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Marokko 2010 - Teil 9

Von

Text: Neel Bechtiger

[title]Freitag 12.02.2010, Casablanca - Marrakech[/title]

Es war irgendwann in der Nacht als ich aufwachte und dachte, irgend ein besoffener will bei uns rein. Dann gurgelte es aber aus dem Bad und als ich das leere Bett neben mir sah war klar, Daniel liess sich das Abendessen noch mal durch den Kopf gehen. Irgend etwas schien da nicht ganz sauber gewesen zu seinen an seinem Essen, den mir ging es gottlob noch gut.
Geplant war ein eintreffen um 7:30 bei David im Zimmer zwecks Fotografieren der Flughafen S-Bahn, wenn man schon mal Bahn blick hat. Ich stand pünktlich auf und die Sonne schien, aber nur so diffus durch die Wolken das kaum Licht auf der Landschaft war. Also legte auch ich mich wieder hin. Daniel dachte eh nicht ans aufstehen und ging etwas später zur Rückfahrt der S-Bahn um 8 rüber zu David. Es kam sogar eine blaue Altlackierte Komp (gar nicht gewusst das es so etwas noch gibt) und wir knallten sie mehr schlecht als recht aus dem Zimmer raus.
Wetter war also schon mal gut, nur, was machen wir mit Daniel? Wir wollten es mal versuchen und räumten zusammen, nachdem alles erledigt war kamen wir um etwa halb 9 raus aus dem Hotel. Frühstück war ja wie gesagt nicht im Preis inkludiert – und bei der Qualität konnten wir auch gerne darauf verzichten ;). Wir waren dann zeitlich genau so fertig, dass wir noch den nächsten Flughafenzug knipsten welcher um 40 im Flughafen eintrifft.
Es war diesmal ein ganz Neulackierte Kiste, im selben komischen Lack wie auch schon der DispoDosto durchs Land fährt.

ZM der ONCF zwischen Bouskoura und Aéroport Mohamed V
Vor dem Hotel dann nach dem Auschecken eine ZM Einheit von Casablanca zum Flughafen. Diese Lackierung ist die neuste. Dazwischen gibt es noch Fahrzeuge in der sand / roten Lackierung wie sie auch die Reisezüge mit Loks haben.

Das gute an dem Hotel ist ganz klar, wir waren keine 5min später auf der Autobahn und auf dem Weg zu unserer Fotostrecke für den Tag, die Phosphatpiste für die Züge nach Casa.
Eine erste Stelle fuhren wir gleich hinter der Autobahn Ausfahrt an, es war nichts gewaltiges aber ein blühendes Feld (der Frühling hat hier schon Einzug gehalten und der Raps blüht ebenfalls) und eine nette Fernsicht lockte uns dahin. Gesichert durch einen BÜ im Rücken verweilten wir dann am Strassenrand einige Zeit ehe uns das schlechte Wetter erreichte. Woher es genau kam war nicht klar, aber es zog ziemlich fix unsere Richtung und verschloss die letzten blauen Löcher. Der erste Zug aus der richtigen Richtung kam natürlich just zu dem Zeitpunkt und so ging das erste Foto schon mal nicht in der Sonne ab.

E 1100 der ONCF zwischen Sidi el Aïdi und Tamdrost
Vor wenigen Minuten hat diese E1100 die Hauptstrecke nach Marrakech verlassen und rollt nun mit dem leeren Phophatzug zu den Mienen. Aufgenommen zwischen den Bahnhöfen Moualine el Oued und Tamdrost.

