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merhaba türkiye statt dobrý den, ceské - Türkeitour 2011 - Teil 1

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Oder wie Drei, die nach Tschechien wollten nach Bosnien aufbrachen, um dann in der Türkei zu landen!

Prolog

„Nein, günstiger geht’s nicht“, meint die freundliche Dame hinter dem Schalter. Und zugegeben, der Preis für einen Linienflug nach Los Angeles, den sie uns genannt hat, ist schon bemerkenswert günstig. Nil, der auf die Idee mit den USA gekommen ist, schaut aufmunternd in die Runde. Er ist ganz begeistert und würde am liebsten sofort Richtung Gate lossprinten.
Meine Gedanken schweifen ab. Wie um alles in der Welt kommen wir hier an den last minute Schalter am Flughafen in München. Eigentlich war seit dem Frühjahr doch eine Tour durch Tschechien geplant. Alles ist vorbereitet und jeder von uns dreien hat sich auf die Woche im Eisenbahnwunderland gefreut. Ein Blick nach draußen sagt alles: grau, kühl, regnerisch! Und es soll so bleiben. Vielleicht ein bisschen Wolkenlotto mit mehr als ungewissem Ausgang! Mehr aber nicht!
Nee, das hatten wir heuer schon zur Genüge. Das braucht keiner mehr. Und genau darum stehen wir hier. Gestern Nacht waren wir noch zusammengesessen. Halb Europa war im Rennen, ein Abwägen von Interessen und Wettervorhersage bestimmte die Auswahl. Irgendwann gegen Mitternacht stand fest. Es wird Bosnien! Aber weil Nil sich so in die Idee verliebt hat, schauen wir zwecks USA vorher nochmal am Flughafen vorbei.
Zurück ins Jetzt! Der Kriegsrat tagt. Das Angebot ist super, aber für eine Woche? No, too much! Nil nimmt mit „einer Träne im Auge“ Abschied von seiner Idee und wir sitzen in Gedanken schon im Auto nach Bosnien. Nur nochmal am Schalter gefragt: „Wie siehts mit Türkei aus?“. Hatte Pascal die Tage als Option mal so in die Runde geworfen, war aber gestern Abend aus diversen Gründen aus den Überlegungen gefallen.
Die nette Dame sucht, fördert erst Istanbul und Ankara zu Tage, was uns nicht so überzeugen kann. Dann meint sie fast beiläufig, sie hätte noch was nach Kapadokien. Hm, so grob kann ichs in Gedanken auf der türkischen Landkarte einordnen, aber welcher Flughafen ist das genau? Nach zweimal nachfragen fördert sie die Antwort „Kayseri“ zu Tage. Bei Pascal und mir machts gleichzeitig „klick“. Nil blickt uns verwundert an, lässt sich begeistern und dann geht alles ganz schnell! Man ist ja flexibel :-) !
Gedanklich auf Türkei umgeswitched, Flug gebucht, Gepäck aus Auto, Einchecken, Karten und Wörterbuch besorgen. Ich parke mein Auto auf einen Außenparkplatz um. Statt einer Woche Balkanstraße, Erholung am Touristenparkplatz! Derweil haben die anderen schon via Internet eine Unterkunft für die erste Nacht organisiert. Und schon sitzen wir im Flieger. Spätestens als wir nach 20 Minuten Steigflug die Wolkendecke endlich verlassen haben denke ich: „Alles richtig gemacht!“
Unser Pilot hats scheinbar eilig. So kommen wir etwas früher in Kayseri an. Gut so, denn der „Komfort a la Touristenbomber“ lud nicht zum längeren Verweilen ein. Auch das kärgliche Wrap und die Cola zum selber zahlen sind schon etwas gewöhnungsbedürftig. Dafür gabs schon türkischen Flair satt. Um uns rum lauter „Ferienflieger“ die ihrer Heimat einen Besuch abstatten. Die Passkontrolle zieht sich etwas und auch mit dem Leihauto, von einem ortsansässigen türkischen Vermieter, dauert es. So kommen wir erst bei Dunkelheit im Hotel an. Ein IBIS direkt an der Eisenbahn nach Osten. Die Zimmer sind super, die Nacht ist lau und wir bekommen sogar noch etwas zum Essen auf der Terrasse. Und nachdem laut trötend und grollend auch noch eine GM an uns vorbei zieht, sind wir aufs Beste auf die kommende Woche eingestimmt.

