Hoş Türkiye - Türkeittour 2011 - Teil 2

Von

Dienstag, 10.08.2011
Kurz war die erste Nacht in Sivas. Bis alle im Bett waren dauerte es einige Zeit, die tropfende Klimaanlage zwang zur Variante „mit geöffneten Fenstern“ schlafen, was bei belebter Hauptstraße und flanierenden Menschen nicht ohne erhöhte Geräuschkulisse von statten geht. Kaum waren die spazierenden Menschen langsam müde und auf dem Rückzug, traten die arbeitenden Menschen in Aktion, räumten für die Nacht zusammen und taten dies so geräuschvoll, dass auch wirklich jeder etwas davon hatte.
Da hatte der Ruf des Muezzin, der ab 3.50 Uhr für 10 Minuten durch das Häusermeer schalte schon fast etwas meditatives. So um sechs rum machte ich dann schließlich die Augen endgültig wieder auf und blinzelte in einen kühlen sonnigen Morgen. Nach allgemeinem Wecken und frisch machen gings zum Frühstück , welches mich, im Gegensatz zu meinen Mitreisenden, ebenso wie in Kayseri durchaus wieder zu überzeugen wusste.
Fix in unserer Tagesplanung waren der morgendliche Yolcu aus Divrigi, der Dogu-Ekspresi aus Kars am Nachmittag und abends der Yolcu nach Divrigi. Dazwischen: „Schaun mer mal!“
Da wir gut in der Zeit lagen war das Warten auf das vom „Parkservice“ zu bringende Auto auch recht entspannt. Dabei konnten wir beobachten, dass die Fahrzeuge anscheinend in den umliegenden Seitenstraßen verteilt wurden.
Noch etwas verschlafen wirkte Sivas als wir schließlich die Stadt verließen. Für uns war nun erst mal Streckenkunde angesagt, hatten wir doch gestern bei Dunkelheit nicht viel gesehen, maximal da und dort die Lichter von Signalen. Überraschender Weise stellte sich das Tal vor Sivas als eine Aneinanderreihung schöner Fotostellen heraus. So dauerte es auch nicht lange und wir hatten uns für die Verfolgung des Yolcu eine MUSS-Stelle ausgeguckt. Schnell noch ein paar „Landmarken“ fürs Wiederfinden gemerkt und weiter. Zuerst wollten wir aber an die Stelle, wo die Güterumgehungsbahn nach Kayseri die Sivasstrecke verlässt. Kurzzeitig zeigte sich am Himmel Schlonz, verursacht von den Abgasen einer Fabrik. Doch der Dreckstreifen war nicht allzu breit und gerade zu Ende, als sich die erste Zugfahrt des Fototages zeigte. Auf der Rampe der Güterumgehungsbahn quälte sich langsam eine DE33 mit angehängten Erzwagen den Berg hinauf.

DE 33 035 der TCDD in Yukanada

DE33 035 in der Rampe bei Yukanada. Obwohl weit weg, ist der Kampf der Maschine gegen Last und Gelände nicht zu überhören.

Wir schauten uns noch ein bisschen nach einem geeignetem Fotoplatz für beide Strecken um, entschieden uns dann aber doch für eine Stelle direkt an der Linie nach Sivas. Wir mussten auch nicht lange stehen, da schlägt der Bahnübergang vor uns an. Hoppla, für den Yolcu ist das noch zu früh, außerdem können wir die Strecke vor dem Trennungsbahnhof einsehen. Und da war nichts. Der Blick Richtung Sivas verrät, es nähert sich eine einzeln fahrende Maschine mit dem langen Vorbau voraus.


DE 24 257 der TCDD in Yukanada

Als Lz von Sivas kommend brummt DE24 257 an uns vorbei. Eine Leistung die wir an den nächsten Tagen, dann jeweils aus DE33 gebildet, immer wieder sehen konnten.

Kaum ist die DE24 im nahen Bahnhof zwischen abgestellten Güterzügen verschwunden, nähert sich der erwartete Yolcu dem selbigen von der anderen Seite her. Ein Blick über die weite Ebene verrät, der PmG ist heute nur ein P. Bei den Mitfahrern macht sich eine gewisse Enttäuschung breit, ich kann mit dieser Variante aber ganz gut leben. Wenige Minuten später ist die Garnitur dann bei uns.

