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Kanada 2015: Auf der Suche nach Zügen und Schnee - Teil 5

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Montag 2.3.2015 Jasper – Jasper
Als David an diesem Morgen aus dem Fenster blickte, berichtete er von Neuschnee, den es über Nacht gegeben hatte. Ausserdem sei das Wetter gerade am Aufklaren. Trotz dieser guten Aussichten, wollte David allerdings noch nachschauen, ob es in unsere Hotel ein Frühstücksbuffet gab. Nun es hätte eins gegeben, wenn sie mehr Gäste gehabt hätten. Da wir jedoch in der Zwischensaison da waren, war nicht einmal der Bär los. So ging es dann ohne Frühstück an die Strecke. Wir fuhren erst nach Henry House und hofften auf ein blaues Loch, wurden jedoch enttäuscht. Je weiter wir in Richtung Hinton fuhren, desto mehr Wolken hatte es am Himmel. Wir entschieden uns deshalb wieder nach Jasper zurück zu fahren, dort stellten wir uns in einem Einschnitt auf und begannen zu warten. Während wir auf dem Einschnitt warteten konnte man zuschauen, wie das bisschen Neuschnee, dass es über Nacht gab bei den Temperaturen um den Gefrierpunkt davon schmolz. Solche Beobachtung konnte auch deshalb gemacht werden, weil auf den Geleisen mal wieder Pause war. Warum dies so war, erklärte sich durch die Tatsache, dass nach einiger Zeit ein Hi-Railer kam. Die Bastelbuben im Pickup hatten die zwei Jungs auf den Einschnitt schnell gesehen und wollten wissen, was wir dort oben tun. Selbstverständlich konnten sie es auch nicht unterlassen uns zu erklären, dass man die Geleise nicht überschreiten solle, weil dies besonders gefährlich sei. Als wir ihnen wenig beeindruckt erklärten, dass wir dies nicht vor hatten, erzählten sie uns von Mountain Lions, die es in diesen felsigen Einschnitten habe. Wir bedankten uns artig für die Infos und liessen den Hi-Railer ziehen. Wenig später kam endlich ein Zug von vorne. Zu unserer Freude im Licht.
GE C44-9W der CN zwischen Jasper und Brûlé AB


Nun waren wir allerdings wieder Stellenlos. Fast den ganzen Nachmittag irrten wir anschliessend umher und suchten nach Stellen und gutem Wetter. Das blaue Loch schien jedoch nur über Jasper zu wohnen. So strandeten wir gegen Abend am Bahnhof von Jasper. Zu unserem Ärger machte die Sonne beim ersten Güterzug jedoch gerade Pause. Besser sah es beim zweiten aus, dieser kam wenigstens im Halblicht. Wie bereits einige Male zuvor fiel uns bei diesem Zug die Fahrzeugvielfalt der CN ins Auge. Doch was war für eine Lok an der Zugspitze? Das Ding hatte recht breite Plattformen, wie eine SD40-2, besass allerdings eine breite Schnauze. Spätere Nachforschungen identifizierten die Lok als GMD SD40-2W, wobei das „W“ für ein sogenanntes wide Cab steht. Diese breiten Führerhäuser entwickelte GMD (der kanadische Ableger von EMD) um spezielle Crashnormen zu erfüllen.
GMD SD40-2W der CN in Jasper AB


GMD SD40-2W der CN in Jasper AB


Kein Crash-, stattdessen aber die Frühstücksnormen sollte unser nächstes Hotel erfüllen, weshalb wir uns diesmal im Best Western einquartierten. Nach einem Spaziergang durch den Ort, gabs ein Abendessen in Earls Restaurant. Beim anschliessenden Weg zurück stellte ich fest, dass wir nahe am Vollmond waren und die Berge im Hintergrund des Bahnhofs hell erleuchtet waren. Ich überlegte mir daher, ob ich an diesem Abend noch eine Nightsession machen sollte. Nach einer kurzen Pause im Hotel packte ich also nochmals meine sieben Sachen und lief zum Bahnhof. Dort gab es eine abgestellte F40PH-3 mit ein paar Personenwagen, sowie eine ES44AC die als Helper an einem Kohlependel hing. Beides wurde festgehalten, ehe ich ewig lange wartete um die F40 noch ohne Kohlewagen im Hintergrund zu machen. Da der Zug nach einer Stunde des Wartens allerdings noch immer drin stand, gab ich die Übung entnervt auf.

