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Unter der Sonne Spaniens - Teil 4

Von

Sonntag, 22.01.2012


Von wegen Sonntagsruhe! Gegen 6.30 Uhr hat sich Pink neben mir wieder gemeldet. Ich find sie ja durchaus toll, aber ruhig neben mir liegend statt singend wäre sie mir jetzt deutlich lieber. Mechanisch geht’s ins Bad, dann Koffer packen und ab ins Auto. Während Nil auscheckt befreie ich Giulli aus der Tiefgarage und ab Richtung Autobahn.

Wir wollen nach Laborcillas zur gestern gesichteten Stahlbrücke, immer noch guten Mutes, dass es die Sonne bis zum geschätzten Eintreffen des Talgo aus Almeria schafft. Während wir aus Granada heraus rollen ist es noch dunkel und nur über den Bergen zeigt sich zaghaftes Grau. Es wird also spannend. Auf dem Weg nach Nordwesten kommt uns ein Media Distancia entgegen. Vom 599er sieht man eigentlich nur den Frontscheinwerfer bis er an uns vorbei ist. Als wir in Iznalloz von der Autobahn runter fahren wird es langsam hell und am Fotopunkt angekommen haben wir den Eindruck, dass es sich nur mehr um Minuten handeln kann bis die Sonne über den Kamm der Berge kommt. Gut so, denn schließlich dürfte auch der Zug bald da sein. Sofern unsere Schätzungen stimmen. Aber erst einmal heißt es Jacke an und Mütze auf, es ist nämlich a…kalt. Dann hoch den Berg und erst mal gefrühstückt.


Laborcillas

Noch ist es kalt im Süden Spaniens. Während die Strecke noch im Schatten der Berge liegt lässt sich Nil schon mal das Frühstück schmecken.


Laborcillas

Wie bestellt schieb sich die Sonne über den Bergkamm hinter uns.


Es geht doch nichts über ein gemütliches Sonntagsfrühstück draußen in der Sonne . *grins* Und wie bestellt schiebt sich jetzt auch endlich die Sonne zur Gänze über den Bergkamm. Keinen Moment zu früh, denn wir hören schon den Diesel unten am Fuß der Rampe grummeln. Und während wir beständig unsere Belichtung neu anpassen, schiebt sich 334 027-0 mit dem Talgo 277 den Berg herauf.


334 027 der RENFE in Laborcillas

Im ersten Lichtspot kommt 334 027-0 mit dem Talgo 277 von Almeria her.


334 027 der RENFE in Laborcillas

Das Hauptmotiv! 334 027-0 auf der Stahlbrücke bei der kleinen Ortschaft Laborcillas.


Ein gutes dutzendmal auslösen später ist das Hauptmotiv und ein perfekter Tagesbeginn im Kasten. Wir schauen dem Zug noch etwas nach wie er sich durch die Kurven schlängelt und dabei langsam an Höhe gewinnt, dann geht’s wieder zum Auto und ab in die Wärme. Bis zum nächsten Zug, dem MD 18335, haben wir noch eine gute Stunde Zeit. Eigentlich wollten wir den frontal in der Rampe schießen, doch die Sonne macht uns einen Strich durch die Rechnung. Sie ist jetzt schon zu weit rum und zudem werfen ein Haus und eine Bahnböschung zu viel Schatten. So geht’s also nur quer oberhalb des Bahnhofs. Schade, denn von der angepeilten Brücke wäre die Steilheit der Rampe gut heraus gekommen. Bis der Zug kommt knobeln wir noch etwas am weiteren Tagesplan und verdösen die Zeit. Dann endlich ist es soweit und der MD 18335 beschleunigt langsam aus dem Bahnhof von Moreda heraus.


599 070 der RENFE in Moreda

599 070-0 als MD 18335 macht sich wieder auf den Weg nach Linares.


Äch, schon wieder ein 599er. Die hab ich jetzt aber auch schon langsam gesehen. *grmbl* Gut, dass jetzt was anderes ansteht! Nil hat nämlich bei seinem Fahrplanstudium herausgefummelt, dass wir den Altaria nach Granada gleich zweimal kriegen könnten. Ursprünglich wollten wir ihn ja auf der Dieselpiste erlegen, nun meint Nil, wir könnten ihn schon auf der Schnellfahrstrecke erreichen, dann die Zeit nutzen die er zum Umspuren und Umspannen braucht und an die Dieselstrecke wechseln. Ob das gut geht? Wir werden schon wieder wagemutig! Das Navi meint ja und schon sind wir unterwegs.

