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Chile 2012 - Tage 15, 16 und 17: El Salvador - Santiago - Effretikon

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4.5.2012: El Salvador - Santiago
Der heutige Tag begann mit der Abgabe der Zimmer, da wir nachmittags zurück nach Santiago fliegen wollten; Dabei musste ich feststellen, dass dieses Hotel nur marginal günstiger war als das vorherige, aber die Zimmer dafür doch sehr schäbig waren; Liegt wohl daran, dass das mehr oder weniger das einzige Hotel in El Salvador ist. Es folgte der bereits bekannte Sturm aufs Morgenbuffet.

Danach ging die Fahrt in Richtung Llanta, wobei man kurz vor Llanta schön in den Bahnhof hinunter sieht. Die grosse Überraschung dabei: Es standen bereits zwei Züge mit jeweils zwei Loks da, einer bereit zur Abfahrt bergwärts, und einer vor der Einfahrtsweiche in Fahrtrichtung talwärts. Da der talwärtsfahrende Zug morgens nicht so richtig im Licht ist war schnell klar, dass wir uns analog gestern für den bergwärtsfahrenden Zug aufstellen würden.

EMD GR12 der Ferronor in Llanta
Schon nach dem ersten Blick ins Tal war das Programm klar...

Obwohl die Fotostellenauswahl durch die noch tief stehende Sonne eingeschränkt war, gelang es uns, gegenüber gestern neue Motive zu finden. Als erstes kam dasjenige Motiv zum Zug, das ich eigentlich schon gestern gerne gemacht hätte, was aber aufgrund des Sonnenstandes nicht ging; Heute ging es einigermassen. Anschliessend verfolgten wir den Zug bis zur Kehre im Tal hinten (Estación Montandón).

EMD GR12 der Ferronor zwischen Llanta und Rio Sal
EMD GR12 401 und 91 sind mit stattlichen 23 leeren Kesselwagen unterwegs nach Potrerillos

EMD GR12 der Ferronor zwischen Llanta und Rio Sal
Hier waren wir etwas phantasielos, deshalb dieselbe Stelle wie gestern

EMD GR12 der Ferronor zwischen Llanta und Rio Sal
Zur Abwechslung mal Hochformat

EMD GR12 der Ferronor zwischen Agua Dulce und Rio Sal
Die Farbwechsel im Gelände sind extrem!

EMD GR12 der Ferronor zwischen Agua Dulce und Rio Sal
Der Zug liess sich fleissig wieder einholen und erneut ablichten...

Bei der nächsten Fotostelle hatten wir (wieder mal) länger Zeit, und guckten uns die Gleisanlagen an. Dabei fiel uns auf, dass die Gleise arg abgenutzt waren, und dass wir auf der ganzen Strecke keinen Meter neue Gleise gesehen hatten. Da das Werk Potrerillos aber stark einstellungsgefährdet ist, und damit die Eisenbahn garantiert auch, ist das irgendwie aber auch nicht so erstaunlich - Man fährt halt auf Verschleiss.

EMD GR12 der Ferronor in Agua Dulce
Ausweiche bei Agua Dulce - Zur Abwechslung mit sowas ähnlichem wie Vegetation!

EMD GR12 der Ferronor zwischen Montandón und Agua Dulce
Im Tal, welches weg von der Hauptstrasse zur Kehre führt - Wer genau hinschaut, findet rechts hinten noch ein paar Kollegen im Bild ;)

EMD GR12 der Ferronor zwischen Montandón und Agua Dulce
Auch diese Stelle hatten wir gestern nicht erwischt

EMD GR12 der Ferronor in Montandón
Kurze Pause bei der Estación Montandón, bevor die Tunnelstecke beginnt

Anschliessend wollten wir den Zug in der Steigung quer fotografieren, vom gegenüberliegenden Hang aus; dies bedingte jedoch eine längere Fahrt. Wir erwarteten, dass der Zug - wie gestern - mindestens 20 Minuten rum stehen würde, das sollte reichen.

Schon beim hinauf fahren zum Gegenhang waren wir aber der Meinung, den Zug in der Steigung gesehen zu haben, und als wir dann endlich vorne an der Kante ankamen, war er schon ziemlich weit, was in unserem Auto zu etwas Unmut führte, weil die gewünschten Bilder so nicht mehr möglich waren; ich selber war jedoch ganz zufrieden, der von mir gewünschte Querschuss mit Potrerillos im Hintergrund klappte einwandfrei.

EMD GR12 der Ferronor zwischen Potrerillos und Montandón
Unser Zug im Gegenhang mit Potrerillos im Hintergrund

EMD GR12 der Ferronor zwischen Potrerillos und Montandón
Und so wirkt die Szenerie gleich noch eindrücklicher!

