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Kanada 2015: Auf der Suche nach Zügen und Schnee - Teil 6

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Mittwoch 4.3.2015 Banff – Banff
Erwartungsgemäss gab es auch in der Jugi kein Frühstück. Mit leerem Magen ging es deshalb hoch nach Lake Louise an die Morant’s Curve. Diese Kurve ist das bekannteste Eisenbahnmotiv Kanadas. Sie ist nach Nicholas Morant benannt. Dieser war Werksfotograf bei der CP war und liess die Kurve deshalb für seine Bedürfnisse freischneiden. Leider ist der Verkehr auf der CP sehr launisch, so dass wir im Sommer 2011 kein Bild von der Kurve machen konnten. Ähnliches wiederfuhr uns auch vier Jahre später. Obwohl das Wetter gut war, wollte uns die CP nur zwei Züge von hinten schenken. Nicht gerade das, was wir brauchen konnten, vor allem weil beide statt Schub einen Middlehelper hatten. Statt auf Züge trafen wir an der Kurve auf Touristen. Es waren Japaner, die sich mit einem japanisch stämmigen Guide das Land anschauten. Sie fragte uns, ob wir auf den Zug warten würden. Wir bejahten, entgegneten aber auch gleich, dass wir nicht wussten, wann was kommt. Der Guide meinte, dass einige hier einen Funkscanner hätten. Nun über dieses Gadget verfügten wir leider nicht. So durften wir bis 11:30 Uhr hoffen, ehe wir entnervt abzogen. Wir entschieden uns in Richtung Field und Golden zu fahren. Dies weil das Wetter in Richtung Rogers Pass für diesen Mittwoch besser voraus gesagt war, als für den Donnerstag. Unsere Hoffnung, dass man von den Kicking Horse Kehren im Winter mehr sieht, als im Sommer wurden unter anderem dadurch zerstört, dass die Raststätte beim unteren Kehrtunnel im Winter gar nicht offen ist. Als wir kurz vor Field einen Zug aufgeholt hatten, stieg unsere Hoffnung, dass wir diesen gleich hinter dem Ort ablichten konnten. Wir fanden jedoch keine Stelle. Schliesslich landeten wir auf der Kicking Horse Raststätte, wo wir einfach mal etwas probieren wollten. Nach etwa 30 Minuten sollte unsere Geduld belohnt werden, es kam ein Getreidezug.
GE AC4400CW der CPR zwischen Golden und Field


Wir fuhren weiter nach Golden und sahen uns die Brücke im Ort an. Diese war eigentlich ok, nur wollten wir nicht ewig auf der Brücke warten. So sind wir weiter in Richtung Rogers gefahren. Noch in der Ebene kreuzten wir dabei einen Kohlezug, also fix umgedreht und sich auf der Brücke aufgestellt. Unter der Brücke stand nun der Kistenzug, den wir eigentlich in Field fotografieren wollten. Als dieser nach rund zehn Minuten ausfuhr und der Kohlezug nach zehn weiteren Minuten noch immer nicht da war, kam uns dies spanisch vor. War die Kohle etwa nach Crainbrook abgebogen? Wir fuhren ein weiteres Mal in Richtung Rogers und sahen, dass die CP ihren Zug einige Kilometer vor Golden neu formierte. Wir gingen deshalb zurück zur Brücke und stellten uns erneut auf. Was nun kam war jedoch kein Kohle, als viel mehr ein Kistenzug, den nahmen wir natürlich auch.
GE AC4400CW der CPR in Golden


Zum dritten Mal fuhren wir nun in Richtung Rogers Pass in der Ebene fanden wir derweil keine Stelle. In der Rampe sah es so aus, als würde man länger nicht mehr zur Bahn hinkommen. Wir drehten deshalb und einigten uns darauf in Golden nochmals auf die Brücke zu stehen. Auf dem Weg nach Golden liefen wir dann tatsächlich auf einen Zug auf. Da das Licht nun gedreht hatte, hofften wir allerdings auf einen Zug der vom Kicking Horse runter kam. Wieder standen wir eine halbe Ewigkeit auf der Brücke, bis wir kurz vor 17 Uhr der Meinung waren, dass es dies nun war. Wir fuhren von der Brücke runter und wollten gerade auf die Strasse unter der Brücke, da erblickte ich doch tatsächlich ein Spitzenlicht. „Jetzt kommt der Zug, gib gas“, waren meinte überhasteten Worte. David machte einen U-Turn und stellte das Auto wieder auf die Brücke. Da von hinten der uns bekannte Gegenzug kam, war der Lokführer am verzögern, so dass wir es gerade noch schafften den Zug festzuhalten. Als wir anschliessend gedreht hatten und wieder über die Brücke fuhren, war die Sonne bereits hinter dem Berg verschwunden. Da hatte uns die CP für einmal in letzter Sekunde noch einen Zug geschenkt.
GE ES44AC der CPR in Golden


