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Frühling im Baltikum - Teil 4

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Tag 5: 03.05.2012 Daugavpils – Daugavpils

Gestern Abend hatten wir uns im Hotel mittels Internet noch schlau gemacht, was so in Sachen Personenverkehr rund um Daugavpils und Krustpils los ist. So waren schnell zwei Fixpunkte für den heutigen Tag gesetzt. Einmal morgens vor dem Frühstück der Zug aus St. Petersburg nach Vilnius mit Umspannen in Daugavpils. Und einmal der Schnellzug von Riga in Richtung Osten mit seinen orangen Wagen, der sich abends irgendwo bei Krustpils umsetzen lassen müsste.

So stehen wir jetzt bei den Bahnübergängen an der Bahnhofseinfahrt von Daugavpils und warten auf den Zug von Norden her. Eigentlich hätten wir uns lieber etwas weiter in Richtung des Bahnhofs aufgestellt, da dort die Strecke noch etwas dreht und vielleicht ein klein bisschen mehr Licht auf die Nase der TEP70 fällt, aber die Sonne steht noch so tief, dass dort der Schatten der für den Osten typischen Aneinanderreihung 100er von Garagen noch bis ins Gleis hinein reicht. So stehen wir vor der Wahl, Schatten im Fahrwerk oder Schatten auf der Nase. Wir entscheiden uns für die Nase.


TEP70-0204 der LDZ in Daugavpils

Die lettische TEP70-0204 bringt an diesem Morgen den Express 91 St. Petersburg – Vilnius die letzten Meter bis zum Bahnhof von Daugavpils.



Soweit so gut, das Bild wäre im Kasten, auch wenn der Frontschatten doch stärker ist als erhofft. Was aber nun? Etwas hinter unserem Standort wird der Schnellzug jetzt Bespannung und Fahrtrichtung wechseln und dann Daugavpils auf dem von uns aus gesehenen linken Gleis wieder verlassen. Sollen wir hier warten? Optimal ist die Ausleuchtung auch nicht. Misstrauisch beäugt von der Schrankenwärterin überlegen wir hin und her, ohne wirklich zu einem Ergebnis zu kommen. Dann schlägt der Bahnübergang an. Halt, dass muss der Regio in Richtung Krustpils sein. Also hinüber gewechselt zur anderen Strecke und den Triebwagen unter der Signalbrücke verewigt.



DR1A der LDZ in Daugavpils

DR1A-311 macht sich im Morgenlicht auf den Weg in Richtung Krustpils.



Wir laufen wieder zurück zum ursprünglichen Ort. Schöner Morgensport, und dass noch vor dem Frühstück. Wieder läutet es und die Schranken gehen nach unten. Der Schnellzug? Nö, kann von der Zeit her noch nicht sein. Außerdem blubbert es wieder auf der hinteren Strecke. Trommel as it’s best! Langsam kriecht eine grüne Einzeltrommel vor einem Bauzug vorbei und lässt keinen Zweifel daran, wie sie zu ihrem Spitznamen gekommen ist.



M 62 der LDZ in Daugavpils

Langsam kriecht M62-1227 mit einem illustren Bauzug aus dem Bahnhof von Daugavpils.



Bauzug auf der Strecke? Sollen wir uns Sorgen machen? Keine Zeit jetzt, heißt es sich doch für den Schnellzug stellen. Während die anderen am Bahnübergang warten laufen Nil und ich erst auf und ab, dann der kurze Entschluss, da hinten auf dem Damm könnte man evtl. auch stehen. Nun heißt es flinke Füße bekommen. Sprint zum Auto, im Sausetempo einige 100 m nach hinten, parken und im Eiltempo rauf auf die Böschung. Kaum oben gehen weiter vorne auch schon die Schranken runter und es kommt……nein, nicht nur der erwartete Schnellzug! Auf dem Nebengleis schiebt sich auch noch ein Güterzug aus dem Bahnhof. Doppelausfahrt!



