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Schau mir in die Augen Kleines - Saisonstart in Marokko - Teil 1

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Sonntag, 18.01.2015
Der Airport Mohammed V hat nicht viel zu tun mit dem Flugfeld, auf dem einst Humphrey Bogart, auf eine Kiste gestellt um größer zu sein als seine Filmpartnerin, Ingrid Bergmann aufforderte ihm in die Augen zu sehen. Aber immerhin die Tageszeit stimmt so einigermaßen, als uns die leicht gebraucht wirkende königliche Maschine der eben solchen marokkanischen Fluggesellschaft nach einem ereignislosen Flug in Casablanca entlässt.
Es hat etwas geruckelt zwischendrin, natürlich genau zur Essenszeit, so wie es halt sein soll, ansonsten war es ein ruhiges Gleiten, was ich zur intensiven Augenpflege genutzt hatte. Die Nacht vorher war kurz, der Vormittag stressig und die Anfahrt aus Bayern in die Schweiz machte sich auch nicht von selbst. Welch Erlösung dann das Dösen hoch über den Wolken. Ja, Wolken! Denn der Wetterbericht für die nächsten Tage verheißt nichts Gutes. Falscher Ort, falsche Zeit. Und auch wenn sich der Himmel beim schönen, eingekurvten Landeanflug aufreißt und schon mal den ein oder anderen Blick frei gibt, die glänzende Landebahn und große Wasserpfützen überall lassen so einiges für die kommenden Tage erwarten oder befürchten. Wolkenlotto as it’s best! Aber stabile Wetterlage mit garantiertem Sonnenschein kann ja jeder. Bleibt uns wenigstens der Vorwurf erspart, nur 45° Winkel Fotografen zu sein.
Die Einreiseprozedur zieht sich etwas, warum erwischt man immer nur die Schlange mit den Problemfällen oder den Menschen, die noch 100 Fragen an den Beamten haben, aber dessen Sprache gar nicht mächtig sind. Zeit genug sich den Ablauf genau anzuschauen und mitzubekommen, dass hinter dem Häuschen mit dem leicht grimmig schauenden Einreisebeamten, am Flur noch einer steht, der im Pass nochmal genau nachschaut, was der erste 2 Minuten vorher so gemacht hat. Sicher ist sicher ………. doch auch diese doppelte Kontrolle verhindert nicht, dass der zweite übersieht, was der erste vergessen hat: die Registrierungsnummer in meinen Pass zu schreiben. Und da ich zu dem Zeitpunkt nicht weiß dass es sowas gibt, bin ich der Dritte im Bunde, der sich nicht daran stört. Ganz im Gegenteil zu den Rezeptionisten auf der Tour und dem Beamten bei der Ausreise. So oft ist, glaub ich, mein Pass noch nie mit immer wieder frisch abgeleckten Fingern und wachsender Verzweiflung durchblättert worden.
Koffer holen und durch den Zoll geht dann ganz zügig und während Nil die ersten Dirham zieht, entere ich das Büro der Autovermietung. Klappt alles prima, wir werden schon erwartet und nett begrüßt. Schlüssel sind da, Zweitfahrer ist auch kein Problem ……. kostet halt extra ……. und die Selbstbeteiligung, die im Grundpaket erschreckend hoch ist, auf Null bringen ist auch kein Problem ….. kostet halt extra …… ein kurzer Blickaustausch mit meinem Mitreisenden …… watt mutt, datt mutt! Schon schleichen wir mit Schlüssel und Papieren bewaffnet durch die ganze Haupthalle wieder zurück. Man kann zwar überall ins Gebäude rein, aber nur ganz hinten raus. So erleben wir, unterbrochen von „Taxi, Taxi …. very cheap“ unseren ersten Spaziergang „Marokko bei Nacht“. Am Parkplatz bei der Fahrzeugübernahme geht‘s wieder flott und nur ein paar Minuten und zwei Wasserdurchfahrten später, entern wir unser Zimmer in einem Hotel direkt beim Flughafen. Gut gelegen hält es uns nämlich für den nächsten Tag alle Optionen offen. Und alle Optionen brauchen wir bei der Vorhersage! Es ist nur mehr gruselig, besonders morgen. Aber übermorgen soll es besser werden! …….. Übrigens eine Voraussage, die sich ab dann jeden Tag wiederholen sollte! Nennt man sowas dann beständig?
Konkret wird aktuell angekündigt: Im Nordosten übermorgen bis Nachmittag gut, dann wolkt es auch dort. Morgen hauptsächlich Wolken und Regen mit einzelnen Sonnenlöchern. Na dann erklären wir doch den morgigen Tag einfach zum Fahrtag beinhaltend den Programmpunkt „Land und Leute“. Und da uns unsere Route im ersten Teil entlang der Phosphatbahn nach Oued Zem führt, wer weiß, vielleicht ist mit viel Glück ja sogar noch ein schönes Bild mit drin.
Für heute reicht‘s jetzt aber, upps, eigentlich ist es ja schon morgen, also heute, wenn man davon ausgeht dass nun Montag ist …….. ja wie jetzt? Ruhe jetzt und schlafen, dass wir morgen fit sind! Ne, ja eigentlich heute! Egal: Gute Nacht!