EMD F40PH-3 der VIA in Jasper AB


GE ES44AC der CN in Jasper AB


Dienstag 3.3.2015 Jasper – Banff
Tag zwei in Jasper begann mit Sonne. Die erste Grundvoraussetzung für einen erfolgreichen Tag war gegeben. Nun musste uns der ominöse CN-Schattenbahnhof nur noch genügend Züge schicken. Punkt Nummer eins auf unserem Plan war Henry House. Wie sich herausstellte, war die Sonne schon unter 45°, als sie über den Berg kam. Die CN war jedoch nett und schickte uns in nützlicher Frist einen Getreidezug.
EMD SD70M-2 der CN zwischen Jasper und Henry House


Für den Mittag gab es nun zwei Alternativen. Entweder eine Stelle beim Jasper Lake, oder eine etwas weiter östlich beim Yellowhead Lake. Beim Jasper Lake wusste wir, dass was gehen würde, man musste jedoch etwas weit laufen, weil die Snaring Road im Winter geschlossen ist. Zum Yellowhead Lake konnte man unterdessen fahren, er war jedoch 45min weg und wir wussten nicht, ob etwas gehen würde. Da wir gegen 13 Uhr den Canadien erwarteten, war der Slot für den Jasper Lake so kurz, dass wir uns für Alternative zwei entschieden. Leider erwies sich diese Entscheidung als falsch. Nach dem wir am Yellowhead Lake eine zweitklassige Stelle gefunden hatten, kam leider kein Zug, so dass wir ohne Bild verschwanden. Schliesslich wollten wir den Canadien nicht verpassen. Auf dem Rückweg ging es noch rasch nach Jasper an den Bahnhof um die Verspätung des Canadiens zu checken. Auf der Tafel war der Status des Zuges derweil mit „delayed“ angegeben. Nach einiger Zeit des Wartens, kam ein VIA Mitarbeiter auf mich zu, den ich nach einer konkreten Verspätungsangabe fragte. „I think they’ll come about seven o’clock, probably they are here for dinner“, meinte dieser. Wieder einmal war man also sechs Stunden hinter dem Plan. Somit erledigte sich das Projekt Canadien endgültig. Dies war nun etwas ungünstig, denn hätte man es vorher gewusst, man wäre an die Stelle am Jasper Lake gegangen. Leicht frustriert stellten wir uns nun wieder bei Henry House auf. Nach kurzer Zeit schickte uns die CN auch bereits einen Zug. Fast ein bisschen früh fanden wir, denn der Zug hatte noch nicht viel Seitenlicht. Wir wollten deshalb nochmals einen Abwarten. Wieder einmal wurde dieses Unterfangen zu einer Geduldsprobe, dauerte es doch lange 80 Minuten, bis der Schattenbahnhof der CN erneut etwas ausgespuckt hatte.
EMD SD75I der CN zwischen Jasper und Henry House


GE C40-8W der CN zwischen Jasper und Henry House


Nun die Stelle bei Henry House bot nicht nur ein Motiv. Der Beginn der Doppelspur liegt nämlich auf einer langen offenen Geraden. So stellten wir uns etwas weiter hinten erneut auf, so dass rund eine Stunde später das nächste Bild entstand.
EMD SD75I der CN zwischen Jasper und Henry House


Diesen Zug wollten wir nun nach Jasper verfolgen. Die Idee war es ein Gruppenbild mit der F40PH-3 im Bahnhof zu machen. Dort angekommen, verdeckte jedoch ein Gegenzug den Blick auf den Güterzug. Wieder ging es deshalb in Richtung Henry House. Wobei wir auf einen Zug aufliefen, der darauf wartete Henry House in Richtung Hinton zu verlassen. Der stehende Zug liess einen Schluss zu: Der Schattenbahnhof würde wohl gleich wieder einen Zug ausspucken. Diesmal wars ein Kohlependel mit ES44AC.
GE ES44AC der CN zwischen Jasper und Henry House