TEP70-0346 der LG in Daugavpils

Express 91 nach Vilnius, nun gezogen von der litauischen TEP70-0346, verlässt den Personenbahnhof von Daugavpils, während die lettische 2TE10U-0221 sich, vom Güterbahnhof her kommend, auf den Weg Richtung Rezekne macht.



TEP70-0346 der LG in Daugavpils

Auf unserer Höhe angekommen wird sich TEP70-0346 gleich in die Kurve legen und den Damm hin zur großen Brücke über die Daugav rollen.



Während ich leicht belustigt, leicht ärgerlich vor mich hin motze, dass die Litauer mir schon wieder die vielfach auf dieser Tour gesehene TEP70 -0346 vor die Linse schicken, bekomme ich Nils Arm in die Seite mit der eindeutigen Aufforderung: „Schnell, dreht dich um!“. Es bleibt nicht viel Zeit die Kamera hoch zu reißen und abzudrücken. Eine mächtige Qualmsäule ausstoßend beschleunigt die große Güterzuglok ihre Wagenschlange.



2TE10U-0221 der LDZ in Daugavpils

Nicht nur Dampfloks können qualmen! Beim Beschleunigen jagt 2TE10U-0221 einen grauen Rauchpilz in den Morgenhimmel.



Herrlich! Und das noch vor dem Frühstück! Begeistert schauen wir dem Spektakel zu, genießen die Vorbeifahrt der mächtigen Maschine, klatschen uns ab und beglückwünschen uns zu unserem Riecher, so weit hinten zu stehen. Philipp und Pascal konnten dem ganzen nämlich nur nachschauen.
Gemütlich geht’s zurück, unterwegs noch die beiden anderen eingesammelt und dann ab zum Hotel. Nach so einem Tagesstart schmeckt das Frühstück doch gleich doppelt so gut.

Erst recht mit der Aussicht vom Hotelrestaurant über den Dächern der Stadt. Unweigerlich bleibt unser Rundblick dabei auch immer an den vorbeifahrenden Straßenbahnen hängen. Die sehen einfach urig aus. Sollte, müsste, könnte man nicht doch das ein oder andere Bild machen, so auf die Schnelle gleich vorm Hotel? Warum eigentlich nicht! Und so werden aus Fotografen der „großen Eisenbahn“, plötzlich „Straba-Fotografen“. *grins*



RVZ-6M2 der Dtu in Daugavpils

RVZ-6M2 044 erreicht die Haltestelle in der Gimnazijas iela.




Tatra T3D der Dtu in Daugavpils

Etwas weiter passiert uns ein Tatra T3D mit der Nummer 072.



RVZ-6M2 der Dtu in Daugavpils

Doch! Wir hatten es wirklich auf den RVZ-6M2 mit der Nummer 030 abgesehen und nicht auf die beiden lettischen Schönheiten rechts im Bild! Frechheit! *grins*



KTM5 der Dtu in Daugavpils

Der Wagentyp der uns am meisten faszinierte. Der KTM5, hier vertreten durch Fahrzeug 106.



Tatra T3D der Dtu in Daugavpils

Zum Abschluss nochmal ein Tatra T3D, dass sollte es jetzt aber auch gewesen sein!



Zugegeben, die Kreativität in der Auswahl der Fotopunkte hielt sich bei diesem Abstecher in „fremde Gefilde“ in Grenzen. Aber wir wollten ja auch nicht zu viel Zeit vertun, sollte es doch nun wieder um die „echte Eisenbahn“ gehen. Nett war aber der Ausflug in den Straba-Bereich alle mal. Muss ja auch nicht der letzte gewesen sein.
Auf dem Rückweg zum Hotel bzw. Auto tanken wir noch etwas Bares am nächsten Geldautomaten. Dabei fällt uns ein Aufsteller auf, auf dem etwas wie Nationalfeiertag und 4.Mai steht?!?! Bitte nicht schon wieder ein Feiertag! Wir haben doch erst den 1.Mai hinter uns gebracht.

