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Generäle und mehr 2010 - Tag 1: Schweiz - Sllatinë

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Bevor ich mit dem Bericht zu unserer diesjährigen Sommertour beginne, möchte ich noch einige einleitende Worte los werden.

Die Idee:
Ich hatte im Dezember mein Lehrerstudium beendet. Dummerweise kriegt man aber mitten im Schuljahr keinen Job. So musste ich mich ein halbes Jahr mit Stellvertretungen über Wasser halten. Irgendwann kam dann die zündende Idee, dass ich, durch die spezielle Situation, relativ viel Ferien einplanen konnte. Da ich ab Sommer eine feste Stelle habe, würde dies wohl das letzte Mal sein, dass ich so lange verreisen könnte. Blieb noch die Frage nach dem Reisepartner. Dieser war in Nil sehr schnell gefunden. So trafen wir uns im Februar um uns ein Ziel auszudenken. Mit dabei war damals auch David, er wollte immerhin während drei Wochen dabei sein. Die Frage war nun allerdings wohin. Mal wieder den Kontinent verlassen, das war die Idee. Also ab nach Amerika! Nil schlug die Westküste vor und zeigte einige Bilder von Jan. „Joa des passt“, dachten wir und suchten uns Flüge in den Westen raus. Als Destination wählten wir schliesslich Las Vegas. War noch die Frage der Dauer. "Nach vier Wochen, haste die Dieselhobel da drüben gesehen", meinte Nil. So sollten es vier Wochen Amerika sein. Nur hatte Nil sieben Wochen Ferien eingegeben, also mussten wir dies noch füllen. Da kam uns die Kosovo-Reise von Fricktours gerade richtig. Knapp zwei Wochen Balkan mit dem Kosovo als Schwerpunkt sollte der Start der Tour sein, so zu sagen das Einfuzzen. Damit waren wir auf sechs Wochen. Blieb noch die letzte Woche, diese wollten wir nach den USA wieder irgendwo in Europa verbringen. Auf Grund der Wettervorhersage entschieden wir uns schliesslich für Italien.

Der Titel:
Ihr habt euch sicher auch schon über den Titel der Tour gewundert. Der Titel entstand auf der Heimfahrt aus dem Balkan. Nil und ich überlegten uns, welcher Titel denn für die Balkan als auch für die USA-Tour passen würde. Wir erinnerten uns dabei an Jan Luckner, den wir im Kosovo getroffen hatten. Er meinte bei der Anfahrt einer Kennedy: "Hört ihr den General an der Orgel?" So war für uns klar, dass die Generäle, sprich die General Motors und die General Electrics ein prima Titel für unsere Tour waren.

Nun aber zum Bericht:
Samstag 29.5.2010: Schweiz – Sllatinë
(Text: Pascal Zingg; Fotos: Pascal Zingg, Neel Bechtiger)

Nachdem ich am Freitag meinen letzten Schultag als Stellvertreter in Schwyz hatte, konnte es am Abend endlich losgehen. Nil holte mich um 22 Uhr mit dem gemieteten Chevrolet Kalos ab. Wie immer hatten wir uns das Auto beim Ilg in Frauenfeld besorgt. Im Gegensatz zu den letzten zwei Jahren war des diesmal ein eher kleines Auto. Das richtige Laden war deshalb wichtig, denn nur so hatte auch alles Platz. Als dann doch noch alles in unserem roten Flitzer drin war, ging es los in Richtung Osten.

Unbekannter Ort
Unser roter Flitzer, mit dem wir knapp 2 Wichen unterwegs waren.

Gleich auf den ersten Kilometern fiel uns dabei der erste Mangel der Karre auf. Der Zwölf-Volt-Anschluss funktionierte nicht, so konnten wir das TomTom tagsüber nicht laden. Da wir über gutes Kartenmaterial verfügen, war dies jedoch nicht so ein grosses Problem. Wir schalteten das Navi aus und fuhren ohne seine Hilfe in Richtung Ländle und Österreich. Als wir das Fürstentum Lichtenstein erreichten, war es ca. 23 Uhr. Leider hatte um diese Zeit keine Tankstelle mehr offen, wir mussten deshalb ohne Pickerl nach Österreich einreisen. Da es auf den Autobahnraststätten in Österreich jeweils Werbung für den Verkauf des Pickerls hat, rätselten wir, ob man vielleicht erst beim verlassen der Autobahn eine Vignette braucht. Wir entschieden uns ohne Vignette auf die Autobahn zu fahren. Bei der Auffahrt auf die Arlbergstrasse in Feldkirch entdeckten wir allerdings noch eine hell erleuchtete Tankstelle. Nil drehte deshalb in der Einfahrt. Die Tanke hatte tatsächlich offen und wir kamen doch noch zum Pickerl. Kaum war das Teil angeklebt und wir auf der Autobahn, mussten wir auch wieder runter. Die Polizei machte eine Grosskontrolle. Man kontrollierte dabei kurz unsere IDs und schickte uns dann wieder auf die Reise. Bevor wir jedoch weiter fuhren, fragten wir, wies denn sei mit dem Pickerl. Der Polizist antwortete uns, dass es 120€ kostet, wenn man ohne das Kleberchen auf der Autobahn erwischt wird. Da hatten wir ja nochmals Glück.

