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Unterwegs mit den Herren Bei Ho Thsai und He Fu Bao - Teil 6

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Sonntag, 29.08.2015

Früh am Morgen und es ist schon heiß im Zimmer. In meinem Bemühen den Geruch aus der Bude zu bekommen, hab ich die ganze Nacht das Fenster auf und die Klimaanlage aus gelassen. Der Erfolg? Es riecht immer noch wie bei Hempels hinterm Schrank. Eigentlich schade, denn das Zimmer ist ansonsten groß, sauber und schön. Ich hätte halt nur meine Nase daheim lassen sollen.

Ab ins Bad, Luft anhalten, unter der Dusche wird’s besser. Kaum bin ich fertig schaut David vorbei. Eigentlich war ausnahmsweise mal gemeinsam frühstücken angesagt. Aber er hat geschaut und keinen Frühstücksraum gefunden. Also dann geht’s halt mal wieder ohne.

Wir wollen ja eh los. Auto holen! *haha* Merkt ihr die Spur Ironie? Wir schwanken zwischen Hoffen und Bangen, immer mit dem Gefühl im Hintergrund: „Bisher haben wirs am Ende doch immer irgendwie hin bekommen.“

Unten an die Straße gestellt und auf ein buntes Auto gewarten. Äch, sonst fahren immer so viele rum und wenn man eins braucht……ne halt, da kommt einer. Der Fahrer sieht leicht verboten aus und ich denke sofort an die Abzocke von gestern. Aber nein, kaum hat Nil nach mehreren Versuchen erfolgreich erklärt wo wir hin wollen, schon erklingt das vertraute und erlösende Rattern des Taxameters. Und hui, sie geht los die beschwingte Fahrt. Zwei hinten im Käfig, einer darf vorne in Freiheit. Es ist nicht viel los auf dem Weg zu Flughafen und der Fahrstil unseres Fahrers tut ein Übriges dass es zügig voran geht. Kurz vor dem Ziel wird, unter Umgehung der „unverbindlichen Empfehlungen für das mögliche Verhalten bei Benutzung von gemeinschaftlichen Verkehrsraum“, in anderen Ländern kurz „Straßenverkehrsordnung“ genannt, eine Mautstelle zwecks Einsparung von Betriebskosten elegant umgangen. Jaja, auch beim gemeinen Chinesen blüht bereits die böse Saat des Kapitalismus.

Am Flughafen Areal angekommen, weiß nun weder unser tapferer Fahrer noch wir, wo wir genau hin müssen. So landen wir vor einem Hotel, was der Beschreibung am nächsten kommt. Doch weder vor dem Eingang, noch in der großen Lobby gibt es einen Hinweis auf unseren Vermieter. Erst als wir die Seitengänge erkunden kommen wir ihm langsam auf die Spur. Ganz hinten, um zwei Ecken herum, ohne Außenanschrift hat er sich versteckt. So als wüsste er genau was ihm bevorsteht. Welcher unerbittliche Schrecken auf ihn wartet: Drei Ausländer im penetranten Bestreben ein Auto mieten zu wollen! Ausländer! In China! *schreck* Man stelle sich das mal vor.

Egal was sich die junge Dame hinter dem Schalter vorgestellt hat als sie an diesem sonnigen Morgen beschwingt das Büro betrat, dass sicherlich nicht. Drei bleiche Gestalten mit ausgeprägten Riechorganen dringen in ihr ansonsten beschauliches Reich.

Routiniert überhäufen wir sie mit all den schrecklichen Dingen die wir dabei haben: Reservierungsbestätigung auf dem Tablet, Reisepass mit Visa, Führerschein (berechtigend nur zum Führen von Leihwagen), Kreditkarte, Impf- und Abschlusszeugnis, Lebenslauf, Einkaufszettel, usw. usw. usw.