Hinter einem KTM5 zockeln wir aus Daugavpils hinaus. Zur Eile haben wir keinen Grund, denn bis zum angepeilten Region aus Westen ist noch Zeit. Durch die nordische Landschaft fahrend, suchen wir nach einem geeigneten Fotopunkt. Pascal und Philipp gefällt ein, wie Nil sich ausdrückt, typischer lettischer Feld-Bahnübergang, während es ihn und mich eher zum nächsten Bahnhof zieht. Hier in der Station von Jesirka wird eines der beiden Bahnhofsgleise von Bauwagen besetzt. Grund genug nun wieder stärker zu grübeln. Hatten wir nach der Durchfahrt des zweiten Bauzugs heute Morgen, wir waren gerade wieder auf dem Weg ins Hotel, noch evtl. Gedanken an eine Streckesperre damit abgetan, dass Nil und ich von unserem Fotoplatz ein großes Gelände mit Schwellenbergen etc. gesehen hatten und die Züge ja dorthin unterwegs gewesen sein könnten, ließ die Sichtung hier fast keinen Zweifel mehr aufkommen: Hier wird gebaut! Und das ordentlich!

Erstmal ging es zur weiter hinten in einem Nebengleis abgestellten Trommel, die mit langsam laufendem Motor auf die Dinge wartete, die da kommen mögen.



M 62 der LDZ in Jesirka

Auch M62-1176 ließ keinen Zweifel aufkommen, dass sie ihren Spitznamen zu Recht trägt.



In das gleichmäßige Rollen des M62-Motor mischte sich das hellere Geräusch eines nebenan beschäftigten Traktor. Letzteres verstärkte sich und kam durch den angrenzenden Wald immer näher. Hm? Das Feld ist eigentlich da vorne, warum sollte der Bauer denn jetzt durch den Wald fahren? Ganz einfach, aus Neugierde! Plötzlich taucht er nämlich zwischen den Bäumen auf, beobachtet uns einige Minuten misstrauisch und schweigend, um sich dann wieder auf den Weg zu seiner eigentlichen Beschäftigung zu machen. Minuten später hören wir ihn wieder über das Feld pflügen. Komische Menschen gibt es! Das wird sich der Bauer sicher auch gedacht haben! *grins*

Unsere beiden Bahnübergang-Fans haben einstweilen beschlossen sich wieder nach vorne zu begeben. Während sie dort Position beziehen, bleiben Nil und ich bei der Trommel und passen dort den Regionalzug aus Richtung Krustpils ab.



DR1A der LDZ in Jesirka

Steuerwagen voraus kommt DR1A-254 in den Bahnhof von Jesirka gefahren.



Kaum hat der Personenzug den Bahnhof verlassen setzt sich M62-1176 in Bewegung. Das lässt keine Zweifel mehr: Hier wird heute in großem Stil gebaut!


M 62 der LDZ in Jesirka

M62-1176 auf dem Weg zu den am Nebengleis abgestellten Bauzugwagen.



Nil und ich trödeln vor zum Bahnhof und warten auf die beiden anderen. Kriegsrat ist angesagt. Nicht lange und unser feuerrotes Spielmobil kommt um die Kurve. Doch was ist los? Kein: „Hey, wir haben ihn schön im Licht erwischt!“ ……. Kein „Schau, so sah es bei uns aus!“…… Nein! Fast beiläufig fragt mich Pascal, ob ich die Betriebsanleitung der Kamera dabei hätte! Ja, klar. Aber warum?

Die Antwort ist einfach und grauslich zu gleich. Kameraschaden! Statt eines Bildes des ausfahrenden Personenzugs gab‘s für ihn nur eine Fehlermeldung. Alle Versuche das Teil wieder in Gang zu bringen scheitern und auch das kleine Handbuch bringt keine Lösung. So langsam wird es gewiss: Totalschaden! Und das am fünften Tag einer 14-tägigen Fototour!

