. Letzteres sollte sicher kommen und hatte bestimmt eine anständige Länge. So fuhren wir weiter gegen Banja Luka und suchten eine Stelle für diese Richtung, was aufgrund der Windungen der Strecke, obwohl gegen Westen, auch am Vormittag hätte gehen müssen. Wir fanden aber keine zufriedenstellende Fotostelle, zudem fanden wir im Kursbuch noch einen Zug aus Banja Luka, der fast überall im Licht kam und in unserer Gegend kreuzen musste. Schliesslich stellten wir uns in der Gegend von Stanari auf, Pascal an einem Bahnübergang und wir direkt beim Bahnhof. Während wir warteten kam der Bahnhofsvorstand vorbei und erklärte in gebrochenem Englisch, dass die nächsten Züge die beiden Kroaten-Züge seien. Vier (!) Regios, obwohl im Fahrplan vermerkt, würden nicht verkehren. Das brachte uns ein grosses Loch in unserem Tagesprogramm ein. Während wir im Schatten vor uns hin schwitzen – das Wetter war auch heute wieder schön, aber heiss – kam unerwartet eine Fahrleitungstriebwagen-Doppeltraktion angefahren. Darin waren etwa 30 chic angezogene Männer eingepfercht. Sie interessierten sich irgendwie für die Fahrleitung und Stromversorgung, machten Fotos und legten eine Rauchpause ein. Ziemlich befremdend das Ganze :) Mit dabei waren auch zwei, die uns schon gestern Abend im Hotel aufgefallen waren, weil sie sich auf Englisch über Fahrleitungsspannung unterhielten.
Baureihe 911 der ZRS in Stanari
Auf Regios warteten wir in Stanari vergebens, dafür kamen zwei Fahrleitungstriebwagen

Weitere Unterhaltung bot der Verlad von Kohle auf LKWs in einem gleich neben dem Bahnhof gelegenen Werk. Da wir nun massig Zeit hatten, suchten wir aufs neue Stellen, diesmal für den IC nach Zagreb. Da wir nach erfolgreicher Suche immer noch sehr viel Zeit hatten, vertrieben wir uns diese mit jassen. Als der Zug bald kommen sollte, verteilten wir uns an den gefundenen Stellen. Der Zug bestand aus einer Doppeltraktion 441er mit drei Wagen, nett anzusehen das Ganze!
JZ 441 der ZRS in Ostružná


JZ 441 der ZRS zwischen Stanari und Ostružná


JZ 441 der ZRS
Der IC nach Zagreb war zu unserer Verwunderung doppelt bespannt.

Ich sammelte die beiden Buben wieder ein und wir suchten uns etwas für die Gegenrichtung. Das Licht war nun für diese Richtung aber eher mies, so suchten wir uns eine Stelle für einen Querschuss, was uns sowieso noch fehlte. Ohne wirklich zu glauben, dass wir etwas finden würden, stiessen wir zwischen Ljeskove Vode und Rakovac auf eine offene Fläche, wo man sogar erhöht stehen konnte – für einen Querschuss hervorragend geeignet! Der Zug war wiederum hübsch, diesmal mit vier Wagen und einer Lok.
JZ 441 der ZRS zwischen Ljeskove Vode und Rakovac
Der Gegenzug nach von Zagreb nach Ploce

Sehr zufrieden mit dem Bild machten wir uns auf den Weg zurück in Richtung Doboj, das nächste Ziel war Modrica. Es sollte jedoch noch ein Regio nach Banja Luka folgen, vielleicht, möglicherweise. Die Suche nach einer Stelle gestaltete sich erneut schwierig. Schliesslich entschlossen wir uns am Ortseingang von Rudanka zu stehen. Pünktlich wie die Eisenbahn kam der Drei-Wagen-Zug vorbei, wiederum mit zwei Loks, wobei die Hintere abgebügelt war.
JZ 441 der ZRS in Rudanka
Der Regio nach Banja Luka, wieder einmal mit zwei Loks

Über die Hauptstrasse fuhren wir nun weiter nach Modrica. Das nächste Ziel war der EC von Budapest nach Sarajevo, welcher neben einem Bosnier- auch einen MAV-Wagen im Zugverband hat. Die zwei Wagen waren dann aber auch schon alles. In einem Supermarkt kauften wir die kühlste auffindbare Getränkeflasche und suchten uns darauf eine Stelle. Nur wenige Kilometer hinter Modrica wurden wir fündig. Nach etwas Grünschnitt am Trassee war der Blick frei und er Zug konnte kommen. Neben dem EC war auch noch ein Regio im Plan vermerkt, und wir rechneten damit, dass dieser kommen würde, denn die Gegenleistung hatten wir unterwegs gesehen. Trotzdem kam auch dieser Zug nicht. Der EC dagegen kam, mit einer halben Stunde Verspätung, im schönsten Licht an unserer Stelle vorbei. Vor den beiden Wagen, schon wieder, eine Doppeltraktion. Was es wohl damit auf sich hatte?
JZ 441 der ZRS zwischen Modriča und Brvno
Der EC Budapest - Sarajevo zum dritten Mal an diesem Tag kam ein Zug mit zwei Loks angebraust.