DE 24 359 der TCDD in Yukanada

An diesem Tag war der Yolcu, gezogen von DE24 359, ein P ohne mG.

Nun hieß es hinterher. Und auch wenn der Zug durchaus zügig unterwegs war, hatten wir ihn doch bald darauf wieder ein-

DE 24 359 der TCDD in Kovalı

Blick aus dem Auto auf den Yolcu Divrigi – Sivas gezogen von DE24 359.

und überholt. In einem kleinen Bahnhof kurz hinter dem Taleingang, in dem sich jede Menge neuer Betonschwellen stapelten, wartete, aus Richtung Sivas kommend, eine weitere DE24 mit einem Güterzugbegleitwagen. Kurz schwankten wir und überlegten, ob wir es riskieren sollten für diese super im Licht stehende Maschine einen ungeplanten Zwischenstopp einzulegen. Das Risiko deswegen den Yolcu an unserer Wunschstelle zu verpassen war uns aber zu hoch. Also weiter, kurz ein nicht ganz legales Wendemanöver durchgeführt und schon standen wir bereit.

DE 24 359 der TCDD in Kovalı

Wenige Kilometer vor Sivas führt die Bahn von Ulas her kommend nochmal durch ein wunderschönes Tal, welches hier der Yolcu Divrigi – Sivas mit DE24 359 an der Spitze passiert.


Kleine Anmerkung am Rande. Bis dahin hatten sich alle Lokpersonale sichtlich, hupend und winkend, gefreut, wenn wir an der Strecke standen und fotografierten. So auch der Lokführer der DE24 359.
Wir ließen den Yolcu aber jetzt ziehen. Im Tal konnten wir ihn nicht mehr einholen und der Abschnitt direkt vor Sivas ist dann nicht so prickelnd für ein weiteres Foto. Für uns ging es wieder Richtung Abzweigbahnhof bei Yukanada. Außerdem war da ja noch die Maschine von eben. Den kleinen Bahnhof von eben hatte sie, wie erwartet bereits wieder verlassen, aber in der Ebene hinter Kovalı hatten wir das Gespann wieder vor uns.
Zeitgleich kamen wir am Abzweigbahnhof an und platzierten uns an einem Bahnübergang an der östlichen Bahnhofsausfahrt. Die Hoffnung war, dass die DE24 mit dem Güterzugbegleitwagen an einen Güterzug nach Osten gehen würde. Schließlich stand die Maschine in dieser Richtung und die Erfahrung hat gezeigt, dass die Türken nur selten mit dem langen Vorbau voraus auf Strecke gehen. Ausnahmen nicht ausgeschlossen, siehe gestern. Die DE24 411, die war es nämlich gewesen, zeigte sich auch nun öfter im Bahnhofskopf, aber nur um zu rangieren. Derweil kam von Osten her ein Containerzug, welcher, wenn auch etwas gegen das Licht, verewigt wurde.

DE 24 303 der TCDD in Yukanada

DE24 303 bringt einen Containerzug von Osten her.

Die DE24 411 narrte uns derweil noch einige Male mit „halben Ausfahrten“ die sich dann doch nur als Vorziehen beim Rangieren entpuppen.

DE 24 411 der TCDD in Yukanada

DE24 411 beim Rangieren.

Schließlich hatte man doch Mitleid mit uns in der Hitze bratenden und schickte die Maschine mit ihrem Nahgüterzug auf die Strecke.

DE 24 411 der TCDD in Yukanada

Endlich geht der Zug auf die Strecke.

Wir hatten schon vorher beschlossen den Güterzug Richtung Rampe zu verfolgen, was bei dem gefahrenen Tempo nun auch nicht die so große Herausforderung darstellte.

DE 24 411 der TCDD in Ulas

Der Zug kurz vor Ulas.

Hatte bis dahin das Lokpersonal sich immer erfreut hupend gezeigt, schien wenigstens einem der Herren bei der Einfahrt in Tecer eine Laus über die Leber gelaufen sein. Auf alle Fälle zeigte er sich genötigt aus der geöffneten Führerstandstür einige für uns undefinierbare Gesten in unsere Richtung zu machen.

DE 24 411 der TCDD in Tecer

Was will er uns nur damit sagen? DE24 411 inkl. Güterzug und fuchtelnden Lokführer bei der Einfahrt in Tecer.

