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Slowakei 2015: Auf der Jagd nach blauen Löchern und gelben Zügen - Teil 1

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Samstag 25.4.2015 (Freienbach - ) Wien - Poprad

Die Idee für eine Tour in die Slowakei war eigentlich schon lange reif. Gerade jedoch die Aufnahme der RegioJet-Leistungen zwischen Bratislava und Kosice stärkten das Verlangen wieder einmal in dieses Land zu reisen abermals. Es musste sich nur noch jemand finden, der die Tour auch mitmachen würde. Lange wollte niemand Zeit haben, dann raffte sich David aber doch noch auf zumindest eine halbe Woche mitzukommen. Während sich David auf seiner Heimreise aus den Niederlanden dank der GDL noch auf Umwege einlassen musste, arbeitete ich derweil bis zum bitteren Ende, ehe es nach Hause ging um in aller Eile noch das wichtigste zusammen zu packen. Anschliessend ging es nach Zürich und von da mit dem Nachtzug nach Wien. Gut gelaunt erreichten wir am Morgen den Wiener Hauptbahnhof, wo wir unseren Anschlusszug nach Bratislava bestiegen. Es kam uns dabei schon etwas merkwürdig vor, dass auf dieser Strecke, die immerhin zwei Landeshauptstädte verbindet nur gerade EuroRunner mit CitySchüttlern fuhren. Nun gut, die Strecke stellte sich als holprige Regiopiste heraus, was den Rollmaterialeinsatz durchaus rechtfertigte. In Bratislava angekommen, ging es zum Schalter zwecks Kauf eines Kursbuches. Dieses war dort allerdings nicht vorhanden oder man verstand zumindest nicht, was ich wollte. Also gings mit dem Bus zum Flughafen, wo wir unser Auto abholten. Obwohl am Flughafen wenig bis gar nichts los war, klappte die Abholung wunderbar, so dass wir gegen Mittag mobil waren und uns endlich der Eisenbahnfotografie widmen konnten. Die Frage war nun, ob man noch was im Raum Bratislava machen wollte. Die Aussicht auf eine Laminatka in Blonski (Anm.: so nennt sich die aktuelle rot/weisse Lackierung der slowakischen Staatsbahn) liess und diese Frage mit einem klaren "ja" beantworten. Also flux an eine potentielle Stelle navigiert. "Die Strecke nach Norden, oder nach Osten", fragte David, während ich am Steuer sass. Im Norden ist Tschechien, wir wollen an die Strecke nach Kosice. "Jene in den Osten", war deshalb meine logische Antwort. Bei Senec fanden wir schliesslich eine geeignete Brücke. Ich zog den Ausdruck meiner Kursbuchseiten aus dem Rucksack und suchte dieses Senec, fand es aber nicht. "Die kleinen Orte aus dem S-Bahn-Ring werden wohl auf einer anderen Strecke sein", redete ich mir ein. Wir stellten uns also hin und es kam eine 263 mit einer Doppelstockgarnitur. Das war wiederum komisch, denn solche Züge sollten auf der Strecke nach Kosice laut Zelpage gar nicht fahren. Fotografiert wurde das Ding natürlich trotzdem, schliesslich gibt es die Dinger so nur in der Slowakei.
Baureihe 263 der ZSSK zwischen Senec und Velky Biel


Als nächstes kam ein 380er mit MAV-Wagen von hinten. Wieder rümpfte ich die Nase. Ich dachte immer der Ungaren-Abzweiger sei näher bei Bratislava. Wenig später kam die tschechische Variante von vorne. Zu unserer Freude hing Vlakem na Euro an diesem Zug.
Baureihe 380 der CD zwischen Senec und Velky Biel


Als danach der RegioJet nicht kam, begann es bei mir langsam zu dämmern: Wir standen nicht an der Strecke nach Kosice, wir standen an jener nach Budapest. Nun denn, da die Sonne langsam sowieso senkrecht war, entschieden wir uns zu gehen. Kaum zusammengepackt tauchte jedoch noch der Rychlik nach Zvolen auf, notabene mit einer Laminatka in Blonski.
Baureihe 240 "Laminatka" der ZSSK zwischen Senec und Velky Biel