Und sie wird tatsächliche aktiv! Wir glauben es nicht! Getreu dem Motto „Sie suchen nach einem kompetenten und engagierten Mitarbeiter? Moment! Ich hole meinen Kollegen!“ öffnet sie die Tür zu einem Kämmerchen mit gefühlten 3x2 m Fläche und siehe da, es quillt eine Unzahl von Chinesen beiderlei Geschlecht heraus, alle salopp gekleidet, und uns wird klar, im Falle einer körperlichen Auseinandersetzung ziehen wir schon auf Grund der zahlenmäßigen Unterlegenheit den Kürzeren. Doch während einige die Flucht nach draußen ergreifen, andere belustigt herumstehen und das nachfolgende Treiben bestaunen, nimmt sich einer uns an, der hier eine gewisse leitende Funktion zu haben scheint. Er wirft erst einen kurzen, einen ganz kurzen, Blick auf unsere Unterlagen, die Reservierung interessiert ihn dabei nicht wirklich, dann wendet er uns die Augen zu und spricht die magischen Worte: „No car!“

Drama relaoded

Für einen Moment sind wir in Schockstarre, was er versucht sofort zu seinem Vorteil auszunutzen und das Gespräch per Körperhaltung für beendet zu erklären. Da fährt ihm aber Nil in die Parade. Weißt ihn auf die Reservierung und die Bestätigung hin, nötigt ihn, sich alles auf dem Tablet durchzulesen. Der Arme kommt nun ins Schwitzen. Er scheint verloren. Haben wir ihn soweit? Ist es der Sieg? NEIN! Im letzten Moment erkennt er seine Chance. „Driver license!“ quillt es aus ihm hervor. Wir recken reflexartig unsere Kärtchen. Er würdigt sie kaum eines Blickes. „Nein, nein, nein“, unter Hervorbringung diverser anderer Dinge kramt er seinen eigenen, dem Euroführerschein nicht unähnlichen, nur in grün, chinesischen Führerschein hervor. „Haahaa!“ Das was ihr hier zeigt nennt ihr einen Führerschein, DAS meine Freunde ist ein Führerschein. Und ohne den geht gar nichts, ätsch! Fall erledigt und TSCHÜSS. Nun reichts und mir platzt der Kragen. Hat sich doch das Jüngelchen unsere Papier noch nicht mal richtig angesehen. Ich halte ihm meine Karte unter die Nase, tippe abwechselnd auf den chinesischen Stempel, mein Bild und den Hinweis „Provisional Driving Permits“ und „Operation of rental car only“. Steht natürlich auch jeweils in Englisch drauf. So Bub und was wollen wir hier? Ein Leihauto! Und jetzt les, kapier und gib uns endlich die sch…. K……!!!

Er versteht kein Wort von dem was ich sage, erkennt aber meine Intention und dass was ich ihm klar machen will. Wir werden langsam stinkig! Also will sein nächster Zug wohl überlegt sein! Verbündete suchen und selber aus der Schusslinie gehen. Wie funktionierts? Ganz einfach, man ruft beim call center an. Davids Auftritt! Woher kennen wir das nur?!?!

Kurzer Disput! Dann plötzlich Hörer weg und ratloses Schweigen? Was los? Tja, man ist zu dem Schluss gekommen, dass was wir da haben kann ja sein was es will, aber für uns ist das kein Führerschein. Daher kein Auto, keine Arbeit, kein Überlegen, kein Stress! Guten Tag!

Ja genau! Man geht unvermittelt in Phase 3 über. Nach Phase 1: „Ich hol mal jemand anderen!“ und Phase 2: „Geht nicht!“ ist jetzt Phase 3: „ignorieren“ dran!

Von einem Moment zum anderen sind wir Luft und man geht wieder seinen gewohnten Geschäften nach. Welche das auch sein mögen, in einer Autovermietung die allem Anschein nach nichts weniger gerne macht, als Autos zu vermieten. Und was hilft beim ignorieren am besten? Richtig, man telefoniert laut und lange. So sitzen wir, minutenlang auf den beiden Bänken im Büro, alleine mit unseren Gedanken und den beiden verbliebenen Angestellten die die Telekommunikationseinrichtung massakrieren. Alle anderen haben sich erfolgreich aus dem Staub gemacht. Es gibt ja nichts mehr zu sehen.




