bahnbilder.ch

Generäle und mehr 2010 - Tag 2: Sllatinë - Sllatinë

Von

Sonntag 30.5.2010: Sllatinë – Sllatinë
(Text: Neel Bechtiger; Fotos: Pascal Zingg, Neel Bechtiger)

Da war er also der erste und der grosse Tag im Kosovo. Es stand eine Sonderfahrt an. Mit der neuen Lok 005 ging es nach Klinë und zurück. Diese Fahrt sollte das erste Highlight der Tour werden und war auch der Grund, dass wir Nacht und Tag durchgefahren sind. Sollte es sich lohnen? 
Jein, man weiss es nicht genau. Auf jeden Fall waren wir um eine wichtige Erkenntnis reicher, man kann im Klinëtal mit dem Auto deutlich mehr machen als gedacht. Es gibt wohl Abschnitte, wo man mit dem Auto nicht ran kommt, die sind aber nicht sehr fotogen, weil meist im Wald. Als nächsten Punkt hätten wir diese Strassen nur noch suchen müssen. Leider kamen wir jedoch nicht dazu.

Kommen wir aber zurück zur Sonderfahrt. Der Tag begann um 6 Uhr. Ich war, völlig atypisch für mich, bereits vorher aufgewacht und es war schon hell draussen. Der Blick auf de Uhr meinte irgendetwas mit 5 Uhr. Noch halb benommen folgerte ich, dass es gutes Wetter sein musste. Als wir um 6:10 zum Frühstück gingen, waren wir nicht die letzten. Auf dem Weg runter beobachteten wir vor einem Zimmer eine grosse Wasserlache. Eine Dusche schien zu lecken. Das Frühstück war nicht schlecht, ich selber liess es aber nach einem Kaffe gut sein und verdünnisierte mich wieder ins Zimmer. Wenig später war Abfahrtszeit, der Kleinbus, ein VW T3, samt Fahrer stand vor dem Haus bereit und brachte uns zum Bahnhof von Fushë Kosovë. Der Bus war super. Ein ex Franzose wohl, der innen auch schon bessere Zeiten erlebt hatte. Trotz der Gebrauchsspuren brachte er uns zuverlässig zum Bahnhof. 
Pünktlich zur grossen Stunde von Fushë Kosovë. Da hat sich seit dem letzten Jahr nicht viel geändert, zwischen 7 und 8 kommen jeweils Züge aus Hani und Pejë und es fahren auch wieder Züge dahin zurück. So kam es, dass sich alle Nohabs der HK, welche sich im Betrieb befinden, gleichzeitig im Bahnhof aufhielten. 
Wir stellten uns mal an die Einfahrt und warteten. Erst kam der Y1 aus Hani gut im Licht. Der Pejëzug, welchen man viel besser hörte, hatte dann leider keine Sonne mehr.
Di 3 der HK in Fushë Kosovë
Ein trüber Morgen in Fushë Kosovë. 007 fährt gerade mit drei Schlieren aus Pej!e ein.

Für die ausfahrenden Züge kletterten einige Reiseteilnehmer ganz nach oben auf den Lichtmasten. Die Ausfahrt des Hani Zuges erfolgte leider im Schatten. Vor der Abfahrt des Pejë Zuges kam die Sonne auf einmal raus. 
Leider konnte man unseren Zug nicht der 005 vom bahnsteiglosen Gleis 6 auf Gleis 4 verschieben. Nein, man musste extra noch die Gartenlaube aus dem Depot holen. Das war Schade denn, die Lok stand nun samt Wagen im Schatten des Bahnsteigdachs. Wie uns gesagt wurde, sollte der Sonderzug etwas vorziehen, so dass man ihn neben dem Pejë Zug fotografieren konnte. Leider klappte dies nicht. Der Pejë Zug war vor unserem abfahrbereit und machte sich aus dem Staub. Immerhin klappte es mit dem folgenden Leertriebwagen. Nun war die Sonne jedoch weg.