Montag, 19.01.2015
Wir hatten gestern beim zu Bett gehen nur eine ca. Zeit ausgemacht an der wir aufstehen wollten. Es ist ja schließlich Urlaub und wenn es grau und trüb ist, muss man ja nicht gleich mit den Hühnern raus. Also schlage ich irgendwann mal die Augen vorsichtig auf und siehe da, blauer Himmel, Sonne und eine vorbeifahrende S-Bahn. Also dann nichts wie ….. nochmal umgedreht und weiter gedöst. Ich habe einfach keine Lust! Außerdem kommen da hinten schon Wolken!
Zweiter Versuch! Mein Nachbar bewegt sich nun auch, schaut verschlafen in die Welt und stellt fest, soooo schlecht ist das Wetter ja gar nicht. Ich mache pflichtbewusst eine Sichtungsmeldung, „S-Bahn in heller Lackierung mit Streifen!“, was ihn zu einem „kenn ich ja noch gar nicht“ veranlasst und wachsende Aktivität hervorruft.
Also ab ins Bad, schön geduscht und ab in die Klamotten. Doch irgendwie sind wir im Bummelmodus. Draußen blaut es mächtig am Himmel, der nächste Takt der S-Bahn drück und wir? Wir tun so als hätten wir alle Zeit der Welt. Verlassen das Zimmer und die Rezeption in der festen Überzeugung, dass auch diese S-Bahn, so wie die beiden anderen vorher, mit 15 Minuten Verspätung auftauchen wird und sitzen doch kaum im Auto als sie an uns vorbei braust. Guter Start!
Also dann halt die Rückfahrt. Es geht ein Stück der Strecke entlang bis nach Nouaceur und dort stehen wir nun in der Sonne, gemustert von vorbei kommenden Einheimischen. Was jetzt kommt kann sich wahrscheinlich jeder denken. Zur Planzeit: Sonne – aber kein Zug. Zur Vorbeifahrt: Zug – aber keine Sonne. Die Pünktlichkeitsrate bei der Wolkenfront war eindeutig höher als die der S-Bahn.
Halblichtbild mit Hintergrund hell, Zug von hinten und im Schatten, und wir können nicht mal stinkig sein. Schließlich haben wir’s selbständig verdröselt. Aber wenn das Bett auch so kuschelig ist. Auf jeden Fall wird das Motiv gemerkt. Es gibt ja schließlich noch einen Rückreisetag!
Die nächsten Minuten geben uns nun eine Vorstellung was uns heute erwartet. Denn kaum sind wir wieder unterwegs, öffnen sich die Schleusen am Himmel und sintflutartig fängt es an zu schütten. Scheibenwischer auf Maximalleistung geht’s auf die Autobahn in Richtung Settat. Dabei die erste Sichtung eines Phosphatzuges. Mit viel Fantasie lässt das vorbeiziehende Dach eine E-1100 vermuten. Das wäre ja cool, da Punkt 1 auf meiner Liste.
Ab Settat wird über die Landstraße geholpert und hier scheint auch wieder die Sonne. Sie tut es auch noch am Bahnhof Tamdrost und das in Kombination mit einem abgestellten Diesel ergibt das erste richtige Bild der Tour.