Nur nicht hinschauen! Gut hinter dem Counter versteckt, die „eifrigen“ Mitarbeiter von eHi, die penibel darauf bedacht sind, beschäftigt auszusehen.





Während sich bei David und Nil langsam die Starre löst und sie via Internet schon wieder nach den nächsten potentiellen Vermietern suchen, sitze ich milde lächelnd da und beobachte die emsigen Arbeiter hinter ihrem Tresen bei ihrem Tagwerk. Und wieder erstaunt mit die Freude des gemeinen Chinesen an Schallentwicklung! Es reicht nämlich nicht, dass zwei Vertreter dieser Spezies, Schulter an Schulter sitzend ins Telefon schreien als hätten wir 1910 und das Gespräch ginge nach Timbuktu, nein, einer macht noch den Lautsprecher seines Fernsprechers an, damit sein Gesprächspartner auch die Gelegenheit hat, sich an der Raumbeschallung ordentlich zu beteiligen.

Plötzlich bläst Nil zum Aufbruch. Irgendwo im Flughafen soll es eine Avis Vertretung geben. Keine Ahnung wo genau, aber das lässt sich finden. Also raus in die Hitze und über das weite Areal gesappt. Während wir uns auf den Inlandsterminal zu bewegen, sind wir uns in stummer Übereinkunft einig, dass dort der Avis Schalter nicht sein wird, obwohl er es der Logik nach sein müsste. Denn wenn Ausländer kein Auto mieten können, was soll er dann im internationalen Teil. Aber weil Logik das eine ist, die Realität aber etwas anderes, wird erst der nationale durchkemmt, bevor wir in den internationalen wechseln, um dort genauso wenig zu finden.



Interessantes gibt es auf dem Weg vom nationalen zum internationalen Terminal zu sehen: Einmannschlafboxen! Quasi ein kleines Hotelzimmer im Schrank! Ob es sich beim gezeigten um die rein Männern vorbehaltene Version handelt, was das Bild eine Dame an der Innenseite der Tür nahe legen würde, lies sich auf die Schnelle nicht eroieren.





Also was jetzt? Einer meiner beiden Begleiter glaubt sich zu erinnern, dass die Niederlassung in einem Hotel war. Und da wir nur eines angeschrieben sehen, machen wir uns dorthin auf den Weg. Sieht edel aus und die Teppiche, in denen wir bis zu den Knien versinken, und die Anzahl der Personen an der Rezeption verstärkt diesen Eindruck noch. Hier möchte ich wohnen! Auf unsere Frage nach der Autovermietung wird uns jemand an die Hand gegeben der wichtig und wissend aussieht. Mit ihm besteigen wir den Aufzug und fahren hinunter ins Parterre. Dort, oh Überraschung, nochmal eine Rezeption und gaaaanz hinten im Eck: Das Avis Büro!

Aufatmen bei uns. Hoffnung keimt auf. Wenn es in so einem Luxusschuppen nicht klappt, dann klappt es nirgends wo mehr! Und wenns Probleme gibt, dann wird uns hier sicher geholfen! Das Büro hat zu! Verriegelt und verrammelt durch ein dickes Vorhängeschloss!




Geschlossene Gesellschaft!





Wir gehen zurück an die Rezeption fragen. Man berät sich, telefoniert und gibt uns dann, nachdem wir zwischenzeitlich in der Sitzgruppe mit Ohrensessel geparkt wurden, die Info, das Büro sei noch nicht bezogen, öffne aber in einem Monat! *uff*

P.S.: Eine Auskunft die wir in Beijing bei anderer Gelegenheit ähnlich auch schon mal bekommen hatten. Es sollte im weiteren Verlauf der Reise zu einem unserer running gags werden. Wenn irgendwas nicht klappte: „In einem Monat!“

Watt nu? Plan B? Obwohl eigentlich sind wir ja schon bei C, oder D, oder …… sagt mal, wie viele Buchstaben hat das ABC eigentlich. Sollten wir nicht lieber auf chinesische Schriftzeichen umstellen? Da gibt’s über 3.600 oder so. Da hätten wir noch mehr Optionen.

