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Unter der Sonne Spaniens - Teil 2

Von

Freitag, 20.01.2012

Spät war es gestern geworden. Und das lag nicht nur an dem guten Essen im Hotelrestaurant oder an der Flasche „Vino de la Casa. Tinto!“ die Nil so elegant bestellt hatte. Nein, wir waren am Zimmer auch noch fleißig und haben den Tag 2 der Tour vorgeplant. Während ich mich durch die Relationsfahrpläne quälte, in dem Bestreben nur ja keinen Zug zu übersehen, hält Nil mittels google earth nach allen Brücken in der Umgebung Ausschau und überträgt sie auf unsere neue Landkarte.
Zwei kleine Einschübe muss ich hier machen. Ich möchte dem Einsteller der spanischen Fahrplanunterlagen danken, dass er uns die Daten zugänglich gemacht hat. Ohne ihn wäre so einen Tour noch ungleich schwerer oder aufwendiger zu planen. Für was er nichts kann, was einem aber schier wahnsinnig machen kann ist, der Aufbau nach Relationen, sprich Laufwegen der Züge. So muss man, besonders an Strecken die sich später übers halbe Land verzweigen oder auf denen Züge aus den verschiedensten Landesteilen zusammen kommen unendlich viele Einzelpläne durchschauen. Dabei kann man sich eines gewiss sein, irgendeinen Zug übersieht man doch.
Wenn dann noch die Tatsache dazu kommt, dass man nur auf die Unterlagen der vergangenen Fahrplanperiode zurückgreifen kann und noch neu gekaufte Karten ins Spiel kommen, die bei genauerer Betrachtung den Stand von vor einigen Jahren aufzeigen und auch nicht aufs genaueste gezeichnet sind, dann kann das Ganze, trotz Navi, schon sehr überraschungsreich werden.
Nun aber Schluss mit der Vorrede und rein in den Tag. Erstes Fotoobjekt sollte der MD 18033 sein, der Linares um 9.20 Uhr Richtung Norden verlässt. Da die Sonne erst so um 9.00 Uhr über den Horizont kam, war ein früherer Start nicht nötig. So hatten wir Zeit, ausnahmsweise mal das Frühstücksbuffet des Hotels zu plündern.
Wir sind uns ja in vielem einig, aber Frühstück ist so ein Punkt bei dem sich Nils und meine Meinung entschieden teilen. Er kann gern ohne und wenn dann sparsam, ich muss nicht aber machs gerne und dann eher üppig. Sprich, ich ging in der Welt des getoasteten Weißbrots mit Olivenöl und Salz, der Schinken und Käse, der Oliven und Tomaten auf, während er dem ganzen nicht so viel abgewinnen konnte.
Da wir flexibel bleiben wollten checken wir im Anschluss an das Morgenmal erst einmal aus und los gings. Die Ausfahrt aus der Tiefgarage gestaltete sich deutlich entspannter wie die Einfahrt am gestrigen Abend. Nicht dass ich besser Auto fahren könnte, nein, im Gegensatz zu gestern war das enge Ding nämlich heute fast leer. Tja, Glück muss man haben.
Ins erste Sonnenlicht getaucht ging es durch Linares. Während die Stadt auf dem Hügel liegt, verläuft die Eisenbahn im Talgrund. Der Dunst der dort noch herrschte machte uns etwas Sorgen, sollte später aber von Vorteil sein. Wir kamen gut durch, waren daher zeitig am angepeilten Fotoplatz und erlebten die erste Überraschung. Keine sehr angenehme! Denn die Strecke war nicht mehr da wo sie sein sollte und sah auch nicht mehr so aus. Anstatt der eingleisigen Trasse die etwas schräg zur Sonne hin laufen sollte, gabs nur etwas nach hinten versetzt einen zweigleisigen Neubauabschnitt, der tief eingeschnitten und, wen wunderts, aufwendig eingezäunt meistens in einem Einschnitt verlief. Mist, Motiv minus und das Licht passte auch nicht so recht. Da wir noch etwas Zeit hatten fuhren wir der Bahn entlang auf einer gut passierbaren Teerstraße. Im Abstand von ein, zwei Kilometern querten Brücken die Bahn und boten neue Ausblicke, ohne das die Situation dadurch besser wurde. Also kehrten wir um und postierten uns nahe bei Linares. Wir mussten auch nicht lange warten und der MD kam aus dem Bahnhof gefahren. Leider war es nur ein 449er und nicht wie erhofft, ein Vertreter einer älteren Spezies.

