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Verschwiegene Nebenbahnen und ländliche Hauptstrecken in Österreich und Tschechien - Teil 1

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"Irgendwie passiert es mir heuer immer wieder, dass ich nicht da lande, wo ich ursprünglich hin wollte!", denke ich und schaue von meinem Zimmer auf einen tollen Abendhimmel im bayerisch-österreichischen Grenzgebiet. Und während der Himmel in den tollsten Tönen noch einmal aufleuchtet, sich der Mond als schmale Sichel zeigt, ist das Donautal unter mir und die Hügel rund herum bereits ins Dunkel getaucht.


Untergriesbach



Ursprünglich hatte ich dieses Wochenende bereits vor Monaten für eine Spritztour nach Slowenien reserviert. War da doch die eine Stelle an der Wocheinerbahn, die mir die Wolken aufs böseste vermiest hatten. Ausserdem fuhr vielleicht der Zementzug noch gen Osten ab und die letzten Gomulkas trieben sich auch noch hinter den Karawanken herum. Aber was war mit den Batteriewagen der CD, den bunten Brillen zwischen Jihlava und Brno und gabs da nicht mit viel Glück auch noch einen der letzten 850er zu sehen?

Die Wahl fiel schwer! Zu guter letzt entschied ich mich dann aber doch einmal mehr für Tschechien! Allerdings, nur mit Brillen und Batteriewagen ließen sich drei Tage des langen Wochenendes auch nicht füllen. Also überlegt, was kann man da noch alles reinpacken. Hm, wie wärs auf den Hinweg zum Beispiel mit der Mühlkreisbahn. Geisterten da nicht vor kurzem Pläne einer Teilumwandlung in eine Linzer Straßenbahnlinie und Einstellung der Reststrecke durchs Netz? Und ein bisschen Lipno-Bahn und Bardotka im Sumava würde sich ja auch noch gut mit der Anfahrt verbinden lassen. Noch eine Prise Alltagsbetrieb weg von den ausgetretenen Fotografenpfaden....... könnte eine nette Mischung geben. Also dann mal auf.


Samstag, 01.10.2011

Das Frühstück hab ich saußen lassen, denn ich wollte früh los. Von Untergriesbach, wo ich übernachtet habe, ist es zwar nicht mehr weit an den oberen Teil der Mühlkreisbahn, aber trotzdem gehts schon vor sieben aus dem Hotel raus. Die Sonne scheint, nur unterhalb zieht sich ein schmaler Nebelstreifen durch das Donautal. Egal, für mich geht es aufwärts, hoch nach Weigscheid und dann über die Grenze. Schon komisch, ich werde in den nächsten Tagen zweimal zwei Landesgrenzen überfahren und nie anhalten müssen. Als schon etwas reiferes Semester erstaunt mich dieser Umstand immer wieder mal. Das gemeinsame Europa hat halt auch seine Vorteile.
Über Rohrbach gehts nach Neufelden und hier ins Flußtal hinab zur Bahn. Ich kann mich nur ganz grob nach der Karte orientieren. Der Maßstab ist nicht so prickelnd und meine "gute" Österreichkarte liegt in Weiden. War ja auch nicht geplant, der Tripp nach Osten. Und Transit nach Slowenien hätte ich auch keine Karte gebraucht.

Unterhalb der Burg Pürnstein hatte ich eine Stelle ausgemacht, wo die Strecke stark dreht. Hier wollte ich eigentlich die beiden anstehenden Züge von und aus Aigen-Schlägl ablichten. Aber die Sonne spielt mir einen Streich. Sie kommt noch nicht bis auf den Talgrund. Ausserdem ist die vermeintliche Fotostelle zu sehr verwachsen. Ich mach mich daher über die kleinen Straße auf die Suche etwas flußaufwärts. Leider ist die Strecke arg von Bewuchs gesäumt, trotzdem find ich bei Iglbach eine Stelle die frei ist und wo die Sonne paßt. Bin gespannt was nun kommt! Ein dumpfes Brummen läßt die Hoffnung aufkeimen und tatsächlich, in der Morgensonne rollen zwei 5047 mit Fahrradwagen auf mich zu.


5047 071 der ÖBB in Iglbach

R 3178, gebildet aus 5047 071-5 und 088-3, brummt mit angehängtem Fahrradwagen Richtung Aigen-Schlägl.


Hey super, der Tag geht schon gut los. Da die Straße parallel zur Strecke verläuft und der Zug nochmal halten muss, gibts kurz vor Rohrbach nochmal ein zweites Foto. Schick! So, jetzt hab ich eine gute Stunde Zeit bis sich wieder etwas bewegt. Ich schau mir nochmal die Ecke bei Pürnstein an, nur um zu merken, dass die Sonne für die Stelle unter der Burg zu tief steht. Schade, muß man sich mal für den Sommer merken. Einige hundert Meter weiter kann man über den Wiesengrund schießen. Noch etwas weiter findet sich dann sogar noch eine Stelle für den Gegenzug.


5047 088 der ÖBB in Pürnstein

Die beiden Triebwagen von eben haben in Aigen-Schlägl gewendet und kommen nun als R 3185 wieder zurück.