Ich geb zu, bei mir macht sich langsam eine gewisse Gleichgültigkeit und Schicksalsergebenheit breit, Fatalismus nennt man das wohl. Trotzdem beteilige ich mich am allgemeinen herum surfen mittels Hotel-WLAN. Ergebnis der Recherchen: Übergang vom Programmpunkt „Besichtigung“ des Flughafens mit angeschlossener Hotellerie, zum Punkt „Stadtbesichtigung auf eigene Faust“. Auf Deutsch, wir wechseln zu einem der aufgeführten Stadtbüros. Klingt einfach, ist es aber nicht. Denn unser Ansinnen bringt am Taxistand heftiges Kopfschütteln hervor. Nicht das man uns nicht fahren will. Keiner der umstehenden kann mit der angegebenen Adresse etwas anfangen. Irgendwann findet sich dann einer, der unserem Fahrer erklärt, wo das angegebene Ziel ungefähr so grob sein müsste, wenn er sich noch recht erinnere was er jemanden mal hat sagen hören, von jemanden der mal davon erzählt hätte. Wir haben ein doofes Gefühl, lassen unsere Tablet mit osmand und GPS-Trakker mitlaufen und hoffen das Beste.

Ach, wie schön ist so ein Taxi mit Gitterstäben. Man kann seine animalischen Triebe so richtig ausleben und dran rütteln, hineinbeißen und sich festhalten.

Halt ist auch nötig, denn unser Taxi braust am Zielpunkt auf der Karte vorbei. Na gut, mal noch nicht zuviel gruseln, denn wir haben schon gemerkt, dass die Karten nicht immer, sagen wir es mal gelinde, genau sind.

Nächste Querstraße rein, ein U-Turn, ein zweifelnder Blick, Halt quer auf der Straße, hier bitteschön! Nö, hier wollten wir nicht hin, denken wir, aber egal. Wie mein alter Mathe-Lehrer immer zu meinen Lösungsergebnissen sagte: „In guter Näherung!“. Den Rest können wir dann auch zu Fuß gehen. Unser Fahrer hat sein Bestes gegeben. Das merken wir schnell, denn auch nach zweimaligem, großzügigem Ablaufen aller in Frage kommenden Straßen in der Umgebung, unzähligen Nachfragen in diversen Hotels sind wir immer noch nicht fündig geworden. Einzig in einem der Häuser kann man uns bedingt weiter helfen. Zielstrebig schleppt man uns ins Nachbargebäude vor dem einige Autos, sehen sehr nach Mietwagen aus, parken. Und siehe da, man sorgt hier tatsächlich für Mobilität. Zwar nicht für Selbstfahrer, dafür aber wird man chauffiert. Wir lassen uns für den Fall der Fälle mal Preise und Bedingungen nennen und treten dann wieder raus in die Hitze. Es hat schon wieder knapp 40°C, die Sonne brennt, kein Lüftchen rührt sich und aber die Frisur sitzt.




Ob es an der Hitze oder an der Tageszeit liegt. Um diese Uhrzeit ist der Verkehr in Xi’an sehr überschaubar.





Noch ein Umlauf, dann brechen wir endgültig ab. Es hat einfach keinen Sinn. Rückzug ins Basislager, sprich Hotel, Internet Recherche starten und, auch wenns in diesem Moment keiner ausspricht, Notfallprogramm entwickeln. Was wäre, wenn wir hier uns jetzt gescheitert wären?

Alles sieht danach aus!