Da nun wohl von oben her länger nichts kommen würde und wir auch nicht ewig warten konnten, fuhren wir nun hinunter nach Llanta. Das Problem war, dass wir längere Zeit keine Sicht auf die Strecke hatten, und daher nicht sicher sein konnten, dass dem soeben fotografierten Zug nicht wie gestern bald einer folgte. Jedenfalls trafen wir bis Llanta auf keinen weiteren Zug mehr.

In Llanta war dagegen gerade eine Lok diverse Flachwagen am rangieren; Insgeheim hoffte ich, dass sich die zusammenrangierte Komposition irgendwann noch auf die Strecke begeben würde, dem war jedoch nicht so.

EMD G12 der Ferronor in Llanta
EMD G12 81 war mit Rangieraufgaben beschäftigt

Als wir etwas später die Info von den Eisenbahnern erhielten, dass sich bis 17:00 nichts mehr bewegen würde, zogen wir ab in Richtung Hotel; schliesslich mussten wir spätestens 13:30 dort sein, damit wir es pünktlich zum Flugplatz schaffen.

Im Hotel angekommen erfuhren wir, dass kurz hinter dem von uns fotografierten Zug doch ein zweiter nach folgte, analog gestern; Für uns war der aber genau im "toten Winkel", als wir uns verschoben hatten! So ein Mist. So oder so ging es nun zum Flugplatz von El Salvador.

Der Flugplatz von El Salvador ist ziemlich klein; er besteht im Wesentlichen aus einer Piste in leichter Hanglage, einem einzigen Gebäude, ein paar Hand-Verschubkarren und einer Handvoll (weniger als 10) Angestellten. Der Check-In klappte reibungslos (es war sogar alles vorbereitet für uns, denen war wohl langweilig), und nach einiger Wartezeit waren doch immerhin etwa 50 Personen anwesend, die auf unseren Flug wollten. Die Boeing 737-200 der Sky Airline kam pünktlich.

Boeing 737-200 der H2 in El Salvador
Blick von unserem Gate (muahaha) auf Piste und Sky-Maschine

El Salvador
Es gibt wohl Bushaltestellen, die mehr Infrastruktur haben

Nach dem Start machte sich der Pilot nicht die Mühe, auf 10'000 m aufzusteigen; stattdessen flogen wir gerade mal 1000 bis 2000m über der Sandkasten-Landschaft.

Irgend so ein Clown drückte aber unterwegs den "Halt verlangen"-Knopf, so dass wir bereits nach einer halben Stunde einen Zwischenstopp in Copiapó einlegten. Diese ging aber äusserst zügig von statten, gerade mal etwa eine Viertelstunde stand unser Flugzeug still, danach gings weiter nach Santiago. Fast wie in einem Bus.

H2 zwischen Santiago und Calama
Bäääh schon wieder so ein langweiliges Bild aus dem Flugzeug

Spannend fand ich aufgrund meines Sitzplatzes die archaische Schubumkehr unserer alten Kiste. Die Bildqualität lässt leider etwas zu wünschen übrig, da die Situation dunkel und wackelig war. Detail am Rande, mit Gruss an sämtliche Flug-Phobiker: Aufgrund von technischen Defekten wurde schon zweimal an Verkehrsflugzeugen im Flug die Schubumkehr aktiviert, was in beiden Fällen zum Absturz führte.

Boeing 737-200 der H2 in Santiago
Aktive Schubumkehr

Bei uns war das jedoch nicht der Fall. Nach problemloser Ankunft in Santiago gingen wir zu Fuss ins Holiday Inn gegenüber und konnten im Restaurant unsere verbleibenden Chilenischen Pesos los werden, ehe wir uns für die letzte Nacht in Chile (wenn alles klappt) bereit machten.

5.5.2012: Santiago - Madrid
Der heutige Tag begann, wie üblich, mit einem gemütlichen Morgenessen im Hotelrestaurant. Das Buffet war nett, und im Unterschied zu gewissen anderen Flughafenhotels (Casablanca lässt grüssen) war die hiesige Küche auch hygienisch einwandfrei.

Als letzter eisenbahntechnischer Programmpunkt dieser Ferien stand ein Besuch im Depot der EFE (Empresa de los Ferrocarriles del Estado, die staatliche chilenische Eisenbahn, welche heute im Wesentlichen nur noch Infrastrukturbetreiberin ist) an. Unser bereits vom letzten Santiago-Besuch bekannter Guide holte uns pünktlich per Bus im Holiday Inn ab und wir fuhren zum Depot, wo - wie üblich - natürlich erst die Bürokratie in Betrieb gesetzt werden musste, bevor wir effektiv rein durften.

Die Hauptattraktion waren zwei Rundlokschuppen, wo allerlei mehr oder vmtl. eher weniger betriebsbereite Loks abgestellt waren. Witzigerweise hatte der erste Rundlokschuppen gar keine befahrbare offene Zufahrt mehr, aber irgendwo gab es eine versteckte Verbindung zum zweiten Schuppen.