449 501 der RENFE in Linares

449 501-6 verlässt als MD 18033 von Jaen her kommend Linares um seine Fahrt nach Norden fort zu setzen.


Das erste Bild ist im Kasten. Und wir sind dem Umstand dankbar, dass sich der Dunst noch nicht ganz aufgelöst hat. Denn das dadurch entstandene Streulicht hat kaschiert, dass die Sonne eigentlich schon zu weit rum war.
Wir werfen noch mal einen Blick auf ein größeres Steinviadukt das in Sichtweite in einem Bogen über den Talgrund führt. Schon bei der Herfahrt ist es uns aufgefallen. Von der Breite her ist zweifelhaft ob hier mal Breitspurgleise lagen. Wir sind uns eigentlich einige, dass dies eher nicht der Fall war. Ein aufgelassener Werksanschluss? Eigentlich ist das Bauwerk dafür zu üppig. Gleisanlagen sind keine mehr zu sehen, übers das Viadukt geht jetzt ein Radweg. Im späteren Verlauf des Tages werden wir hinter Linares noch zweimal auf diesen aufgelassenen Schienenweg stoßen. Und beim Blick auf google earth läßt sich der Verlauf der Trasse auch gut über viele Kilometer verfolgen. Sie zieht sich recht kurvenreich und mit vielen Tunneln durchs Hügelland. Weiß einer vielleicht die Hintergründe dieser Bahn und warum man sie in den Bergen und nicht viel einfacher wie die jetzige Trasse im breiten Talgrund angelegt hat?
Wir machen uns wieder auf den Weg. Bis zum nächsten Personenzug ist noch Zeit, die wir für eine kleine Erkundungstour nutzen wollen. Erst schauen wir zum Bahnhof von Linares….leer….dann geht es zur Dieselstrecke Richtung Almeria. Nil hat dort eine Brücke entdeckt die wir uns anschauen wollen. Luftlinie nicht weit entfernt, fährt man ewige Umwege um dorthin zu gelangen. Dafür entspricht die Stelle den Erwartungen und wird für den abendlichen Zug vorgemerkt.
Nun aber zum Hauptact des heutigen Vormittags. Dem Alaris 694! Wie uns die Fahrpläne gestern Abend enthüllt haben, kommen von Cordoba her ein vereinigter Zug und zwar ein Teil aus Malaga und einer aus Sevilla. In Linares stößt noch ein Teil aus Almeria dazu und gemeinsam geht’s dann gen Norden. Soweit die Theorie und unser Fahrplan.
Wir haben uns entschlossen den Dieselzug Dieselzug sein zu lassen und uns an der E-Strecke von Cordoba her auf die Lauer zu legen. Also zurück und Fotoplatz gesucht. Die erste Brücke stellt sich als unbrauchbar heraus, dafür meint Nil bei Überqueren er hätte etwas güterzugartiges hinter der Kurve bei der Brücke gesehen……… Nein, geht das schon wieder los? Egal, wir biegen kurz danach ab, hoppeln über eine Sandpiste und kommen gut geschüttelt, aber dafür ungerührt auf einem Landgut an. Unterhalb ist noch etwas die Strecke zu sehen und darauf verschwinden gerade die letzten Wagen des Güterzugs…… 0:1 …. und das noch vor 10.00 Uhr!
Was solls, wir haben ja noch einen ganzen Tag um den Rückstand aufzuholen. Wir lassen Giuli am Rande des Gutes in einem Olivenhain zurück. Wo auch sonst? Die Landschaft besteht hier zu 90% aus Olivenhainen. Zu Fuß geht’s hinunter zur Bahn. Die zweite Eigenschaft der Spanier kommt uns hier wieder mal zu Gute, sie bauen nicht nur gerne Zäune an ihre Strecken, nein, sie bauen auch gerne Brücken.
Auf einer solch postieren wir uns und sind begeistert. Eingleisig, die Fahrleitungsmasten auf der für uns richtigen Seite, ein schöner Hintergrund, kein Zaun und … und keine Züge mehr! Dafür dürfen wir bei der Olivenernte zuschauen. Ich muss sagen, Respekt! Was für eine Knochenarbeit. Erst werden Netze durch die Lande geschleppt und unter den Bäumen ausgelegt, dann kommt ein Rüttler und schüttelt den ganzen Baum, was bis dahin noch nicht in die Netze gefallen ist wird mittels langen Stangen händisch herunter geschlagen, um dann anschließen eingesammelt und in die Schaufel eines Radladers verbracht zu werden. Und diese Prozedur wiederholt sich bei jedem der abertausend Bäume aufs Neue!