Nachdem der Bauer seine Kühe an uns vorbei in den Stall getrieben hatte, ging es wieder los, für den letzten Zug des Tages und gleichzeitig letzten Bosnischen Zug für uns. Theoretisch hätte es ein netter Zug sein können, der Schnellzug von Belgrad nach Banja Luka via Doboj. Im kroatischen Kursbuch war er mit erster sowie zweiter Klasse und rollender Beiz gekennzeichnet, das musste ja ein richtig langer Zug sein! Naja, so recht daran glauben mochten wir nicht, aber zwei, drei Wagen wären schon nett gewesen.
Erst aber suchten wir, mal wieder, eine Fotostelle. Bis zum Grenzbahnhof Slavonski Samac war aber überhaupt nichts zu wollen, die ganze Strecke war erschreckend zugebuscht. Der Grenzbahnhof war aber gar nicht mal so schlecht. Dort fanden wir auch die beiden Wagen vom Regio, den wir gesehen hatten. Etwa 10 Minuten nach Plan kam die orange Front in den Bahnhof eingefahren. Kurz darauf, bei der Ausfahrt, die grosse Überraschung: Es waren nicht zwei, nicht drei, nicht vier, sondern, haltet euch fest, EIN ganzer Wagen ;) Aber damit das Verhältnis Loks zu Wagen stimmt, war diesmal immerhin nur eine Lok dran, mehr Triebfahrzeuge als Wagen durfte nun wirklich nicht sein.
JZ 441 der ZRS in Samac
Internationale Züge in Bosnien sind lang, sehr lang, manchmal sogar einen Wagen lang!

Zufrieden räumten wir unsere Sachen zusammen und fuhren nach Slavonski Brod. Ja, dort waren wir diese Ferien schon mal, und wir hatten vor, im gleichen Hotel wie vor zwei Wochen zu übernachten. Gegenüber Osijek war es zwar ein kleiner Umweg, aber wir hatten die Hotel-Sucherei satt und dort wussten wir, woran wir waren. Kurz vor der Grenze suchten wir noch sämtlichen bosnischen Mark zusammen und gingen bei einer Tanke punktgenau einkaufen. Die Verkäuferin wunderte sich etwas, dass wir nach jedem tippen neu zählen mussten und das Regal erneut durchsuchten, aber bis auf eine klitzekleine Münze sind wir alles losgeworden. Ziel-Junk-Kaufen sozusagen ;) Die Grenze zu Kroatien passierten wir ohne Probleme und bald waren wir auf der Autobahn nach Slavonski Brod. Das Hotel fanden wir schnell und erneut bekamen wir ein Luxus-Zimmer mit Ausziehbett, und einer richtig dicken Dusche :) Der Duschkopf war sowas von kuhl, hatte 10 verschiedene Sprühmodi, genau das Richtige nach einem viel zu heissen Tag. So wurde das Duschen interessant und man konnte das kühle Nass etwas länger geniessen als sonst.
Frisch geduscht und mit einem neuen Satz Klamotten gingen wir auf die Suche nach einem kleinen Snack. Dieses mal versuchten wir unser Glück bei einer Take-Away-Pizzeria. Da die aber keine Euros wollten mussten wir doch noch Kuna aus einem Automaten ziehen, die 30 Kuna oder so, die ich noch hatte, waren etwas wenig für drei Personen :)
Die Pizza schmeckte leider nach Koti Pizza in Finnland (das ist kein Kompliment), man hätte es lassen sollen, sitzen wir nun im klimatisierten Zimmer und schustern einen Plan für die Gegend um Osijek. Wir freuen uns!
Auch der Wetterbericht ist erfreulich, die nächsten sieben Tage ist super Wetter angesagt. Heiss wie Sau zwar, aber es soll schön bleiben.

Tag 19: Slavonski Brod - Subotica
Tag 17: Doboj - Doboj