Zurück in Banff suchten wir uns ein Hotel in der Nähe des Zentrums. Wir entschieden uns fürs Best Western bei dem wir ein Deja-vu hatten, waren wir doch vor vier Jahren schon mal im gleichen Hotel.

Donnerstag 5.3.2015 Banff – Banff
Nach dem uns die CP am Mittwoch keine Züge schicken wollte, streickte am Donnerstag der Wettergott. Ziemlich viel Schmodder hing in den Bergen, als wir die Morant’s Curve erreichten. Im Gegensatz zum Vortag waren wir diesmal nicht die einzigen Fotografen. Eine Gruppe Japaner hatte bereits ihre Stative aufgestellt. Als die Asiaten aus ihrem Pickup kamen, zeigte sich, dass sie sehr viel Equipment dabei haben. Besonders auffällig waren ihre Polfilter, die sie in Form einer rechteckige Scheibe dabei hatten und beim Fotografieren vor die Kamera hielten. Auffällig war auch, dass man in Japan wohl andere Ansprüche an Bilder hat als bei uns. So wurde auch beim Zug, der von hinten kam, munter drauf los geknipst. Zur Freude der Japaner hielt der Zug mitten in der Kurve an. So konnte man bei der Weiterfahrt nochmals im Sekundentakt Bilder von den anfahrenden Containern machen.
CPR bei Lake Louise (Morant's Curve)


Nachdem die Japaner bereits ihren Spass hatten, wollte die CP auch uns einen Gefallen tun. Sie schickte uns einen Zug von vorne.
GE AC4400CW der CPR bei Lake Louise (Morant's Curve)


Nach diesem Bild ging es runter in Richtung Banff und Canmore. Auf Grund des bescheidenen Wetters fuhren wir den unteren Teil des Bow Valley Parkways, mussten allerdings merken, dass auf diesem Abschnitt nichts ging. Da die Chance auf Sonne in Richtung Canmore und Exshaw grösser schien, gings weiter den Pass hinunter. Kurz vor Exshaw stellten wir uns schliesslich auf und erlegten den gleichen Zug, wie an der Morant’s Curve.
GE AC4400CW der CPR zwischen Exshaw und Gap AB


Da der Zug in Exshaw hielt, vermuteten wir einen Gegenzug. Schnell musste also eine Stelle für diesen gefunden werden. Zielgerichtete steuerten wir deshalb eine Stelle bei einer Strassenbrücke in Seebe an. Wir warteten rund 30 Minuten, ehe ganz unerwartet unser Ostfahrer kam. Man hatte in Exshaw rangiert und einige Wagen vom lokalen Zementwerk an der Zugspitze eingereiht.
GE AC4400CW der CPR in Seebe AB


Die Frage war nun ob man warten sollte oder nicht. Da wir 2011 auf der Fläche draussen nicht mehr viel gefunden hatten, entschieden wir uns zu warten. Nach rund 90 Minuten kam dann auch ein Zug aus Calgary.
GE AC4400CW der CPR in Seebe AB


Diesen wollten wir nun packen. Wieder stellten wir uns an der Kurve bei Exshaw auf. Mit uns standen dort auch einige Dickhornschafe. Die wir erst einmal aufs Zelluloid bannten. Die Viecher schauten tatsächlich noch neugieriger als die Zeitgenossen, die dann jeweils nach der Dampflok fragen.
Zwischen Exshaw und Gap AB