Da hilft nur eins. Kamera wechseln! Ja, aber auch nur wenn man eine Reservekamera dabei hat, was keiner der drei Helden tut. Also? Na, wenn da mal Papa nicht wäre! Da sieht man es halt, diese Jungspunde. Wie oft haben sie mich belächelt was ich alles mitschleppe und nun? Gut verpackt schlummert die gute alte 300D im Rucksack und kommt nun zu ihrem großen Auftritt als Retterin der Tour. Wenn das mal nichts ist!

Auf dem Weg nach Krustpils wird eines zur Gewissheit. Zwischen dort und Daugavpils läuft so schnell nichts. Wir überholen mehrere Bauzüge die kräftig bei der Arbeit sind. Der Versuch einen aufzunehmen scheitert daran, dass dieser just in dem Moment den Bahnübergang hin zur Sonnenseite zu fährt. Vielleicht auch besser, würden wir ansonsten jetzt dort drüben stehen, ohne Chance bald wieder weg zu kommen.

In Krustpils selbst ist der Bahnhof bis auf eine Doppel-Trommel bespannten Zug leer. Zeit für Pascal die Kamera einsatzbereit zu machen, mit Objektiv-, Akku- und Chipwechsel, und für den Rest um im nahen Lebensmittelladen für den Tag einzukaufen. Nachdem wir dann auch noch im Bahnhof nach Fahrzeiten geschaut haben, setzen wir uns am Bahnübergang an der östlichen Ausfahrt fest, der Dinge harrend die da kommen. Und es kommt einiges.

Nacheinander nehmen insgesamt vier Güterzüge Aufstellung nebeneinander.



2TE10U-0220 der LDZ in Krustpils

2TE10U-0220 hat sich mittlerweile neben der dort schon wartenden 2M62U-0114 aufgestellt.



2M62U der LDZ in Krustpils

Nachdem noch eine weitere Doppel-Trommel in den Bahnhof eingerollt war, erscheint dieses interessante Gespann. 2M62U-0089 vor der roten 2TE10U-0184.



2M62U der LDZ in Krustpils

Die Aufstellung ist komplett. Von links nach rechts: 2M62U-0089 mit dahinter hängender 2TE10U-0184, daneben 2TE10U-0220, 2M62-0928 und ganz rechts 2M62U-0113.



Sollten alle Züge in Richtung Rezekne fahren. Normal eher unwahrscheinlich, aber wenn die Strecke nach Daugavpils wirklich blockiert ist? Hin und her gerissen überlegen wir, ob wir es riskieren und an die Strecke rausfahren oder nicht. Sollten die Züge doch nach Rezekne gehen, fahren sie sowieso aus dem Licht und sind somit unfotografierbar. Und wie groß ist die Wahrscheinlichkeit bei vier wartenden Zügen gen Norden, dass etwas entgegen kommt, wenn diese erstmal rollen?
Da uns der Schrankenwärter mittlerweile auch einen Besuch abgestattet hat um sich nach unserem Tun zu erkundigen und anschließend zu telefonieren, riskieren wir es und fahren ein Stück raus an die Strecke in Richtung Daugavpils. Dort wollen wir uns auf einer Fußgängerbrücke platzieren und etwas essen. Langsam meldet sich der Hunger. Von dort müssen wir zusehen, wie eine solo fahrende 2TE10 in Richtung Norden den Bahnhof verlässt. Bei uns tut sich nichts. Also wieder zurück, denn es steht nun auch die nächste Regioleistung an.



DR1A der LDZ in Krustpils

DR1A-185 beschleunigt aus dem Bahnhof Krustpils und macht sich in Richtung russischer Grenze davon.



Also, bleiben wir halt hier. Und siehe da, langsam kommt Bewegung in die Sache.



2M62U der LDZ in Krustpils

Mit dezenter Rauchfahne verlässt 2M62U-0113 den Bahnhof von Krustpils in Richtung Norden.