Bei Daniel meldete sich derweil die nächste Portion Abendessen und es ging ihm zusehends schlechter. Trotzdem fuhren wir mal weiter der Strecke nach und holten den Zug sogar fast wieder ein, bis die unmögliche Strasse noch unmöglicher wurde und der Zug, welcher nur mit etwa 50km/h Verkehrt, deutlich an Vorsprung gewann.
Der war weg und wir wollten mal dem nächsten auflauern, irgendwann wird er schon kommen und spätestens der P-Zug in etwa 2.5h kommt dann ja sicher ;) Eine geeignete Kurve war schnell gefunden kurz vor Ras el Aïn und dem ansässigen Phosphatwerk. Und da sahen wir einen „GM Hintern“ welcher uns anschaute Wir schauten es uns genau an und wirklich, eine GM stand im Werk und zog kurz danach mit einem vollen Zug davon – und das obwohl noch ein alter Japaner im Werksbahnhof stand .. hm. Ansonsten ist die ONCF ziemlich darauf fixiert kein Diesel unter E-Draht einzusetzen, P-Züge werden ja auch für jeweils recht kurze Abschnitte umgespannt (Tanger – Sidi Kacem – Fes – Oujda).
Der Zug zog vorbei und wir setzten uns dann mal in die Kurve, während es sich Daniel auf der Rückbank bequem machte und zu einem Nickerchen startete. Wir warteten ewig im Schatten und starkem Wind, nichts geschah. Die Stimmung war aber klasse, in der leicht Hügeligen Landschaft in welcher die Bahn in weit geschwungenen Kurven von Tal zu Tal wechselt setzte ich mich gemütlich hin. Die sehr Tiefstehenden Wolken zogen extrem schnell und rissen immer mal wieder für kleine Momente auf und waren Spotlight in die Landschaft. Ich Sass an meinem Platz und hörte Musik ... Gary Jules. Es singt in Mad World von einer Verrückten Welt und in diesem Moment läuft ein kleines Mädchen mit einem viel zu grossen Schulranzen vorbei und winkt freudig. Sie war wohl auf dem Weg zur Schule, welche, so denn sie im nächsten Ort liegt, über 5km weit entfernt liegt. Es ist wirklich eine „Mad World“, wenn man sich überlegt um was für Dinge wir uns in Mitteleuropa sorgen. Ich versuchte in diesem Moment wieder mal dem Sinn des Lebens auf die Spur zu kommen ... erfolglos – Mad World! ;-)
Es tat sich dann mal etwas und ein Erzer von hinten rollte im totalen Schatten an … Satz mit X.
Ich wechselte dann vor zu David und zusammen warteten wir auf den P-Zug welcher bald kommen sollte. Erst kam die Sonne und dann der Zug, diesmal aber ohne den alten Generatorwagen von gestern.

E 1250 der ONCF zwischen Ras el Aïn und Moualine el Oued
Nach weiterem warten rollte dann ein neuer Japonais mit dem Zug 901 nach Khouribga an uns vorbei. Fotografiert noch immer zwischen Ras el Aïn und Moualine el Oued.

Wir liefen dann unter einem riesigen blauen Loch etwas weiter in die Kurve hinein da wir davon ausgingen, dass hinter dem Personenzug bald ein Train de Marchandise folgen wird. Wir behielten recht und nach kaum 30min Wartezeit kam ein Zug mit Franzose bei uns vorbei.

E 1350 der ONCF zwischen Ras el Aïn und Moualine el Oued
Die Sonne setzte sich immer mehr durch und wir wechselten die Position. Für ein Franzose mit einem leeren Phosphatzug zu den Minen. Zwischen Ras el Aïn und Moualine el Oued.

Daniel merkte davon nichts und schlief gemütlich im Auto, Wir stiegen da dann auch wieder ein und fuhren weiter. Unser ambitiöses Ziel war es endlich mal Züge über das Tal zu knallen und nicht immer direkt an der Lok zu stehen. Nur eine Kurve weiter hinten schien das machbar, ein BÜ führte über die Bahn und auf der anderen Talseite etwas den Hang hinauf.

Zwischen Sidi Hajjaj und Ras el Aïn
Der Weg an die Stelle war etwas beschwerlich und der Weg von der Brücke weg etwas ausgespült.

Wir fuhren so weit als möglich, liessen Daniel und das Auto stehen und liefen zum Schluss an einem kleinen Ort (eher eine Ansammlung von Lehmhütten) vorbei und stellten uns auf ein Feld. Wie man sich denken kann dauerte es keine 3min bis uns die ersten Kinder aus dem Ort entdeckten und zu uns rüber kamen. Einer konnte sogar etwas Französisch und wir versuchten uns zu Unterhalten. Er holte dann einen älteren welcher gefolgt von einem zweiten welcher auch etwas Französisch kam, aber kaum mehr als wir. Er verstand wohl was wir da machten, erkannte aber den Sinn dahinter nicht ganz. Egal, denn der Platz vor seiner Lehmbude bot einen wirklich netten Blick in beide Richtungen auf die Bahn. Kaum waren wir da kam der erste Zug, wieder ein leerer in die Berge hinein.

E 1100 der ONCF zwischen Sidi Hajjaj und Ras el Aïn
Zwischen Ras el Aïn und Moualine el Oued trauten wir uns dann mal etwas weiter weg von der Strecke. In der nähe einer Siedlung welche dann auch ein paar Leute \"ausspuckte\" um uns zu beschäftigen standen wir und warteten auf Züge. Als erstes kam ein leerer mit einer E1100 zu den Minen.