Der Zug wurde derweil immer langsamer. Ärger, Kreuzung, oder was? Da der Bahnhof voller Eisenbahnern und wir keine Konfrontation heraufbeschwören wollten, fuhren wir durch und postierten uns auf einem Erdhügel hinterhalb. Hier kam dann auch bald der Grund der verlangsamten Einfahrt unseres Güterzugs. Aus Richtung Osten kroch eine DE33 heran und die von uns verfolgte Garnitur musste schlicht und ergreifend in die Ausweiche gegangen sein.

DE 33 052 der TCDD in Tecer

DE33 052 mit Erzzug aus Richtung Divrigi

Wenig später tauchte dann auch wieder unser Güterzug auf. Diesmal blieb die Lokmannschaft durch unsere Anwesenheit wieder völlig unbeeindruckt.

DE 24 411 der TCDD in Tecer

DE24 411 hat mit dem Gegenzug in Tecer gekreuzt und macht sich nun wieder auf den Weg.

Wir folgten wieder, allerdings war auf den nächsten zwei bis drei Kilometern in Sachen Bilder nichts mehr zu machen. Fast zeitgleich kamen wir am nächsten Bahnhof, so schien es wenigstens, an. Während der Güterzug immer langsamer wurde schauten wir nach einem nächsten Fotopunkt. Deutlich sichtbar schwenkten Gleise über einen Damm hinweg nach rechts und in einen Einschnitt. Hatten Nil und ich nicht gestern Nacht auf der Karte und auf google earth gesehen, dass es hier eine langgezogene Doppelkurve geben würde? Wir wendeten vor einer Durchfahrt im Damm, die uns eh nur eine Industriezufahrt zu sein schien, fuhren zurück zu einer abzweigenden Schotterpiste und hier wieder Richtung Strecke. Oberhalb der Bahn bezogen wir Position, mit schönem Blick auf die Berge im Hintergrund. Alles hurtig – hurtig, denn der Zug musste ja gleich kommen. Tat er aber nicht!
Schon längst hatten wir uns an der Landschaft satt gesehen, das Auto umgestellt, Trinken und Knabberzeug geholt und die wildesten Vermutungen angestellt, warum es so lange dauert. Plausibelste Erklärung schien zu sein, dass sich hinter dem Damm ein Werk befindet, in das der Güterzug einige der offenen Güterwagen zustellt. Irgendwann sprach aber der Zeitfaktor eindeutig dagegen. Auch sonstiger Verkehr fehlte zur Gänze. Was aber jetzt nicht so ungewöhnlich war. Schließlich wurden wir gestern und heute Morgen für türkische Verhältnisse eindeutig verwöhnt. Plötzlich, es tutet von hinten. Mist! Sollte der einzige Zug in der langen Pause jetzt ausgerechnet aus dem Licht kommen? Dann wieder Stille. Den verfolgten Güterzug von Vormittag hatten wir eigentlich schon aufgegeben. Da hinter uns im weiteren Streckenverlauf ein Bergrücken war, durch den diese in einem Tunnel führt, war es mit hören auch so eine Sache. Zudem sorgte ein Mähdrescher, der in Sichtweite beschäftigt war, auch noch für Irritationen. Doch auch er konnte ein erneutes Tröten nicht übertönen. Das klang aber schon verdammt nah! Nil und ich überlegten kurz und machten uns dann auf den Weg durch den Talgrund Richtung anderer Hangseite. Unsere Denke: Lieber etwas quer bei Gegenlicht schießen, als von hinten. Kurze Zeit später schob sich auch endlich etwas aus dem Tunneleingang. Aber sch……, was war denn das????

DE 22 020 der TCDD in Gürpınar


DE 22 020 der TCDD in Gürpınar


Geschoben von DE22 020 kam ein Schotterzug aus dem Tunnelmund. Mist! Mist! Mist! An der ursprünglichen Stelle wären wir goldrichtig gestanden!
Wir wieder zurück, denn vielleicht kam ja jetzt der Güterzug. Aber Quatsch, auch in der Türkei fahren Güterzüge, wie eben der Schotterzug nicht rückwärts durch die Gegend. War das dann also eine Werksbahn und die eigentliche Strecke ging nach hinten weg? Der Güterzug von heute Vormittag kam auf alle Fälle nicht, dafür tauchte am westlichen Ende des kleinen Bahnhofs, wo wir den Güterzug das letzte Mal gesehen hatten, der Schotterzug auf, sägte und verschwand Richtung Tecer????
Ratlos blieben wir zurück! Zwischenzeitlich war der Versorgungs-LKW für die Mäh-Kolonne angekommen und der Fahrer lud uns zum Mittagsessen ein. Nachdem wir dies freundlich ablehnten, bat er uns wenigsten den Mähdrescher zu fotografieren. Bitte! Wenigstens ein Bild richtig im Licht an dieser Stelle!