2M62U der LDZ in Krustpils

Das ganze nochmal als Nachschuss.



Mittlerweile hat die Sonne weiter gedreht und so laufe ich nochmal schnell an den Bahnsteig um den roten Einzelgänger von der Seite her zu porträtieren.



2TE10U-0184 der LDZ in Krustpils

Ist einen Querschuss wert, die rote 2TE10U-0184.




Um etwas eine andere Perspektive zu bekommen stellen wir uns nur diesmal hinter dem Schrankenwärter-Häuschen auf. Und nachdem die 2TE116-1060 von Skinest Rail mit einem langen Kesselzug aus Richtung Rezekne eingelaufen ist, macht sich die nächste Maschine aus der Aufstellung auf den Weg.



2TE10U-0220 der LDZ in Krustpils

Auch 2TE10U-0220 lässt sich nicht lumpen und produziert beim Anfahren eine ordentliche Rauchsäule.



Güterwagen der LDZ in Krustpils

Können mich immer wieder begeistern, diese urtümlich aussehenden Güterwagen die in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion und der Mongolei unterwegs sind.



Kaum ist der Güterzug draußen, bleiben uns beim Blick in den Bahnhof die Münder offen stehen. Still und heimlich hat sich ein blauer Großdiesel angeschlichen und macht Anstalten den Bahnhof gleich wieder zu verlassen. Wir machen kehrt und eilen in Richtung eines Erdhaufens, der den Prellbock eines Schutzgleises umgibt. Super! Besser kann es gar nicht laufen ….. denken wir jedenfalls! Doch weit gefehlt, denn das Unheil nimmt in Form eines schwarzen Mannes, der sich mit festem Schritt nähert , seinen Lauf. Es gibt deutlich freundlichere Typen, als jene, die bei 25 Grad, angetan mit einer schwarzen Bomberjacke über der schwarzen Uniform unterwegs sind. Grimmig blickend legt er sofort auf Lettisch los! Achsel zucken und bedauerndes Abwinken unsererseits. Derweil macht sich hinten die blaue 2TE116 auf den Weg. Würde passen, aber der Schwarze versteht keine Spaß. Noch gereizter fragt er jetzt auf Russisch ob wir Russisch könnten. Kann keiner, auch ich nicht, nur soviel, dass ich verstehe, wenn mich danach einer fragt. Mittlerweile ist die blaue Maschine schon fast bei uns da. Der Schwarze wird aber nun endgültig energisch, wedelt mit den Händen und lässt keinen Zweifel daran, dass wir uns sofort verziehen sollen. Dass hinter ihm Horden von Menschen noch kurz vor dem Güterzug die Gleise überqueren interessiert ihn dagegen nicht die Bohne. Nur wir sollen weg, weg, weg! Nicht mal auf direktem Weg dürfen wir in Richtung Auto gehen, nein, ab in die Gegenrichtung und runter auf einen Feldweg. Statur, Gesichtsausdruck und Gestik lassen keinen Zweifel daran, dass der kahlgeschorene auch zu härteren Mitteln greifen würde, nur um uns zu vertreiben. So räumen wir, trotz zahlenmäßiger Überlegenheit, ohne weitere Diskussionen das Feld und schlagen einen weiten Bogen wieder hin zu unserem Auto. Bei diesem angekommen sehen wir auch den Schwarzen wieder. Keine 10m steht er weg, unterhält sich mit dem Schrankenwärter, beide anscheinend tief zufrieden mit ihrem heutige Tagwerk: Nichtsnutzige, westliche Eisenbahnfreunde vertreiben! Welch ein Spaß!

Wir haben genug und räumen endgültig das Feld. Dann halt Strecke, nach so vielen Zügen nach Norden wird doch wohl auch was entgegen kommen. Und vielleicht lässt sich ja auch die blaue 2TE116 wieder einholen und irgendwo quer schießen, sofern die Sonne genügend hereindreht.

