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Sommer am Kap - Teil 1

Von

Prolog


*Puh* Gar nicht so einfach, will man im Januar dem grau in grau in Mitteleuropa entfliehen. Was steht denn so zur Auswahl? Südspanien..…schon ziemlich abgegrast, aber als Plan B immer eine Option. Portugal…..da weiß man nie was vom Atlantik so alles rein kommt. Südfrankreich…..für leichte Frühlingsgefühle im Januar schon zu weit nördlich. Irgendwie ein Anachronismus, oder? Kalabrien/Sizilien…..jaja, ganz nett, aber ich bin halt nicht so der große Italienfan. Monocabina und Minuetto in trüben weiß-grün in den Unterhaltungsstufen abgeblättert, verdreckt oder beschmiert treiben die Sympathiewerte nun auch nicht zusätzlich nach oben. Obwohl, das muss der Fairness halber festgestellt werden, sich die Fahrzeuge auf Sizilien im positiven Sinne deutlich von denen am Festland abheben. Wenigstens was den Grad der Verschmutzung durch Graffiti angeht. Dafür fallen die Klebefolien schon selbständig ab.

Weiter nach Osten……Balkan, Griechenland, Türkei? Sowohl aus wettertechnischen, als auch aus aktuellen geopolitischen Gründen wohl keine Option. Bleibt noch der Norden Afrikas. Marokko……waren wir im letzten Jahr. Tunesien, Algerien, Ägypten, Israel? Zur Zeit auch nichts, wo man einen entspannten Kurztripp in Sachen Eisenbahnfotografie hin machen möchte.

Bliebe alternativ in Europa nur der Norden. Aber mal ganz ehrlich, obwohl Oberpfälzer und daher auch mit Temperaturen von -20°C durchaus vertraut, bin ich nicht der Fan davon eine Woche tief eingemummelt und bibbernd irgendwo an der Erzbahn gleich hinter Narvik zu stehen.

Und nu? Fragend wird am Globus gedreht! Wie groß ist eigentlich der Unterschied ob man nun drei Stunden oder acht bis zehn Stunden nachts im Flieger sitzt? Eigentlich ist es egal, oder? Also: think big!

Wie wärs denn z.B. wenn ich mal meine USA-Phobie ablegen würde? Schnäppchen-Flüge zu der Zeit sollte es doch eigentlich geben, sofern man zeitlich relativ flexibel ist. Also mal schauen, Florida oder Texas??? Obwohl, will ich wirklich nach USA? Nicht unbedingt! Und wenn man schon mal in solchen Dimensionen denkt, warum nicht mit gleichem Aufwand dorthin, wo garantiert um diese Jahreszeit Sommer ist: Südafrika!

Verrückt, oder? Naja, zugegeben schon ein bisschen. Aber hatten wir da nicht noch ein Eck was wir bei der großen Tour 2014 ausgelassen haben? Nämlich Western Cape rund um Kapstadt? Und war nicht der Vorsatz, dass mit einem Kurztripp zu besuchen? Wann wäre denn dann die beste Zeit, wenn nicht im Südafrikanischem Sommer? Also jetzt!





Bitte einmal abwärts!





Flüge geschaut…..ja, sind durchaus im Rahmen……und versucht meinem Reisepartner die Sache schmackhaft zu machen. War überraschenderweise gar nicht mal so schwer *grins* Sommer, Sonne und die Aussicht auf nette Abende draußen sitzend bei einer guten Flasche Wein waren Argumente denen auch er sich nicht verschließen konnte. Also kam aus dem Süden per Whatsapp recht schnell ein JA.

Lustig war die Findung des Reiseplans, stand doch mal wieder die Aussage im Raum: „Diesmal aber mit mehr Land und Leute!“. Doch schon beim hin- und herschreiben über mögliche Ziele an der Eisenbahn a la „möcht ich haben“ wurde dieser Anteil des Programms Schritt für Schritt eingekürzt. ABER, wir haben ihn nicht ganz gestrichen und letztendlich tatsächlich auch noch anderes gesehen als Schienen!