Torrubia

Während der Rüttler den Baum schüttelt, stehen die Männer mit den Stangen schon bereit den Rest zu erledigen.


Während wir noch begeistert zuschauen kommt einer der Arbeiter zu uns hoch. Leider ist die Konversation aufgrund fehlender Sprachkenntnisse sehr beschränkt. Woher, was macht ihr hier….das geht mit unserem rudimentären Spanisch. Auch seine Erklärung „pocco treno“, mit der er uns sagen will das hier nur wenige Züge fahren, verstehen wir auch. Sicherheitshalber gibt’s die Auskunft dann auch nochmal in ein paar englische Wortfetzen gefasst, dann sind wir drei aber schon am Ende unseres Lateins, will meinen unserer gemeinsamen Sprachfähigkeiten. Eigentlich schade!
Wir sind wieder allein, genießen die Frühlingssonne, beobachten Signale und träumen von einem lokbespannten Zug, der in Linares gleich die Kurswagen von Almeria aufnimmt. Glauben tuen wir eigentlich nicht daran, aber träumen ist ja erlaubt.
Die Durchfahrtszeit ist dann auch schon rum, es vergehen fünf Minuten, zehn Minuten und als wir schlussendlich schon nervös werden, taucht im weit vorne liegenden Einschnitt der Zug auf, gebildet aus …..“zwei kleinen Italienern“. Die da kommen träumen zwar nicht von Napoli (die älteren unter euch werden wissen was ich meine), aber sie können uns trotzdem begeistern.

490 201 der RENFE in Torrubia

Der aus 490 201-1 und 490 209-4 gebildete Alaris 694 nähert sich langsam Linares.

490 209 der RENFE in Torrubia

Nachschuss auf den Alaris 694.


Eines ist nun gewiss, keine Kurswagen aus Almeria! Die Zuführung muss eine andere sein. Damit entfällt auch mein Wunsch für den Nachmittag, am Bahnhof von Almeria die Zugteilung anzuschauen.
Wir haben nun wieder etwas Luft bis zum nächsten Zug und Nil schlägt einen Standortwechsel vor. Etwas weiter hinten hat er gestern noch zwei Brücken eingezeichnet. Um dahin zu kommen müssen wir aber wieder nach Linares zurück. Es geht über kurvige Buckelstraßen hoch nach Jabalquinto, einem Ort der auf einem Bergrücken liegt und von dem man einen traumhaften Ausblick auf die umliegende Landschaft hat, und wieder zurück ins Tal. Urlaub ist einfach herrlich! Unten angekommen finden wir eine Stelle auf der sich der Zug quer schießen lässt, im Hintergrund gekrönt von der Silhouette von dem eben durchfahrenen Jabalquinto. Das gefällt und wir bleiben.

449 044 der RENFE in Jabalquinto

Vor dem Hintergrund des hoch am Berg liegenden Ortes Jabalquinto rollt MD 18030, gebildet aus den Triebwagen 499 044-7 und 065-3 in Richtung Westen.


Gott sei Dank stehen wir weit genug weg. So haben wir kein Problem als der MD, übrigens als einziger den wir gesehen haben, als Doppeleinheit daher kommt. Und auch der Schlonz, der die Sonne zwischenzeitlich immer etwas verdunkelt hat, kann uns das Motiv nicht vermiesen. Wir findens klasse.
Leider wars das aber nun mit dem Vormittagsprogramm. Die nächsten sicheren Leistungen stehen erst nachmittags an. Passt aber ganz gut, denn erstens wollen wir die nördlich von Linares ablichten, zweiten melden sich unsere Mägen mit Vehemenz. Also zurück geschaukelt und den Bahnhof von Linares angepeilt. Dort gibt’s zwar nicht die erhofften Fahrplanheftchen für den Regionalverkehr, dafür aber Fahrpläne zum abfotografieren, die Erkenntnis wie der Anschluss an den Alaris hergestellt wird, nämlich durch einen 599er und einen abgestellten Eurosprinter der heute Morgen noch nicht da war.