Tja, nur das mit dem reindrehen der Sonne ist so eine Sache. Die Strecke verläuft auf den nächsten 20 – 30 Kilometern immer so, dass Züge gen Osten fast genau aus dem Licht kommen. Und wollten wir wirklich soweit vorfahren, nur um dann zu sehen, dass sich die Stelle als ungeeignet herausstellte? Außerdem, spätnachmittags steht der Schnellzug aus Riga an, den wir nicht versäumen wollen! Na dann, nehmen wir mal die nächste Querstraße in Richtung Bahn, machen dort einen Rund-Kuck und hoffen auf einen Westfahrer. Das zudem unsere Mägen knurren und lauthals nach dem Proviant schreien, den wir am Vormittag erstanden haben, beeinflusst unsere Entscheidung nur am Rand *grins*. Also ab durch den Wald und den Bahnhof von Atasiene angesteuert. Huch, was rollt da in den Bahnhof und geht ins Ausweichgleis? Die blaue Lok, die uns das schwarze Männchen in Krustpils vorhin noch vermiest hat!



2TE116-667 der LDZ in Atašiene

Sie wäre so schön im Licht gewesen in Krustpils! Doch auch wenn die Sonne im Bahnhof von Atasiene alles andere als günstig steht, die blaue 2TE116-667 muss einfach verewigt werden.



Zug in der Ablenkung? Immer gut! Nicht lange, maximal zwei selbstgemachte Käse-Schinken-Sandwiches später grollt es auch schon vernehmlich von Osten her und eine 2TE10 schiebt sich heran.



2TE10M-3449 der LDZ in Atašiene

Viel Verkehr auf der eingleisigen Strecke! Kaum ist 2TE116-667 im kleinen Bahnhof auf die Seite gegangen, kommt aus der Gegenrichtung schwer arbeitend 2TE10M-3449 daher.



Der sollte doch nochmal zu kriegen sein. Also rein ins Auto und hinterher. Zwar hat der Güterzug die kürzere Strecke, denn wir müssen einen Bogen abseits der Gleise ausfahren, aber die schweren Zügen stellen auch keine Geschwindigkeitsrekorde auf. Noch mit einem kleinen Zeitpuffer erreichen wir Kukas, wo die nächsten Bilder von der durchfahrenden 2TE10M entstehen.



2TE10M-3449 der LDZ in Kūkas

2TE10M-3449 durchfährt mit einem Güterzug nach Westen gerade die kleine Station Kukas.



Was jetzt? Hm, wäre sinnvoll sich wieder östlich zu verschieben und dabei dem nächsten Zug aufzulauern.

Passiert schneller als gedacht. Hinter Mezare erspähen wir Kesselwagen, die sich durch den Wald bewegen. Alarm! Kehrt Marsch und zurück. Beim wohin entscheiden wir uns wieder für Kukas. Diesmal für die Bahnhofseinfahrt. Sah gerade beim vorbei fahren ganz nett aus. Dort angekommen stellen wir fest, richtig, beim vorbei fahren sah es nett aus! Jetzt beim dort stehen eher weniger. Zudem wimmelt es von orangen Männchen und nach der Begegnung von eben sind wir uns nichtmehr sicher ob Freund oder Feind!

Doch unser Tun interessiert sie wenig und wir ernten nur verwunderte Blicke. Schöner wird die Stelle aber deswegen auch nicht. Obwohl, mit dem abgestellten UAZ, könnte ganz nett sein. Träumerisch gehen die Gedanken 1 Jahr zurück, wo wir mit so einem Gefährt durch die mongolische Steppe gehoppelt waren.
Der Fahrer spielt aber irgendwie nicht mit, fährt uns erst sein Fahrzeug mitten ins Bild, um dann einige Minuten danach den Motor wieder anzulassen und komplett zu verschwinden. Was übrig bleibt, ist die Stelle…..



2TE10M-3422 der LDZ in Kūkas

Mit einem langen Kesselzug kommt 2TE10M-3422 heran.