Die älteren liessen es sich natürlich nicht nehmen und wollten uns zum Tee einladen, wir lehnten danken ab. Die Situation ist wirklich nicht einfach, man weiss genau (Reiseführer sei Dank), dass die Leute es als beleidigend empfinden können, wenn eine Einladung ausgeschlagen wird – aber wir wollen den Leuten nicht zur Last fallen und ihnen nichts nehmen wovon sie selbst fast nichts haben.
Wir verdrückten uns nachdem alle weg waren etwas weiter weg und stellten uns für die Züge nach Casa. Jemand meinte es gut mit uns und schickte bald einen Zug welchen wir wieder in der Sonne kriegten.

E 1100 der ONCF zwischen Sidi Hajjaj und Ras el Aïn
Nach einiger Wartezeit, der Himmel schloss sich langsam wieder, kam dann noch ein Zug aus der Gegenrichtung, vollbeladen auf dem Weg zum Hafen.

Viel war dann mit Sonne aber nicht mehr, wir liefen mal zurück zum Auto. Mit Daniel, welcher immer noch gemütlich schlummerte und fuhren den Weg wieder zurück.. Wieder nur eine Kurve weiter hinten stellten wir uns an die Strasse und wollten wieder warten. Daniel war es egal und so beschlossen wir bis spätestens zum P-Zug zu warten, welcher in etwa 1 1/2h kommen sollte. Auf einmal kam der Schatten und er war gross, sehr gross, und so kamen zwei Züge (zum Glück von hinten) im Schatten, die beiden dafür dann aber innerhalb von 1min. Der zweite war der Japaner aus dem Werk welches wir am Morgen gesehen haben – er kroch auf dem Gegengleis wohl bis zum nächsten Bahnhof. Wir liefen dann, als es wirklich dunkel wurde, zurück zu Daniel und warteten da weiter.
Der P-Zug sollte nach unserer Rechnung etwa 30 bei uns sein, und so liefen wir gegen 20 mal los, als sich sogar ein Sonnenloch auftat. Wir witzelten schon, wenn Allah will, dass wir ein Sonnenfoto machen, dann machen wir noch ein Sonnenfoto. Wir liefen dann im Graben neben der Strecke und in der Sonne zu einem möglichen Punkt als auf einmal etwas zu dröhnen begann – Zugfahrt? Da ich aber mit einem Güterzug rechnete dachte ich, dass es noch ewig dauert bis er kommt, weil die hört man schon Minuten vorher. Als dann das Gleis auf einmal zu zischen begann und eine Lok pfiff begannen wir dann zu rennen und es reichte nicht mehr, und wir schauten dem Japaner mit dem P-Zug nur zu, wie er in der Sonne vor uns vorbei zog. Nun, wenn Allah will, dass wir kein Sonnenbild machen, dann machen wir kein Sonnenfoto. David stützte dann beim zurück laufen noch und machte sich die Hose dabei noch schmutzig - war also ein leer lauf. Ohne eile aber bestimmt fuhren wir dann zurück, Ziel war Marrakesch für heute Abend.
Im nächsten Ort aber schon, im Bahnhof, stand der P-Zug wieder und ich legte einen Zahn zu. Und Allah wollte eben doch, dass wir ein Sonnenfoto machen! ;) Mit quietschenden Reifen (öhm, oder besser schlitternd im Matsch) hielt ich an einem Karrenweg BÜ an und wir rannten zu einer Notstelle. Der Zug schleicht und steht überall rum, so kann man sich auch die sehr langen Fahrzeiten der beiden Zugpaare erklären.

E 1250 der ONCF zwischen Ras el Aïn und Moualine el Oued
Der schnelle Japonais kehrt zurück aus Khouribga, mit Zug 902 nach Casablanca. Das Foto entstand vor Moualine el Oued.

Am ersten Hauptstrassen BÜ trafen wir auf eine längere Kolonne Fahrzeuge, auf den P-Zug und auf den letzten Erzer welcher noch immer auf dem falschen Gleis aber aktuell mitten auf dem BÜ stand. Wes? Wir stellten uns mal in die Reihe und der P-Zug verdrückte sich relativ schnell, der Güterzug blieb aber stehen. Es dauerte auch nicht lange bis sich links von der stehenden Kolonne eine zweite Kolonne bildete mit all denen, die meinten so schneller ans Ziel zu kommen. Umleitungsstrecke für die Strasse gibt es nicht, und so waren wir gefangen da am BÜ, mit allen anderen. Nach etwa 45min begann dann man dann am Güterzug die Luft zu füllen was auf eine Abfahrt deutete. Als sich der Zug in Bewegung setzte stressten gleich alle Marokkaner ins Auto und begannen zu drücken und zu schieben.
Und es kam wie es kamen musste, der BÜ hob sich und auf beiden Seiten standen jeweils auf beiden Spuren Kolonnen von wartenden – dass ist ein Problem. Und es wurde gehupt, gedrückt, versucht, gedrängelt und es dauerte ewig, bis sich die vorne irgendwie organisiert haben – ein riesen Spass zum zuschauen und mithupen ;-). Als wir dann drüber waren ging es noch einmal über die ausgespülte Piste und dann direkt auf die Autobahn.