Wieder auf der Bahn ging es hoch zum Arlberg wo wir ohne Probleme durch den Tunnel kamen. Kurz vor Innsbruck schlug bei mir dann der Sandmann zu. Ich nickte ein, währenddem Nil weiterfuhr. Er hatte nämlich am Nachmittag frei und etwas vorgeschlafen, so konnte ich mich beruhigt schlafen legen. Nil steuerte derweil durch die Nacht. Die Fahrt ging nun durchs Inntal bis Rosenheim. Dort hätte er bei strömenden Regen fast den Abzweiger nach Salzburg verpasst, erklärte er mir später. Währenddem ich noch immer schlief, gings an Salzburg vorbei den Tauern hoch. Nun erwachte auch ich allmählich wieder. Wir passierte sowohl den Tauern- wie auch den Katschbergtunnel ohne Probleme und kauften uns bei der Mautstation auch noch die Slowenen-Vignette. Dann führte uns die Fahrt durch die Karawanken. In Jesenice angekommen machten wir einen ersten Fahrerwechsel.

Es war nun halb sechs Uhr und Nil war langsam müde. Ich setzte mich ans Steuer und lenkte unsere Karre in Richtung Ljubljana und Zagreb. Wie ich feststellen konnte, war nicht nur das Auto klein, nein auch der Motor gab nicht gerade viel her. Auf einer kleinen Steigung gelang es mir, trotz durchdrücken des Gaspedals, nicht, die Karre auf mehr als 100km/h zu beschleunigen. Ich war deshalb froh, dass es bald wieder bergab ging. Nach rund einer Stunde einsamer Fahrt, erwachte Nil aus seinem Schlaf und meinte ich solle doch kurz abfahren, er müsse aufs Klo. So sind wir irgendwo hinter Nove Mesto runter um unsere Blasen zu leeren. Bei der Gelegenheit setzte sich Nil wieder ans Steuer. Er meinte ihm ginge es nun wieder besser, währenddem ich bereits mit der Müdigkeit zu kämpfen hatte.

Wie auf Schienen ging es weiter in Richtung Osten. Vorbei zog die kroatische Grenze. Mit ihr war auch das schlechte Wetter vorbei. Die nächsten Kilometer fuhren wir in der Morgensonne. Der strahlend blaue Himmel bekam erst wieder Wolken, als wir uns der serbischen Grenze näherten. Es schien, als hätten an diesem Tag nur die Kroaten Aktien fürs schöne Wetter gekauft. In nun stärker werdenden Bewölkung ging es weiter durch Belgrad. Etwas hinter Belgrad fragte ich mich, wieso ich eigentlich nasse Füsse hatte. War etwas im Fussraum ausgelaufen? Die Suche ergab, dass die Cola-Flaschen, die ich dort unten lagerte noch heile waren. Also suchte ich weiter. Schliesslich entdeckte ich unter der Fussmatte einen See. Eine Analyse der Flüssigkeit ergab, dass es sich hierbei um Wasser handelte. Ein defekter Schlauch der Klimaanlage leckte genau unter meinem Sitz. Neben dem defekten Zwölf-Volt-Anschluss war das schon die zweite kleinere Panne unserer Kiste. Wir hofften, das neben diesen Kleinigkeiten nicht noch was grösseres kommen würde.