Tecer


Auf dem Weg zu unserem Auto halfen wir dann noch einem jungen Türken das Rätsel der Warnleuchte für das Nichtanlegen der Sicherheitsgurte zu entschlüsseln und ihn so zu beruhigen, denn er hatte schon gedacht, es sei was kaputt. Wir fuhren mal bergan, hatten wir doch dort einen Gleisstrang am Hang vermutet. Vielleicht klärt sich ja alles. Doch die wenig befahrenen Schienen konnten uns auch nicht erleuchten. Also wieder runter ins Tal.
Dort wurde zumindest eines klar, was wir eh schon vermutet hatten. Wir waren an der falschen Strecke gestanden! Nachdem wir diesmal die Durchfahrt unter dem Damm passiert hatten, sahen wir das Streckengleis der Hauptbahn vor uns! Erst am Abend sollte sich dann das Rätsel „unserer“ Strecke zur Gänze lösen! Via Internet-Recherche fand Pascal heraus, dass wir an dem Neubauabschnitt der Verbindung Sivas – Cetinkaya gestanden waren. Der Schotterzug war also ein Bauzug gewesen! Na, ich sag mal, einfach Künstlerpech!
Doof war einzig, dass wir nach der langen Warterei den einzigen Zug mit unserem Verschieben auf den Gegenhang verpatzt hatten.
Also abhaken und rein ins Tal. Und siehe da, das Glück war uns wieder hold. Wir waren noch nicht weit gekommen, als uns kurz hinter Kadiraga Mz. ein Güterzug entgegen kam. In der Ausfahrt des kleinen Bahnhof wurde der dann auch abgelichtet.

DE 24 411 der TCDD in Kadirağa Mz

Eine „alte“ Bekannte, die DE24 411, kommt hier „rückwärts“ laufend mit einem Güterzug Richtung Sivas durch den Bahnhof von Kadiraga Mz. gefahren.

Na upps! Die Maschine kennen wir doch. Hatte uns die nicht den halben Vormittag beschäftigt. Anscheinend war zum Drehen keine Zeit gewesen. Wir fuhren weiter ins Tal hinein um die Strecke zu erkunden und für den nachmittäglichen Dogu-Ekspresi eine schöne Stelle zu finden. Doch weit sollten wir nicht kommen. Bereits nach der nächsten Kuppe sah ich linker Hand den nächsten Güterzug durchs Land ziehen. Also zurück das Ganze und vor dem Berg postiert.

DE 24 119 der TCDD in Kadirağa Mz

DE24 119 in der S-Kurve vor dem Bahnhof von Kadiraga Mz.


DE 24 119 der TCDD in Kadirağa Mz

Der selbe Zug bei der Ausfahrt aus dem Bahnhof Kadiraga Mz.


Die Garnitur gefiel uns mit den blauen Wagen so gut, dass wir beschlossen, sie aus dem Tal heraus zu verfolgen. Als nächstes passten wir sie beim Haltepunkt in der Nähe von Kayapınar ab. Hier dient noch der Aufbau eines alten Güterwagens als Wartehäuschen.


Nil passte den Zug kurz vor der "Einfahrt" in den Haltepunkt ab.


DE 24 119 der TCDD in Kayapınar

DE24 119 passiert mit ihrem Güterzug das „Wartehäuschen“ von Kayapınar.

Über Tecer gings dann nach Ulas. Dort ließen wir den Zug ziehen, denn unser Auto und wir hatten Durst!

DE 24 119 der TCDD in Tecer

Unser Zug bei der Ausfahrt aus Tecer. Die Bewohner des Hauses waren neugierig auf uns geworden und kamen den Berg herunter. Pech nur, als der Zug weg war und sie die Gleise überschreiten konnten, hatten wir uns auch schon „in Luft“ aufgelöst.


Selbe Szene - anderer Blickwinkel. Und siehe da, wer läuft denn da am rechten Bildrand flugs wieder zum Auto?


