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Von den sanften Hügeln Moldawiens zu den Höhen der Karpaten - Teil 7

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Mittwoch, 15.Mai 2013 - Poliani - Khust

Heute ist Wunschtag! Warum? Na weil die Strecke von Bat’ovo hinunter nach Solotvyno ganz oben auf meiner persönlichen „da-will-ich-hin“ Liste steht. Gründe dafür gibt es genug: Das Vierschienengleis, dass von Ungarn kommend über Chop – Bat’ovo – Vynohradiv und Diakovo nach Rumänien läuft, und auf dem täglich ein Güterzugpaar fahren soll. Die in Vynohradiv abzweigende Schmalspurbahn in Richtung Khmilnyk/Irshava. Und nicht zuletzt die D1-Triebwagen in der ukrainischen Version, die wir bis dato noch nicht vor die Linse bekommen haben.
Zwar war bei den Reisebegleitern im Vorfeld etwas Überzeugungsarbeit fällig, aber nun haben wir Poliani mit einer Träne im Auge Tschüss gesagt und schlagen den Bogen westlich aus den Karpaten heraus und dann immer entlang der ungarischen und rumänischen Grenze bis hinunter nach Khust. Dort ist die Übernachtung für die kommende Nacht schon gebucht und von da aus soll es übermorgen zum abschließenden Höhepunkt der Tour gehen, der Bergstrecke nach Rakhiv.

Früh mussten wir nicht aus den Betten fallen, kommt der 6583 doch erst gegen 11.00 Uhr am Bahnübergang bei Velyka Behan, dem ersten geplanten Fotopunkt, durch. So war, welch Wunder, heute ausnahmsweise sogar mal Zeit für ein Frühstück gewesen.

An der Stelle angekommen gibt es erst einmal Licht und Schatten. Licht, da sich die Sonne tatsächlich ganz leicht durch die geschlossene Wolkendecke kämpfen kann, und Schatten, weil bei genauerer Betrachtung nur zwei Schienen des Vierschienengleises glänzen. Was das bedeutet? Naja, die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass es nichts wird mit dem Normalspurgüterzug. Würde der wirklich täglich fahren, dann sähe das Gleis anders aus. Während ich mir noch leise Hoffnungen mache, dass heute der Tag ist, an dem er mal wieder unterwegs sein wird, kommt am Ende der langen Geraden, mit etwas Verspätung, der Triebzug nach Bat’ovo in Sicht.



D1 der UZ in Velyka Behan

Mit Triebkopf D1 582-3 an der Spitze rollt Zug 6583 bei Velyka Behan auf dem Vierschienengleis in Richtung Norden.




D1 der UZ in Velyka Behan

Der Nachschuss macht es deutlich, auch in der Ukraine laufen längst nicht alle Garnituren mehr einheitlich. Hinten an der Garnitur macht sich nämlich D1 756-1 nützlich.



Hurra! Der erste Ukrainer D1, und dann auch noch so ein schmucker! Im Laufe des Tages können wir feststellen, dass alle Triebzüge auf dieser Strecke wie aus dem Ei gepellt unterwegs sind.

Wir haben jetzt etwas Eile, denn im nahen Kosyny wird auf den Gegenzug, den 6578, gekreuzt. Und den wollen wir uns natürlich auch nicht entgehen lassen. Der Gedanke ihn am Bahnhof von Berehovo aufzunehmen stellt sich sehr schnell als Fehler dar. Wir brauchen durch den Ort ewig dort hin, nur um fest zu stellen, dass es so richtig schlaues hier nicht gibt. Einzig die Ausfädelungen des Normalspurgleises vor den Breitspurweichen in der Bahnhofseinfahrt wäre etwas sehr spezielles. Denn nachdem sich beide Spuren getrennt haben, „umläuft“ die Normalspur in einem kurzen Bogen die Weiche, um danach gleich wieder einzufädeln. Spektakulär! Aber nicht bei dem Licht und so richtig eigentlich nur mit einem Normalspurgüterzug, der den Bogen dann auch ausfährt.

Also schnell wieder weg und weiter südlich an der Strecke was suchen. Wären wir mal geblieben, das hätte uns Stress erspart und eine wichtige Erkenntnis früher gebracht. So holpern wir auf immer grauslicher werdenden Straßen hinter LKW und Bussen her, immer den Blick auf Fahrplan, Uhr und Strecke, sofern einsehbar, und hoffen dass wir doch noch irgendwie vor den Zug kommen.

