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Die Eisenbahn des Dschingis Khan - Tag 8: Chairchan - Tschuluut

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Sonntag 8.5.2011 Chairchan – Tschuluut
(Text: Pascal Zingg; Fotos: Pascal Zingg, Christof Hofbauer, Nil Bechtiger)

Als ich am Morgen meinen Kopf aus dem Zelt streckte, hatte es einige Wolken am Himmel, daneben hatte es aber auch einige blaue Löcher. Ich entschied mich auf jeden Fall noch ein Weilchen zu schlafen.
2TE116UM-003 der MTZ in Honhor
Während ich noch schlief erwischte Chris eine 2TE116UM in der ersten Sonne.

Um 7:30 Uhr klingelte dann der Wecker. Es war Zeit für den Nachtzug aus Zamyn Üüd. Wie wir zur stelle hinter unserem Campingdamm liefen, dröhnte es auch schon. Kaum an der Stelle angekommen röhrte eine 2-Zagel mit 2TE10-Kasten und Güterzug an ums Eck.
2Zagal der MTZ zwischen Choolt und Chairchan
2-Zagal mit Güterzug in der bekannten Steppenlandschaft.

Da der P-Zug unmittelbar nach dem Güter folgen musste, verschob ich mich nur leicht. Leider war der Nachtzug an diesem Tag nicht doppelt bespannt. Immerhin war die Bespannung mit einem Russen (2TE116 der RZD) aber auch nicht alltäglich.
2TE116 der RZD zwischen Choolt und Chairchan
Der Nachtzug aus Zamyn Üüd mit 2TE116.

Nach diesem Zug beging ich Fehler Nummer 1. Als nächstes sollte der Transsib-Zug aus Moskau folgen. Mein Fehler war es Chris und Nil hinterher zu laufen, anstatt wie anfangs geplant über den Berg zu gehen. Als ich an ihrer Stelle war, erwartete ich den Zug mit Frontschatten. Dies zeigten auch einige Häuser in der Nähe der Bahn an. Ich beging nun Fehler Nummer 2. Ich entschied mich den Standort zu wechseln, obwohl ich nicht genau wusste, wann der Zug kommen würde. Ich rannte also los und beging Fehler Nummer 3. Anstatt der Telegrafenleitung zu folgen, lief ich ein Stück der Strecke entlang und überwand einen Pass der unmittelbar vor dem Hügel lag, um den die Bahn eine 180°-Kehre machte. Als ich oben war, musste ich erkennen, dass es an diesem Punkt nichts gab. Ich musste ca. 800m der Strecke entlang. Ich lief also los und sah den Zug nun am Horizont auftauchen. „Also noch einmal Vollgas“, sagte ich mir. Vorbei an Murmeltieren, die sich in ihren Löchern verkrochen und vorbei an einem Hengst und zwei Stuten, die nur doof guckten. Ich rannte so schnell ich konnte, nur leider nicht schnell genug. Knapp 100 Meter vor der Stelle kam der Zug. Dass eine rote Doppeltrommel dran hing, ärgerte dabei besonders. Hätte ich einen der drei Fehler nicht gemacht, hätte es für ein gutes Transsib-Bild gereicht.
2M62M-727 der MTZ in Honhor
Der Transsib-Zug aus Moskau. Da ich mal wieder zu hohe Ansprüche hatte, existiert nur ein Bild von Chris.

Nun stand ich an der Stelle und der Zug war gerade durch. „Naja, es wäre schade um die schöne Stelle“, dachte ich mir und entschloss mich auf einen Güterzug zu warten. Was jedoch kam, war der Hoh-Hot-Zug von hinten. An diesem Tag mit blauer Doppeltrommel vor 2TE116UM, das wäre lecker gewesen, nur ging es an meiner Stelle nicht.
Während ich mich für Züge aus der Gegenrichtung gestellt hatte, konnte Nil auch Züge nach Ulan Bator erlegen.

Was ich brauchte war ein Zug aus UB, leider kam keiner aus dieser Richtung. Ich wurde langsam ungeduldig und setzte mir ein Zeitlimit auf 10 Uhr, dieses verlängerte ich später auf 10:15 Uhr. Danach wollte ich mich definitiv verschieben, denn für den 286 aus UB sollte es um 11 Uhr nur noch wenig Seitenlicht an der Stelle haben. Mittlerweile war es 10 Uhr durch und das Männchen auf dem Berg begann zu fluchen. 90 Minuten hätte ich mich in den Wind gestellt, der nun sturmartig bliess, und was kam? Nichts! Immerhin die mongolischen Geister erbarmten sich meiner und plötzlich zog etwas weisses ums Eck. 2Zagal? Nein, es war eine der beiden Dash-7 mit einem langen und leere Kohlezug. „Auch nicht schlecht“, dachte ich mir und drückte ab.
Dash7 der MTZ zwischen Choolt und Chairchan
Dash-7 mit einer langen Kohleschlange.

Ich wanderte nun wieder über den Berg. Kaum drüben folgte schon der nächste Güter, diesmal mit russischer 2TE116. Leider musste man hier zielen, denn es waberte gerade eine Wolke auf der Strecke. Besser ging da die UM, die den Zug schob.
2TE116 der RZD zwischen Choolt und Chairchan


2TE116-935 der RZD in Honhor


M62UM der MTZ zwischen Choolt und Chairchan
Ein Güterzug mit 2TE116 und einer nachschiebenden Umme.