Ein bisschen aufwendiger war dann die Suche nach dem günstigsten Flug, und zwar sowohl zeitlich wie auch finanziell. Nach gut drei Stunden vor dem Rechner hatten wir aber auch das Problem gelöst. Los gehen sollte es am Samstag, 23.01, abends mit Treffen in Paris, Nil musste nämlich den Tag noch arbeiten. Sein Start war in Zürich am Hauptbahnhof. Von da gings er erst per Zug nach Genf und dann mittels Flieger in die Stadt an der Seine. Für mich begann die Reise in Weiden, um dann von München kommend in Paris einzuschweben. Treffpunkt: Wartebänke im Boardingbereich vorm Gate!




Samstag 23.01.2016


Wie schreibt ein Forumskollege immer so nett? „Es ist schön an fremden Orten bekannte Menschen zu treffen!“ Gut war jetzt nicht wörtlich zitiert, aber ich glaube ihr wisst alle was ich meine. Wo auf dieser Welt haben wir uns denn nicht schon alles getroffen? Rom, Beijing, Chisinau, irgendwo in der Pampa in Südkorea…….! Solche Gedanken gehen mir auch durch den Kopf als ich in Paris angekommen dem Airbus aus München entsteige und zum Terminal eile, von dem unser Nachtflug Richtung Südafrika abgehen wird. Obwohl eilen bräuchte ich eigentlich nicht, denn bis zum Weiterflug sind noch gut mehr als zwei Stunden Zeit, die erst einmal herum gebracht werden müssen. Aber ich will Nil nicht allzu lange alleine herum sitzen lassen, ist er doch schon um einiges eher angekommen wie ich.

So finde ich ihn auch lesend, mit typisch verstöpselten Ohren und mich erst bemerkend, als ich schon quasi auf seinen Schuhspitzen stehe! Herzliche Umarmung, Austausch von allgemeinen Begrüßungsformeln, dann der erste Gleichklang in diesem Urlaub: HUNGER!

Unser beider letzte Atzung liegt nun doch schon einige Zeit zurück. Zwar bekommen wir gleich im Flieger nochmal etwas aufgetischt, aber auf den Sättigungswert dieser Mahlzeit wollen wir uns nicht verlassen. In 10.000 m geht es sich so schlecht zwischendrin mal an die Fitten-Bude. Außerdem wie lässt sich nachts besser die Zeit auf einem Flughafen totschlagen, als mit der Aufnahme von Nahrung.

So einfach wie gedacht ist das Vorhaben aber nicht umzusetzen. Entweder sind die entsprechenden Etablissements für diese Uhrzeit überraschend voll, oder sie sprengen unsere Budgetvorstellungen, oder das dort angebotene ist nun wirklich nicht nach unseren Geschmack. Schließlich finden wir aber doch noch etwas Passendes mit freien Plätzen und einigen Überraschungen. Zum einen sucht man sich hier die gewünschte Speise mittels Tablet aus. Ganz clever, wenn man mal den Dreh raus hat. Gibt es doch neben vielen Bildern auch die Möglichkeit alles in der gewünschten Sprache zu lesen. Kein minderer Vorteil, wenn ich „Sprachengenie“ an den rudimentär vorhandenen Wortschatz meines Küchenfranzösisch denke! Als dann der Keller an den Tisch kommt, folgt Überraschung zwei! Er hat mitbekommen das wir Deutsch sprechen. Jetzt fragt er uns woher wir stammen und als er die Antwort „Schweiz“ und „Deutschland“ erhält, freut er sich wie ein Schnitzel und will partout mit uns nur noch in unserer Muttersprache parlieren! Ein Franzose! Wirklich!!! Das ist mir ja noch nie passiert!





Nennt man das jetzt ein elektronisches Endgerät mit virtuellen Bildeffekten zur Unterstützung der primären Ordertätigkeiten in einem Gastronomiebetrieb? Oder doch einfach nur Speisetablet?






Ist doch mal ein toller Auftakt für die Tour, den auch die doch flughafentypisch etwas deftigere Rechnung für das Essen nicht wirklich trüben kann. Gut genährt und gut gelaunt begeben wir uns zum Flugsteig und wenig später in die Maschine der Air France gen Kapstadt. Kurz darauf dürfen wir uns nochmal an den „kulinarischen Genüssen“ des Mutterlandes der gehobenen Küche erfreuen, wobei wir froh sind wenigstens im Flughafen schon mal gut gegessen zu haben, aber immerhin tuen der dargereichte Wein und der Absacker danach ihren Dienst. Langsam döse ich ein und durch die Nacht, wobei es eine recht unruhige Nacht wird.