Flott geht es an Granada vorbei und da die Autobahn sonntäglich leer ist, haben wir kein Problem bei Zeiten Antequera zu passieren und in Fuente de Pedra die Autobahn zu verlassen. Gleich die erste Brücke nach der Abfahrt hat es uns angetan. Ein rauchender Industriebetrieb sorgt in der ansonsten flachen Landschaft für ein interessantes Motiv. Kaum sind wir ausgestiegen, rumort es kräftig von hinten und ein Entenschnabel donnert heran.


Baureihe 102 "Pato" der RENFE in Los Carrajales

Ein unbekannt gebliebener S-102/112 jagt an uns vorbei Madrid entgegen.


Irgendwie bin ich noch nicht auf Schnellfahrstrecke programmiert und vergesse noch schnell auf die Nummer zu halten. Oder bin ich nur erschrocken, weil ich die Fahrzeuge so hässlich finde? Egal, auf alle Fälle muss ich die Fahrzeugnummer in diesem Fall schuldig bleiben. Rund eine Viertelstunde vergeht und dann kommt der angepeilte Altaria aus Madrid.


252 001 der RENFE in Los Carrajales

Die erste ihrer Reihe. 252 001-3 eilt mit dem Altaria 9218 von Madrid nach Granada die letzten Kilometer bis zur Umspurstation in Antequera.


Ist das Timing? Ha! Besser hätte es ja gar nicht klappen können. Jetzt steht der Wechsel zur Dieselstrecke in Richtung Granada an. Wir können nur schätzen wann der Zug dort auftaucht und beeilen uns lieber. Bei Archidona geht’s von der Autobahn, dort wollen wir es versuchen, denn hier sollte die Sonne passen. Kurz vor der Altbaustrecke unterfahren wir das imposante Brückenbauwerk der Neubaustrecke Antequera – Granada mit dem diese aus dem Talgrund heraus an Höhe gewinnt. Es ist schon begeisternd wieviel Spanien im ganzen Land in den Auf- und Ausbau der Infrastruktur streckt. Auf alle Fälle sollte man sich die Brücke merken. Könnte nach der Eröffnung ein ganz gutes Motiv sein.

Aber wieder zurück in die Gegenwart. An der ausgewählten Stelle angekommen müssen wir leider feststellen, dass diese völlig unbrauchbar ist. Nicht nur das die Strecke hier eine enge Kurve beschreibt, nein, auch dichte Verbuschung macht ein Foto unmöglich. Aber was jetzt? Wir probieren etwas herum, merken dass nichts geht, hängen unsere Ohren in den Wind um evtl. Motorengeräusche eines sich nähernden Zuges zu erhaschen und entschließen uns dann es etwas weiter hinten zu versuchen. Dort werden wir auch fündig. Nach einem kurzen Sprint bergab durch den Olivenhain keuchen wir auch schon auf der anderen Seite wieder den Hang hoch. Keinen Augenblick zu früh, denn kaum haben wir eine einigermaßen gute Fotoposition gefunden, rollt es auch schon. Aber nicht der Altaria, nein, aus Granada rollt ein MD daher. Und aus was ist er gebildet? Aus einem 599er! Welch tolle Überraschung…. *grmbl* !


599 080 der RENFE in Archidona

Still und heimlich hatte sich 599 080-9 als MD 13943 von Granada kommend von hinten angeschlichen.


Upps! Da wir uns sowieso auf den Altaria konzentrieren wollten, hatten wir nach Verkehr aus Richtung Granada gar nicht geschaut. Na gut, so wussten wir jetzt jedenfalls sicher, dass es bis zum Zug aus Madrid noch etwas dauern würde. Zeit genug nach einer anderen Fotoposition und der uns umgebenden „Botanik“ zu schauen.


Archidona

Oliven, Oliven und nichts als Oliven. 2/3 Andalusiens scheinen aus Olivenhainen zu bestehen. Kein Wunder das Spanien der weltgrößte Hersteller von Olivenöl ist.


Während Nil weiter oben kreuz und quer durch den Hain stapft habe ich relativ schnell eine etwas andere Stelle gefunden. Recht viel Unterschied in der Perspektive ergibt sich sowieso nicht. Lange brauchen wir eh nicht zu warten, denn kurz nach dem MD kommt mit markantem Brummen 334 012-2 um die Kurve gefahren.