DE 24 119 der TCDD in Ulas

Kurz vor Ulas mit interessanter Kulisse.

Nachdem es in der Tankstelle außer Öl nichts Flüssiges gab, bogen wir wenig später in den Ort ab. Kurze Bemerkung am Rande, der Treibstoff in der Türkei war, erst recht für dortige Vrehältnisse, ausgesprochen teuer!
Im Kramerladen vor Ort waren vier Männer aus drei Generationen die sichtlich erfreut über den exotischen Besuch waren. Neben freundlicher Bedienung gabs die Anfrage wo wir her seien. Erst auf Französisch, dann auf Englisch. Als wir uns geoutet hatten erfuhren wir noch, dass einer der Anwesenden Frankreich-Fan war, seine Enttäuschung über unsere Herkunft konnte er nicht ganz verbergen, zahlten und verließen mit aufgefülltem Proviant, vor allem kalten Getränken, sowohl Laden als auch Ort. Nun hieß es ab ins Tal, denn es war Dogu-Zeit.
Auf einem Hügel bei Eskiharahisar bezogen wir Posten. Während Nil und ich dort blieben fand Pascal den Ort nicht so spannend und lief alleine der Strecke entlang los. Wir machten es uns gemütlich, sofern dies in der Sonne bei knapp 40° Grad geht und warteten ab. Und siehe da, zur geschätzten Durchfahrtszeit zeigte sich der Dogu in der Kehre oberhalb. Wenige Minuten später hatte er dann alle Windungen bergab durchfahren und passierte unsere Stelle.



Nil stand etwas weiter links von mir und nahm den Zug von der Seite auf.


DE 22 042 der TCDD in Eskikarahisar

Spätestens jetzt war uns aufgefallen, dass ein Teil der DE22 mit automatischer Kupplung ausgerüstet war, während die anderen mit Schraubenkupplung unterwegs waren.

Wir sammelten Pascal wieder ein und machten uns weiter bergan auf den Weg. Erst erkundeten wir den Bahnhof Eskiköy, dann probierten wir an eine Stelle zu kommen, die Pascal auf google earth ausgemacht hatte. Der immer schlechter werdende Zustand der Straße, pardon des Sandwegs, in und nach Karacaören bewog uns aber zur Umkehr. Wieder talabwärts kam uns in der Nähe der Dogu-Stelle von eben plötzlich der Van Gölü-Ekspresi entgegen. Verd….! Wo kommt denn der jetzt her. Den hatten wir irgendwie verpeilt! Pascal mutierte in aller Eile zum Navigator, fand auf der Karte eine Stelle wo die Strecke abends ins Licht dreht und ich nahm die Straße unter die Reifen. Wir hatten den kürzeren Weg, aber würde es reichen. Es reichte, aber was war das? Genau in dem Bereich hatte die TCDD eine Betonröhre gebaut, die, ca. 1,5 Kilometer lang war und wohl im Winter das Zuwehen eines Einschnittes verhindern sollte! Toll! Und unten röhrte schon der General.
Jetzt gabs Welt verkehrt. Während der "Landschaft mit Zugfotograf" Nil sich direkt ins Schotterbett schmiss, lief die "Schotterwanze" Chris schnurstracks über die weite Fläche um den Zug quer zu schießen. Blöde Idee, denn während ich die Wagenschlange abschneiden musste, hatte Nil ein dynamisches Bild mit dem kleinen Malus von etwas Frontschatten.



Hier das bessere "Nil-Bild". DE22 006 vor dem Van Gölü-Ekspresi in der Nähe von Karacaören.

Pascal war gleich im Auto geblieben. Vielleicht eine weise Entscheidung. Wir also wieder bergab, Platz für den abendlichen Yolcu suchen, kommt uns fast an der gleichen Stelle eine einzeln fahrende DE24 entgegen. Die anderen zeigten sich nicht den Hauch von motiviert nochmals umzukehren und so musste ich die Gute schweren Herzens ziehen lassen. So richtig fanden wir aber nichts passendes für den Abendzug, so dass nur zwei Varianten blieben, der Bahnhof von Eskiköy oder die Stelle die Pascal vorhin auf der Karte gesehen hat. Während Nil und ich uns für die bequemere Variante entschieden wollte er unbedingt los. Also setzten wir ihn mit „Proviant“ versehen kurz vor Karacaören aus und fuhren zum Bahnhof. Dort postierten wir uns erst am Tunnel und hätten ein durchaus annehmbares Motiv gehabt, wäre der gute Yolcu nicht mit dicker Verspätung unterwegs gewesen. Daher hieß es Umzug in den Bahnhof hinein und endlich war die DE24 laut arbeitend in der Steigung zu vernehmen.