Sonntag 24.01.2016


Ich hab schon besser geschlafen im Flieger. Irgendwie konnte ich die Falttechnik auf dem engen Sitz nicht so wirklich optimieren. Dass es ein teilweise recht ruppiger Flug war, tat dann das Übrige. Aber immerhin, ich habe die langen Stunden der Nacht größtenteils verdöst, und was will man schon mehr erwarten in der Holzklasse. Zudem war ich noch nie einer der im Sitzen gut schlafen konnte und so bin ich mit dem Verlauf der letzten Stunden ganz zufrieden. Wir haben das Frühstück mittlerweile erfolgreich hinter uns gebracht, es schaffte sogar das etwas zweifelhafte Abendessen von gestern Nacht zu toppen. Man freu ich mich auf gutes English Breakfast an den nächsten Tagen! Kapstadt ist fast erreicht und sanft kurvend senkt sich unser Flieger durch große, weiße Wolkenfelder hinunter in Richtung Erde…… MOOOOOMENT!

Große, weiße Wolkenfelder?!?! Soooo war das ja nun nicht bestellt!

Aber keep cool! Wir sind ja hier am Meer und wollen heute noch hinter den ersten Bergriegel. Wer weiß wie sich da dahinter das Wetter präsentiert. Also abwarten und den Anflug genießen. Für mich immer der spannendste Augenblick beim Fliegen. Wenn so langsam Häuser und Landschaft näher rücken, man Einzelheiten erkennen kann……. hey, da fährt gerade ein alter Vorortzug unter uns durch…….. und man gespannt ist, auf dass, was einem am Boden so erwartet.

Am Boden angekommen warten erstmal die Einreiseformalitäten. Zieht sich ein bisschen, aber wir haben ja Zeit. So schlendern wir auch eher zum Kofferband, als wie sonst üblich zu rasen, und auch die Suche nach einem Geldautomaten geht ganz relaxed von statten. Wie gesagt, wir haben ja Zeit. Schließlich ist es erst später Vormittag und so.......

Zu den Büros der Leihwagenfirmen muss man aus dem Terminal raus und da, da ist es: Sonne, Wärme, laue Luft! Sofort Sweatshirt runter und den Wind durchs T-Shirt pfeiffen lassen! Das ist Leben. Ganz was anderes wie im Moment zuhause, eingesperrt zwischen Winterstiefel und Daunenjacke! *grins*

Übrigens, kleine Anekdote zwischendrin: 2013 und 2014 gings für uns im Sommer nach Südamerika und nach Südafrika. Also in den Winter, also wenigstens dort, wo doch bei uns Sommer ist. Und der war ja jeweils recht heiß. Also der Sommer bei uns, nicht der Winter da wo wir hin wollten..... ihr wisst schon was ich meine. Und so kam es, dass ich an einem besonders heißen Julitag im Jahr 2013, bei 30°C im Schatten angewamst mit Wanderstiefeln, Pulli und dicker Winterjacke überm Arm, spätnachmittags am Flughafen am Check-In Schalter von Iberia stand, um meine Boardkarte für den Flug nach Madrid (!) abzuholen! *grins* Ihr könnt Euch die Blicke der vorbei eilenden Menschen in ihren dünnen Sommerkleidchen und kurzen Hosen mit Schlappen an den Füßen vorstellen, oder? "Hat sie der noch alle?", war mühelos auf vielen Gesichtern abzulesen. *lach*

Dieses mal war es genau anders rum. Beim Koffer packen musste ich mich jedesmal ermahnen: "Nein, der dicke Pulli muss nicht rein in den Koffer!" und "Nein, auch die dicke Jacke kann daheim bleiben!".

Aber wieder zurück nach Kapstadt. Wie erwähnt liegen die Büros der Autovermieter in einem separaten Gebäude gegenüber des Flughafens, erreichbar durch einen Tunnel unter Vorplatz und Straße hindurch. Alle sind hier vertreten, alle haben große Räume mit mehreren Countern und alle sind brechen voll! Wo kommen den bloß die ganzen Menschen her. Zielgerichtet steuert Nil zu einem Anbieter, wir stellen uns brav ans Ende der Schlange und warten ..... und warten ..... und warten .....