Wir lassen den Zug fahren und wenden uns wieder gen Nord-Osten. Laut Karte soll hier die Straße die Strecke kreuzen und dass riecht irgendwie nach Brücke. Ein erhöhter Standpunkt ist in der Landschaft durchaus etwas wert.
Angekommen stellen wir fest, dass die niveaufreie Kreuzung wohl nicht lange besteht. Deutlich ist noch der alte Straßenverlauf sicht- und auch noch befahrbar. Dort stellen wir das Auto ab, klettern die Böschung hinauf und flätzen uns gleich hinter der Leitplanke ins Gras. Jetzt ist relaxen und warten angesagt. Schön hier, nur die in kurzen Abständen eineinhalb Meter hinter uns vorbeidonnernden LKW’s mindern den Erholungswert doch etwas. Einige Zeit müssen wir das aushalten, dann ist wieder Bewegung auf der Strecke. Also hoch, Foto gemacht und hinterher.



2TE10M-224 der LDZ in Atašiene

Etwas östlich von Atasiene kommt 2TE10U-0224 mit einem Güterzug heran.



2TE10U-0224 der LDZ in Mežāre

Wenig später durcheilt der gleiche Zug die Station von Mezare.



Während sich die anderen drei hinter Kukas nochmal aufstellen, lasse ich die Kamera diesmal stecken und genieße lieber die Vorbeifahrt des Riesen. Einfach imposant diese Maschinen!

Jetzt ist es Zeit aufzubrechen, steht doch der Schnellzug von Riga gen Osten auf unserem Wunschzettel. Da uns auch hier der Sonnenstand nicht viel Wahl lässt, muss es eine Stelle auf der von uns ausgesehen anderen Seite von Krustpils sein. Dort bei Plavinas müsste was gehen. Und siehe da, schon bei der Anfahrt herrscht Verkehr.



DR1A der LDZ in Ozolsala

Ein nicht identifizierter DR1A eilt durch die Nachmittagssonne gen Krustpils.



Hm, der Sonnenstand ist hier aber auch nichtmehr optimal. Aber eine Alternative gibt’s nicht. Daher stapfen wir etwas unmotiviert an einer sumpfigen Weide neben dem Bahndamm entlang. Zu allem Überfluss steht man noch tief und ein großer Strommast verziert das Ganze. Aber was soll man machen?!?



DR1A der LDZ in Ozolsala

Ein Doppelgespann DR1A mit DR1A-311 an der Spitze auf dem Weg nach Krustpils.



TEP70-0234 der LDZ in Ozolsala

Wenig später folgt das eigentliche Ziel der Anfahrt, der Latvijas-Express 2 von Riga nach Moskva mit TEP70-0234 an der Spitze.




Reisezugwagen der LDZ in Ozolsala

Schon etwas gewöhnungsbedürftig, die Lackierung der Personenwagen für diesen Schnellzug.


Während wir uns in das Schicksal des niedrigen Standorts ergeben hatten, war Pascal von Unruhe getrieben abmarschiert um etwas Besseres zu suchen. Gar nicht so einfach, schließlich wird an der Strecke gebaut und aufgerissene Erde und rot-weiße Absperrbänder machen sich auch nicht so toll als Vordergrund. Jetzt warten wir am Auto bis er aus einer völlig anderen Ecke anmarschiert kommt und uns von einer Brücke über den Fluß weiter vorne erzählt. Zwar hatte er den Schnellzug nicht ganz drauf bekommen, es könnte aber ganz nett für einen Triebzug sein. Mal sehen.
Für die beiden nächsten Regionalzüge geht‘s es aber erst mal zu einer Brücke, die Nil noch von einem früheren Besuch her kennt.



DR1A der LDZ in Pļaviņas

DR1A-222 kommt Steuerwagen voraus aus Richtung Krustpils, …



DR1A der LDZ in Pļaviņas

…während DR1A-227 in der Gegenrichtung unterwegs ist.