Montag, 08.08.2011

Die Lage des Hotels ist ideal. Gleich hinter dem Parkplatz geht die Strecke Kayseri – Sivas vorbei. So liegt auch beim Frühstück die Kamera bereits parat. Aus den wenigen, spärlichen Unterlagen die wir uns vorab besorgt haben wissen wir, dass kurz nach 9.00 Uhr ein Ekspresi nach Osten fahren soll. Denn wollen wir gleich hinter dem Hotel ablichten. Vorher geht’s aber erstmal zur Tankstelle, der Reservereifen ist nämlich platt, und zum Bahnhof. Allgemeiner Rundblick und Informationsbeschaffung. Hier gibt’s dann auch die ersten Sichtungen (gründe KM-Lok, rote GM), das erste Eisenbahnbild (verstohlen mit dem Handy) und die ersten Fragen. Laut abfotografiertem Fahrplan fährt der Ekspresi nämlich 9.14 Uhr. Was solls? 10 Minuten hin oder her. Nil beschäftigt viel mehr, dass eine halbe Stunde vor Abfahrt keinerlei Reisende am Bahnsteig stehen!
Wir fahren raus zum Hotel, beziehen Position und warten, warten, warten! Die beiden Varianten der Abfahrtszeit sind nämlich schon längst rum und nichts ist passiert. Halt, jetzt fängt der Bahnübergang an zu läuten. Wir registrieren es und machen uns bereit. Die Autofahrer scheint es hingegen kalt zu lassen, sie passieren weiterhin vierspurig den Übergang. Und siehe da, nach knapp fünf Minuten herrscht wieder Ruhe und wir schauen uns fragend an. Dieses Spiel geht in den nächsten zwei Stunden noch mehrmals so und wir kommen uns langsam veräppelt vor. So, der Ekspresi bekommt jetzt noch 20 Minuten, ist er dann nicht da, fahren wir! O.k. fünf gibt’s noch drauf! Und siehe da, der nächste Kontrollgang vor zur Strecke zeigt endlich Licht am Ende des Tunnels oder besser Rot am Ende der Gerade.
DE 22 015 der TCDD in Kayseri

Ganz am Ende der Geraden, im Bereich des Bahnhofs von Kayseri, zeigt sich ein roter Hoffnungsschimmer.

DE 22 015 der TCDD in Kayseri

Endlich, das erste Bild ist im Kasten! GE22 015 beschleunigt den Güney-Ekspresi laut röhrend aus Kayseri heraus.


Wir wollen schauen, dass wir den Zug nochmal auf der Strecke erwischen. Also ab ins Auto und hinterher. Erst müssen wir aber ein Stück Richtung Flughafen fahren, um den Fahrbahnteiler zu umrunden. Also einmal über den Bahnübergang mit Blick nach links Richtung Bahnhof: Halt, da steht jetzt plötzlich etwas weißes! DE33? Ich fahre bis zur nächsten Ampel, dann zurück, Blick nun nach rechts: Das weiße ist plötzlich verschattet! Das heißt, es fährt und ist jetzt unter der Bahnhofsbrücke. Ich geb meinen Verdacht an die anderen weiter: Hey, da kommt ein Güterzug hinterher! Super, was nun? Die Entscheidung wird uns abgenommen. Während wir am nächsten Kreisverkehr stehen, schiebt sich in einer Lücke die Schnauze einer DE33 vorbei. Bei uns wird’s grün und ab geht’s.
Es zieht sich bis wir endlich aus Kayseri raus sind. Jede Menge Ampeln. So holen wir den Ekspressi auch erst hinter Büyüktuzisar ein. Dort biegt die Strecke Richtung Norden von der Straße ab, um sie bei Yeniçubuk wieder zu erreichen. Hier dreht sie auch wieder richtig ins Licht. Soweit der Plan. Die Türken sind aber in Sachen Straßen derzeit ein sehr baufreudiges Volks. So quälen wir uns über Kilometer durch Baustellen und auch wenn ich diese nach meinem Dafürhalten recht sportlich nehme, verlieren wir wertvolle Zeit. Zu allem Übel versteh ich noch eine Ansage zum Abbiegen von Nil falsch und im Ort geht’s aufgrund von Bauarbeiten auch nur über Feldwege. Und so naht, während Nil das knabbernde Geräusch des kleinen Zeitfraßes imitiert, das Unheil! Als wir gerade wieder auf der Hauptstraße sind, zieht der Ekspresi an uns vorbei. Stimmung……für den Moment etwas abgekühlt würde ich sagen!
Aber es müsste ja noch der Güterzug folgen. Also nicht lang getrauert und Fotostelle gesucht. Wenige km weiter, kurz vor Tekmen, finden wir eine schöne S-Kurve. Und es dauert auch nicht lange und der Güterzug, sogar mit Doppelbespannung, kommt ums Eck gedröhnt.