5047 099 der ÖBB in Pürnstein

Nach der Kreuzung mit dem R 3185 in Neufelden brummt REX 3180 aus 5047 099-6 und 083-0 durch das stille Flußtal.


Hatte ich mich bei der ersten Garnitur gefreut, dass es sich um zwei Altlack-Fahrzeuge gehandelt hat, kann mich dieses gemischte Doppel jetzt ebenso begeistern.

So, ich habe nun die morgendlichen Spaziergänger und die Anwohner genug verwirrt, steige von meiner Leiter wieder herunter und mache mich auf den Weg nach Tschechien. Als nächstes steht nämlich die Lokalbahn von Rybnik nach Lipno auf dem Zettel. Kofferradio vor Triebwagenanhängern. Es gibt schöneres, aber was solls. Doch je näher ich Bad Leonfelden komme, desto stärker wird die Anziehungskraft eines magischen Ortes. Ja, ich bin dem Bahnhof Summerau und der anschliessenden Grenzstrecke verfallen. Diese Mischung von Dorf- und Grenzbahnhof, irgendwo in einem "fast vergessenen Landstrich", ein Tor durch den Eisernen Vorhang, dass ganz kurze Blicke auf eine ansonsten verborgene Eisenbahnwelt zuließ. All das wirkt bis heute nach. Schwer zu beschreiben, aber Orte wie Schirnding, Furth i.W., Gmünd, Spielfeld-Straß oder eben Summerau werden für mich immer mit ganz speziellen Erinnerungen verbunden sein.

Also eine kleine Extrarunde gedreht und mal ins Bahnhofsdorf geschaut. Dort gibts aber heute nicht viel zu sehen. Immerhin, eine abgestellte 1142 gibt sich die Ehre.


1142 587 der ÖBB in Summerau

1142 587-3 vor einer City-Shuttle Garnitur abgestellt im Bahnhof von Summerau


Mensch, so vergänglich sind auch Lokkarrieren! Bei meiner ersten Begegnung in Regensburg bespannte eine Maschine dieser Baureihe noch einen so klangvollen Fernreisezug wie den Donau-Kurier. Tja ja, man wird alt!

Jetzt aber schnell rüber zur Lokalbahn. Dort kommt demnächst nämlich der Os aus Lipno. Blöd nur, dass die Sonne fast im rechten Winkel zur Strecke steht. Mal schauen, kurz vor Vyssi Brod sollte es eigentlich gehen. Ich versuchs erstmal am Haltepunkt von Certova Stena, aber da ist alle verwachsen. Also etwas auf der Straße zurückgelaufen und schon tutets. Ich kann den Haltepunkt von meiner Position nicht einsehen und wundere mich nur wie lautlos die 742er heute beschleunigt, da biegt etwas blaues um die Kurve.


210 026 der CD in Čertova Stěna

210 026-1 "beschleunigt" den Os 18807 aus dem Haltepunkt Certova Strena heraus.


Ja hallo?!?!? Was ist denn jetzt los? Ich hatte ja mit allem gerechnet, Kofferradio.....Legolok....., aber bestimmt nicht mit einer 210er vor so einer Garnitur. Augenblicklich bekomm ich flinke Füße. Der Zug muß einfach verfolgt werden. Warum nur muss das Auto jetzt soweit weg stehen? Naja, etwas Bewegung tut auch gut!
Gott sei Dank muß man auf der Strecke nun nicht all zu sehr hudeln, denn die Reisegeschwindigkeit hält sich in Grenzen. Vorbei an den üblichen Standplätzen gewisser Damen geht es in die Gegend von Jenin. Dort kommt zwar das Licht etwas schräg von hinten, aber auf die Distanz sollte es gehen. Kleine Bemerkung nebenbei: So richtig wollte mein Auto da nicht hin, hatte ich doch vor zwei Jahren unweit der Stelle etwas die Böschung unterschätzt mit der Folge, dass mein Auto mit dem kompletten Unterboden über den Teer geschruppt war.


210 026 der CD in Jenin

Os 18807 mit 210 026-7 in der Kurve hinter Jenin.


Ich kann der Versuchung einfach nicht wiederstehen und fahre nochmal bis Rybnik voraus. In der dortigen Bahnhofseinfahrt müsste die Garnitur nochmal voll ins Licht kommen.


210 026 der CD in Rybnik

210 026-1 hat gleich die Endstation Rybnik erreicht.


Rybnik

Und was meinen die Beobachter der ganzen Aktion: "Man, war das schaaaaf!"


Noch während der Lokalbahnzug in den Bahnhof einläuft, kommt aus Richtung Österreich eine Garnitur CD-Wagen mit Taurus an der Spitze. Auf dem Abstellgleis der Lokalbahn steht zudem noch eine Garnitur mit Triebwagenanhängern. Diese hat aber keine 210er, sondern eine 742er an der Spitze. Noch während ich nach der Nummer schaue, läutet der Bahnübergang an der nördlichen Einfahrt. Aha, der Gegenzug aus Ceske Budejovice. Ab an die südliche Bahnhofsausfahrt und aufgestellt. Leider kommt nur eine City-Shuttle Garnitur mit schiebendem Taurus.