252 068 der RENFE in Linares

Siesta in der Mittagszeit! 252 068-2 ruht sich im Bahnhof von Linares aus. Dabei wirft er die Frage auf, wie, warum und für welche Leistung er hier her gekommen ist.


Soweit wäre also alles erledigt. Halt! Da war doch noch was *grmbl*! Stimmt! Unsere Mägen wollen ja auch noch gefüllt werden. Nils Adlerauge sichtet einen Krämerladen, der neben dem Brot was im Schaufenster sichtbar ist, noch alles vorrätig hat, was man so braucht. Getränke, Keckse, Oliven, leckere € 2,- Salami.
Nun kann es weiter gehen. Der Plan ist uns bei Vilches ein nettes Plätzchen zu suchen, dort zu essen, auf evtl. vorbei kommendes zu warten und uns dann für die nächsten Planleistungen aufzustellen. Soweit so gut. Doch den ersten Knoten bringen wir gleich zu Beginn rein. Statt einen Umweg auf der breiteren Straße zu fahren, geht’s auf direktem Weg über Nebenstraßen. Kürzer aber nerviger und zeitlich mindestens gleich lang. Wieder in Streckennähe angekommen sichten wir hoch am Hang eine tolle Gitterbrücke. Daneben stehen Gebäude, sprich es geht eine Straße hin! Gebucht für den südwärts fahrenden Alaris. Weiter Richtung Vilches sieht es aber schlecht aus. Die Strecke läuft ungünstig im Licht, am Hang, keine Wege und kein freies Schussfeld. Brotzeit gibt’s daher direkt in Vilches, wir stehen eher schlecht als recht, aber egal, es kommt sowieso nichts. Als wir aufgegessen haben machen wir uns auf den Weg Richtung Brücke. Es ist massig Zeit und wir sind gut drauf. Die Straße ist auch gleich gefunden, halt, was macht hier ein Andreaskreuz an der Straße, und was heißt es auf dem Schild da…….irgendwas mit Halt, Kontrolle, Militär……..sch…. Wir sind auf die Zufahrt zu einer Kaserne geraten. Das Ganze also im Rückwärtsgang wieder zurück. Aus gebührender Entfernung schauen wir uns die Lage nochmal an und sehen, dass der Zaun der Militäranlage bis fast an die Brücke reicht. Wachtürme, Kameras, Stacheldraht…. Selbst wenn wir da hin kommen stehen die Chancen gut, dass es Ärger gibt. Muss nicht sein! Erst recht nicht, wenn wir für diesen Ärger auch noch eine halbe Stunde durch Olivenhaine laufen müssen. Also schnell wenden und hinter Vilches versuchen. Und schon haben wir wieder Eile. Irgendwie erinnert das alles jetzt an gestern. Die Ortsdurchfahrt von Vilches trägt nun mit ihren Ampeln die keiner braucht auch nicht zur Beruhigung bei, dafür können wir Orangen- und Zitronenbäumchen als Straßenschmuck bewundern.


Straßenbegrünung a la Spanien


Immer wieder ein etwas skurriler Anblick für einen Mitteleuropäer! Wir müssen aber wieder zwecks Fotopunkt Ausschau halten. Die Bahnhofsbrücke gefällt Nil ganz gut, kann mich aber nicht begeistern. Die nächste Brücke am Ende der Geraden find ich ganz o.k., Nil dafür eher weniger. Hilft aber nix, denn genau als wir ankommen, kommt ein Güterzug mit einer 335er an der Spitze durch Olivenhain gerollt. Und diesmal sind wir rechtzeitig da! Ja, ja, ja!

335 6 der ECR in Vilches

Endlich mal im richtigen Moment am richtigen Ort! 335 006-3 mit einem Güterzug Richtung Cordoba kurz vor Vilches.


1:1! Welch ein Ausgleich!

Nur Nil kann sich mit dem Standort nicht recht anfreunden. Für den bald anstehenden Alaris will er deshalb runter ans Gleis und neben den Olivenbäumen Aufstellung nehmen. Ich finde die Idee nicht schlecht und postiere mit etwas weiter vorne um die 490er in der Kurve unter der Brücke aufzunehmen. Doch der Fotograf denk, der Eisenbahngott lenkt. Statt des anscheinend verspäteten Alaris kommt der MD 18035 von Linares her. Also genau aus der anderen Richtung und damit aus der Sonne. Nil telt in die lange Gerade hinein, ich versuchs mit einem Nachschuss. Ehrlich gesagt, seine Lösung der Situation gefällt mir deutlich besser.