334 012 der RENFE in Archidona

Altaria 9218 die Zweite. Diesmal mit deutlich niedrigerer Geschwindigkeit und gezogen von 334 012-0.


Jetzt ist Pause! Sprich, wir haben auf allen Strecken in der Umgebung eine zuglose Zeit. Gut, denn wir wollen uns in Richtung Malaga verschieben. Ob an die Neubaustrecke oder an die alte Breitspurroute ist noch nicht ganz klar. Mal sehen.

Erst einmal geht’s noch um die nächste Kurve. Siehe da, hier gibt’s noch eine Stelle, die wir als ganz nett einordnen und abspeichern. Dann fahren wir zurück, über Antequera soll es nun auf einer Straße in die Berge gehen. Dort wollen wir quer fahren und schauen, ob wir an eine der beiden Strecken ran kommen. Aber vorher müssen wir noch durch dieses Antequera und siehe da, bei der Durchfahrt durch die engen, verwinkelten Straßen kommen wir an einem Krusty Burger vorbei! *grins* Ohne Scherz! Original mit Clownskopf-Logo und allem Drum und Dran. Als Nil meint, hier hätte es in der Nähe ein Hotel in dem wir ggf. übernachten könnten, kommt von mir als bekennendem Simpson-Fan spontan: „Dann gibt’s aber heute Abendessen bei Krusty Burger!“.

Endlich sind wir aus dem Gewühle wieder aufgetaucht und ab geht’s in die Berge. Hier irgendwo muss die Neubaustrecke laufen. Nur gibt’s da ein kleines Problem. Auf meiner neu gekauften Karte ist diese noch als „under construction“ eingezeichnet. Somit haben wir keine Peilung, wann sie im Tunnel läuft und wann nicht. So programmieren wir ins Navi erstmal den Haltepunkt an der Altbaustrecke, in der Hoffnung so evtl. auch auf die Schnellstrecke zu stoßen. So kommt es dann auch und wir finden uns am Eingang zum langen Tunnel wieder. Nur steht das Licht hier achsig und der Notfallplatz vor dem Tunnel und ein Einschnitt laden nicht gerade zum Fotografieren ein. Während wir noch überlegen wie weiter, passieren unseren Standort je ein AVE in jede Richtung.

Für uns heißt es jetzt wieder auf die Hauptstraße zurück kurven und einen neuen Versuch starten. Den nächsten zum quer fahren machen wir in Valle de Abdalajis und siehe da, wir sind oberhalb des südlichen Tunnelausgangs. Perfekt! Aber halt, den Felsen rechts kenne ich doch!?!? Der schaut so aus wie der, den man vom Bahnhof von El Chorro aus sieht. Dann kann der nicht mehr weit sein und mit der dortigen Bahnhofsausfahrt habe ich noch eine Rechnung offen. Nicht nur weil mir hier Wespen die im Fuß einer Wartebank lebten den Knöchel komplett zerstochen hatten. Die Wolken am Himmel hatten damals auch noch das Foto von der Einfahrt des Zugs verdorben.

Ich finde den Bahnhof irgendwie witzig, liegt er doch in einer Kurve zwischen zwei Tunnels. Und da gleich zwei Züge anstehen, überrede ich Nil, dass wir uns über die kurvige, holprige Straße steil in Richtung Talgrund stürzen. Unterwegs hätte es dann fast noch eine Kollision mit einem fliehenden Pferd gegeben, das von einem Schäferhund in unsere Richtung gehetzt wurde.

Unten angekommen muss ich feststellen, dass sich der kleine Bahnhof arg verändert hat. Positiv, die alten Wartebänke sind ersetzt worden und damit sind auch die Wespen weg! *grins* Mein Knöchel bemerkts mit Freude. Aber leider ist auch das ehemals schiefe und eckige Ausweichgleis neu auf- und die beiden Sicherheitsweichen ausgebaut, und der lustige schmale Mittelbahnsteig verschwunden. Die Züge halten jetzt am „Hausbahnsteig“. Geblieben ist aber auf den 100 m Länge zwischen den beiden Tunnels der Wasserturm und das Unterwerk. Alles eng, verwinkelt und urig. Zugegeben, es gibt schönere Fotopunkte, aber irgendwie hat es mir der Blick angetan. Und diesmal ist auch das Licht stabil, sodass der durchfahrende Zug mit dem Felsen im Hintergrund auf den Chip gebannt werden kann.