Reisezugwagen der ÖBB in Rybnik

Sp 1933 "Donau-Moldau" verläßt den Bahnhof von Rybnik. Für kräftige Schiebung sorgt 1116 091 der ÖBB.


Und jetzt? Na, da ich sowieso an die Dieselstrecke nach Horice na Sumave will, kann ich auch dem Lokalbahnzug wieder folgen. Da gibt es zwei Stellen an denen man in ganz gut erwischen könnte. So einmal in der Nähe von Myto


210 026 der CD in Mýto

210 026-1 mit Os 18808 wieder auf dem Weg nach Lipno.


und ein weiteres Mal kurz vor Vyssi Brod.


210 026 der CD in Vyssi Brod

Gleich hat der Os 18808 Vyssi Brod erreicht.


Kleine Episode am Rande: Vor Eintreffen des Zuges konnte ich minutenlang einen Angler beobachten, der die Strecke als Laufweg benutzte und ab und zu zum Flußufer hinunter spähte, ob sich nicht irgendwo eine gute Stelle finden ließe. Auch durch penetrantes Pfeifen des herannahenden Zuges ließ er sich nur zögerlich von seinem Tun abbringen! Schließlich siegte der gesunde Menschenverstand und er verließ die Schienen. Einfach einmalig welche Nerven manche Leute haben.

Kurz überlegt ich noch, ob ich das Einlaufen in Lipno noch mitnehmen sollte, entschied mich dann aber dagegen. Schließlich wollte ich die Bardotka nicht auf diese Weise verdödeln.

Da ich auf der Wiese oberhalb der Einfahrt von Horice na Sumave unlängst erst gestanden war, wollte ich eine Stelle etwas weiter hinten ausprobieren. Dabei konnte ich eine der drei großen Freizeitbeschäftigungen der Tschechen bewundern. Angeln!


Horice na Sumave



So ist das im Leben, die einen stellen sich ans Wasser um Würmer zu baden, der andere stellt sich auf die Wiese um die ortsansässigen Insekten zu füttern. Ganz nebenbei gabs aber auch noch ein Eisenbahnbild.


749 252 der CD in Horice na Sumave

Die rote Einzelgängerin 749 252-3 mit Os 8118/9 bei Horice na Sumave.


Zwar passte der Zug nicht komplett ins Motiv, aber ich finds trotzdem gut. Und mit der 252 hatte die CD noch einen idealen Farbklecks für den grünen Hintergrund auf die Strecke geschickt. Jetzt auf und eine Stelle für den Gegenzug gesucht. Da bei Novosedly nichts prickelndes zu finden war, wurde es halt wieder mal Mezipotoci.


749 051 der CD in Mezipotoci

749 051-9 rollt mit Os 8121/1 langsam in den Haltepunkt Mezipotoci ein.


Für mich wars nun Zeit mich langsam Richtung meines Schlafplatzes in Jindrichuv Hradec vor zu fotografieren. Daher war das nächste Etappenziel die Hauptstrecke Ceske Budejovice - Linz. Neben der Hoffnung auf Güterverkehr mit Laminatkas stand der Os 8505 auf dem Zettel. Zwar laut zelpage.cz nur durch eine Büchse gebildet, aber auf dem Weg kann man es mitnehmen. Zwischendrin war mal Zeit mein braves Fotomobil abzulichten.


Dolni Svince

Mein bestes Fotomobil von allen! Gut 10 Jahre alt und bald 400.000 km auf dem Tacho, hat es mich noch nie im Stich gelassen!


Güterverkehr war leider keiner, aber dafür schlug der Bahnübergang für den Os an. Und siehe da, es kam ein Gespann aus 809 und Beiwagen in einer interessanten Lackierungskombination.


809 534 der CD in Dolni Svince

Os 8505 mit Retro-Lack Büchse 809 534-1.


Hey, der Zwischenstopp hat sich ja belohnt. Merke, auch eine Büchse auf einer elektrifizierten Hauptbahn kann gefallen. Ich machte mich wieder auf und steuerte Borovany an der Hauptbahn nach Ceske Velenice an. Leider zeigte sich die Gegend dort recht fotoresistend. Entweder geht die Strecke dort durch Wälder oder sie ist extrem verwachsen. So gabs auch zum Tagesabschluss auch nur ein lala-Bild. Bei der Elektrifizierung hätte man ruhig den ein oder anderen Busch beschneiden können.


242 275 der CD in Borovany

242 275-6 verläßt mit dem Os 2164 aus Ceske Velenice kommend den Bahnhof von Borovany.


Das Licht hatte sich bereits weitestgehend verabschiedet und so gings auf der letzten Etappe direkt nach Jindrichuv Hradec. Das vorausgebuchte Hotel mitten in der sehr schönen Altstadt wurde schnell gefunden und somit stand einem gemütlichen Abend nichts mehr im Weg. Jetzt geht es nur noch an die Planung für den morgigen Tag und dann ab in die Federn. Morgen gehts wieder früh raus.