Was danach folgt war die Spesen nicht wert. Beim Versuch weiter hinten etwas zu finden, verdaddeln wir die nächste Personenzugleistung und eine M62 die wir dort vor Bauzugwagen abgestellt sichten, ist auch nach zeitraubendem Kurven über holprige Straßen nicht zu erreichen.
Bleibt nur der Weg zurück zur Flußbrücke und der Querschuss auf die zwei ausstehenden Personenzugleistungen.



DR1A der LDZ in Ozolsala

Im Abendlicht passiert dieser DR1A die Flussbrücke in Richtung Westen.



So, dass sollte es gewesen sein. Während es Phillip, Pascal und mich in Richtung Nahrungsaufnahme zieht, will Nil unbedingt nochmal in Krustpils Aufstellung nehmen. Unser Unbehagen bezüglich dort vorkommender schwarzer Männer ignorierte er und verfährt nach dem Motto: „Wer fährt schafft an!“. Schwubbs ist er abgebogen und siehe da, eine auf Ausfahrt wartende 2M62 mit malerischem Wärterhäuschen ist ein schlagendes Argument.



2M62U der LDZ in Krustpils

Eisenbahn-Idyll in Lettland. 2M62U-0009 wartet im Bahnhof von Krustpils auf die Ausfahrt.



ChME3 "Hummel" 6152 der LDZ in Krustpils

Aus einem Nebengleis hobelt CME3-6152 heran und macht den Abstecher zum kleinen Bahnübergang perfekt.



2M62U der LDZ in Krustpils

Schwerfällig rollt 2M62U-0009 an und verlässt den Bahnhof von Krustpils.



Jetzt ist der Jagdtrieb bei uns anderen auch wieder geweckt. Auf der Karte machen wir eine Stelle aus, auf der es noch Licht geben sollte. Leider stellt sich der Weg dorthin, bedingt durch Umleitungen und Baustellen, als schier endlos heraus. Obwohl nur wenige Kilometer Luftlinie entfernt, dauert die Anfahrt ewig. Ergebnis: Kein Licht mehr!
Jetzt ist es Nil der etwas demotiviert ist. So ändert sich alles. Einzig die Aussicht auf einen Besuch beim Hessburger gibt ihm wieder Auftrieb und verleiht seiner Rückfahrt Flügel. Schwärmen doch er und Phillip uns vor, wie einzigartig dort die warmen Bulettensemmeln mit öligen Kartoffelstreifen schmecken. Meine Bemerkung : „Ist halt ein Burgerbrater wie alle anderen….“ als wir das Lokal betreten, fassen sie schon fast als Sakrileg auf.
O.k., die Burger sind gut, das Anstehen kurzweilig, weil die Dame hinter dem Tresen deutsch spricht und wir bald ins Herumalbern kommen, und gut sitzen tut man hier auch. Aber eben halt auch nicht mehr…….. Für mich bleibt‘s schnöde ein Burgerbrater, für die anderen beiden ein „kulinarisches Erlebnis“ welches sie mit verklärten Blicken an Finnland denken lässt. Jedem das seine! *grins*

Die Heimfahrt nach Daugavpils über dunkle, holprige lettische Straßen ist eher unspektakulär. Wir verfallen darauf Kinderreisespiele zu spielen, wie „ich sehe was, was Du nicht siehst“ oder „Personenraten“. Hat bei den langen Nachfahrten in der Türkei schon geholfen und hilft auch heute. Wir alle und vor allem der Fahrer bleiben wach und so erreichen wir unbeschadet nicht nur Daugavpils und unser Hotel, auch unser Stammplatz im Hotelrestaurant wird geentert. Ok, stimmt nicht ganz. Einer schafft den mühsamen Aufstieg nicht mehr ganz und wir müssen ihn im Basislager zurück lassen. Aber er ist nicht vergessen und wir trinken auf sein Wohl einfach ein Glas mehr.