Die Wechselstrom Variante des TechnoToasters wird bei der CN erst seit kurzen eingesetzt, entsprechend frisch im Lack waren die Loks. Dies freute uns ebenso, wie die Tatsache, dass diese Loks nun auf dem richtigen Gleis durch Jasper fuhren.
GE ES44AC der CN in Jasper AB


Zufrieden mit der Ausbeute stürmten wir in einen Supermarkt und deckten uns mit Pork Jerky für die Fahrt nach Banff ein. Als wir gehen wollten, sahen wir, dass der TechnoToaster noch immer im Bahnhof stand. Ausserdem stand da noch eine SD60F. Diese sind speziell, weil sie eine (für Güterloks) unübliche Cowl Unit haben, also ein Maschinenhaus, dass die ganze breite des Kastens ausfüllt und deshalb keine Reling hat.
GE ES44AC der CN in Jasper AB


EMD SD60F der CN in Jasper AB


Nach diesen Bildern wars nun aber definitiv Zeit für den Icefields Parkway. Natürlich gings nicht ohne die eine oder andere Landschaftsaufnahme zu machen.
Icefields Parkway


Icefields Parkway


Nach dem wir die Columbia Icefields passiert hatten ging dann auch der Vollmond auf.
Icefields Parkway


Da musste man rasch anhalten und ein Bild machen. Das dachten sich wohl auch die Kanadier, die schon auf dem Parkplatz standen. Oder etwa nicht? Kaum den Fotoapparat gezückt, kam der Herr auf uns zu und fragte, ob wir nach seinem Auto schauen könnten, es sprang nämlich nicht mehr an. Die Tatsache, dass die Zündung ging, der Motor aber nicht startete, liess vermuten, dass es sich hierbei um Defekt der Benzinpumpe handelte. Das war eine missliche Situation für die beiden, denn in den Bergen hatte man kein Handynetz und Autos kamen auch nicht eben viele vorbei. Wir boten an, die beiden nach Banff mitzunehmen. Die Dame wollte das allerdings nicht. Wie sich herausstellte, waren die beiden in Athabasca Falls zu einer Geburtstagsparty verabredet. Wir hielten es unterdessen für keine gute Idee die beiden zurück zu lassen, denn die hereinbrechende Nacht versprach Temperaturen im zweistelligen Minusbereich. Eine solche Nacht in einem ungeheizten Auto zu verbringen, war purer Irrsinn. Während Flair (so hiess die Frau) erfolglos versuchte vorbeifahrende Autos zustoppen, erklärte uns Sascha (so hiess er), dass sie gerne an diese Party wollten. Selbstverständlich würden sie uns auch einladen und uns dort übernachten lassen, wenn wir sie mit nach Athabasca Falls nähmen. Nun die Einladung war verlockend. Die Tatsache, dass wir gerne zwei Tage an der Morant’s Curve verbringen wollten, hielt uns jedoch davon ab, an die Party zu gehen. Wir machten das Angebot die beiden nach Athabasca Falls zu fahren, um anschliessend aber doch wieder nach Banff zu gehen. Sascha schien unsere Situation zu verstehen. Er machte den Vorschlag uns ein Zimmer in der Jugendherberge in Banff zu bezahlen. Wir nahmen dankend an und luden die beiden in unser Auto. Nach rund einer Stunde fahrt war es geschafft, wir waren wieder in Athabasca Falls. Während uns Flair als ihre Lebensretter ankündigte, telefonierte Sascha mit Banff und reservierte das Zimmer. Anschliessend gab es noch etwas Sprit, ehe wir wieder auf Achse waren. Gegen zehn Uhr hatten wir es dann geschafft, das Youth Hostel in Banff war erreicht. Auf Grund der fortgeschrittenen Zeit gings noch kurz zu MacDuck, ehe wir totmüde ins Bett fielen.