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Trains Down Under - Teil 4: Die Stärke der Küste

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Montag 13.7.2015 Bathurst – Gerringong
Ein Blick aus dem Fenster und in den Wetterbericht schlug uns an diesem Morgen arg aufs Gemüht. Schlechtes Wetter allenthalben war die einfache und gleichzeitig niederschmetternde Prognose. Einzig am Wochenende sollte es ein bisschen besser sein, meinte der Wetterbericht zu wissen. Ein Blick aufs Satellitenbild verriet derweil, dass es an der Küste tendenziell besser sein sollte. Wir entschieden uns deshalb nochmals nach Kiama zu fahren. Bevor wir den Weg dorthin jedoch unter die Räder nahmen, ging es noch in ein lokales Einkaufszentrum. Gubis Handy hatte den Geist aufgegeben und so war er seit einigen Tagen auf der Suche nach einem Ersatz. In Bathurst fand er dann auch ein gesuchtes Xperia Z3 zum vernünftigen Preis. Nachdem die Bedienung mit Hilfe ihrer Chefin herausgefunden hatte, wie sie einen Ausländer beim Handykauf registriert, war der Rest reine Formsache. Mit einem neuen Handy in der Tasche ging es weiter nach Lithgow, wobei wir nochmals durch den Schnee mussten.
Mount Lambie


Von Lithgow aus fuhren wir schier endlos durch die blauen Berge, wobei die Besiedlung in der zweiten Hälfte immer dichter wurde. Endlich in der Ebene angekommen schrammten wir an Sydney und Wollongong vorbei und schlugen gegen 14 Uhr in Kiama auf. Wie vorhergesagt war das Wetter hier tatsächlich tadellos. Wir liefen also der Küste entlang und fanden schnell eine passende Stelle. Weil wir den Regio knapp verpasst hatten, musste wir uns nochmals 1.5 Stunden auf den nächsten gedulden. In der Zwischenzeit kam ein Güterzug mit Getreidewagen von hinten. Wir fragten uns wohin dieser Zug wohl fahren würde. In Bomaderry sahen wir Anfangs Woche zwar ein Anschlussgleis, nach wirklich viel Industrie sah es dort hinten aber nicht aus. Die Frage sollte vorerst unbeantwortet bleiben. Im Moment war für uns die Frage nach dem Sonnenstand um 15:30 Uhr auch viel wichtiger, die Schatten wurden nämlich immer länger und drohten das einzige Bild des Tages zu verunmöglichen. Trotz rund 10-minütiger Verspätung sollte es dann aber doch noch klappen.
Endeavour der NSWTL zwischen Kiama und Gerringong


Im Anschluss suchten wir die Gegend nach weiteren Stellen ab. Insgeheim hofften wir dabei, dass der Getreidezug noch vor Sonnenuntergang zurückkommen sollte. David hatte nämlich seine Zweifel, dass die Loks in Bomaderry übernachten würden. Trotz intensiver Suche, blieb der Rest des Nachmittags jedoch erfolglos. Dabei scheiterte nicht zuletzt an der fehlenden Stelle. So mussten wir dann auch der nächsten Triebwagenleistung tatenlos zuschauen, wie sie an uns vorbeizog. Zum Abschluss des Tages ging es in unser Hotelrestaurant in Gerringong. Wir kamen mit dem Kellner ins Gespräch und stellten die Gretchenfrage nach dem Känguru. Es war uns nämlich aufgefallen, dass dieses Hüpftier bisher in keinem Restaurant auf der Speisekarte stand. „Es gibt schon Restaurants, die das anbieten. Aber es ist halt ein Wildtier, mit relativ starkem Eigengeschmack“, meinte der Kellner. „Gegen ein gut gemachtes Wallaby ist jedoch gar nichts einzuwenden“, meinte derweil der einzige andere Gast im Restaurant. Der Kellner offeriert uns dann ein Känguru zu kochen, falls wir noch eine Nacht bleiben würden. Da unsere Pläne für die nächsten Tage jedoch sehr wage waren, schlugen wir dieses Angebot aus.


Dienstag 14.7.2015 Gerringong – Kiama
Der Blick aus dem Fenster zeigte an diesem Morgen eines: Blauer Himmel! Wow, sowas hatten wir seit einer Woche nicht mehr beim ersten Blick aus dem Fenster gesehen. Wir setzten uns also ins Auto und fuhren an die Stelle beim Mt. Pleasant Lookout. Dabei stellte sich die Frage, ob denn heute auch ein Güterzug kommen würde. Ein Studium der Karte hatte ergeben, dass dieser Zug wohl nur aus Shoalhaven Starches in Bomaderry kommen konnte. Es schien uns daher sehr fraglich, ob dieser Zug täglich fahren würde, zumal wir ihn das letzte Mal mit Containern sahen. Nun das positive war, dass diese Sichtung genau eine Woche her war. Insofern durfte man ihn an diesem Dienstag eigentlich schon erwarten. Ein Blick in den Fahrplan zeigte mir derweil zwei Taktlücken. In einer sahen wir den Güterzug eine Woche zuvor, in der anderen kam Tags zuvor der Getreidezug. Nun die Landschaftsstelle am Mount Pleasant ist zwar toll, aber für den kurzen Endavour doch eher zu weit weg. So konzentrierten sich unsere Objektive vorerst eher auf die Flötenvögel, die auf Essenreste der Autofahrer warteten, denn auf die Gleise zu Füssen des Mt. Pleasant.
Zwischen Kiama und Gerringong