Der Taxifahrer, mit dem wir die Rückfahrt antreten, will uns unbedingt noch etwa Lokalkolorit vermitteln. Dafür quetscht er sich durch einige enge Straßen und direkt vorbei an diversen Verkaufsständen. Quasi ein drive-thru auf Altchinesich.





Am Hotel angekommen werden erstmal kalte Getränke besorgt. Dann heißt es ran an die Tablets. Wir lagern in Nil und Davids Zimmer. Kleiner als meines, aber mit der deutlich besseren Luftqualität. Gut zwei Stunden sind wir am werkeln. Nochmal die Avis Seite durchforstet und Alternativstrategien für den Urlaub entwickelt. Eins steht fest, wir geben die Bemühungen auf ein Auto zu bekommen, nach dem die letzten Versuche hier via Internet weiter zu kommen auch immer gescheitert sind. Also was dann?

Der Vorschlag entsteht, dass wir mittels Hochgeschwindigkeitszügen kreuz und quer durchs Land fahren, uns Städte anschauen, und wenn es sich mit Öffis, Taxen oder Fahrdiensten einrichten lässt hinaus in die Randbezirke fahren um dort einige Bilder zu schießen. Touri-Programm eben! *hm* Aber immer noch besser als die ganze Zeit hinter etwas her zu rennen, was wir eh nicht kriegen. Schade um den schicken Führerschein. Jetzt wissen wir zumindest, wie die meisten China-Aufnahmen von Westfotografen entstanden sind. Also die, wo keine Dampflok aus Fuxin, Daban oder so drauf ist.

David kuckt im Netz nochmal Bilder und kuckt sich dabei an ein paar Fotos fest die in den Bergen entstanden sind, an einer Dieselstrecke. Computer zu mir gedreht: „Weißt Du wo…..?“ „Na klar! Da, schau hier gleich bei Beijing.“ Ist auch auf der Karte mit unseren möglichen Zielen drauf. Schon fliest wieder Leben in die Gruppe und eifrig werden Infos gecheckt. Einer schaut nach Beschreibungen der Gegend, einer schaut nach Zugverbindungen und der dritte nach Übernachtungen. Würde gehen, so die letzten Tage vor dem Abflug. Die Ecke kann man sich auch erwandern. Zeitpläne werden gemacht. Wenn man dann und dann, da und da hin fährt, und dann wechselt, dann wäre man, dann und dann, da und da, und da würde es dann noch genau hin reichen. Außer…….

Zwischendrin versuche ich immer wieder mal die Avis Seite aufzurufen, und siehe da, ich bin drin. Und bleibe drin. Keine Fehlermeldung, kein gar nichts. Den anderen Bescheid gegeben und schon wird getreu dem Motto „Ein hab ich noch!“ versucht zu buchen. Schritt für Schritt kommen wir weiter. Daten, Preise, Personalien, Kreditkarte, Buchung, Bestätigung. Perfekt. Alles klappt! Sollte es etwa doch noch was werden? Buchungsbestätigungen kommen in Chinesisch per sms, lustig anzuschauen, und per Mail. Wir haben morgen um 10.00 Uhr die Übergabe eines Leihwagens am Nordbahnhof von Xi’an!

Wenigstens auf dem Papier! Da ist sie, unsere letzte Chance! Wenn die klappt, dann wird zwar nicht alles, aber vieles gut. Wir waren schon raus aus dem Spiel, aber nun haben wir uns noch in die Verlängerung gerettet.

Und wenn es wieder nicht klappt? Dann haben wir einen Plan B, moment, wir waren ja schon bei X, sind am Bahnhof und können uns gleich eine Fahrkarte nach irgendwohin kaufen und unsere Touri-Variante durchziehen. So oder so, ab morgen geht’s los.

Beseelt von diesem Gedanken wollen wir uns auf den Weg in die Stadt machen. Irgendein Eisenbahnfoto muss jetzt noch her. Und gleich am Bahnhof gibt’s eine Brücke, die mit der U-Bahn gut zu erreichen ist. Das Ziel steht und wir sind draußen. Auf dem Weg zur Station trübt es sich aber merklich ein. Und noch bevor wir unter die Erde verschwinden, fegt ein kleiner Sandsturm durch die Hochhaustürme rund um uns.