Das Schafshooting war übrigens möglich, weil unser Zug in Exshaw rangierte. Mit der Zeit verloren die Schafe ihre Scheu. Sie stellten sich nun im Vordergund auf und begannen zu grasen. Erst als der Zug mit viel Gehupe angebraust kam, entschieden sich die Tiere ihren Futterplatz zu verlassen.
GE AC4400CW der CPR zwischen Exshaw und Gap AB


Wir zogen unterdessen weiter nach Banff. Dort angekommen schlenderten wir zum Bahnhof und stellten erstaunt fest, dass der Zug schon im Anflug war. Anscheinend hatte uns der Lokführer wieder erkannt. Er schwang sich nun weit aus dem Fenster und winkte wie wild.
GE AC4400CW der CPR in Banff AB


Wir fragten uns, was wir nun noch tun können. Wir entschieden uns in Canmore auf einen weiteren Zug zu warten. Der Schattenbahnhof der CP schien jedoch leer zu sein, so dass kein Zug mehr kam.

Freitag 6.3.2015 Banff – Calgary – Freienbach
Der Blick aus dem Fenster an unserem letzten Tag in Kanada zeigte sich leider erneut nicht von der besten Seite. Die Berge in Richtung Lake Louise waren stark wolkenverhangen. Wir stellten uns deshalb auf die Brücke bei Seebe. Diese war genau bei der Wettergrenze. Wir hofften, dass sich die Wolken noch verziehen würden, wurden jedoch enttäuscht. Gegen Mittag zogen wir deshalb enttäuscht ab. Über die schneelose Landschaft ging es nach Calgary, wobei wir ein letztes Mal Schnee zu sehen bekamen, war doch der Olympic Parc ein weisser Leuchtturm in der Landschaft. In der Stadt waren wir noch auf der Suche nach einem Modellbahnladen, der war offensichtlich umgezogen. So gings gleich weiter zum Flughafen. Doch halt, wir mussten unseren Jeep ja noch auftanken und unser Bares aufbrauchen. Das war leichter gesagt als getan, am Flughafen konnte man nur mit Karte bezahlen, also wieder rein in ein Aussenquartier und die Karre dort betankt. Dann das Hertz-Navy auf „take me to Hertz“ programmiert. Und wo führte uns das Navy hin? Zum Hertz Schalter im Flughafengebäude. Da hatte wohl jemand überhaupt nichts überlegt, als er dieses Navy programmiert hat. Etwas genervt fuhren wir durch den Arrival und nahmen nochmals Anlauf. Diesmal fuhren wir der Signalisation nach und fanden den Hertzparkplatz doch noch. Die Abgabe des Autos war keine grosse Sache. Auch der Checkin ging ohne Probleme von sich. Bei der Sicherheitskontrolle machte mich der Scanner zum Quotentrottel, weshalb man meine Kameraausrüstung auf Sprengstoff untersuchte. Ein Problem war aber auch dies nicht. Nun hatten wir noch etwas Zeit. Wir setzten uns in ein ansässiges Lokal und staunten über die Destinationen, die aus Calgary angeflogen wurden Medicin Hat (270km), Edmonton (250km) und Red Deer (140km) waren nur drei Destinationen, die man in Europa wohl niemals fliegen würde. In einem Land ohne brauchbaren öffentlichen Fernverkehr machen solche Relationen wohl Sinn. Der Flug an sich war sehr angenehm. Es kam uns dabei entgegen, dass wir uns für 50 Franken einen Exit-Platz gekauft hatten. Kam dazu, dass wir einen relativ neuen Airbus hatten. Mit Hilfe von Bordunterhaltung und Laptop gingen die acht Stunden im Fluge vorbei. Auf dem kurzen Flug von Amsterdam nach Zürich hatten wir schliesslich Zeit ein kleines Fazit der Tour zu ziehen. Wie wir von Anfang an befürchtet hatten, war es vor allem in den Rockies schwierig Schneefotos zu machen. Trotz des Streiks von Frau Holle sind in meinen Augen jedoch einige nette Bilder entstanden, weshalb ich mit diesem Teil der Tour zu frieden bin. Auch in der ersten Woche in der Fläche sind einige Bilder entstanden, die mir Freude bereiten. Der grosse Wehrmutstropfen war natürlich die Brücke in North Battleford. Trotzdem darf man auch mit Woche eins zu frieden sein, so dass ich diese Tour als insgesamt eine runde Sache bezeichnen würde.