In Vylok kommt dann die Stunde der Wahrheit. Wir erreichen zeitgleich mit der offiziellen Abfahrtzeit des Zuges den Bahnübergang vorderhalb des Bahnhofes. Volle Einsicht und siehe da, kein Triebwagen steht hier. Puh, haben wir ihn also doch noch hinter uns gelassen. Rauf auf eine alte Güterrampe und in den Regen gestellt. Tja, der leichte Lichthauch ist nämlich seit Berehovo schon wieder verschwunden und Leichenlicht und Nieselregen gewichen.
Gegenüber im Bahnwärterhaus herrscht geschäftiges Treiben, während wir den Bahnhof genauer in Augenschein nehmen. Schon bei der Anfahrt fiel uns auf, dass auf einem Gleis Güterwagen stehen. Ein Güterzug, vielleicht DER Güterzug??? Aber Moment! Genau betrachtet gibt es hier nur mehr ein Gleis! Nun die Frage: „Wie soll der Personenzug dann an dem Güterzug vorbei kommen?“ Gar nicht! Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich der Güterzug als Bauzug und das nun gerade in diesem Augenblick von hinten Baugerödel gerollt kommt und vorne ein Kran seinen Ausleger hebt, deutet nicht wirklich auf Planbetrieb hin! So ein Mist! Streckensperre!

Von dieser Tatsache, dem ausgeprägten Nichtlicht und der immer stärker werdenden „Luftfeuchtigkeit“ demotiviert, verzichten wir sogar auf ein „Baufoto“ und fahren gleich durch nach Vynohradiv. Immerhin steht dort am Bahnhofsvorplatz die TU2 mit Garnitur und nährt somit die Hoffnung, dass die Schmalspurbahn noch rollt.



TU2 der UZ in Vynohradiv

Tristes am Bahnhofsvorplatz! Passend zum Niedergang der Schmalspurstrecken im Dreieck Irshava – Berehovo – Vynohradiv herrscht Schmuddelwetter, als TU2-034 am Bahnhofsvorplatz von Vynohradiv auf die nächste Zugleistung wartet.



Tapfer harren wir im immer stärker werdenden Regen aus und wechseln hinüber zur großen Eisenbahn, steht doch gleich der 6585 aus Hrushevo kommend an.



D1 der UZ in Vynohradiv

Der als 6585 eingelaufene D1 656 entlässt seine Fahrgäste in den Regen von Vynohradiv.



Wie erwartet geht’s für den betagten Ungarn nicht mehr weiter. Hier ist heute baubedingt Schluss und die Garnitur wendet auf die Gegenleistung. So haben wir genug Zeit uns auf der anderen Bahnhofsseite aufzustellen und dort Bilder zu machen.



D1 der UZ in Vynohradiv

Wartet auf den Einsatz als Rückleistung, der D1 656 im Bahnhof von Vynohradiv.



Während wir die Gleise überqueren um den Triebzug noch von der anderen Seite abzulichten ….. äh, wohl eher abzudunkeln *grins* , kommt in den kleinen Bahnhof unverhofft Bewegung. Es trötet, der Stationsvorsteher erscheint, die Schranken schließen sich und angeblubbert kommt eine Hummel mit einem Bauzug.



ChME3 "Hummel" 2087 der UZ in Vynohradiv

Gerade noch heftig am „kranen“ rollt man nun hinter der TschME3-2087 dem Feierabend entgegen.



Wir umrunden den Triebzug nun zur Gänze, zum einem um wieder zum Auto zurück zu kommen, zum anderen um die Situation der drei Spuren in einem Bahnhof bildlich festhalten zu können.



D1 der UZ in Vynohradiv

Drei Spuren, ein Bahnhof! Zum perfekten Eindruck fehlt jetzt nur ein Normalspurzug auf dem Vierschienengleis.



Wasser von oben und Knurren in den Mägen treibt uns in Richtung „nächster Supermarkt“. Zeit haben wir genug, geht die nächste Zugfahrt auf der Schmalspurbahn erst in rund eineinhalb Stunden ab. Und genau die wollen wir fotografieren.



TU2 der UZ in Vynohradiv

Ein Bild mit Symbolcharakter! Endzeitstimmung in Vynohradiv! Wie lange wird TU2-034 hier noch auf die nächsten Einsätze warten.



Versorgt mit allem was man für eine ordentliche Brotzeit braucht geht’s auf Stellensuche. Bei den Verhältnissen muss man gar nicht groß nach weiten Landschaftsblicken suchen. Drum bleiben wir ihm Ort und suchen nach einem Motiv was zur Stimmung an diesem Tag passt. Nicht allzu weit hinter dem Bahnhof werden wir fündig.



