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Trains Down Under - Teil 7: Happy End im Hunter Valley

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Montag 20.7.2015 Muswellbrooke – Muswellbrooke
Ein weiteres Mal bescherte uns der Blick aus dem Fenster an diesem Morgen keine guten Nachrichten. Es hatte zwar einige blaue Löcher am Himmel, insgesamt war es dann aber doch mehrheitlich bedeckt. Als wir uns dann doch noch aufraffen konnten, nach draussen zu gehen, fuhren wir einmal mehr nach Sandy Hollow. Hier sah es wenig überzeugend aus. „Nein, heute wird das auch nicht klappen“, war der Tenor. Wir fuhren deshalb wieder in Richtung Muswellbrook. Als es in Denman aufriss, entschieden wir uns dem Wetter etwas Zeit zu geben. Nach 15 Minuten war jedoch klar, dass das mit dem Aufreissen ein eher frommer Wunsch war. Wir fuhren deshalb zurück nach Muswellbrook. Hier erwarteten wir zwei Personenzüge. Einer von Armidale und Moree nach Sydney und einen in der Gegenrichtung. Beide Züge waren rund 40 Minuten auseinander. Als der erste rund 20 Minuten Verspätung hatte, entschieden wir uns die Stelle zu wechseln. Dies vor allem darum, weil derjenige aus Sydney Frontlicht haben sollte. Das mit dem Frontlicht war jedoch so eine Sache. Denn obwohl es inzwischen relativ viel Blau am Himmel hatte, war die Sonne an unserer Stelle gerade durch eine grosse Wolke verdeckt. Erst kurz vor dem Zug riss es auf und ein kurzer Sonnenspot war auf der Strecke zu sehen. Der Spot reichte gerade so um den dreiteiligen Xplorer nach Armidale ins Licht zu setzen. Sein zweiteiliger Bruder, der Flügelzug nach Moree, folgte ihm derweil im Schatten. Immerhin hatten wir nach zwei Tagen ein gut ausgeleuchtetes Bild gemacht, dies freute uns natürlich.
Xplorer der NSWTL in Muswellbrook


Was nun noch fehlte, war der Gegenzug aus Armidale und Moree, wir stressten wieder an die erste Stelle, konnten dem Zug aber nur noch zuschauen, wie er uns auf dem Weg zur Stelle kreuzte. In der Folge entschieden wir uns im Süden von Muswellbrook auf einen Kohlezug zu warten, der in das Anschlussgleis von Mt. Arthur und Drayton fuhr. Beim Warten auf den Zug, sahen wir einen Kohlezug, der durch die Entladung für das Kraftwerk am Lake Liddell fuhr. Die Situation sah vielversprechend aus um den Zug beim Verlassen der Entladung so zu fotografieren, dass man das Kraftwerk im Hintergrund sehen konnte. Während wir am Warten waren, kamen in kurzer Folge zwei Kohlenzüge, die nach Norden fuhren. Beim zweiten entschieden wir uns für eine Verfolgung. Das Unterfangen gelang. Als wir bei der Brücke vor Muswellbrook ankamen, fuhr der erste Zug in langsamer Fahrt durch. Als wir uns zur Stelle auf einer Strassenbrücke verschoben, sahen wir derweil, wie der Zug an der Einfahrt von Muswellbrook warten musste. Dies war nötig, weil die Strecken ab Muswellbrook eingleisig sind. Entgegen kam derweil die gelbe Gefahr in Form einer Stopfmaschine von Plasser und Theurer.
Stopfmaschiene der LSR in Muswellbrook


Auf Grund der Kreuzung musste auch der zweite Zug warten. Knapp 200m vor uns kam er am Signal zu stehen. Es begann wieder einmal das Hoffen und Bangen mit den lieben Wolken. Diesmal sollte es jedoch aufgehen.
TT class der PN in Muswellbrook


Der Zug kam wunderbar im Licht. Nach getaner Arbeit ging es dann wieder runter zum Anschluss der Minen vom Mt. Arthur und Drayton. Der Kohlezug in der Entladung von Lake Liddell schien dabei schon weit gekommen zu sein, so dass wir guter Dinge waren, dass das Bild mit dem Kraftwerk doch noch funktionieren könnte. Leider stoppte die Entladung nach unserer Ankunft und auch in die Minen wollte kein Zug mehr fahren. So einigten wir uns darauf den nächsten Nordfahrer zu schnappen und es an der Brücke bei der Mangoola Coal Mine zwischen Muswellbrook und Denman nochmals zu versuchen. Als der Zug endlich kam, verschoben wir uns in den Nordwesten und hofften, dass der Zug nicht die Strecke nach Norden nahm. Die Befürchtung sollte sich nicht bewahrheiten, denn in der Kreuzung bei Mangoola stand bereits der Gegenzug. Wir waren also guter Dinge und stellten uns an der Brücke auf. „Bei unserem Glück fährt der Zug jetzt bestimmt in den Mangoola Coal Loader“, meinte ich derweil schnippisch. Nun man sollte solch zynische Bemerkungen jeweils besser vermeiden. Der Zug fuhr tatsälich in den Mangoola Coal Loader, der rund 300m vor uns lag. Es ist überflüssig zu sagen, dass in der folgenden Stunde kein Zug mehr kam. Gerade als das Licht sich am verabschieden war, entdeckten wir dann ein Spitzenlicht. „Das reicht nicht mehr“, meinte David. „Bei unserem Glück, kommt sowieso noch einer von hinten und stellt sicher, dass dieser Zug ganz sicher nicht mehr im Licht kommt“, war ein weiterer meiner zynischen Kommentare, der ebenfalls in Erfüllung gehen sollte ...