Statt des erwarteten aber anscheinend verspäteten Alaris von Norden her, schiebt sich von hinten MD 18035 gebildet aus 499 055 heran. Im Intergrund ist noch die Silhouette der Burg von Vilches zu erkennen

449 555 der RENFE in Vilches

Nachschuss auf den MD 18035


So, was nun? Wir überlegen, dass der Alaris ja jetzt erst irgendwo kreuzen muss. Also haben wir noch Zeit. Da der Standort hier nicht so das Gelbe vom Ei ist, wollen wir uns zur Bahnhofsbrücke verschieben. Welch fatale Entscheidung! Nun beginnt das, was wir in den späteren Tagen spaßeshalber zum Motto der Tour erklärt haben: „Der Fluch der fehlenden Minute!“
Wir laufen also los, im Geschwindschritt geht’s zum Auto, schnell gewendet, rauf auf die Hauptstraße, abgebogen Richtung Vilches, über einen Hügel gebraust und siehe da, vor uns rollt gemütlich der Alaris auf die Ortschaft zu. Mist! Wo kommt der denn so schnell her? Wenn wir nur etwas schneller dran gewesen wären. Nach einer Schrecksekunde trete ich aufs Gas. Schließlich hat der Zug einen Halt in Vilches, das heißt langsam einfahren, mindestens eine Minute Aufenthalt, beschleunigen…. Könnte für uns reichen! Wir stauben durch Vilches, schnell genug, aber nicht zu schnell um nichts zu riskieren. Schließlich ist das Hobby nicht wert dass andere deshalb zu Schaden kommen. Da, da ist der Ortsausgang und da, da ist die Brücke! Und dort, dort fährt unser Zug gerade um die Kurve!!! Wieder hat nur diese eine Minute gefehlt! Was jetzt?
Während wir Richtung Linares fahren reift bei mir eine Überlegung: Der Zug nach Almeria muss ja in Linares warten um den Anschluss wahr zu nehmen. Der Alaris hat gleich nochmal einen Halt. Wenn wir also schnell genug um Linares herum sind, könnten wir den Dieselzug noch an der Stelle schaffen, die wir heute Morgen angeschaut haben. Mit Nil kurz besprochen und schon tippt der die neue Route ins Navi ein und vertieft sich in die Karte. Bei der Fahrt nach Linares sehen wir neben der Hauptstraße ein nagelneues Planung für eine Eisenbahnstrecke die wir uns nicht erklären können. Sie biegt von Süden her kommend von der Hauptstrecke ab und führt hinauf nach Linares. Gleise fehlen zwar, aber der Zaun ist schon mal da! *grins* Komisch, wohin die wohl gehen soll? In der Karte ist sie nicht, dafür zeigt das Navi auf der anderen Straßenseite eine Bahnlinie an, die es dort gar nicht gibt! Mystery!
Ohne größere Verzögerung kommen wir um Linares herum. Die Strecke danach kennen wir schon von heute Morgen. Es geht also alles flott und wir rechnen nebenbei immer, wann der Zug raus gehen müsste. Es könnte klappen, es könnte klappen! Schon haben wir Campillo del Rio erreicht wo sich die Fotobrücke befindet und da vorne ist sie auch! Bei der Auffahrt auf die Brückenrampe sage ich zu Nil: „Warts ab, wir stehen oben und der Zug fährt unter uns durch!“ Upps! Und da war sie wieder die fehlende Minute! *grrrrrrr* Nil versucht sich noch an einem Nachschuss durchs Autofenster, aber außer Oliven, Sträucher und Signalstangen bekommt er nichts nennenswertes aufs Bild. So eine Sch…..!
Jetzt stehen wir da im warmen Abendlicht und trösten uns mit der Aussicht, dass in einer Stunde nochmal ein Zug kommt, der aller Wahrscheinlichkeit wieder aus einem 599er gebildet wird. Wir haben also wenigstens motivlich nichts verpasst.
Es ist schön hier auf der Brücke. Rechts sieht man die weiter oben schon beschriebene Trasse der unbekannten, aufgelösten Bahnstrecke, links, auf der anderen Talseite die E-Strecke nach Almeria. Und mit diesem Blick kommt es für uns jetzt knüppeldick! Wie war noch gleich unsere Güterzugbilanz heute? 1:1? Ja schon, aber nicht mehr lange!
Während wir an der Dieselstrecke warten röhrt es auf der anderen Talseite ein ums andere Mal. Erst kommt eine weitere 335er gen Westen vorbei, dann rollen zwei 333.3 als Lz aus Richtung Cordoba heran und zu guter Letzt, eine 333.3 mit einem Schotterzug! Mehr aus Frust drehe ich das Tele auf und halte einmal quer über den Talgrund. Zuhause bei der Durchsicht stellt sich dann raus, dass man das Bild durchaus brauchen kann. Immerhin….