Das lässt nichts Gutes vermuten. Wir setzen aber unbeirrt unseren Weg fort.





Einmal müssen wir die Linie wechseln, dann geht es nach kurzer Fahrt wieder nach oben. Doch dort erwartet und Getümmel vor dem Eingang. Keiner will die Station so wirklich verlassen, denn draußen geht gerade die Welt unter. Es hat merklich abgekühlt, windet und schüttet wie aus Eimern. Eine Uniformierte drängt die Schutz suchenden mehr oder weniger bestimmt nach außen. Ihre Beweggründe sind klar, sie will den Eingang frei halten. Unsere nicht hinaus zu gehen aber auch, wir wollen nicht ertrinken. So postieren wir uns unter einem Gebäudevorsprung und warten ab. Unwetter können in dieser Region ja schnell vorbei gehen. Aber das bleibt irgendwie hartnäckig. Und während ich so den Blick nach oben in das Tosen und Prasseln richte, fällt mir siedend heiß ein, dass ich mein Fenster im Hotelzimmer zwecks Schimmelentlüftung offen hab lassen. Ob ein Ruderboot im Zimmer wohl Aufpreis kostet? Und kann Schimmel schwimmen?



Alt und neu nebeneinander in Xi’an.





Solche Gedanken nachhängend verlasse ich mit den anderen unseren Unterstand als der Himmel Anstalten macht das Nass nur mehr tropfenweise über die Erde zu vergießen. Doch weiter wie bis zu einigen alten Häusern ganz in der Nähe schaffen wir es nicht. Dann müssen wir uns wieder unter ein Vordach flüchten. Dort wie angewurzelt stehend dämmert die Erkenntnis, dass wird heute nichts mehr mit Bildern. Schnell zurück zur U-Bahn und in ein nahes Einkaufszentrum. Dort soll es was zum essen geben. Lasset uns diesen erfolgreichen Tag mit einem guten Mahl beenden! *haahaa*

Zwischenhalt Einkaufszentrum! Während wir uns durch die Sperre fummeln läuft Thomas Müller an uns vorbei. Ja genau, DER Thomas Müller …… Bayern München …… Nationalmannschaft! Naja, um genau zu sein ist es nur sein Nationaltrikot was an uns vorbei marschiert. Aber das sieht nach Original mit 3 Streifen aus, also Made in Vietnam, und nicht (self)Made in China. Mich zu den beiden anderen umdrehend, also zu den Vertreter der Weltfußballmacht Schweiz *frechgrins* , kann ich mir die laut ausgesprochene Bemerkung nicht verkneifen: „Schaut mal, deutsche Nationalspieler kennt man sogar in China!“. Thomas Müller bleibt abrupt stehen, dreht sich nach uns um und fragt in gutem Deutsch, ob wir wohl aus Deutschland kämen? Gut, ich ja, die anderen beiden nicht. Trotzdem werden sie der Einfachheit halber schnell mal eingebürgert. „Ja, wir kommen aus Deutschland!“. Jetzt hat Thomas Müller kehrt gemacht und kommt, zusammen mit seinen Freunden auf uns zu. Sichtlich erfreut, sich in unserer Sprache unterhalten zu können. Und echt, er kann sie richtig gut. So erfahren wir, dass er gerade einige Zeit in Deutschland war, als Austauschschüler, unterhalten uns ein bisschen über Fußball, Xi’an, das Wetter und was die besten Reisezeiten für diese Gegend sind, will man dem Regen entgehen. Smalltalk mit einem 16 Jährigen. Und während das Rudel wieder seiner Wege geht, mit einem strahlenden Thomas Müller in seiner Mitte, den die anderen gerade doch etwas bewundern, dass er sich so mit Langnasen unterhalten kann, und dass in so einer lustigen Sprache, gehen wir auf Nahrungssuche.