599 092 der RENFE in El Chorro

Ohne Halt passiert MD 13905 von Malaga kommend die kleine Station von El Chorro. Gebildet wird er an diesem Tag aus 599 092-4.


598 519 der RENFE in El Chorro

Zum Vergleich die Situation am 16.07.2008. 598 519-7 als R-598 aus Sevilla hat eine Reisende nach El Chorro gebracht und beschleunigt nun wieder um nach Malaga weiter zu fahren.


Gut, das Bild habe ich im Kasten, aber ein zweites braucht es nun nicht unbedingt. Wir überlegen was wir machen. Nil möchte gerne den Eingang des Canyons sehen mit dem Beginn des verfallenen Königswegs, schließlich habe ich ihm davon schon die ganze Zeit vorgeschwärmt. Außerdem wollen wir versuchen dort den Gegenzug, der bald auftauchen müsste, quer zu schießen. Eine ordentliche Stelle hätten wir bald gefunden, nur ist schon viel Schatten im Tal und wir stehen zu tief. Leider lässt der steile Hang keine Aufstiegsmöglichkeit zu, außer wir beteiligen uns an den Kletterversuchen der Alpinisten nebenan. Aber ich komme nur aus dem Mittelgebirge und Nil gar aus der „flachen“ Nordschweiz und so lassen wir es bleiben. *grins* Es muss dann halt einfach vom Talgrund aus gehen.


Baureihe 599 der RENFE in El Chorro

Ein unbekannt gebliebener 599er rollt als MD 13904 hoch über dem Fluß in Richtung Malaga.


Wir sind uns einig, an der Strecke könnte viel gehen wenn man nur genügend Zeit investieren würde. Wollen wir aber nicht. Erstens stehen jetzt in nächster Zeit keine Planzüge an und auf die evtl. Durchfahrt eines der raren Güterzüge wollen wir nicht spekulieren, zweitens hat Nil schon gestern angemeldet, dass er an die Neubaustrecke will. Also los!

Wir quälen uns wieder den Berg hoch und auf der anderen Seite zum südlichen Ausgang des Tunnels hinunter. Dort bietet sich dasselbe Bild wie im Norden. Ein großer freier und asphaltierter Platz für den Notfall. Wir müssen weiter suchen. Gut das parallel zum Gleis etwas oberhalb eine Straße verläuft. Die wollen wir nehmen, doch halt, was ist das? Gerade kommt eben genau diese Straße ein Auto gefahren, legt eine Vollbremsung her und hoppelt dann steil über eine Schräge zu uns hoch. Gewarnt fahre ich langsam bis an die Kante. So etwas habe ich noch nie gesehen! Die ganze Straße ist auf einige hundert Meter Länge mehrere Meter abgesackt. Um da runter zu kommen muss man über die Steile Abbruchkante nach unten hoppeln. Unglaublich! Im Schritttempo geht es nach unten. Es ist wie gesagt steil und Giulli hat vorne eine schnittige, tiefe, jetzt aber extrem unpraktische Frontschürze. Puh, geschafft! Wir sind heil unten! Kein Schild, kein Hinweis warnt vor diesem Hindernis! Nicht auszudenken was passiert wäre, hätten wir die Stelle bei Dunkelheit passiert. Ein kleiner Freiflug mit beträchtlichem Schaden an Schürze und Unterboden wäre uns sicher gewesen!

Nachdem wir die Rampe auf der anderen Seite gemeistert haben finden wir eine schöne Fotostelle. Noch ist sie wegen des Sonnenstandes nicht zu gebrauchen, in einer Stunde oder so sollte es gehen. Von meinem Urlaub in 2008 weiß ich, dass es etwas weiter hinten 3 große Talbrücken gibt. Ich hatte sie damals beim Landeanflug gesehen und auch fotografiert. Und dahin fahren wir jetzt. Auf dem Weg dorthin hat die Straße noch einige Überraschungen für uns parat. Sie ist noch an anderen Stellen abgerutscht, bildet dadurch eine Buckelpiste und einmal ist die rechte Fahrspur einfach mal 2 Meter tiefer als die Gegenfahrbahn. Ich entscheide mich spontan auf der oberen Spur zu fahren, was Nil nicht so begeistert aufnimmt. Auf der Rückfahrt sehe ich dann auch warum! Das hätte leicht schief gehen können, denn der Belag war hier recht unterhöhlt! *grins*

Mit etwas Spürsinn finden wir bei Casablanquilla eine Stelle mit Blick über die Bahn. Das erste Bild schießen wir noch direkt von der Straßenbrücke, dann verziehen wir uns in die Botanik und haben einen tollen Blick übers Land.