Dienstag 21.7.2015 Muswellbrook - Maitland
Und wieder zeigte der Blick aus dem Fenster die gewohnte Farbe weiss. Im Gegensatz zu den anderen Tagen war es an diesem Morgen jedoch Nebel, der den Himmel verdeckte. Die Tatsache, dass wir noch nie einen ganzen Tag in der Suppe gesessen hatten, machte uns derweil etwas Hoffnung, dass sich die Wettersituation im Verlaufe des Tages noch zum Guten wenden könnte. Vorerst drehten wir uns allerdings nochmals in unseren Betten um gegen 10 Uhr endgültig unsere Herberge in Muswellbrook zu verlassen. Mit fünf Nächten war das Remington Motor Inn unser bisher längstes Domizil. Wenig motiviert fuhren wir nach Sandy Hollow, wo wir zuschauen konnten, wie Glencore Pacific National kreuzte. Obwohl wir lange geschlafen hatten, fielen meine Augen in der Folge wieder zu. Ca. 30 Minuten später wurde ich allerdings durch einen weiteren Kohlezug der Aurizon geweckt. Das Positive am Blick aus der Windschutzscheibe war jedoch nicht der Zug, der zu den Mienen weiter hinten im Tal fuhr, als viel mehr die Tatsache, dass es über den Bergen nun blau war. Zudem waren die ersten Hügel bereits im Licht. Wir entschieden deshalb zum Affenfelsen zu fahren. Als wir am Fusse des Felsen ankamen, war der Himmel insgesamt noch blauer geworden. Wir entschieden uns deshalb auf den Affenfelsen zu steigen. Kaum oben hörten wir ein Pfeifen aus der richtigen Richtung. Das ging ja mal einfach, dachte ich mir. Ganz so einfach wars dann aber doch nicht, denn was da auftauchte war zwar ein Güterzug aus der richtigen Richtung. Allerdings war es kein Kohlezug, als viel mehr ein normaler Güterzug mit merkwürdig niedrigen Kisten. Nach all den Enttäuschungen der letzten Tage (vor allem jener vom Samstag) waren wir jedoch froh, das überhaupt einmal etwas im Licht kam.
82 class der PN in Sandy Hollow


„So ein langer Kohlezug wäre an dieser Stelle aber eben doch noch etwas spezieller“, war mein zweiter Gedanke. David war gleicher Ansicht, weshalb wir uns entschlossen, noch einen Kohlezug abzuwarten. Was wir nicht wussten, war die Tatsache, dass der nächste Zug noch weit weg war. So begannen wieder einmal drei Stunden des Wartens. In diesen drei Stunden kam einzig ein Zug von hinten. Mit Fortdauer des Nachmittags wurde dabei klar, dass die Schatten immer länger wurden und der nächste Zug definitiv von vorne kommen musste, wollten wir noch ein Bild machen. Nun der Eisenbahngott hatte anscheinend ein Einsehen mit uns und schenkte uns nach drei Stunden tatsächlich einen Kohlezug von vorne. Dieser war zwar mit langweiligen 90ern der Pacific National bespannt, dies war uns nach 4 Mal Affenfelsen und insgesamt rund neuen Stunden warten reichlich egal.
90 class der PN in Sandy Hollow


Da der Nachmittag schon weit vorgeschritten war, blieb uns nur noch die Brücke beim Mangoola Coal Loader. Auch an dieser Stelle waren wir zuvor schon drei Mal, ohne dass wir ein zufriedenstellendes Resultat erzielt hätten. Auf dem Weg zu Stelle bemerkten wir grüne Signale in Richtung Newcastle. Es schien als hätten wir „unseren“ Zug aufgeholt, weshalb wir uns am nächstbesten Bahnübergang aufstellten und den Zug tatsächlich nochmals ablichteten.
90 class der PN zwischen Muswellbrook und Denman


An der bekannten Brücke begann dann das bekannte bibbern. Würde es diesmal vielleicht mit einem Zug reichen? Wir hofften es zumindest und schauten derweil einem Bauer zu, wie er seine Kühe mit einem Quad in den Stall trieb. Wir amüsierten uns dabei, wie er immer wieder Kühen hinterher fahren musste, die nicht in Reih und Glied unter der Bahn durch in Richtung Stall laufen wollten. Als die lange Kolonne an Kühen an uns vorbei gezogen war, entdeckte ich im Wald fahrende Güterwagen. Es schien, als wär dies unser Glückstag, denn nun klappte auch die Stelle bei der Mangoolabrücke.
90 class der PN zwischen Muswellbrook und Denman


Obwohl wir nur vier Bilder gemacht hatten, war die Zeit nun bereits so fortgeschritten, so dass wir noch rund 30 Minuten Sonne hatten. In Ermangelung an geeigneten Stellen entschieden wir uns deshalb die Segel zu streichen und nach Maitland zu fahren, wo wir unser nächstes Nachtquartier aufschlugen.