Hm, das Einkaufszentrum bietet deutlich weniger als wir uns erhofft haben. Neben einigen suspekten Nudelbuden, für die wir uns wechselseitig nicht begeistern können, und einen Shop mit lahmen Hühnerflügeln, gegen den ich vehement mein Veto einlege, bleibt nur mehr Burger King. *naaa guuut*



Ist Burger King eigentlich landestypisch? Double Wuffburger gibt’s hier allem Anschein nach nicht.





Mit einer Bildkarte, den Fingern und den Zahlen auf der Kasse geht bestellen und löhnen recht einfach und wir können uns mit unseren Tabletts in die hinteren Räumlichkeiten zurückziehen wo die Tische stehen …….. Und ein großer Flachbild-Fernseher! Auf dem läuft, in Dauerschleife, ein 30 sec. Werbespot für einen neuen Grillburger! *aaaaaarg!* 1 Minuten schaue ich ihn mir interessiert an (inkl. einer Wiederholung), 5 Minuten kann ich ihn erfolgreich ignorieren, bis zur 7 Minute mit viel Geduld ertragen, nach 10 Minuten bekomme ich langsam Wahnvorstellungen und nach einer Viertelstunde bin ich zum Mord fähig! Gehirnwäsche pur!




Der Chinese liebt die Masse! Das findet auch in der Werbung seinen Ausdruck. Ist man bei uns Wellness, Entspannung und Ruhe in den Vordergrund zu stellen, wirbt dieses Spaßbad bildlich mit schieren Maßen von Badenden. So gesehen in der U-Bahn von Xi’an.





Zurück geht’s wieder mit der U-Bahn, und wir sind gespannt, wie das Wetter wohl draußen sein wird. Und ich, welche Fischarten es mittlerweile in meinem Zimmer gibt. Dem Untergrund entstiegen gibt es schon mal die erste positive Feststellung, dass es von oben her schon mal trocken ist. Wir laufen zurück zum Hotel, nicht ohne uns vorher in einem der vielen kleinen 24h Läden mit Knabberzeugs und Getränken einzudecken. Irgendwie liegen mir Burger und Pommes quer und ich brauche ein Feierabendbier. Leider ist das gesammelte Angebot an Hopfenkaltschalen nicht würdig befunden worden in die Kühlfächer einsortiert zu werden, oder bei denen die es geschafft haben, ist es erst vor kurzem passiert. So gibt es in Hinblick auf die Kriterien „könnte gut schmecken“ und „ist einigermaßen kühl um es trinken zu können“ letztendlich nur zwei Varianten. Wir entscheiden uns für HANS!

Zurück im Hotel besuche ich erstmal meinen vermeindlichen Swimmingpool. Zur grenzenlosen Erleichterung ist alles trocken geblieben. Und da der Schimmel auch keinen Schaden genommen zu haben scheint, trolle ich mich zu den anderen beiden in deren Gemach. Nil und ich machen Hans den Gar aus, David nuckelt an seiner Cola Zero und zusammen legen wir noch die Vorgehensweise für morgen fest:

Punkt 1: Wir versuchen es nochmal mit Frühstück
Punkt 2: Rechtzeitiger Aufbruch zur U-Bahn
Punkt 3: Wahlweise Übernahme des Autos oder „No Car!“
Punkt 4: Verlassen des Bahnhofs im „eigenen fahrbaren Untersatz“ unter Siegesgeheul!
oder
Gang mit gesenkten Köpfen zum nächsten Fahrkartenschalter zwecks Erstehung eines
Fahrscheins wohin dann auch immer …… Shanghai, Wuhan, Kei Ah Nung






Darauf erstmal einen Hans!






Morgen ist der Tag der Entscheidung! Entweder der Coup gelingt oder wir müssen umstellen auf Touriprogramm. Gleichgestellt mit den ganzen China-Hochglanz-Klimabus-Touristen!

Neeeiiiiiiin! Das darf einfach nicht sein!