DE 33 051 der TCDD in Tekmen

Die „amerikanisch-französische‘“ Kooperation in Form von DE33 051 und DE24 416 zieht kurz hinter Tekmen an uns vorbei.


Baureihe DE33000 der TCDD zwischen Yeniçubuk und Yahyali

Pascal stand etwas höher am Hang. Hier seine Perspektive.


Das hat ja diesmal super gepasst. Zufrieden geht’s zurück zum Auto und ich flachse rum, dass wir jetzt eigentlich wieder heimfliegen könnten, hätten wir doch bereits Bilder mit allen Streckendieselloks die es in dieser Ecke (und fast in der ganzen Türkei) so gibt im Kasten. Auf dem Rückweg kommt aus Richtung Kayseri noch eine Gleisbaumaschine gefahren. Allgemeines freundliches Winken setzt ein. Jetzt erst mal Fenster auf und dann Karte befragen: Was nun? Option eins weiter ins Tal hinein? Dazu ist die „Kartenlage“ und die Aussage des Navis zu schwammig. Also weiter Richtung Tagesziel Sivas. Auf der Rückfahrt nach Yeniçubuk sehen wir eine schöne Steinbrücke. Mensch das wär doch was. Jetzt noch ein Zug dazu, so wie der, der gerade um die Kurve kommt. Mist!
Umgedreht und hinterher! Sinnlos, der Güterzug, gezogen von einer DE24 ist einfach zu schnell. Also nach einem km wieder wenden: Wir fahren über die Hauptstraße Richtung Kayseri nach Büyüktuzisar. Da sollte auch vom Licht her was gehen. Gesagt getan und schon kommt der nächste Güterzug entgegen. Ja hallo, was geht den hier ab. Dann haben wir ja zwei Optionen! Während ich ganz begeistert bin schauen die anderen etwas sparsam. Diese DE24 läuft nämlich „verkehrt herum“, sprich mit der langen Schnauze nach vorne.
Am Bahnhof Yeniçubuk am Bahnübergang müssen wir warten. Gerade rangiert die Baumaschine um und der Güterzug mit der Doppelbespannung steht noch da. Hier muss es in der letzten halben Stunde ja ordentlich zugegangen sein. Auch bei uns wird „rangiert“. Da Nil meinte, er an meiner Stelle hätte die Baustellen auf der Herfahrt noch etwas „türkischer“ hinter sich gebracht als ich, überlass ich ihm das Steuer. Flott geht’s nun nach Büyüktuzisar und wir machen uns auf die Stellensuche. Fündig werden wir am Ortseingang, am Ausgang einer langgezogenen Rampe. Nicht lange müssen wir warten und unser erster Güterzug erscheint unten in der Ebene. Bis er aber bei uns „oben“ ist, vergeht fast eine Ewigkeit.

DE 24 189 der TCDD in Büyüktuzisar

Mit brüllendem Motor schleicht DE24 189 über die Steigung von Büyüktuzisar herauf.


Während wir noch auf den Zug gewartet hatten, meinten Pascal und Nil, dass sie diesen gerne verfolgen und dafür auch den zweiten sausen lassen würden. Schließlich läuft an dem die Maschine ja „falsch“! Da ich das als nicht soooo schlimm ansehe, aber für ein Foto in diesem Fall eine Stelle zum Querschießen gut ist, wollte ich bleiben. So versorgte ich mich mit genügend Wasser und blieb, während die anderen sich auf machten. Lange brauchte ich nicht zu warten, da machte sich der zweite Güterzug schon laut und deutlich in der Rampe bemerkbar.

DE 24 406 der TCDD in Büyüktuzisar

Auch DE24 406 quält sich mit ihrem nicht minder schweren Güterzug langsam die Rampe herauf.


So, Bild im Kasten! Zwei Güterzüge so knapp hintereinander ist schon toll und mehr als ich zu hoffen gewagt hätte. Für mich stellte sich nun die Frage was ich mache, bis mich die anderen wieder abholen würden. An die 40°Grad und kein Schatten macht auf Dauer auch keinen Spaß. Also mal ab Richtung Ort. Da hats Bäume. Doch halt! Was ist das? Noch ein Zug? Ich hatte in der Ebene doch gar nichts gesehen! Ne, ist bestimmt ein Traktor, oder? Nein, eindeutig ein Zug! Und tatsächlich…

DE 24 374 der TCDD in Büyüktuzisar

Aller guten Dinge sind drei! DE24 374 komplettiert den „Güterzugnachmittag‘“ bei Büyüktuzisar.