112 049 der RENFE in Casablanquilla

S-112 049-2 eilt als AVE 02122 seinem Ziel Malaga entgegen.


102 009 der RENFE in Casablanquilla

AVE 02163, gebildet aus S-102 009, strebt dagegen der Hauptstadt Madrid zu.


102 009 der RENFE in Valle de Abdalajia

Die letzte der großen Talbrücken passierend hat AVE 02163 gleich die Berge erreicht und wird in einer Minute im großen Tunnel verschwinden.


Schön ist es hier in der warmen Nachmittagssonne. Wir sitzen noch etwas gemütlich am Hang, verputzen unsere Brotzeit und genießen das Leben. Dann geht’s für den nächsten AVE aus Norden an die Stelle kurz hinter dem Tunnelausgang. Also, wieder zurück auf der Katastrophenstraße!


102 017 der RENFE in Valle de Abdalajia

Gerade ist AVE 02142 wieder ans Tageslicht gekommen und schon jagt er mit dem führenden Triebkopf S-102 017-1 an uns vorbei.


Ganz nett hier, aber weiter hinten gibt es noch eine Stelle an der letzten Talbrücke. Die wollen wir unbedingt versuchen. Nicht zuletzt weil hier die langsam sinkende Sonne noch am längsten die Strecke bescheinen wird.
Um dorthin zu kommen müssen wir aber Giulli am Straßenrand stehen lassen und uns auf Schusters Rappen begeben. Unterwegs hören wir ein bekanntes Rauschen. Ein kurzer Sprint und es gibt einmal AVE quer auf der Brücke.


Baureihe 102 "Pato" der RENFE in Casablanquilla

Ein AVE Richtung Malaga rauscht über die letzte Talbrücke vor dem Tunneleingang.


Wir stehen einfach zu weit weg um die Nummer des Triebkopfs zu erhaschen. Außerdem ist irgendwie der Fahrplan durcheinander gekommen, so dass wir auch keine Zugnummer haben.
Egal, wir marschieren weiter Richtung Brücke und stellen uns für den nächsten AVE auf.


102 020 der RENFE in Casablanquilla

S-102 020-5 als AVE 02173 auf dem Weg nach Madrid.


Naja, ich will ja nicht motzen…….aber nun wirds langsam auch hier etwas öde in Sachen Fahrzeuge. Nur Entenschnäbel in Form von S-102/112…. Vor vier Jahren liefen hier doch auch noch die Alstom-Garnituren und sogar Velaro. Letztere standen bei Nil auch auf der Wunschliste! Während wir überlegen uns nochmal zu verschieben und die ersten Frühlingsboten ablichten, verteile ich einen gut Teil meines Rucksackinhalts im Gelände. Ich hatte vergessen den Reißverschluss zu zumachen. *grmpf* 1000x kontrolliere ich das Ding normalerweise und jetzt lauf ich damit offen durch die Lande. Es ist ein riesen Glück, dass mir das alles, inkl. Kamera, nicht schon auf dem Weg herausgerutscht ist. Nicht auszudenken! Ich hätte ja nie alles wieder gefunden!!!


Casablanquilla

Blühende Bäume im Januar! Gut das wir zu diesem Zeitpunkt nicht wussten, dass wir drei Wochen später zuhause bei -20° C durch den Schnee stapfen würden.


Ein gutes hat das Ganze aber auch. Wir bekommen so den nächsten Zug noch mit, der wiedermal aus der Reihe an uns vorbeikommt. Und das was kommt weiß durchaus zu begeistern. Es ist die Normalspurvariante des Italieners. Diese Reihe besorgt hier auf der Schnellfahrstrecke den „Regionalverkehr“.


Baureihe 104 der RENFE in Casablanquilla

Unverkennbar italienische Wurzeln hat S104-008, der auf der Schnellfahrstrecke als Media Distancia in Richtung Malaga unterwegs ist.


