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Trains Down Under - Teil 9: Wenns rollt, dann rollts

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Samstag 25.7.2015 Bundaberg – Maryborough
Wieder einmal wollte das Wetter an diesem Morgen nicht so wirklich. Es wölkte ziemliche arg. Wir fuhren deshalb in den Norden von Bundaberg, wo wir erneut auf eine Zuckerrohrbahn trafen. Diese überquerte ebenfalls die Strecke mit einer Klappbrücke. Unmittelbar neben der Eisenbahn gab es derweil einen Bewässerungskanal. Wir entschlossen uns an dieser Stelle den Tilt Train, der nach Süden fuhr, zu erlegen. Dieses Unterfangen wollte nicht restlos gelingen, denn der Schleier am Himmel hatte sich noch immer nicht ganz aufgelöst.
Electric Tilt Train der QR in Meadowvale


Als wir dem Tilt Train nachschauten stellten wir dabei fest, dass die Front auf der Nordseite extrem dreckig war. Wir fragten uns, ob man den Zug auf dem Weg nach Rockhampton so extrem eingesaut hatte, oder ob er gar in Rockhampton gedreht wurde. Zirka zehn Minuten nach dem ETT war es dann soweit und wir standen in der Sonne. Wir fragten uns nun, ob wir weiter an dieser Stelle warten sollten. Schliesslich hatten wir hier eine Kreuzung der Feld- mit der Hauptbahn und der Kanal, der auch etwas näher an der Eisenbahn hätte sein dürfen, bot immerhin etwas Motiv. Eine Inspektion der Gegenrichtung ergab jedoch, dass diese eher schwierig umzusetzen war. Dies vor allem weil zwischen der Bahn und dem Kanal einiges an hohem Grünzeug wuchs. Wir entschieden uns deshalb etwas weiter in den Norden zu fahren. Dabei bekamen wir aber wieder einmal eine volle Ladung des Australienproblems mit. Viel Wald und keine Stellen, war auch hier das Verdickt. Zu allem Übel fuhren wir nun auch noch in eine neue Störung. Ohne Erfolgsaussichten drehten wir deshalb. Auf der Strecke konnten wir derweil einen Güterzug ausmachen, der mal wieder nach Norden fuhr. Es war schon erstaunlich, dass wir am dritten Tag in Queensland noch keinen Güterzug gesehen hatten, der nach Süden fuhr. Entnervt landeten wir gegen Mittag wieder an der Kanalstelle. Wie wir schnell feststellen mussten, hatte das Licht hier aber schon arg in die Achse gedreht. So entschieden wir uns auf die andere Seite von Bundaberg zu wechseln und uns am Niveauübergang vom Vorabend zu postieren. Da dieser Bahnübergang allerdings noch nicht richtig im Licht war, machten wir einen kleinen Umweg entlang der Feldbahngleise. Finden konnten wir allerdings auch hier nur leere Wagen. So langsam wurde uns derweil das System der Zuckerrohrbahnen bewusst. Die Loks machen eine Wagenzustellung zu den Feldern, die gerade abgeerntet werden. Haben sie die Wagen abgeliefert geht’s gleich weiter zu einem Feld, wo die Wagen bereits beladen sind. So sind die Loks praktisch permanent unterwegs um Wagen zu verteilen und wieder einzusammeln. Bei unserer Fahrt durch die Felder sahen wir auch mehrere Rampen, wo die Gleise aus der Rampe herausragten. Erst dachten wir, dass an diesen Punkten wohl neues Rollmaterial aufgegleist wird. Als sich die Rampen häuften, erkannten wir jedoch ihre wirkliche Aufgabe. Felder ohne Gleisanschluss werden per LKW bedient. Der LKW geht dabei zu einer solchen Rampe, lädt drei Loren auf seine Brücke, belädt sie und bringt die vollen Loren wieder zurück. Das System der rollenden Landstrasse wurde hier quasi umgedreht. Da wir wie gesagt keinen Zug aufspüren konnten, standen wir alsbald am Bahnübergang vom Vorabend. Was kam war jedoch ein weiterer Zug von hinten. Immerhin stand die Sonne inzwischen so tief, dass der Zug mittels Gegenlichtschuss abgelichtet werden konnte.
Baureihe class der PN in Bundaberg