Als es gegen 11 Uhr dann aber Zeit für den Güterzug war, tauchte dieser auch tatsächlich auf. Interessanterweise war er mit einer ordentlichen Menge von Hamburg-Süd-Kisten beladen. Noch südlicher von Hamburg geht wohl nicht mehr.
81 class der PN zwischen Kiama und Gerringong


Nachdem das Bild im Kasten war, fuhren wir auf die Autobahn und stellten uns bei der Stelle am Bombo Beach nochmals auf.
81 class der PN in Bombo


Auch hier klappte alles einwandfrei. Weiter ging es an die Tunnelstelle bei Kiama, wo wir vor Wochenfrist ein Regenbild gemacht hatten. Dieses wurde nun mit Sonne nachgeholt.
Endeavour der NSWTL zwischen Kiama und Gerringong


Anschliessend ging es an die Stellensuche für den Nachmittag. Dabei konnten wir den Triebwagen auf seiner Fahrt nach Bomaderry nochmals ablichten.
Endeavour der NSWTL zwischen Gerringong und Berry


Bei der Besichtigung dieser Shoalhaven Starches in Bomaderry wurde uns klar, wie gross das Ding war. Die Tatsache, dass zwei Loks am rangieren waren negierte dann auch Davids Theorie, dass dort hinten keine Loks übernachten würden. Blieb die Frage nach dem Güterzug am Nachmittag. Fuhr der täglich? Würde er heute vielleicht in die andere Richtung fahren (in Bomaderry hatten bekanntlich Loks rangiert)? Wir entschieden uns auf einen Zulieferer zu spekulieren. Bevor der Güterzug jedoch an der Reihe war, fertigten wir nochmals ein Bild vom Endavour an.
Endeavour der NSWTL zwischen Bomaderry und Berry


Dabei fiel uns auf, dass es am Himmel zu schmieren begann. Somit begann das bange Warten auf den Güterzug. Als dieser tatsächlich aus der richtigen Richtung kam, meinte es die Sonne gerade gut mit uns.
81 class der PN zwischen Bomaderry und Berry


Wenig später wars dann aber Ende Geländer. So entschieden wir uns nicht mehr auf Endavour zu warten. Als Hotel wählten wir diesmal eines in Kiama. Da wir etwas früh dran waren, konnten wir noch etwas Sideseeing betreiben. So waren wir beim Leuchtturm des Örtchens. In unmittelbarer Nähe dieses markanten Bauwerkes befindet sich mit dem Blowhole, die grösste Sehenswürdigkeit des Ortes. Dieses Blasloch ist ein senkrechter Schacht in der Klippe. Da es unter dem Schacht einen Tunnel gibt, spritzt die Brandung regelmässig durch das Loch an die Oberfläche. Nach dieser Sideseeingtour landeten wir schliesslich beim lokalen Mexikaner. Dieser wurde uns vom Motel empfohlen und war wirklich einen Besuch wert.


Mittwoch 15.7.2015 Kiama – Newcastle
Obwohl der Himmel am Abend zuvor zugesifft war, empfing uns dieser Morgen wieder mit Sonne. Wir stellten uns deshalb nochmals an die Strecke nach Gerringong. Die Nachmittagsstelle ging ebenfalls von der anderen Seite, weshalb wir an dieser das erste Regiozugpaar ablichteten.
Endeavour der NSWTL zwischen Kiama und Gerringong


Endeavour der NSWTL zwischen Kiama und Gerringong


Während Gubi für das nächste Pärchen noch etwas variieren wollte, schaute ich mir den hinteren Teil des Küstenabschnittes an. Dabei musste ich feststellen, dass es in diesem Bereich keine geeignete Stelle mehr gab. Wieder zurück war es bereits Zeit für den Güterzug. Dieser sollte zwar nicht so viel Seitenlicht haben, da wir keine bessere Stelle hatten, entschieden wir uns allerdings trotzdem zu bleiben. Pünktlich um 11 Uhr kam der Güterzug dann auch. Anders als am Dienstag war er diesmal aus Getreidewagen gebildet.
81 class der PN zwischen Kiama und Gerringong


Nach dem Güterzug hielt uns nichts mehr in der Region von Kiama. Wir fuhren nun in Richtung Sydney und stellten fest, dass wie vom Wetterbericht prophezeit erste Wolken aufzogen. Da es bei unserer Fahrt über die Harbor Bridge über dem Himmel von Sydney noch blau war, entschlossen wir uns nochmals an die Stelle beim Lunapark zu fahren. Einmal mehr stand dort aber nur ein Triebzug in ungünstiger Position. So verzichteten wir auf ein Foto und zogen weiter in Richtung Norden. Nach einer kurzen Mittagsrast ging es zum Train Trader, dem angeblich besten MoBa-Laden der südlichen Hemisphäre. Nun der Laden war vor allem eines: schlecht sortiert! In diversen Rollgestellen stapelten sich allerhand alte Modelle. In den wenigen Schaukästen gab es derweil einen bunten mix aus aller Welt. So gab es den ICE in Spur N oder die Re 460 in diversen älteren Werbevarianten in H0. Neben einigen amerikanischen Dieselloks gab es auch Rundnasen in der alten V/Line-Lackierung. Alles in allem war der Laden jedoch eine Enttäuschung. David fand nichts für seine Spur-N-Bahn und meine Hoffnung auf Literatur wurde ebenfalls nicht bestätigt. So fuhren wir ohne etwas zu kaufen weiter in Richtung Norden. Bei Gosford verliessen wir dabei die Autobahn, um uns eine Stelle bei Koolewong anzuschauen. Diese hatte jedoch bereits kein Licht mehr. So ging es tatenlos zurück auf die Autobahn bis nach Newcastle, dass wir gegen 18 Uhr erreichten.