Nach dem auch noch die Gartenlaube ins Depot zurückkehrte, erklang aus dem nicht vorhandenen Lautsprecher: „Auf Gleis 4 steht bereit: Der SDZ 001 von (Computerstimme macht eine Pause) Fushë Kosovo nach (wieder eine Pause) Klinë, über Bardh, Drenas. Erste Klasse in den Sektoren B und C, zweite Klasse Sektoren B und C, der Restaurantwagen befindet sich im Sektor B. Für die Reisegruppe Frick ist in den zwei vordersten Wagen im Sektor B und C Platz reserviert. Nachdem die Türen nicht selbsttätig geschlossen hatten, pfiffen der Zugbegleiter und Lok zur Abfahrt. 
Das Wetter über Pristina war gar nicht übel. In unsere Richtung hingegen war es dunkel, sehr dunkel. So kam es, dass alle Fotohalte von Bardh bis Klinë bei schlechtem Wetter erfolgten. Es war zwar Hell, aber leider nicht sonnig. Trotz oder gerade wegen des schlechten Wetters fragten wir uns, ob es denn besser gewesen wäre mit Sonne. Schliesslich wären wir gegen das Licht gefahren.

Di 3 der HK zwischen Bardh und Drenas
Der Sonderzug bei der alten Frau, ...

Di 3 der HK in Dritan
... im Bahnhof von Dritan...

[foto:]... und kurz vor Klinë. Hier sprengten Partisanen im zweiten Weltkrieg einen deutschen Zug.

In Klinë setzte die Lok sofort um, damit wir sie neben dem Regio aus Pejë machen konnten. Anschliessend kauften wir in einem kleinen Krämerladen gleich neben dem Bahnhof etwas ein. Wieder einmal merkten wir, wie günstig es hier ist. Für 2.0l Cola, ein paar 100g Paprikiawurst, ein riesiges Brot und zwei kleine Chipstüten wurden etwas um 3 Euro fällig. Nach der guten Tat (der Laden machte wohl den Umsatz der Woche), sassen wir in den Zug, assen etwas und machten Siesta. 
Nach etwa 30min kam wieder etwas Bewegung auf. Frick wollte mit den Güterwagen noch ein wenig spielen. Der Zug wurde in Richtung Prizren rausgedrückt und machte dann eine Scheinanfahrt. Da die Sonne etwas drückte, hatten wir berechtigte Hoffnungen auf ein Sonnenbild. Wir hatten die Rechnung allerdings ohne den Wirt gemacht. Nun kam Mustafa und zeigte auf die Uhr. Wir hatten gegenüber dem Fahrplan schon 20min Verspätung. Eine solche Verspätung ist auf einer Transitstrecke, wie der Pejë Piste ein grosses Ärgernis, blockiert man doch den ganzen Regelverkehr! Um den Schaden in Grenzen zu halten, strichen wir den ersten Fotohalt. Der nächste angefahrene Punkt war erst etwas komisch, die grüne Hölle mit Tunnelportal. Ein naher Steinbruch rettete den Fotohalt. Wir liefen alle etwas zurück und schossen den Zug da. Mit etwas Glück kam es sogar zu einer Beladeszene mit einem Pneulader und einem LKW.
Die erste Scheinanfahrt auf der Rückfahrt bei einem Steinbruch.

Alle rein und schon wurde die nächste Stelle angefahren. Eine Brücke hinter einem Einschnitt mit Feld davor. Wir enterten eine kleine Wiese. Der Bauer und sein Sohn standen derweil bei ihrer Hütte und schauten verduzt aus der Wäsche.
Di 3 der HK zwischen Gurkat und Ujëmir
Mitten im Nichts präsentiert sich der Sonderzug auf einer kleinen Brücke.

Nachdem der Zug zweimal durchgefahren war gings es weiter, zu einer ähnlichen Szene.
Di 3 der HK zwischen Aqarevë und Ujëmir
Der nächste Fotohalt war mit Brücke und Tunnel.

Es folgten noch zwei Fotohalte mit Licht, einmal direkt an der Bahn und einmal etwas weiter weg.
Di 3 der HK zwischen Aqarevë und Ujëmir


Di 3 der HK zwischen Aqarevë und Ujëmir
Zwei weitere Bilder des Zuges im Tal hinter Klinë.