TU2 der UZ in Vynohradiv

Brummt wie eine Große! TU2-034 schaukelt mit dem 6608 durch Vynohradiv. Wüsste man nicht, dass auf diesen Gleisen noch etwas fährt, man würde es nie vermuten.



Der Lokführer der kleinen Maschinen ist von unserem Tun hellauf begeistert und grüßt freudig winkend aus seinem Diesel. Und während der Zug brummend und tutend von dannen schaukelt, machen auch wir uns auf den Weg und suchen eine Stelle für die Rückfahrt.



TU2 der UZ in Shalanky

Mittlerweile wieder auf dem Rückweg nach Vynohradiv passiert die Garnitur mit TU2-034 an der Spitze, nun als Zug 6609 unterwegs, gleich den Bahnübergang bei Oleshnyk.



Zwischenzeitlich hat auch den Schmalspurskeptiker Nil die Begeisterung für diese Bahn erfasst. Und als sich jetzt auch noch die Sonne etwas durch die Wolken schiebt gibt es kein Halten mehr. Schnell hinterher und in der Ortslage von Oleshnyuk erneut aufgestellt.



TU2 der UZ in Oleshnyk

Zug 6609 rollt in Oleshnyuk ein.




TU2 der UZ in Oleshnyk

Gleich kommt die Garnitur zu stehen. Zwar sind im Fahrplan keine Zwischenhalte vermerkt, ausgeführt werden sie aber trotzdem.



Kurz hinter mir kommt der kleine Zug zu stehen. Es gibt keinen Haltepunkt, keinen Bahnsteig, keinen Hinweis. Man hält einfach mitten im Dorf. Schnell wird der kurze Stopp genutzt. Sprint und schon lässt sich die „Ausfahrt“ aus einer anderen Sicht ablichten.



TU2 der UZ in Oleshnyk

Grummelnd „beschleunigt“ TU2-034 nach dem Halt in Oleshnyuk den 6609 wieder zur Weiterfahrt nach Vynohradiv.




TU2 der UZ in Oleshnyk

Nasse Füße garantiert! Die beiden Fotografen haben an diesem Standpunkt nicht nur eine gute Sicht auf den vorbeifahrenden Zug, sondern bestimmt auch ein ordentlich durchfeuchtetes Schuhwerk bekommen.



Kaum am Auto angekommen bläst unser Fahrer auch schon wieder zum Aufbruch: „Hinterher!“. Ich reibe mir verwundert die Augen! Wenn er sich jetzt irgendwann auch noch für Dampfloks begeistert, wird er mir unheimlich! *grins*

Schnell geht’s jetzt nach Vynohradiv, etwas zu schnell. Denn am Bahnhof angekommen sehen wir: nix Zug! Also nochmal zurück! Jetzt aber sind wir nicht schnell genug. Als der erste Bahnübergang in Sicht kommt, rollt er gerade durch. Nun, dann halt wieder Bahnhof. Leider gibt’s bei der Einfahrt zwar einiges Nettes, aber nicht bei den Lichtverhälntnissen. Was bleibt? Na klar, die große Wasserpfütze für Kunst.



TU2 der UZ in Vynohradiv

TU2-034 mit Zug auf dem bekannten Abstellplatz vor dem Bahnhof.



Jetzt ist erst einmal wieder Ruhe auf schmaler Spur. Der nächste Zug geht erst um 19.40 Uhr wieder ab. Also heißt es tschüss sagen zu der kleinen Bahn, mit einer Träne im Auge und der bösen Vorahnung, dass wir uns wohl in Betrieb nicht mehr wieder sehen werden. *schnief*

Was haben wir nun noch auf dem Zettel? Klar, den Schnellzug. Und dem wollen wir entgegenfahren. Ist ja auch ganz praktisch, schließlich liegt in der Richtung unser Nachtquartier. Guter Plan? Niiiicht gaaaanz! Folgt man nämlich der Strecke bis Korolevo, kommt man zwar an der Verbindungskurve zur Strecke nach Rumänien vorbei, landet im Ort aber quasi in einer Sackgasse. Egal, wir versuchens und …… scheitern. Naja, mir würde der Abzweig zwar ganz gut gefallen, so mit der Ausfädelung des Vierschienengleises, Wärterhäuschen und so, meine Mitfahrer sind aber nicht so zu begeistern davon. Außerdem stellt sich ein weiteres Problem. Jetzt ist es schon verdammt dunkel und bis der Schnellzug da ist, dauert es noch ein ganzes Eck! Ob es dann da noch für einen fahrenden Zug reicht? Wohl eher nicht. Also schnell bis Korolevo gedüst, „Bestandsaufnahme“ gemacht und dann zurück und über Vynohradiv den Bogen an die Strecke in Richtung Khust geschlagen. Alles im Eiltempo, nicht aber ohne vorher den ins Bw einrückenden D1 abzulichten.