So haben wir jetzt beide Varianten gesehen und abgelichtet. Super!

Langsam verschwindet das Licht und wir müssen uns auf die Herbergssuche machen. Auf dem Weg Richtung Alora und Hauptstraße kommen wir noch an einer Stelle vorbei, die wir vorher schon gesehen hatten. Unterhalb einer der großen Brücken liegt ein Orangenhain. Ein schöner Kontrast würde sich hier ergeben. Grüne Bäume deren orangen Früchte im Abendlicht strahlen, darüber der tiefblaue Himmel und davor, ein strahlend weißer Zug. So könnte es aussehen, aber die schnell sinkende Abendsonne taucht die Bäume ins Dunkel. Nil versucht es zwar noch, doch ich halte mich höflich zurück.

Etwas uneins wo wir nächtigen wollen fahren wir los. Ich bin dafür, dass wir in Malaga suchen, Nil will eher am „flachen Land“ Unterschlupf finden. Nur eins steht fest, der Tag soll morgen im ca. 40 km entfernten Campillos beginnen. Dort standen vor 4 Jahren noch mechanische Signale und wir wollen auf jeden Fall schauen, ob die noch da sind. Auf dem Weg zur Hauptstraße kommt uns hinter Alora die S-Bahn von aus Malaga entgegen. Und siehe da, kein 446er ist unterwegs, sondern ein vierteiliger Civia. Nun bin auch ich dafür hier zu übernachten, denn vielleicht könnte man ja morgens gleich mit einem solchen Zug starten. Eine schöne Fotostelle wüsste ich.
Um an die Fahrzeiten zu kommen fahren wir zum nächstgelegenen Bahnhof nach Pizarra. Dort gibt es zwar keine Heftchen, dafür aber eine Abfahrts- und Ankunftstafel. Erste Ernüchterung setzt ein. Der von mir angepeilte Fotoplatz ist wahrscheinlich um diese Zeit noch nicht in der Sonne und außerdem ist genau zu dem Zeitpunkt den wir bräuchten eine Pause im Takt. Es bleibt nur eine Chance, der Zug kurz vor 9.00 Uhr ab in Alora. Und den müssen wir dann auch gleich nahe der Hauptstraße verwurschten, ansonsten wird es für den MD in Campillos eng. Und die Stelle mit den Flügelsignalen wollen wir auf keinen Fall vermurksen.

Nachdem wir in Pizarra getankt haben fahren wir wieder zurück nach Alora. Das Navi hat dort ein Hotel angezeigt. Was wir aber in der engen verwinkelten Altstadt finden sieht nicht vertrauenserweckend aus. Außerdem macht das Haus den Anschein geschlossen zu sein. Macht nichts, auf dem Weg hierher haben wir direkt an der Hauptstraße eine Pension mit Restaurant gesichtet. Ideal gelegen, ist sie doch keinen Kilometer von der Fotostelle für morgen weg.

Wir fragen nach einem Zimmer und haben Glück. Ja, man hat eines für uns, denn schließlich sind wir die einzigen Gäste. Wir werden in ein kleines Apartment geführt, wobei die Betonung auf klein, sehr klein liegt. Zwei Betten, ein kleiner Tisch, ein Zweisitzer, eine „Küchenzeile“ von 1,50 m Breite und ein kleines Bad, alles sehr abgewohnt und mit € 49,- so teuer wie das schöne Hotel in Linares. Aber was solls, wir wollen ja hier nur schlafen. Nach dem Duschen geht’s zum Essen. Die Portionen sind wieder mal riesig und es ist um Längen leckerer als gestern in Granada.

So geht ein langer Tag zu Ende. Wie soll es morgen weitergehen? Ganz einfach: Start mit Civia vor der Haustür, dann im Schweinsgalopp nach Campillos zu den Flügelsignalen, die hoffentlich noch da sind. Dort stehen ein MD und ein Altaria an. Anschließend für den Gegenzug an die Strecke Richtung Algeciras und nebenbei auf einen Güterzug hoffen. Was dann kommt müssen wir mal sehen. Auf alle Fälle ist der letzte feste Programmpunkt bevor wir uns auf den langen Weg gen Murcia machen, der Talgo 279 aus Almeria im Bahnhof von Huelago.

Na denn, Augen zu und eingemummelt. Es ist nämlich saukalt im Zimmer und leider auch unter der dünnen Bettdecke! *brrrr*