Dann waren wir wieder im Schmodder drin. Den nächsten Fotohalt verschlief ich deshalb. Wieder in Drenas folte eine längere Pause. Es war ein Zug aus der Mine Golesh angekündigt, der dann aber doch nicht kam.

Nach einem Schwatz mit der örtlichen Polizei ging es weiter. Die angekündigten Fotohalte auf dem Weg nach Bardh wurden gestrichen. Unten wartete nämlich schon der Minenzug auf die Kreuzung. Für uns gab es wieder eine Stunde Pause. Eine Fahrt in Richtung Flughafen war in der Wartezeit leider nicht möglich, Mustafa darf das anscheinend nicht entscheiden. Wir stellten uns deshalb für den Nachmittagszug nach Pejë. Lok 007 kam mit ihren 3 Schlieren fast im Vollicht.
Di 3 der HK zwischen Bardh und Drenas
Lok 007 bei der Ausfahrt in Bardh.

Nachdem die 005 unseren Zug aufs Streckengleis verschoben hatte, ging es endlich weiter. Nun ging es ohne Halt bis nach Obilic, das war mal nett! So kriegten wir den Zug in Obilic bei mittlerweile wieder lichteren Wolken.
Di 3 der HK in Obiliq


Di 3 der HK in Obiliq


Di 3 der HK in Obiliq
Nach der Ankunft in Obilic setzte die Lok wieder um.

Nach dem Umsetzen gings in der nötigen Gemütlichkeit zurück. Der Zug fuhr praktisch neben uns her und wir liefen immer weiter bis Mustafa und die Lokmannschaft keine Lust mehr hatten ;) Dafür kriegten wir den Zug bei Sonne und der Kulisse des alten Kraftwerks.
Di 3 der HK in Obiliq


Di 3 der HK in Obiliq
Der Sonderzug vor der Kulisse des "Alten".

Jetzt waren wir langsam aber sicher platt. Ein letztes Bild gelang noch im Bahnhof, der Zug stand am äussersten Gleis wo sonst eigentlich nie so etwas steht. Nun war die Frage, ob wir noch auf den IC aus Skopje warten sollten. Wir entschieden uns dagegen und gingen mit der Gruppe zum Essen. Die Holländer blieben indes und kriegten den Zug in der Sonne. Mit dem Bus ging über 30min bis zu dem Restaurant „Brücke“ bei Pestovo. Das ist eine nettes Speiselokal mit Lauben in einem Park, in welchem man die Brücke von Mitrovica nachgebildet hat. 
Das Essen war lecker, das Bier auch (ich durfte ja). Der Abend verlief derweil gesellig. Die Chefetage der Kosovo Railways war ebenfalls anwesend und ass munter mit. 
Zum Schluss spendierte der Gastgeber ein Gläschen Grappa, welches bei uns allen Magen etwas beruhigte. Das Essen wurde wieder pauschal durch die Anzahl Leute geteilt. Die HK Leute waren natürlich eingeladen. 
Auf der Rückfahrt gab es noch Sideseeing in Obilic. Der Busfahrer verfuhr sich und drehte eine Ehrenrunde um den Kühlturm des Neuen. Frick plauderte etwas aus dem Nähkästchen und gab uns einige Tipps für die Gegend hier. Im Hotel von den andern, dieses mit Internetz und Klimaanlage, wartete unser VW und brachte uns in unsere Bruchbude zurück ;)
Im Nachhinein gab es doch ganz ordentliche Bilder von der Fahrt – gefällt mir! 
Was für uns Fotografen etwas Schade war, es wurden immer Scheinanfahrten gemacht und ein- bis zweimal an der Stelle vorbei gerollt. Schade weil nicht selten bei der Zugsdurchfahrt nicht so viel Sonne war wie beim einsteigen oder aussteigen.


Tag 3: Sllatinë - Sllatinë
Tag 1: Schweiz - Sllatinë