D1 der UZ in Korolevo

Langsam rollt D1 563-3 ins Betriebswerk von Korolevo.



Jetzt heißt es schnell zurück und für den Schnellzug was gesucht. Der erste Bahnübergang gefällt uns nicht wirklich, Schotterkleber, der zweite geht gar nicht, alles verbaut, aber das Stück dazwischen bietet einen schönen Blick. Und zusammen mit einigen Sonnenstrahlen ergibt sich, wie ich finde, eine tolle Stimmungsaufnahme. Wenn ich ehrlich bin, ist das Bild einer meiner persönlichen Favoriten auf der Tour.



M62 1103 der UZ in Rokosovo

Lang ist er unterwegs, der Schnellzug 601. Um halb sechs in Solotvyno an der rumänischen Grenze gestartet, wird er erst am nächsten Morgen Lviv erreichen. Im letzten Licht des Tages trommelt M62 1103 entlang der Karpaten in Richtung Westen.



Bild im Kasten, nochmal kurz in die Runde geschaut und schon ist „Licht aus“ und wir sind auf dem Weg in Richtung Nachtquartier. Es ist nicht weit, aber trotzdem zieht sich die endlose Hoppelei bis Khust schier ewig. Und so ist es schon nach neun, als wir durch den kleinen Ort kurven. Ja genau, durch! Denn unser Hotel liegt nicht in der Ortsmitte, sondern ein Stück weiter östlich, nahe dem Bahnhof. Ein recht trübes Viertel an der Hauptstraße nach Solotvyno.

Nil hat vorsichtshalber im neuerbauten Teil des Hotels gebucht. Soweit so gut! Die Empfangshalle sieht auch recht einladend aus und die Rezeptionistin ist jung und adrett, hat aber weder Computer, noch Telefon, noch versteht sie Deutsch oder Englisch.
Sie sitzt hinter einem leeren Counter, warum auch immer, denn der neue Teil des Hotels hat noch gar nicht eröffnet, wie wir später heraus bekommen sollen.
Immerhin greift sie nun beherzt zum Telefon, heftige ukrainische Konversation folgt, dann steht sie auf und deutet an, wir sollen ihr folgen. Wohin? Hinüber in den Altbau!
Dort das ganze Gegenteil! Der Schlüsseltiger ist weder jung noch adrett, knurrt aus seinem Verschlag und macht gleich klar: „Mit mir ist nicht zu spaßen!“.
Reservierung? Wo kommen wir da hin! Jaja, auf so einem tablet kann ja viel stehen, erst einmal muss das karierte Schulheft zu Rate gezogen werden! Ah, hier stehts, die gehören wirklich heute Nacht hierher. Aber deswegen nun freundlich sein? NEIN, wo kämen wir denn da hin! In 40 Jahren Kommunismus gelerntes bleibt für ein Leben gelernt. PASSPORT und ein missmutiges brummen, dass man mit einiger Phantasie als „Würden sie mir bitte folgen. Ich möchte ihnen gerne ihre Zimmer zeigen.“ deuten könnte, müssen genügen. Wir folgen gehorsam, vollens überzeugt, die beißt wenn wir nicht brav sind.
Die Zimmer sind eine Wucht. Alt verwinkelt aber sauber. Soweit die gute Nachricht. Kopfkissen hats auch, bei Decken siehts schon anders aus. Immerhin, im Bad *hihih…..was für eine Übertreibung* herrscht wenigstens kein Umfallgefahr! Richtig gelesen Umfall, den umfallen kann man dort nicht. Wer schon immer mal wissen wollte wie man Toilette, Waschbecken, Dusche und Stehplatz auf die Fläche einer normalen Badewanne bekommen kann, dem sei das Hotel in Khust wärmstens empfohlen. Steh einer vorm Waschbecken, kommt der andere nicht mehr aus der Dusche! Warum? Ganz einfach, die Tür geht nicht mehr auf *grins* Und den Toilettengang bewältigt man auch noch im Vollschlaf oder volltrunken ohne Probleme. Die rechte Schulter quetscht an der Wand, der Rücken am Deckel, der linke Arm liegt auf dem Waschbeckenrand und die Knie, ja die Knie schmiegen sich „sanft“ an die Badezimmertür. Die ist dafür mit Glas und da mein Bett direkt davor steht, hätte ich theoretisch volle Einsicht auf alle Dinge, die lieber im Verborgenen bleiben. Aber wer will das schon!