Baureihe 333.3 der RENFE in Campillo del Rio

Eine unbekannt gebliebene 333.3 zieht einen Schotterzug aus Richtung Cordoba kommend Linares entgegen.


Mit etwas Wohlwollen kommen wir so an diesem Tag auf ein schmeichelhaftes 2:3. Naja, immerhin besser als gestern. *grins*
Kurz danach ist es auch bei uns soweit und wir bekommen unser Bild mit dem Triebzug nach Süden.

599 067 der RENFE in Campillo del Rio

Im letzten Abendlicht passiert 599 067-6 als MD 13090 unsere Fotostelle in Campillo del Rio.


Ein schöner Abschluss eines wieder mal durchwachsenen Tags. Wir sollten vielleicht weniger wollen und damit nicht so viel riskieren.
Während die Sonne hinter den Horizont sinkt nutzen wir noch die Zeit und schauen uns etwas an der Dieselstrecke um. Schon beim Warten auf den MD hatten wir entschieden noch eine Nacht in Linares zu bleiben und morgen die Dieselstrecke entlang nach Granada zu fahren. Da die ersten Bilder hier in der Umgebung entstehen sollen, wollen wir uns schon mal mögliche Fotopunkte auskucken. Unterhalb von Torreblasopedro finden wir eine schöne Stelle. Zwar sind wir uns nicht ganz sicher ob sie morgens richtig im Licht ist, aber ein Querschuss mit weiter Landschaft im Hintergrund sollte gehen. Damit steht das Programm und wir machen uns auf den Weg ins Hotel. Schnell noch tanken und schon stehen wir wieder an der Rezeption und checken ein. Das Zimmer heute ist noch besser als das von Gestern und das alles für € 49,- pro Nacht. Nicht schlecht.
Nach dem Duschen geht’s zum Essen. Etwas im Zweifel ob wir aufgrund der Uhrzeit noch was bekommen äugen wir ins leere Restaurant. Sieht nicht gut aus, dunkel, die Tische nicht eingedeckt. Schon werden wir auch auf Spanisch angesprochen, hm, schon zu, nein, nein, noch nicht auf! Ahhh! Wir sind also nicht zu spät, sondern zu früh. Naja, andere Länder, andere Sitten. Wir bekommen die Menükarte gereicht, ich reiße das Taschenwörterbuch heraus und los geht das lustige Übersetzen. Zu trinken gibt’s heute Cervesa. Man sieht unser Dilemma mit der Karte, lacht, gestikuliert, erklärt, läuft und bringt uns eine Karte mit Einzelessen…..allerdings auch Spanisch! Gut gemeint, bringt uns aber auch nicht weiter. Da dort noch mehr zum Übersetzen drauf steht, wenden wir uns wieder der Menükarte zu. Man siehts, lacht, gestikuliert, erklärt, läuft und bringt……die Einzelkarte mittels google übersetzt und als Computerausdruck! *grins* Lieb, sehr lieb gemeint, doch die goggele-Übersetzung ins Englische ist in ihrer Sinnentstellung noch verwirrender als das spanische Original. Irgendwie kriegen wir doch raus was wir wollen, es schmeckt lecker, nur die Portionen werden irgendwie von Tag zu Tag immer größer. *puh*
Jetzt sind wir im Zimmer, schreiben den Laufplan für morgen und suchen uns auf Karte der und online mögliche Fotostandpunkte aus. Dann heißt ab ins Bett. Schließlich habe ich morgen meinen großen Tag…..