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Die Eisenbahn des Dschingis Khan - Tag 9: Tschuluut – Nalaich

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Montag 9.5.2011 Tschuluut – Nalaich
(Text: Pascal Zingg; Fotos: Pascal Zingg, Christof Hofbauer, Nil Bechtiger)

Auch an diesem Morgen wurden wir von einem Dieselbrummen geweckt. Nil wagte sich als erster vor die Tür und erzählte von einer Kreuzung, die knapp nicht von der aufgehen Sonne erfasst wurde. Wir standen nun alle auf und schauten dem Sonnenschein entgegen. Dabei brauchten wir nicht lange zu warten, bis im Süden ein Dieselbrummen erklang. Währenddem Nil die Kurve hinter dem Bahnhof nicht gefiel, wollte ich genau diese erkunden. Folglich wurde dort der Güterzug mit grüner 2M62M erlegt. Interessanter als die Zuglok war jedoch das was am Schluss des Zuges rauchte. Eine UM schob zusammen mit einer Dash-7 nach. Ami- und Russendiesel, sowas sieht man im Verband wohl nur in der Mongolei.
M62UM der MTZ zwischen Tschuluut und Tsagaan Chjar


M62UM der MTZ zwischen Tschuluut und Tsagaan Chjar


M62UM-009 der MTZ in Üuluut
Eine 2TE116 mit einem Güterzug ist an sich nichts spezielles. Speziell ist aber, wenn ein Russe und ein Ami Nachschieben.

Nach dem Güterzug erklomm ich eine Abraumhalde hinter der bekannten Kurve. Was nun folgte war ein Russendiesel (RZD 2TE116) aus Norden, der an meiner Stelle nicht ging. Er kreuzte in Tschuluut mit dem bereits erwarteten P-Zug aus Sainshand.
2TE116-1479 der RZD in Üuluut
Ein weitere Güterzug mit 2TE116.

2Zagal-007 der MTZ in Üuluut


2Zagal der MTZ zwischen Tschuluut und Tsagaan Chjar
Er kreuzte den P-Zug aus Sainshand ...

2TE116-1479 der RZD in Üuluut
... und fuhr dann weiter gegen Süden.

Der Hügel war nun um Kasten und ich lief zum Bahnhof. Dort noch nicht angekommen, brummte es schon wieder von Norden her. Flink stand ich auf einem Schwellenstapel und erlegte RZD 2TE116 1541 mit Güterzug. Der nächste Programmpunkt hiess nun Frühstück. Kaum „Zuhause“ brummte es aber schon wieder. Wieder gings raus zum Bahnhof, ganz in der Hoffnung, es möge etwas anderes kommen als gerade eben. Mein Wunsch wurde erhört, es kam eine 2TE116UM. Sie erhielt Schubunterstützung von einer Dash-7.
2TE116 der RZD in Tschuluut


2TE116 der MTZ in Tschuluut
Da an diesem Morgen viel Verkehr war, setzte ich eine 2TE116 und eine 2TE116UM an gleicher Stelle um.

Nun wars aber Zeit fürs Frühstück. Denkste! Schon wieder brummte es und es tauchte eine leere Umme auf. „Die machen wir mit Bahnhofsgebäude“, waren wir uns schnell einig. Dann erkannte ich aber, dass die Lok in Kreuzung ging. Ich rannte deshalb wieder zum Schwellenstapel, denn dort konnte man von der Lok eine prima Portraitaufnahme machen, wobei dies nur ging, weil sie auf dem Kreuzungsgleis kam. Da die Trommel auf Höhe des Bahnhofsgebäudes hielt, reichte es für mich locker auf den Schwellenstapel. Nil und Chris blieben derweil vorne und unterhielten sich mit dem Lokpersonal. Der Lokführer fragte Nil gar, ob er den Gegenzug mit Nils Kamera fotografieren dürfte. Nil willigte ein und der Lf bewies Geschick, wenn auch der Zug im Gegenlicht kam und die Aufnahme deshalb nicht viel werden konnte. Anschliessend durften Nil und Chris auf die Lok. Ja sogar eine Mitfahrt wurde angeboten. Die beiden mussten das Angebot jedoch ausschlagen, da wir ja an unser Auto gebunden waren. Allgemein zeigte das Lokpersonal eine positive Haltung gegenüber den drei Europäern. Sie freuten sich immer uns zu sehen, pfiffen und winkten schon von weitem. Es machte den Anschein, als kannte uns schon die halbe MTZ. Auch schien es zum Sport zu werden, die drei Spinner am Gleis zu entdecken.
2M62M-024 der MTZ in Üuluut


M62UM der MTZ in Tschuluut
Der P-Zug aus Hoh Hot kreuzte eine leerfahrende UM.

M62UM-009 der MTZ in Üuluut
Chris und Nil nützten die Gelegenheit und besichtigten die Umme.

Bald nach dem Kreuzungszug musste aber auch das Rendezvous von Chris und Nil mit der UM enden. Der Lf stieg auf seinen Bock und schlich an mir vorbei. Dabei lehnte er lässig aus dem Seitenfenster und strahlte in die Kamera.
M62UM der MTZ in Tschuluut
Lässig wie ein Fotomodell präsentiert der Lf seine Lok.

Nach der UM war nun wirklich Schluss. Wir brachen unsere (sprichwörtlichen) Zelte ab und verschoben uns in südlicher Richtung. Das Gelände wurde nun flacher und die Strecke gerader. Trotzdem fanden wir einen Aussichtshügel, von dem man prima schiessen konnte. Während die Reiseleitung zum Tanken fuhr, warteten wir auf dem Hügel. Es dauerte auch nicht lange, da erspähten wir im Süden einen Zug. Es war ein Güterzug mit 2TE116UM.
2TE116UM der MTZ zwischen Tschuluut und Changaj
Eine weitere 2TE116UM mit Güterzug.