Super! Das war doch mal eine Ausbeute. Bisschen doof nur, dass ich jetzt drei fast identische Bilder von nahezu dem gleichen Standort habe. Aber so etwas nennt man wohl Luxusproblem :-) !
Schnell die anderen per Handy informiert, bei denen war noch nicht mal der erste …. „Super, das kann ja dauern bis die mich abholen!“ …. und dann Richtung Büyüktuzisar marschiert. Sollte jetzt noch etwas kommen, dann hab ich wenigstens ein anderes Motiv. Außerdem kühlt der Fahrwind beim Gehen :-) . Unterwegs gabs einen Steppenbrand weit oben am Hang links von mir zu bewundern und einen Kleintransporter voller Türken, die MICH nach dem Weg fragten :-) . Zudem narrte mich noch der letzte Güterzug. Ich dachte schon, jetzt gibt’s noch ne vierte Zugfahrt. Da merkte ich, dass es der letzte war, der nach gut 20 Minuten, noch sichtbar, nur wenige Kilometer weiter schon wieder in der nächsten Rampe hing. Ich fand auf meinem Weg zwar Schatten und viele fragende Blicke, aber kein Motiv mehr. Nicht schlimm, es kam auch kein Zug. Nach rund 5 km war ich dann am Bahnübergang im Ort selbst und hab dort im Schatten aufs Abholkommando gewartet.

Pascal und Nil hatten zwischenzeitlich noch folgende Fotos schießen können:


Langsam krochen die Güterzüge auf der steigungsreichen Strecke dahin. So konnten die beiden anderen sogar den ersten Güterzug mühelos ein- und überholen. Hier ein Bild von Nil, kurz vor Kayseri.



Nach meinem zwischenzeitlichen Alarm per Handy verschoben sich Nil und Pascal nochmal entlang der Strecke. So konnte Nil den dritten Güterzug mit DE24 406 vor dem Landstraßen Motiv ablichten. Im HIntergrund die Rauchwolken des Steppenbrandes. Dort irgendwo lief ich zu der Zeit gerade durch die glühende Nachmittagshitze :-)


Nach einigem Warten waren sie dann bei mir und es ging nun endgültig Richtung Sivas. Letztes Ziel sollte ein Ekspresi aus Osten sein. So in der Gegend von Şarkışla wollen wir in Position gehen. Als wir noch nach einem Fotopunkt suchen, Pascal war mittlerweile wieder wach, kommt uns eine DE33 mit Güterzug entgegen. Hey super, noch ein Zug. Schnell zurück zu einer Brücke vor dem Ort. Auch Nil blickt nun aus verschlafenen Augen wieder in die Welt. Die Brücke ist als Platz o.k. und wir warten. Erst skeptisch von Bauern beäugt die neben uns Heuballen aufladen, dann freundlich begrüßt. Schön! Einzig, es lässt sich keiner der beiden Züge blicken. Als die Sonne hinterm Horizont verschwunden ist brechen wir ab und auf. Mist! Aber das tut dem tollen Eindruck vom Tag keinen Abbruch! Wäre halt noch das Sahnehäubchen gewesen. Durch die schnell hereinbrechende Nacht geht’s nach Sivas. Unterwegs kommt uns, mit geschätzten +120 min. der Ekspresi entgegen. 2 Stunden sind es etwa nach Sivas, die wir gut hinter uns bringen. Meine beiden Mitfahrer sind wieder eingeschlafen und ich räche mich nach einer Weile und mache zur Unterhaltung das Radio an. Türkische Musik holt sie wieder zurück in die Wirklichkeit :-) ! Mir gefällts. Zu einem Land gehört einfach auch die landestypische Musik.
In Sivas finden wir mit Navi und Spürsinn auch recht schnell unser Hotel. Nil hat es gestern noch vorausgebucht. Es liegt mitten im Zentrum von Sivas. Auto abgeben (ja wir haben Parkservice ….. weil vorm Hotel nur eine schmale Bucht auf der Hauptstraße ist), einchecken bei den beiden hübschen Damen (die Konversation ist aber leider aufgrund beiderseitigen Sprachdefizits sehr mühsam) und ab in schöne Zimmer. Geduscht und in den Trubel gestürzt, der hier um halb elf nachts auf den Straßen tobt. Es ist Ramadan und die ganze Stadt scheint auf den Beinen zu sein. Es ist bunt, laut und einfach nur schön. Und zum Essen bekommen wir auch noch etwas!
Jetzt sitzen wir im Zimmer, es ist Mitternacht durch, der Lärm vor den geöffneten Fenstern will nicht abebben. Der morgige Tag ist geplant, es soll morgens mit dem Yolcu aus Divrigi losgehen. Pascal quält noch seinen Laptop, Nil und ich schließen langsam die Augen. Also: „Good night and sleep very well, in your bettgestell!“ :-)