Es geht nur zäh vorwärts. Aber immerhin sind wir entspannt, denn erstens ist Urlaub, zweitens bekommen wir hier sicher ein Auto sobald wir den Counter erreicht haben, es soll ja Länder geben in denen das nicht so selbstverständlich ist ..... hab ich gehört *grins* ..... und außerdem, ihr wisst es, wir haben ja Zeit!

Nach einer knappen halben Stunden in der wir nur unwesentlich weiter gekommen sind sehe ich Zweifel im Gesicht meines Begleiters! Was los? Die Frage stellend "Bei wem haben wir eigentlich das Auto gebucht?" kramt er in seinen Unterlagen, ein kurzer Blick als er sie in Händen hält, leichte Röte auf den Wangen, dann brechen wir beide in Gelächter aus! Wir stehen im falschen Büro!!!

Prustent und unter den fragenden Blicken der mit uns wartenden lösen wir uns aus der Schlange und wandeln ein paar Büros weiter, nicht ohne beim Eintreten nochmal Firmenschild und Bestätigungsschreiben zu vergleichen. Nun ist die Stimmung endgültig grandios, wir reihen uns wieder am Ende einer neuen Schlange ein, die zwar kürzer ist als die vorherige, aber im selben Tempo nach vorne kriecht. Irgendwann sind wir dann aber auch an der Reihe, bekommen unsere Papiere, die Info über den Stellplatz und können unseren fahrbaren Untersatz für die nächsten Tage entern. Hübsch, hübsch!





Später am Tag und schon einige Zeit in unseren Diensten unterwegs. Unser schickes Auto in der Nähe von Almeria.





Langsam rollen wir vom Parkplatz. Linksverkehr! Da muss man sich erst einmal wieder dran gewöhnen. Und so bin ich froh dass Nil gleich mal das Steuer geentert hat und ich auf dem Beifahrersitz Platz nehmen konnte. So bleibt mir noch ein bisschen Zeit mich zu aklimatisieren.










Wir fädeln uns aus dem Flughafengelände aus und auf die Autobahn gen Osten ein. Ziel ist die Strecke von Worcester nach Voorbaai, genauer gesagt, wir hoffen den Dieselzug vom Indischen Ozean her zu bekommen. So ist nämlich der Plan. Den Westfahrer heute auflauern und dabei idealerweise noch etwas Streckenkunde zu machen. Morgen früh wollen wir dann den Güterzug nach Südosten verfolgen und uns dann vom Gegenzug wieder in die Ecke von Worcester ziehen zu lassen. So haben wir auch die ersten beiden Nächte in der Nähe von Ashton gebucht.

Guter Plan, oder? Doof nur, dass in Südafrika alle Pläne binnen Kürze in Schall und Rauch aufgehen können. Oder weniger dramatisch ausgedrückt, und damit aber auch näher an der Realität, wenn was fährt in diesem Land, dann fährt es, bis auf wenige Ausnahmen, selten! Und grundsätzlich unplanbar! Diese schmerzvolle Erfahrung mussten wir 2014 schon machen und die sollte sich auch während dieses Urlaubs wieder bestätigen. Aber noch sind wir hoffnungsvoll, dass unser Plan aufgeht, genießen die Landschaft und freuen uns darüber, das die Wolken, wie erwartet hinter dem ersten Bergriegel weniger werden.





Auf dem Weg von Wellington nach Worcester durchqueren wir die ersten Berge.







In der Ebene zwischen den beiden Höhenzügen liegt ein breites, leicht hügeliges Gelände in dem Wein angebaut wird, soweit das Auge reicht.





Hinter Worcester geht es immer an der Dieselstrecke entlang und das Tablet füllt sich langsam mit Pins für mögliche Fotostellen. Schnell wird klar, es gibt viel zu viele davon, für viel zu wenig Züge! Es sind nämlich genau zwei, die planmäßig hier auf dieser Route unterwegs sind. Jeweils ein Güterzug hin und einer wieder zurück! Was waren das nur für schöne Zeiten, wenigstens auf die Eisenbahn bezogen, als hier neben regionalem Verkehr auch noch Güter- und Personenzüge nach Port Elizabeth durchkamen. *träum*

In Bonnievale pflastern wir uns am kleinen Bahnhof schließlich in den Schatten. Zum einen könnte der Güterzug von Vorbaai nun langsam kommen und wir wollen nicht riskieren ihn im nächsten, teils unübersichtlichen Abschnitt zu überfahren, zum anderen gibt es hier Schatten und wir haben Hunger! So machen wir uns gemütlich wartend über die nahe Worcester gekauften Vorräte her.