DH 428 der ONCF in Tamdrost

Für die Zubringer zum nahen Zementwerk und den anfallenden Rangierdienst beschäftigt man im kleinen Gare de Tamdrost ausgerechnet einen der neuen Großdiesel. Passend für uns ins rechte Licht gerückt, wartet DH 428 auf die kommenden Aufgaben.



Hey, doch schon mal nicht schlecht. Ein Bild mit Licht haben wir ja schon mal. Dann weiter, immer den Gleisen entlang, durch das grüne marokkanische Hinterland. Schön wenn man dabei mit einem unterwegs ist, der die Strecke schon zweimal abgegrast hat. Ich bekomme gefühlt jeden Hügel, jeden Weg, jede Biegung mit den Worten angekündigt: „Da hinten sind wir auch mal gestanden!“ oder „Dort haben wir es auch mal versucht, wurde aber nix!“ *grins* Nahe Ras Al Ain sichten wir den nächsten Zug. Ein Franzose, genauer eine Nez Cassé der Reihe E-1350, kommt uns mit einem langen Phosphatzug entgegen. Einen flotten Turn und einen verwunderten Bahnübergangswärter weiter gibt’s dann ein Bild der Garnitur.



E 1351 der ONCF in Ras Al Ain

Nahe Ras Al Ain rollt E-1351 mit einem Phosphatzug in Richtung Casablanca.




Uns fällt auf, dass überall an den Bahnübergängen kleine Unterstände in Zeltform stehen. Gebaut aus Plastikfolien und Ästen oder Holzlatten sehen sie recht provisorisch aus. Nicht bloß deswegen vermuten wir ihre Existenz in den Bauarbeiten an der Sicherungstechnik dieser Strecke begründet. Aber anscheinend besteht da kein Zusammenhang, weil in den folgenden Tagen sehen wir an allen Bahnübergängen, ob mit Lichtzeichen oder mit Schranken gesichert, diese Posten. Mal alleine, mal zu zweit hingen sie dort herum. Anscheinend traut man den marokkanischen Verkehrsteilnehmern nicht wirklich und stellt neben die Sicherungstechnik lieber noch einen Aufpasser. Ein Zugmeldesystem für die Jungs scheint es aber nicht zu geben. Sie kamen immer erst raus, als der Zug schon zu hören war. Quasi ein akustischer Selbstblock *grins*

Mittlerweile erinnern uns unsere knurrenden Mägen mehr als deutlich daran, dass es schon spät ist und wir immer noch ohne Nahrung. Kurzerhand wird in der nächsten Ortschaft beim Straßenhändler am Markt frisches Brot erstanden. Und als ich kurz darauf einen Obststand mit Mandarinen sehe, wird das Auto mitten auf der Straße stehen gelassen, inklusive Beifahrer, und eingekauft. Aussuchen darf ich selber und das finde ich auch gut. Die Dinger füllen sich recht weich an. „Überreif“ denke ich mir und suche die festesten heraus. Ab in die hingehaltene Tüte und schon wandern sie auf die Waage. Gewicht auf die andere Seite und siehe da, die Tüte ist leichter. Jetzt könnte man ja einfach den Preis entsprechend herunterrechnen. Könnte man! Aber nein, beherzt greift der Händler in die Auslage und füllt solange nach, bis Tüte und Gewicht einen Ausgleich gefunden haben. Aha, gekauft wird also immer exakt so viel wie das aufgelegt Gewicht wiegt. Das war schon immer so und so bleibt es auch! Wo kämen wir denn da hin!

Also schruppe ich mit gut gefüllter Tüte und nur unmerklich erleichtertem Geldbeutel ab zurück zum Auto. Nil ist beim Begutachten der Ware meiner Meinung: „Die sind aber weich! Lange halten die sich nicht!“. Und da hatte er vollkommen Recht! Lag aber jetzt weniger daran, dass sie schnell schlecht wurden. Nöööö, eher daran, dass sie so verdammt gut geschmeckt haben und saftig waren. So war die Verzehrrate ziemlich hoch.