Als es wieder einmal stark zu wölken begann, wechselten wir an die Stelle etwas nördlicher. Wie sich schnell herausstellte, war das Wetter aber extrem wechselhaft, so dass wir nach wenigen Minuten wieder am Bahnübergang standen. Dieser sollte bis zum Schluss im Licht sein. Dies brauchten wir, denn um ca. 17:15 sollte der Personenzug nach Rockhampton im letzten Licht kommen. Der findige Leser hat nun sicher bemerkt, dass der Tilt Train Tags zuvor nicht im letzten Licht kam. Dies rührt daher, dass die QR nur zwei Electric Tilt Trains hat. Da einer gerade in der Revision war, fuhr an jedem zweiten Tag ein lokbespannter Personenzug. In Anlehnung an den Westlander, den Sunlander, den Inlander, den Gulflander und den Savannalander wird der Ersatzzug für den Tilt Train auch scherzhaft als Tiltlander bezeichnet. Da dieser die Fahrzeiten des Tilter allerdings nicht halten kann, kam er wesentlich später, als der Neigezug. Trotz unserer Hoffnung endlich mal einen Güterzug nach Norden zu sehen, sollte bis kurz vor dem Personenzug nichts mehr passieren. So war der Personenzug unsere letzte Chance auf ein Sonnenbild. Ausgeschlossen war dies nicht, denn die Wolken lösten sich nun langsam aber sicher auf. Es war gerade etwa 17:05 Uhr, da tauchte die Sonne in die letzte Wolke am Himmel ein. Da es bis zur errechneten Planzeit des Zuges noch zehn Minuten hin war, begann nun das Bangen, würde die Sonne genug schnell sinken? Nein! Kaum war sie weg, tauchte auch schon das Spitzlicht der Clyde am Horizont auf. Der Zug hatte offensichtlich genügen Fahrzeitreserve und kam zehn Minuten früher als berechnet. So endete dieser Tag ohne ein Sonnenbild und dies obwohl wir sehr lange sonnige Abschnitte hatten. Immerhin stellte sich am Computer heraus, dass das Dämmerungsbild gar nicht so schlecht aussah.
2150 class der QR in Bundaberg


Nach dem letzten Bild ging es zurück nach Maryborough. Der Transfer war bereits etwas länger geplant, denn wir wollten Tags darauf die Stellen abarbeiten, die wir am Freitag gesichtet hatten. Dabei sollte auch der Tilt Train in Tiaro nochmals seine Chance bekommen.



Sonntag 26.7.2015 Maryborough – Bundaberg
Oh Wunder, ein Morgen ohne Wolken! Es war dies bereits das fünfte Mal, dass uns dies auf unserer Tour durch Australien passiert. Fast schon übermotiviert fuhren wir deshalb an die Stelle in Theebine. Dies nur um festzustellen, dass je eh wieder nichts kommt. Nach etwa einer Stunde des Wartens, war die Sonne schon wieder am Rausdrehen. Als wir uns gerade mit dem Gedanken des Aufbrechens beschäftigten, erspähte ich dann aber doch noch ein Spitzenlicht. Nach drei Tagen Queensland hatte National Pacific endlich ein Einsehen und schenkte uns auch mal einen Zug, der aus der richtigen Richtung kam.
Baureihe class der PN in Theebine


Wir wechselten nun an eine Brückenstelle, die etwas südlicher lag. Die Stelle wusste uns nicht 100 Prozent zu überzeugen, war aber das Einzige, was zu diesem Zeitpunkt im Licht war. Und ein Zug würde ja sowieso nicht so schnell kommen, war sich David sicher. Auch hier betrug die Wartezeit rund eine Stunde, ehe wir uns überlegten zu gehen und auch hier hatte man ein Einsehen mit uns. Diesmal war der Containerzug mit einer Lok der Aurizon bespannt.
2800 class der Aur in Gunalda