Gut, wir haben keine große Auswahl, wir sind müde, es ist spät und außerdem, wir fürchten uns vor dem Hausdrachen! *grins* Die erklärt nun etwas mit großen Gesten, was mit Frühstück zu tun haben könnte, wir nicken eifrig ohne wirklich etwas zu verstehen, nur aus Angst dass sofortige Bestrafung folgen würde, wenn wir uns nicht kooperativ zeigen.
Brummend werden uns die Schlüssel ausgehändigt und wir sind frei. Nächster Gedanke: Hunger! Also raus aus dem Hotel. Gegenüber ist ein Lebensmittelmarkt und ich schlag vor, dass wir uns dort mit etwas essbarem eindecken und auf dem Zimmer essen. Den anderen ist eher nach was warmen und sie meinen, hier in der Nähe des Bahnhofs würde es schon was geben. Na gut, das Viertel hier ist wie gesagt nicht gerade die Paradeecke von Khust. Die Leuchtschrift gegenüber ignorierend dackeln wir die Straße einmal in die Richtung, einmal in die andere: NICHTS! Den Vorschlag der anderen beiden in die Ortsmitte zu gehen schlage ich aus. Bis dahin ist es ein ganzes Eck und wenn wir angekommen sind dürfte es bestimmt auf halb elf zu gehen. Wenn wir dann nichts finden, ists mit Essen für heute sowieso vorbei. Noch während dieser Überlegungen landen wir wieder gegenüber unserem Hotel, bei der Leuchtschrift. Hm, die sieht doch aus wie für ein Lokal! Klar, aber die Fenster im ersten Stock erwecken eher den Anschein einer Wohnung. Egal, mir reichts und ich marschiere rauf! Und siehe da, Tische, Stühle und …… eine ukrainisch sprechende Bedienung!

Doch im Gegensatz zu unserem Zerberus im Hotel ist die recht pfiffig. Nachdem wir ihr klargemacht haben, dass wir leider sie, noch die Speisekarte verstehen, verschwindet sie und kommt mit einem Handy wieder. Schnell etwas eingetippt und dann das Ganze auf den Tisch gelegt. Während ich noch denke: „Ein Übersetzer im Internet!“, greift Nil beherzt zu. Siehe da, es meldet sich eine Stimme auf Englisch. Das Mädel hat echt eine tolle Idee gehabt und eine Freundin angerufen, die Englisch kann. So gibt nun Nil unsere Wünsche via Handy an diese weiter, auf Englisch versteht sich, die Freundin notiert und nachdem das Telefon wieder zu seiner Besitzerin zurückgekehrt ist, wird das alles auf Ukrainisch übersetzt weitergegeben! Clever!



Khust




Und so kommen wir auch an diesem Abend auf wundersame Weise zu einem leckeren Abendessen. Noch eine kleine, lustige Notiz am Rande: Zu trinken gab es Staropramen, dass in dieser Ecke der Ukraine, warum auch immer, recht verbreitet ist.

Soviel Einsatz und Service verdient natürlich eine Belohnung. Und so geben wir ordentlich Trinkgeld als wir durch eine Hintertür das Lokal verlassen. Denn durch die sind es nur wenige Schritte bis zu unserer Zimmertür. Das war es nämlich was unser Empfangsengel uns andeuten wollte, wir müssen ihr wohl Abbitte leisten! So übel ist sie anscheinend doch nicht! *grins*

Trotz des grauen Tags gehen wir irgendwie zufrieden ins Bett, kuscheln uns in Ermangelung einer Decke in den blanken Überzug und träumen vom kommenden Tag.
Morgen SOLL es besser werden, sagt zumindest mal wieder der Wetterbericht, morgen MUSS es besser werden, sagen wir, denn wir haben vom Regen die Nase voll, und morgen WIRD es besser, soviel kann ich jetzt schon verraten! Nicht gleich, aber dann wenn es darauf ankommt! Und dann gibt’s unkrainische D1 in der traumhaften Bergwelt der Karpaten satt!