BB 63000 der EFE in Santiago
Diverses Gerödel im ersten Rundlokschuppen

Zudem besuchten wir eine relativ neue, aber irgendwie nicht ganz fertig gebaute Wartungshalle, die aber weitgehend unbenutzt aussah, ausser im hinteren Teil, wo ein paar japanische Triebwagen und Autotransportwagen standen - wie es aussieht, wird aber seit dem letzten Erdbeben, bei welchem einiges an Infrastruktur zerstört wurde, nichts davon mehr eingesetzt. Es ist zwar immer nur von "temporär abgestellt" die Rede, aber angesichts dessen, dass keine Anstrengungen unternommen werden, die Infrastruktur wieder herzurichten, dürfte das wohl eher ein permanenter Zustand sein.

EFE in Santiago
Neue Wartungshalle, kaum fertig gebaut, geschweige denn benutzt

AEZ der EFE in Santiago
Abgestellte Triebzüge

In einem weiteren Depot standen alte Reisezugwagen aus den 20er- bis 50er-Jahren, die meisten davon in recht gutem Zustand (ein paar Arbeiter werkelten daran rum und ersetzten Scheiben), aber ziemlich unfotografierbar.

Interessant an der ganzen Sache war, dass (obwohl Samstag war) an diversen Orten gearbeitet wurde, wobei viele der Loks nicht den Eindruck machten, als wären sie in den letzten paar Monaten mal bewegt worden. Es scheint, als sei die Eisenbahn etwas gar orientierungslos; einerseits will man das überflüssige Personal nicht entlassen, andererseits gibt es auch keine Anstrengungen zur Ausweitung des Betriebes... seltsame Situation.

Anschliessend ging es mit dem Bus noch rasch in einen Lider (Supermarkt), um unseren Getränkevorrat aufzustocken, und daraufhin zurück zum Hotel. Für das Mittagessen machten wir den zweiten Versuch mit der Flughafengastronomie (nachdem der erste Versuch mit der Pizza am zweiten Tag ja nicht so erfolgreich war), das Resultat war aber auch dieses Mal unzufriedenstellend (Burger ohne Salat oder Sauce, dafür mit mehr trockenem Fleisch, und dazu pampige Pommes).

Nun gings zurück ins Hotel um uns reisefertig zu machen, und eine gute Stunde später standen wieder im Flughafen am Check-In, welcher problemlos klappte, und verabschiedeten uns von jenen, die erst einen Tag bzw. eine Woche später nach Hause flogen. Der Flug nach Madrid war, wie üblich, ereignislos und unangenehm. Ich hatte einen Sitzplatz in der Mitte, was das Ganze nicht gerade verbesserte, und wie schon beim Hinflug tat mir nach der Hälfte der Hintern weh, so dass ich nicht weiter sitzen konnte... na toll.

6.5.2012: Madrid - Effretikon
Nach der Ankunft in Madrid mussten wir als erstes mal unser Handgepäck (welches nicht im Flugzeug bleiben durfte) durchleuchten - Die Spanier trauen den Chilenischen Sicherheitskontrollen offenbar nicht so ganz. Der Aufenthalt danach war kurz, aber erholsam; so konnten wir uns endlich wieder etwas bewegen und Snacks kaufen. Der Weiterflug nach Frankfurt ging schnell und reibungslos vorbei. In Frankfurt mussten wir unsere Pässe zeigen, obwohl wir eigentlich ja schon in Spanien in den Schengen-Raum eingereist waren (das versteht keiner), und konnten uns über die sich widersprechende Ausschilderung aufregen (das ist genau das, was man an einem riesigen Flughafen wie Frankfurt braucht). Die Bordkarten für den Weiterflug kriegten wir zwar am Automaten; weil wir im Transit-Bereich keine solchen finden konnten, mussten wir aber raus bis zum Check-In. Anschliessend suchte ich noch einen Fast-Mampf-Schuppen, wurde aber trotz elektronischem Infosystem (funktionierte zwar, lieferte aber keine brauchbaren Infos) nicht fündig. Von der Organisation dieses Flughafens her könnte man meinen, man sei in Italien...

So ging ich halt hungrig auf den Flieger nach Basel (irgend eine kleine Saab-Kiste), und konnte zum ersten mal seit zwei Wochen schlechtes Wetter beobachten, juhui :) Mein Abendessen kriegte ich dann doch noch in Basel beim Bahnhof. Dabei unterlief mir bei der Zeitplanung jedoch der Fehler, dass ich nach Zürich einen TGV nehmen musste - verspätet (ok es waren nur 5 min), voll und doofe Reihenbestuhlung. Was für ein toller Abschluss für diese Ferien ;)