Als Nil mein Bild von hinterm Hügel sah, wollte er für den P-Zug nach hinten wechseln. Vor dem Regio 286 Ulan Bator – Sainshand sollte jedoch noch ein Güterzug mit 2TE116UM folgen. Diesen schoss ich erneut in der Nähe der Zelte, um mich dann so zu positionieren, dass ich den P-Zug mit Auto und Zelten schiessen konnte. Die Stelle hatte ich auch schnell gefunden, nur erlitt der Zug einen Wolkenschaden.
2TE116UM der MTZ zwischen Choolt und Chairchan
Der nachfolgende Güter war mit einer 2TE116UM bespannt.

Der P-Zug, der unmittelbar danach kam, erlitt leider einen Wolkenschaden. Mehr Glück hatte Nil, der den Zug in einem lichten Moment erwischte.

Etwas enttäuscht zogen Chris und ich von Dannen. Nil hatte unterdessen mehr Glück, er stand so, dass er ein Sonnenfoto machen konnte. Während die anderen den Rückweg über den Stacheldraht und die Geleise wählten, lief ich durch den kleinen Wasserdurchlass im Damm. Dies war ein wahres Abenteuer. Zum Glück wars in dem Loch so dunkel. Ich möchte echt nicht wissen, auf welche glitschigen und pelzigen Dinge ich da getreten bin. Beim Camp angekommen gings ums Aufräumen, wobei uns eine 2Zagal mit chinesischen Wagen überraschte. „Mist, der Zug von Peking nach Ulan Bator, da wollte ich doch noch nachschauen, wann der Fährt“, dachte ich mir und war froh, dass bei der Durchfahrt kein Licht war, das hätte mich sonst geärgert. Als alles zusammengepackt war, ging es weiter der Strecke entlang in Richtung Süden. Wobei der Strecke entlang eigentlich falsch ist. Die Schotterpiste führte nämlich von der Strecke weg. Kein Problem für unseren Fahrer. Segi steuerte den Kleinbus mühelos auf die nächste Kuppe. Von dort hatte man einen sehr guten Blick auf die Strecke, ausserdem kam gleich ein Güterzug mit 2TE116UM.
2TE116UM der MTZ zwischen Choolt und Tsagaan Chjar
Die Ausfahrt von Choolt liegt einem Bergrücken, der zum Panoramabild einlädt.

Von der Panoramastelle ging es zur nächstgelegenen Kreuzungsstation, die beim Ort Choolt liegt. Was nun kam war eine leefahrende 2TE116UM. Sie kreuzte einen Güterzug, der seinerseits ebenfalls mit einer 2TE116UM bespannt war.
2TE116UM der MTZ in Choolt


2TE116UM der MTZ in Choolt
Der Bahnhof von Choolt brachte uns eine leerfahrende 2TE116UM und einen Güterzug mit einer solchen.

Da die Stelle für zwei Züge aus UB nicht gut genug war, entschloss sich Nil den Bahnhofshügel zu besteigen. Ich war unterdessen wenig motiviert mich in den starken Wind zu stellen. Selbiges galt für Chris, der sich eine Erkältung eingefangen hatte. Es dauerte über eine Stunde bis Nil zurück kam, ohne Foto notabene. Wir zogen von Dannen, und trafen im nächsten Kreuzungsbahnhof (Tsagaan Chjar) auf einen Güterzug mit 2TE116UM. Wir ärgerten uns über diese negative Punktlandung und stellten uns hinter dem Keuzungsbahnhof auf. Wir brauchten nicht lange zu warten, da kam eine frisch lackierte M62UM um die Ecke gebogen. Der Zug war mit 11 Kohlewagen eher kurz.
M62UM der MTZ zwischen Tschuluut und Tsagaan Chjar


M62UM der MTZ zwischen Tschuluut und Tsagaan Chjar
Eine Umme mit einem (für mongolische Verhältnisse) kurzem Kohlezug.

Für Freunde von langen Zügen gabs 30 Minuten später einen Güterzug mit 2TE116 der RZD.
2TE116 der RZD zwischen Tschuluut und Tsagaan Chjar
2TE116 vor grandioser Wolkenstimmung.

Nach diesem Zug war es Zeit einen geeigneten Platz für unser Camp zu suchen. Dies war jedoch gar nicht so einfach, denn wie bereits angetönt windete es den ganzen Tag sehr stark. Wir entschlossen uns schliesslich im nächsten Bahnhof (Tschuluut) nach einer Unterkunft zu fragen. Der Bahnhofsvorstand hielt uns eine kleine Wohnung zu. Diese bestand aus einem Schlafraum und einem kleineren Raum mit Kohleofen. Auf dem Boden war Laminat verlegt, das auch schon bessere Zeiten gesehen hatte. An einigen Stellen war es Nass und hatte Dellen. Von den Wänden blätterte derweil die Tapete ab. Für eine Nacht störte uns dies alles nicht, als wir aber hörten, dass Tags darauf eine Familie mit Kindern in die Wohnung einziehen sollte, wollten wir um keinen Preis tauschen.
Nil präsentiert unsere Schlafstätte von dieser Nacht.

So genossen wir unser Ferienleben und gingen noch einmal zum Bahnhof, wo wir den Abend-P-Zug mit Frontschatten erlegten. Anschliessend legten wir uns noch auf die Lauer nach einem Güterzug, der jedoch in nützlicher Frist nicht kam.
2Zagal der MTZ in Tschuluut
Ein P-Zug mit 2Zagal bildete den Abschluss dieses Tages.

Tag 9: Tschuluut – Nalaich
Tag 7: Narantolgoj - Chairchan