Überrascht von derart viel Verkehr ging die Reise weiter nach Tiaro. Da es jedoch viel zu früh für den ETT war, probierten wir noch einen Bahnübergang am Ortseingang aus. Dieser funktionierte jedoch nicht, etwas weiter der Strasse entlang konnte man an einem Gatter in einer Aussenkurve stehen. Auch diese Stelle war nicht unbedingt unser Favorit. Eine echte Alternative hatten wir allerdings auch nicht. Kam dazu, dass die Chance auf einen dritten Güterzug in so kurzer Zeit eher klein war. Wir warteten wieder rund eine Stunde und beobachteten, wie das Licht langsam senkrecht wurde. Ein Blick in den Fahrplan verriet derweil, dass der Tiltlander von hinten schon bald kommen musste. Ganz unfreiwillig hatten wir somit eine Stelle gefunden, wo dieser umzusetzen war. Bevor uns jedoch de Clyde um die Ohren fuhr, folgte tatsächlich ein weiterer Güterzug aus Brisbane.
Baureihe class der PN in Tiaro


Dieser hatte noch ein wenig Frontlicht und wurde dankend entgegengenommen. Im Anschluss folgte das lange Warten auf den Personenzug. Dieser hatte sich offensichtlich eine grössere Verspätung eingefahren. Dies war uns jedoch auf Grund der Lichtsituation reichlich egal. Schliesslich bekam der Zug mit jeder Minute Verspätung etwas mehr Frontlicht. Mit rund 20 Minuten Verspätung kam er schliesslich doch noch um die Kurve geschlichen, so dass wir das verpasste Sonnenbild vom Vortag nachholen konnten.
2150 class der QR in Tiaro


Weiter ging es nun an die Brücke im Ort Tiaro drin. Leider mussten wir hier feststellen, dass es am Himmel immer mehr zuzog. Es war deshalb nicht so klar, ob der nächste Zug in der Sonne kommen würde. Noch in der Sonne kam ein Güterzug von hinten, der uns jedoch nicht viel nützte. Sonne hatte es auch, als der ETT früher als erwartet auftauchte. Kaum hatten wir ihn erspäht, begann es aber auch schon zu wabern. Immerhin macht der gelbe Zug auch im Halblicht was her, so dass man mit etwas Nachbearbeitung das Bild doch noch retten konnte.
Electric Tilt Train der QR in Tiaro


Weiter ging es an eine Brückenstelle kurz vor Maryborough. Dort angekommen, stellte David fest, dass es schon einige Schatten auf der Strecke hatte. „Wenn der ETT nicht all zu viel Fahrzeitreserve hat, ist der noch nicht durch“, meinte ich. Ich nahm meine Kamera und lief los. David war etwas hinter mir, schien aber nicht an unsere Chance zu glauben. Er hatte jedoch unrecht, kaum hatte ich die Brücke erreicht, tauchte er der Tilt Train am Horizont auf.
Electric Tilt Train der QR zwischen Maryborough und Tiaro


Als nächstes folgte nun die Fahrt nach Bundaberg. Da eine Verfolgung des ETT keinen Sinn machte (er nahm uns zwischen Maryborough und Bundaberg rund eine halbe Stunde ab), inspizierten wir indes die Zuckerrohrbahn von Childers. Da es in Childers einiges hügliger ist, als in Bundaberg eröffnete sich uns eine recht interessante Trassierung dieser Feldbahn. Interessant war auch, dass der letzte Kilometer zur Mühle mit einer Doppelspur ausgeführt war. Leider sahen wir aber auch hier keinen Zug. So ging es weiter zur nördlichen Abendstelle bei Bundaberg. Wieder kam hier der Zug aber nur von hinten. Als sich das Licht langsam verabschiedete, wollten wir nochmals zum etwas südlicheren Bahnübergang wechseln. Auf dem Weg dorthin gabelten wir allerdings einen Zuckerrohrzug auf. Dies motivierte uns in die Felder zu fahren um den Zug abzulichten. Im allerletzten Büchsenlicht stellten wir uns an einen Bahnübergang auf und mussten feststellen, dass die Lok ohne Wagen kam. Kurz nach der Durchfahrt der Lok war die Sonne derweil ganz verschwunden, so dass wir kein Sonnenbild mehr von einem Zuckerrohrzug machen konnten.
DH28B der BS in Bundaberg