Problem essen hatten wir gelöst. Problem trinken noch nicht. Die dürftigen Wasserbestände vom Flug waren fast aufgebraucht und dass obwohl wir nur genippt hatten. Hier hieß es also Abhilfe schaffen. Aber das musste noch etwas warten, jetzt galt es erstmal wieder an die Strecke zu fahren und für den Personenzug einen Platz zu suchen. Das Wetter war mittlerweile wieder grottig und so entschieden wir uns nahe an die Gleise zu stellen. Die einzige Chance wenigstens noch etwas basteln zu können. Erst mal hinter den Bahnhof von Mrizigue geschaut ….. *urgs* …… da hatte man unlängst gebaut und so sah es auch aus. Also auf die andere Seite vom Ort. Ab von der Teerstraße und ab durch den knöcheltiefen Modder und Riesenpfützen. Erste Bewährungsprobe für unseren Duster. Und der wühlt tapfer. Hin zum Bahnübergang, wieder zwei Menschen verwirrt, und auf der anderen Seite schön in die Sonne gestellt. Jawohl, in die Sonne! Wo die her kam? Keine Ahnung! Das Wetter war deutscher Bilderbuch April hoch 10. In einem Moment Weltuntergang mit Sturzregen und Graupel, Minuten später blauer Himmel und Sonnenschein. So auch bei der Durchfahrt des Personenzuges nach Casablanca.



E 1312 der ONCF in Mrizigue

Genau in einem Sonnenloch verlässt Zug 902 nach Casablanca Voyageurs, gezogen von E-1312, den kleinen Ort Mrizigue.



Während ich noch brav in mein Büchlein einschreibe taucht aus der Gegenrichtung der nächste Zug auf, bespannt mit einer E-1100. Perfekt, wäre nicht mittlerweile das blau über uns verschwunden und der nächste Wolkenbruch angekündigt. Also ab nach draußen zum Dubi (= Abkürzung für umgangssprachlich: Dunkelbild, vom lateinischen dunculare bilduorus).



E 1115 der ONCF in Mrizigue

E-1115 ist mit einer langen Wagenschlange in Richtung Oued Zem unterwegs.





E 1115 der ONCF in Mrizigue





Lustig ist, dass die ganze Strecke die wir den Zug sehen, beständig auf dem letzten Wagen ein Sonnenfleck mitfährt. Aber wir wollen uns nicht beschweren, auch ohne Licht war das Licht ganz o.k.! Nur die plötzlich wieder erhöhte Luftfeuchtigkeit treibt uns flott in unseren Duster. Dabei fällt uns auf, dass das Einsteigen mit unseren Schlammschuhen gar nicht so problemlos ist. Unsere Kiste hat nämlich einen breiten Schweller. Das führt dazu, dass man erst die Pampe von den Sohlen dort abstreift, um sie dann hinten an den Hosenbeinen wieder anzulagern. Und da man sich nun von hinten eher selten sieht, fällt einem das im ersten Moment nicht mal auf. Also immer brav die Beinchen in die Höhe.
Die beiden Marokkaner die hier zwecks Beaufsichtigung des Großbahnübergangs, ein Feldweg, eingeteilt sind, haben sich in den Schutz ihres Plastikplanenverschlags zurückgezogen und so können wir nicht mal freundlich winken. Nicht lange zuvor wurden wir von ihnen noch neugierig beobachten.
So hoppeln wir grußlos vorbei und stürzen uns in die nächsten Schlamm- und Wasserlöcher: Der Fahrer ist in seinem Element und hat Spaß. Und Nil hat das Ganze als Co-Pilot bildlich fest gehalten.



Mrizigue

Das Foto trügt! Stellenweise war bei den Wasserdurchfahrten kein Blick mehr aus dem Auto möglich, so spritzte das braune Wasser alle Scheiden hoch. Leider gibt’s davon kein Bild, denn auch der Beifahrer war mit Freude dabei. Die dicken Tropfen auf dem Foto lassen aber erahnen, wie lustig der Weg zurück auf die Straße war.