Damit hatten wir an dieser Stelle mehr gemacht als erhofft, weshalb wir dann auch zufrieden von dannen zogen. Im Wissen um die falsche Strecke fand David nun auch die richtige. Nach einem kurzen Tankstopp ging es jedoch erst einmal auf die Autobahn. Wir wollten uns nun eine Stelle für den nächsten RegioJet aus Kosice suchen. Diese vermuteten wir bei Leopoldov. Wir klapperten einige Brücken ab und fanden tatsächlich eine Stelle. Noch hatte es an der Stelle jedoch kein Seitenlicht. Wir entschlossen uns deshalb nochmals nach Leopoldov zu fahren. Nach der Konsultation des InterRail-Apps hatten wir nämlich herausgefunden, dass auf der Dieselstrecke, die in Leopoldov begann demnächst ein Zug kommen würde. Da im Bahnhof eine Doppelbüchse stand, war für uns gleich klar, dass es sich bei dieser Strecke um eine Büchsenbahn handeln musste. Wir wollten die Büchse eigentlich bei einer Brücke quer schiessen, waren dann aber etwas knapp dran, weshalb wir uns entschlossen, die Einfahrt von Leopoldov zu machen. Während der Wartezeit begannen wir zu witzeln, dass jetzt dann bestimmt eine Brille mit fünf Wagen und dem Schnellzug nach Bratislava kommt. Dementsprechend verwundert schauten wir, als eine tatsächlich eine 754 mit gar sechs Wagen an der Einfahrt auftauchte!
Baureihe 754 "Taucherbrille" der ZSSK zwischen Leopoldov und Leopoldov zastavka


Natürlich freuten wir uns auch über dieses Geschenk. Zumal wir wenig später feststellen mussten, dass die Brücke gar nichts taugte. Für die Büchse, die wenig später Leopoldov verliess, standen wir deshalb wieder an der Einfahrt.
Baureihe 813 der ZSSK zwischen Leopoldov und Leopoldov zastavka


Nach der Büx war es dann Zeit für den RegioJet. Flink ging es an die bekannte Stelle zurück. Hier begann nun das erste Mal auf dieser Tour das Bangen, denn inzwischen hatte jemand die Siffomatik angeschmissen. Zu unserer Freude klappten aber sowohl der Rychlik, als auch der nachfolgende RegioJet in der Sonne.
ZSSK 362 der CD zwischen Leopoldov und Drahovce


Baureihe 193 der RJ zwischen Leopoldov und Drahovce


Das nächste Ziel hiess derweil Trencin. Von hier hatten wir Bilder mit der Burg gesehen. Zwar standen die Leute bei den Bildern im Internet auf dem Streckengleis, doch waren wir uns sicher, dass dies auch anders gehen musste. An der Stelle angekommen wussten wir sehr schnell, wieso die Leute auf dem Gleis standen. Die Strecke wurde gerade saniert, weshalb das zweite Streckengleis unmittelbar hinter der Stelle gesperrt bzw. ausgebaut war. Für einen ersten Osobny Vlak stellten wir uns deshalb auch aufs Gleis.
Baureihe 671 der ZSSK zwischen Trencin und Zlatovce


Dies befriedigte uns aber nicht wirklich, so dass wir unser Gartenwerkzeug auspackten und die Burg etwas weiter vorn frei schnitten.
Baureihe 361 der ZSSK zwischen Trencin und Zlatovce


Zufrieden mit dem Resultat ging es nach Ilava. Auch hier fanden wir eine schöne Stelle. Leider wurden wir aber mehrmals von den Wolken verarscht, so dass nur ein Nachschuss auf einen Dosto entstand.
Baureihe 671 der ZSSK zwischen Dubnica nad Váhom und Ilava


Nicht ganz zufrieden mit dem ersten Tag ging es daher zum Burgerbrater nach Zilina und von dort weiter in unser Quartier in Poprad.