Der See war nun allgegenwärtig. Als ich in der Gegend von Nis meinen Blick von der Fussmatte aufrichtete und in die Landschaft blickte, sah ich dort ebenfalls Wasseransammlungen. Wahrscheinlich hatte die Region in den vergangenen Tagen etwas viel Wasser abgekriegt. Da hofften wir natürlich, dass wir als Kompensation in den nächsten Tagen etwas besseres Wetter kriegen würden. Vorerst wurde dieser Wunsch jedoch nicht erflüllt, denn kaum waren wir von der Autobahn runter und auf der schlechten Strasse in Richtung Grenze in Merdare unterwegs, begann es auch schon zu regnen. Trotz des Regens und der schlechten Strasse kämpften wir uns aber auch noch die letzten Kilometer bis zum Kosovo durch. Blieben noch die Zollformalitäten in Merdare, die wir erfreulich flott abwickeln konnten. Überraschender Weise hatte sogar der Serbe ein Lächeln drauf.

Nun stand der Einreise nichts mehr im Weg und schon strebten wir Pristina entgegen. Dort angekommen, navigierten wir uns so gut es ging zum Mörderkreisel. Von diesem wars dann nur noch ein Katzensprung bis zum Bahnhof von Fushë Kosovë. Dort angekommen, erkundigten wir uns, ob denn Zyrafete Berdynaj zu gegen war. Sie arbeitete an diesem Samstag jedoch nicht. So riefen wir Michael Frick an, der mit einer Reisegruppe unten war. Er meinte, dass er mit seiner Reisegruppe auch gleich zum Bahnhof kommen würde. Schliesslich waren wir rund 20 Fotografen am Bahnhof. Gemeinsam hatten wir ein Ziel. Den Zug nach Pejë im Bahnhof zu machen. So gut es ging verteilten wir uns auf dem Gelände und schossen dann den Zug. Einziger Mangelpunkt war, dass es an der Ausfahrt keine Sonne hatte. Der Zug bestand aus drei Schlieren bespannt mit der Nummer 007.
Di 3 der HK in Fushë Kosovë
Die 007 mit ihrem Zug nach Pejë.

Die Garnitur mit Lok und Schlieren ist übrigens Standard. Im Verkehr nach Pejë verkehren nur mehr lokbespannte Züge mit zwei bis drei Schlieren. Dafür gibt es nun nach Han i Elezit zwei Triebwagenleistungen. Neben den beiden Triebwagenleistungen verkehren auch zwei lokbespannte Züge. Diese vekehren mit SJ-Wagen, die ebenfalls die neue Schlierenlackierung gekriegt haben. Bei den Loks war die 006 noch immer kaputt. Sie hat nun zwar den Trafo zurückbekommen, allerdings wurde die Lok mittlerweilen als Ersatzteilspender missbraucht. Wir fragen uns an dieser Stelle, ob man die 006 wohl jemals wieder im Betrieb sehen wird.

Kommen wir aber zurück zum Tagesgeschehen. Ein Blick auf den Fahrplan zeigte uns, dass noch der IC aus Skopje kommen sollte. Es war jedoch noch ein Stück hin bis zum Zug. Wir erkundigten uns deshalb bei Michael, wo denn das Hotel sei, das er uns gebucht hatte. Mit seiner Beschreibung machten wir uns auf den Weg in Richtung Sllatinë. Wie wir feststellen durften war nun die Piste in Richtung Flughafen fertig und konnte in einem Bruchteil der Zeit von 2009 befahren werden. Ausserdem würden uns die beiden neuen Brücken über die Bahn wohl auch neue Stellen bescheren.

Beim Hotel angekommen checkten wir kurz ein und begutachteten unser Zimmer. Dies war eigentlich in Ordnung, nur das Klo würde ich als eher kreativ bezeichnen.
Sllatinë
Unser Klo in Sllatinë. Nennen wir es einmal kreativ.

Dies war aber alles nicht so wichtig, denn nun wollten wir ja noch den Zug aus Skopje machen. Wir fuhren deshalb zum Bahnhof, wo wir mit Jan Luckner und Nico Werner zwei Kollegen von Nil aufsammelten. Zusammen gings runter nach Lipjan, wo es allerdings schon viel Schatten hatte. Wir fuhren deshalb den Weg nach Fushlot runter und stellten uns beim dortigen Haltepunkt auf. Es stellte sich dabei die Frage ob der Zug wohl im Licht kommen würde. Ziemlich viel Siff am Himmel prophezeite leider nichts Gutes. Zudem war der Zug noch verspätet. Diese Verspätung war allerdings unsere Rettung.
Di 3 der HK in Fushlot vç.
Die 005 im neuen Lack mit dem IC aus Skopje.

Tag 2: Sllatinë - Sllatinë