DE 24 359 der TCDD in Eskiköy

DE24 359, die heute Morgen bereits den Yolcu aus Divrigi gebracht hatte, quält sich bei Eskiköy den Berg herauf.

Unschwer war an der Geräuschkulisse zu erkennen, dass diesmal der PmG wirklich mit G war. Und prompt, als sich der Zug am Gegenhang ins Blickfeld schob, zeigte sich eine Schlange Güterwagen hinter den Personenwagen eingereiht. Leider passte daher die Garnitur nicht mehr ganz in die Fotostelle.
Einmal durch die 180° Kurve und schon schob sich der Yolcu in den Bahnhof. Erstaunlich viele Fahrgäste verließen hier den Zug und verteilten sich nach……..ja wohin den eigentlich, denn weit und breit ist keine größere Ansiedlung bis auf Karacaören und dass hat seine eigene Station?

DE 24 359 der TCDD in Eskiköy

DE24 359 ist im Bahnhof zum Stehen gekommen und ….

DE 24 359 der TCDD in Eskiköy

….macht sich nach kurzem Halt wieder auf den Weg nach Divrigi.

Während wir schon am Zusammenpacken waren und der Lärm der DE24 359 oberhalb von uns langsam abebbte, war aus dem Tal heraus schon wieder etwas zu hören. Oder war es nur das Echo des Yolcu? Nein, von Minute zu Minute wurde klarer, es kommt noch etwas nach. Als Zugabe zu dem ereignisreichen Tag gabs denn dann auch noch einen Güterzug oberdrauf.

DE 24 208 der TCDD in Eskiköy

Erstaunlich flott durchfährt der von DE24 208 geführte Güterzug den in der Steigung liegenden Bahnhof von Eskiköy.

Nun wars dass aber auch mit Zugfahrt und vor allem mit dem Licht. Bereits beim letzten Foto hatten wir schon um Sonnenstellen „gekämpft“. Nil und ich liefen zum Auto und machten erst einmal gemütlich Brotzeit (Tomate, Käse und Brot). Bis wir Pascal wieder einsammeln konnten hatten wir noch Zeit. Kam der Zug doch erst später bei ihm an und zurücklaufen musste er auch noch. Schließlich brachen wir auf und sammelten ihn unterwegs ein, einmal mehr verwundert, wie flott er auf seinen zwei Beinen unterwegs sein kann. In die schnell hereinbrechende Nacht hinein ging es zurück nach Sivas. Unterwegs, am vertracktem Abzweigbahnhof der Neubaustrecke kam uns im Dunkeln eine DE33 mit Erzwagen entgegen. Wir wollten Kunst machen, doch ob man es glaubt oder nicht, die Maschine war ohne Frontlicht unterwegs. Dabei konnte von Dämmerung schon beinahe nicht mehr die Rede sein.
Wir erreichten Sivas und stürzten uns nach einer erfrischenden Dusche ins nächtliche Leben.



Nachtleben in Sivas - festgehalten von Nil.

Nach einer türkischen Pizza und Salat für alle wurde der Tagesablauf für morgen festgelegt. Pascal hatte durchgesetzt, dass wir morgen gleich und auf direktem Weg zur E-Piste hinten Cetinkaya fahren. Er ließ sich nicht mal den morgendlichen Yolcu heraushandeln, denn Nil und ich würden dann doch nur wieder an der Dieselstrecke hängen bleiben.
Also dann, morgen gibt’s Strippe mit viel Verkehr, denn zu den heute gesehenen Güterzügen müssen dann ja auch noch die Erzzüge, voll und leer, dazu kommen. Ich schließe die Augen und versuche zu schlafen. Gar nicht so leicht bei dem Trubel vorm Fenster, Pascals Informationen zur Neubaustrecke (interessant!) und der Wärme. Schließlich gelingt es mir und ich schlafe selig bis, ja bis 3.50 Uhr ……. ihr wisst schon…… Muezzin!