Zwischen Moualine el Oued und Tamdrost
Und dann nochmal die Hauptstrasse an der neuralgischen Stelle ... ;)

Sehr gemütlich war dann die Autobahnfahrt bis nach Marrakesch, mit 110 km/h fuhr unser Logan ruhig über die 150km bis zur Abfahrt. Ab da war es dann nicht mehr weit, nach 10km Vorstadt waren wir dann soweit, dass wir das Ibis Schild erkannten und nach einem Wendemanöver auf der Hauptstrasse waren wir da. Daniel schnappte sich das Einzelnzimmer und verabschiedete sich gleich in die Nacht und liess uns für das Abendessen alleine. Das war dann ein lösbares Problem, wenn auch nicht einfach. Lust auf die Innenstadt mit dem Auto hatten wir nicht mehr und auf das Ibis, auch nicht wirklich. Die alternative war ein Restaurant neben der Africa Tankstelle welche recht gut besucht war (im Gegensatz zum Ibis Restaurant) Das frisch Grillierte (1/2kg) Fleisch wurde aber anscheinend auf dem Grill vergessen und war etwas zähl ;) Im Hotel sitzen wir noch etwas in der Lounge und tun nicht viel ...

[title]Samstag 13.02.2010, Marrakech - Schweiz[/title]

Der letzte Urlaubstag sollte eigentlich ein gemütlicher Tag werden. Wir hatten zwei Programme zur Auswahl und wollten je nach Wetter entscheiden. Bei Sonne wollten wir noch mal etwas an die Strecke nach Norden stehen für ein paar Züge bis Mittag. Bei Wolken stand die Medina von Marrakech auf dem Programm um sich so etwas mal noch bei Tag anzuschauen. Als es aber stark regnete am Morgen nach dem Aufstehen verschoben wir die Entscheidung mal auf später … es wollte und wollte aber einfach nicht aufhören. So sassen wir im Zimmer und schauten uns die Feierlichkeiten zur Eröffnung der Olympischen Winterspiele im TV an ;)
Daniel ging es bereits besser wenn auch noch nicht ideal, was auch bei uns den Drang unbedingt etwas zu unternehmen dämpfte. Bei Regen wollten wir uns die Medina nicht ausgiebig anschauen und Fotografieren sowieso nicht … also blieben wir. Als um 10 die Check-Out Time erreicht war ging David fragen ob wir bis spätestens 14 Uhr im Zimmer bleiben könnten – und es wurde erlaubt.
Die Reinigungskräfte begannen zwar beim dritten Versuch zu klopfen irgendwann zu nerven aber wir liessen uns nicht vertreiben ;). Pünktlich um 13:30 dann räumten wir das Zimmer und fuhren doch noch in die Innenstadt. Wir Assen noch eine Kleinigkeit und begaben uns dann langsam zum Flughafen wo um 18 Uhr unser Flieger nach Basel abgehen sollte.
Auf dem Weg zum Flughafen tat es dann natürlich auf und die Sonne kam raus … was uns aber irgendwie egal war. Den Wagen gaben wir ohne Probleme ab bei der Budget und wir machten ihn auf die paar Problemchen des Autos aufmerksam ;).
Das Check-In dann dauerte eine ganze Weile, die Schlange war ziemlich lang und irgendwie wurde wie im Strassenverkehr auch schon gedrückt und gequetscht. Der Höhepunkt war dann einer der sein Fahrrad abgeben wollte und es einfach aufs Band legte. Natürlich verkeilte sich das Fahrrad dann beim ersten engen Durchgang und dann lief erstmal nichts mehr :D
Natürlich reichte es trotzdem auch für uns und nach dem Sicherheitscheck (welcher wie bei der Einreise wieder mühsam ist) standen wir am Gate. Der Flug wurde ausgerufen und wir wurden in einen alten Deutschen Stadtbus gepackt welcher dann mit offenen Türen bis zum Flugzeug fuhr ;) Im Flugzeug enterten wir dann einen 3er in den hinteren Reihen und flogen dann beengt in die EasyJet Sitze wieder in die Heimat.
In Basel reicht es dann gerade so auf den Bus welcher uns zum 23 Uhr IR brachte. Mit der ersten Nacht S-Bahn (zum Glück war Samstag) verteilten wir uns dann im Kanton … und das wars.