Eine große Wasserlache umgehen wir aber dann doch lieber, man weiß ja nie wie ausgefahren der Weg da ist und auf stecken bleiben haben wir nun wirklich keine Lust. Schade, schon ist die Teerstraße erreicht! Na gut, wir wollen ja auch weiter, denn ein paar Stunden haben wir noch zu fahren. So der Plan. Wird aber nix! Nil sichtet zwischen den Häusern einen Güterzug der in Richtung Casablanca rollt. Und der hat eine E-1100 vorne dran. Sowas k a n n man nicht so einfach fahren lassen! Also, flottes Wenden und ab die Teerstraße entlang zum Einholen, Überholen, Vorsprung heraus fahren. Ein Stück haben wir, dann knickt die Strecke und bietet ein bisschen Chance auf Sonne von vorne. Ist auch bis auf weiteres die letzte Gelegenheit, denn dann trennen sich Straße und Strecke. Aber auch hier ist es schwierig. Die Bahn läuft zwar nicht weit weg, wenigstens nicht in Metern. Wäre gut zu laufen, aber nicht bei diesen Bodenverhältnissen. Also hoffen auf einen Bahnübergang. Ah, da ist einer! Aber wo zum Teufel ist geht der dazugehörige Feldweg ab. Meter werden zu Kilometer, Sekunden zu Stunden…….schließlich „drückt“ der Zug von hinten. Halt da, endlich, scharf geht’s links weg und ab in den Matsch, erst nochmal ein bisschen nach links, dann rechts …… rechts ….. RECHTS ….. REEEEEECHTS …… würd ich ja gerne …… aber unser Auto nicht ….. oder der Matsch …….
Kurz vor dem Bahnübergang hören wir auf zu wühlen. Hier ist der Grund wieder einigermaßen fest und wir sprinten den Rest lieber zu Fuß, schrecken dabei erneut einen „Bewacher“ auf und werden ob so viel Einsatz mit einem Sonnenbild belohnt.



E 1112 der ONCF in Mrizigue

Diesmal eine E-1100 mit Sonne. Vor der nächsten Wolkenfront rollt E-1112 mit einem beladenen Zug in Richtung Hafen.



E 1112 der ONCF in Mrizigue

Bei dieser Konstruktion wurde auf Aerodynamik allem Anschein kein großer Wert gelegt. Die japanischen E-1100 haben dies in ihrem Einsatzgebiet auch nicht nötig.




Zwei Sonnenbilder an diesem, im Hinblick auf das Wetter, chaotischen Tag! Das nennt man dann wohl Glück. Entsprechend gut gelaunt geht’s in Richtung Auto. Das hat sich nach noch nicht mal einem Tag im Dienst schon beträchtlich verfärbt. Da nützt es auch nichts, dass es vorteilhafter Weise bereits von Haus aus braun lackiert ist.



Mrizigue

Schon schiebt sich die nächste Regenwand heran! Ein Blick auf die Reifen macht deutlich, in welchem Zustand der links zu verschwindende Weg sich befindet.




Wieder zurück auf dem Feldweg von eben? Ach nö, entlang den Gleisen geht auch einer, und der könnte trockener sein. Könnte, denn draußen gießt es, die Pfützen werden größer und da wo kein Wasser ist, hoppeln wir über Steine. Off-road eben. Irgendwann ist aber wieder die Teerstraße erreicht, auch wenn es dort zwischenzeitlich nur eine Spur in der Mitte gibt. Links und rechts ist Sand, Matsch, oder irgendwie so etwas. Man fährt mittig auf dem Teer, solang bis einer entgegen kommt. Dann gilt es: Wer hat die besseren Nerven? Wer gibt eher nach?

Meistens bin es ich, den heftigen Protesten meines Beifahrers zum Trotz. Wir haben meist das eindeutig geländegängigere Auto und auch dass, was dem Augenschein nach diesen Ausflug auch überleben würde. Bei manchen Rostlauben die entgegen kommen, bin ich mir da nicht so sicher.

Am Stadtrand von Khouribga gibt dann endlich an einer Tanke Getränke! Und das absolute must have einer Fototour! Nüsse und Gummischeiß in allen Variationen! Herrlich!

Nur das Aussteigen wird leicht ein Problem *glitsch* An unseren Sohlen klebt soviel Lehm, dass gehen auf dem glatten Boden eher zur Rutschpartie wird. Während ich die Füße an einem Gitter leidig sauber zu machen versuche und meine Augen begierig den Dampfstrahlen gegenüber fixieren……kann man Schuhsohlen abstrahlen, wenn die Füße noch in den Pantinen stecken ohne dabei nass zu werden??? …….entert Nil den kleinen Laden der Tankstelle. Nicht ohne dabei auf den sauberen Fließen deutliche Spuren seiner irdischen, oder sollte man in dem Fall besser, seiner irdenen Präsenz zu hinterlassen. Der Verkäufer nimmt’s mit Humor, wir sind versorgt und rollen entspannt von dannen, auf in die nächsten drei Polizeikontrollen! Denn einsam muss niemand auf Marokkos Straßen sein, muss er doch im Schnitt alle 30 km eine Polizeikontrolle passieren. Warum auch immer, ist einfach so. Angehalten wurden wir jedenfalls nie! Oder doch…… ja einmal.