Blick auf die kleine Station von Bonnievale. Wie überall zeugt die Infrastruktur, und nicht zuletzt der Personenbahnsteig, davon, dass hier mal mehr fuhr wie ein "Alibigüterzug" pro Richtung.





Hier würde sich jetzt der Zug mit zwei, drei oder gar vier 35er gut machen! Das Problem ist nur, er kommt nicht. Ein Umstand den wir aus Südafrika nur zu gut kennen. Hatten wir doch vor zwei Jahren oft genug nette, sehr nette Fotostellen gefunden, ohne sie, mangels Zug, jemals umsetzen zu können.

Und auch heute nagt, nachdem wir unsererseits erfolgreich an unseren Esswaren genagt haben, der Zweifel an uns. Wir stehen jetzt schon wie lange hier? Und wenn der Zug bis dann und dann in Worcester sein soll und dafür so und so lang braucht, dann müsste er doch schon längst....... Und überhaupt, wollen wir es wirklich riskieren hier bis zum Sonnenuntergang zu stehen und nichts zu haben? Die Hauptstrecke wäre ja nicht sooooo weit weg und wenigstens ein Eisenbahnbild am heutigen Tag hätte schon was!

Wir geben dem Zug noch Zeit bis die Sonne aus dem Motiv gedreht hat und machen uns dann auf die Socken. *grmbl* Soviel zum Thema, wir haben ja sooooo viel Zeit. Hätten wir vielleicht doch an der Hauptstrecke...... oder vielleicht sogar noch da bleiben wo S-Bahn..... egal, nun sind wir hier und nun fahren wir zur Hauptstrecke. Streckenguck für Übermorgen und irgendwas wird schon kommen! Oder?

Noch vor Worcester biegen wir ab zur Hauptbahn Kapstadt - Johannesburg und folgen ihr in Richtung Hexriver Pass. Auch ganz nett hier, aber auch schwierig. Die eingleisige Trasse läuft durch Weinfelder, die links und rechts bis direkt an die Gleise reichen, nur wenige Brücken bieten einen Blick von oben und davon lässt sich nur einer vernünftig umsetzen. Immerhin! Zudem gibt es im Einschnitt hinter Worcester noch einen netten Blick und bei Almeria und zwischen den Tunnels Hexriver I und Hexriver II geht auch was. Einzig, in der ganzen Zeit wo wir zu Gange sind, fährt kein einziger Zug! Südafrika eben! Und das an einer Hauptbahn die quer durchs Land führt.

Als die Sonne langsam abtaucht machen wir uns leicht angenervt auf den Weg in Richtung Schlafplatz. Zugegeben, wir haben heute ordentlich Grundlagenforschung für die nächsten Tage betrieben, aber so ein Bild mit Zug drauf wäre dann doch noch ganz nett gewesen. Über die Berge geht es in Richtung Weingut bei Ashton. Von der malerischen Lage sehen wir bei der Anfahrt allerdings nicht mehr viel, fällt doch die Dunkelheit in diesen Breiten auch im Sommer schnell. In etwa soweit vom Äquator entfernt wie Nord-Afrika ist die Dämmerung nur ein kurzes Intermezzo.

So wirklich scheinen sie in der Herberge nicht mehr mit uns gerechnet zu haben, aber um so herzlicher werden wir empfangen. Das Gebäude ist alt und ursprünglich, strahlt kolonialen Charme aus und wir bekommen ein tolles Zimmer! Nur mit dem Abendessen, dass könnte schwierig werden. Man bestellt hier nämlich vor und es gibt feste Essenszeiten. Ist halt kein Viersternehaus mit 200 Zimmern! Unsere Frage, ob es in der Nähe etwas gibt, wird verneint. Aber gleichzeitig bietet uns die mehr als nette Gastgeberin an, sie könnte uns eine kleine Käseplatte zurecht machen. Dazu eine Flasche Wein? Und wir könnten uns ja damit auf die Terrasse vor unserem Zimmer setzten. Also ich finds perfekt!