Nach dem Zug beging Nil Gotteslästerung. Auf unserem Aussichtshügel hatte es nämlich einen Steinhaufen. Diese Haufen haben eine ähnliche Funktion wie unsere Gipfelkreuze. Der Mongole schmeisst bei jedem Besuch zwei Steine auf den Haufen um die Geister zu ehren. Einige hinterlassen auch Geld oder Wodka. Nils Gotteslästerung bestand nun darin, dass er seine Sammlung mongolischer Noten komplettierte, indem er den Geistern 20 Tugrik klaute. Um die Geister zu besänftigen legte er seinerseits einen 50iger auf den Haufen. Ob dies korrekt war? Wir bezweifeln es. Vorerst blieb uns das Glück aber hold. Von Norden kam nun eine 2Zagal mit Trommelkasten.
2Zagal der MTZ zwischen Tschuluut und Changaj
Eine 2Zagal mit einem eher kurzen Güterzug.

Nach diesem Zug schickten die erzürnten Geister jedoch einen Schleier an den Himmel. Dieser war bei P286 noch kein Problem, verdichtete sich dann aber.
2M62M der MTZ zwischen Tschuluut und Changaj
Der bekannte P286 war auch an diesem Tag mit einer blauen Doppeltrommel bespannt.

Da unser Bus nun wieder betankt war, ging es nach Norden zurück zur Bahnhofsstelle in Bayan. Diesmal sollte auch etwas im Licht kommen, nämlich ein Dienstzug mit grüner UM.
M62UM der MTZ zwischen Bayan und Chairchan
Ein Dienstzug vor der Siedlung Bayan.

Da Nil mit dem Kurzzug nicht zufrieden war, musste ein weiterer Güterzug abgewartet werden. Um uns das Warten zu verkürzen, brachte uns Nomu Wurst und Käse mit ein paar Scheiben Brot. Als wir alle satt waren, waren noch einige Stücke der Wurst übrig. Chris verfütterte diese an einen Streuner, der gerade vorbei schaute. Frei nach unserem Tourmaskottchen dem Gobibären taufte Chris das Tier auf den Namen Gobihund. Der kleine schwarze fand gefallen an Chris und setzte sich in Erwartung auf mehr Wurst ins Gras. So kam er auch mit aufs Bild, als der nächste Güterzug mit grüner Doppeltrommel im Halblicht kam.
2M62M der MTZ zwischen Bayan und Chairchan
Ein Güterzug mit Doppeltrommel, leider in schlechtem Licht, dafür mit Gobihund.

Nach diesem Bild lief Nil zum Bahnübergang von letztem Dienstag. Chris und ich taten selbiges mit dem Auto. Gobihund verwirrte unsere Trennung. Nach einigem Zögern folgte er Chris und mir. Wie wir im Auto waren und davon fuhren musste er jedoch aufgeben. Zusammen mit Nil trafen wir beim Bahnübergang ein. Das Wetter war nun ganz im Eimer und der Wind bliess wieder strenger. Nil liess sich dadurch nicht beirren und wartete im Wind. Chris war durch seine Erkältung so geschwächt, dass er halbtot im Auto lag und von einem Hotel in UB fantasierte. Einzig Gobihund konnte ihn nochmals kurz aufheitern. Dieser tauchte plötzlich aus Richtung Bahndamm auf. In Sachen Zügen bot uns die Stelle erst einen Güterzug mit 2TE116UM. Da das Licht nicht so gut war, wurde bei diesem etwas mit dem Auto gebastelt, was zumindest bei mir misslang.
Dank dem schlechten Wetter wurde die 2TE116UM für ein Autobild missbraucht.

90 Minuten später folgte eine Dash-7 mit Kohlezug und zum Schluss eine 2Zagal mit einem P-Zug. Dank des schlechten Lichts, konnte aber aus letzterer nichts werden.
Dash7 der MTZ zwischen Bayan und Chairchan
Eine der beiden Dash-7 mit einem Kohlezug.

Dank des starken Windes konnte auch an diesem Tag nicht ans Zelten gedacht werden. Wir fuhren daher in die Bergbaustadt Nalaich. Gleich an der Eisenbahn fanden wir ein Hotel. Die Nebenbahn nach Nalaich zweigt in Chonchor von der transmongolischen Eisenbahn ab. Sie gilt als älteste Strecke der Mongolei und wurde ursprünglich als 750mm-Schmalspurbahn betrieben. Da die Kohlevorkommen Nalaichs erschöpft sind, liegt die Strecke heute brach. Somit war auch nicht mit Diesellärm im Hotel zu rechnen.
MTZ in Nalaich
Das Panorama von Nalaich zeigt die älteste Strecke der Mongolei, die leider nicht mehr in Betrieb ist. Unmittelbar rechts vom Bildausschnitt stand unser Hotel.

Das Hotel war jedoch durch und durch ein Eisenbahnlokal, so erinnerten die schiefen Wände im Flur an den Wagenkasten des EW III Swiss Express. Auch die Zimmer machten einen herrlichen Eindruck, weshalb wir die Nacht im Schlafsack verbrachten. Das Abendessen wurde uns übrigens ans Bett geliefert, war jedoch ungeniessbar. Da es so streng roch, kippten wir die Reste aufs Geleise der Nebenbahn. Vor dem Schlafengehen gings zu Chris zum Zähneputzen. Ein Bad gab es in unserem Zimmer nämlich nicht.


Tag 10: Nalaich - Ulan Bator
Tag 8: Chairchan - Tschuluut