In Oued Zem ist der Bahnhof leerer wie eine Kinderspardose nach dem Jahrmarkt, und so verabschieden wir uns in Richtung eisenbahnlosem Hinterland. Schön ist es so durch die Hügel zu gondeln, die langsam immer höher werden, die Landschaft und die Dörfer zu bewundern und manch eines der Fahrzeuge, die da so entgegen kommen.



Zwischen Oued Zem und Fes

In meiner Jungendzeit ein gewohnter Anblick auf Deutschlands Straßen. Heute muss man dafür nach Marokko fahren, um ihn noch in seinem angestammten Revier zu bewundern, quasi in freier Wildbahn, einen Klassiker des französischen Automobilbaus, den R4. Aufgenommen von Nil.



Irgendwann wird nun dunkel, und es wird öde. Wir machen nicht so richtig Strecke und unser Tagesziel Fes scheint nicht näher zu kommen. Schließlich geht es rein in die Mittelgebirgslandschaft. Da einmal durch und dann haben wir es geschafft. Doch unmerklich hat sich da draußen etwas verändert. Irgendwie liegt so weißes Zeugs auf und neben der Straße herum und bei der nächsten Ortsdurchfahrt erinnert uns alles eher an einen Schweizer Skiort, wie an Afrika.



Khenifra

Winter in Marokko! Das gibt es also auch in Weiß!



Kurz nach dem Bild ist es dann soweit. Vermummte Menschen teilen uns mit: „Ihr könnt hier nicht weiterfahren! Die Straße ist wegen zu starkem Schneefall gesperrt!“. Dicke Flocken, eine Sichtweite unter 10 m und ein rot-weißer Balken über der Straße bestätigen die Aussage.
Was nun? Umdrehen, über eine steile Bergstraße hinunter ins Tal und über einen etwas tiefer liegenden Pass gefahren. Himmel, hoffentlich halten die Reifen. Mit 20 km/h geht’s hinunter und mit 40 – 50 km/h dann auf der Hauptstraße vorwärts. Dabei bin ich aber schon einer der schnelleren. Nil checkt die neue Route. Ein ordentlicher Umweg, der uns bestimmt eine Stunde kosten wird, bei dem Tempo eher mehr. Super, und dass wo mir die Augendeckel bis fast auf den Boden hängen.

Aber glatte Straßen halten fit und das Adrenalin hoch! Und irgendwann haben wir dann auch die Berge verlassen und nähern Meknes. Von da geht’s flott über die Autobahn nach Fes und mit einem guten Navigator schnell in Richtung IBIS, gleich neben dem Bahnhof. Zwischendurch hatten wir noch pflichtbewusst getankt, damit wir morgen gleich losstarten können.

Das Einchecken liefe eigentlich ganz flockig, wir hatten schließlich reserviert, wenn da nicht die Sache mit meiner fehlenden Registriernummer wäre. Hier nimmt man es nicht so sportlich wie in Casablanca. Mein Pass wird wieder und wieder durchgeblättert……..ohne Erfolg! Irgendwann gibt dann auch der pflichtbewussteste Marokkaner auf und kopiert das Ding einfach. Geht anscheinend auch.

Gegessen wird im Hotel“restaurant“. Das ganze läuft unter: naaaaajaaaaaa …….aber dafür für hiesige Verhältnisse wenigsten ordentlich teuer *grumpf*

Jetzt liegen wir im Bett, den morgigen Tag planend. Nil wirft mir Ankunfts- und Abfahrtszeiten um die Ohren, scheint den Fahrplan irgendwie auswendig zu kennen, während ich mir denke: „Uäääh, sooo früh aufstehen!“ Hilft aber nix, watt mutt – datt mutt, und ich muss ja nicht fahren.

Dann mal gute Nacht und bis morgen! Es winken Diesel und Taourirt, hoffentlich ein Franzose und Sonne. Maaaaal kucken!