Die kleine Käseplatte stellt sich als großer Holzteller heraus der kräftig belegt ist, der Wein wird uns direkt auf die Terrasse serviert und so sitzen wir nun um halb zehn im T-Shirt, draußen auf unserer Polstersitzecke und genießen den schönen Abend und das Leben! *Prost*

Vergessen der leicht aufkeimende Frust des fotolosen Tages, vergessen die Prognose für Morgen, die nur Regen prophezeit, wir habens gerade sooooo schön und uns gehts rund rum gut!




Montag, 25.01.2016


Unsanft reißt mich das Handy aus dem Schlaf. Dabei war ich noch so schön im Traumland unterwegs. Urlaubsentspannung, eine mehr schlecht als rechte Nacht im Flieger und eine halbe Flasche köstlichen Rotweins gestern auf der Terrasse taten das ihrige um mir eine herrliche Nacht in dem kuscheligen Bett zu bescheren. Doch nun heißt es aufstehen und unter die Dusche, das Hobby ruft. Vorher der Blick aus dem Fenster.... *äch* ....warum haben Wetterberichte immer dann Recht, wenn sie mieses Wetter vorhersagen. Statistisch regnet es in Western Cape 1 Tag im Januar. Unnötig zu erzählen, dass wir an diesem 25.01 genau diesen Tag erwischt haben, oder?

Aber was hilft es. Wir haben nicht genügend Zeit um den Tag auszusitzen, außerdem bei Sonnenschein kann jeder fotografieren. Also ab unter die Dusche, anziehen und Nil aus den Träumen reißen. Der blinzelt mich aus verschwimmelten Augen an, fragt nach dem aktuellen Wetter Update um dann Kund zu tun, man könne doch bei dem Mistwetter genauso liegen bleiben, in den Tag dösen und morgen auf Güterzug-Jagd gehen. Ist was dran, wir sind ja schließlich im Urlaub und nicht auf der Flucht. Aber, und damit ersticke ich jeden Wiederstand im Keim, wenn wir jetzt nicht raus gehen, wissen wir nicht wann der Güterzug wirklich fährt. Schließlich haben wir ja nur einen ca. Hinweis aus der Beschreibung eines Youtube-Videos. Und das ist eine mehr als unsichere Quelle. Also, selbst wenn heute kein Bild entsteht, haben wir immerhin die Information! Das überzeugt und so tapsen wir gut 20 Minuten später im Nieselregen gen Auto. Nicht ohne vorher für heute Abend das Essen vorbestellt zu haben.










Erster Programmpunkt: Ein Bahnübergang bei Robertson. Dort haben wir nämlich gestern ein Hölzchen gesteckt. Noch über die Gleise liegend zeigt es uns, dass der Güterzug noch nicht durch ist. Gut so!

Da wir ab jetzt Streckensicht haben, können wir gleich noch Punkt zwei hinterher schieben: Einkauf von Proviant für den heutigen Tag. Dafür eignet sich eine der Tankstellen in Robertson recht gut. Neben abgepackten aller Art, gekühlten Getränken und Knabberzeugs, gibt es hier auch eine Heißtheke mit allem möglichen in Teig eingebackenen.

Nur das hin kommen ist etwas vertrakt. Also zumindest wenn man kurzzeitig vergisst dass man in Südafrika ist. Schwungvoll biege ich in die Seitestraße ab, auf dem besten Weg einen entgegenkommenden BMW rechts zu passieren, als ein Ruf von Nil mich darauf hinweist, dass man ja hier links fahren würde! Upps! *rot werd* Die Fahrerin gegenüber nimmts humorvoll mit einem verständichen Grinsen und wir erreichen schadlos die Tankstelle. Naja, ist ja noch früh am Morgen, da kann sowas schon mal....... Schlecht Ausrede? Ja?!? Na gut! :-( *schähm*

Immer mit einem Auge auf der Strecke die auf der anderen Straßenseite entlang läuft kaufen wir ein. Draußen noch mal hören ob ein dicker Ami dieselt? Nein, ist ein LKW! Also dann ab ins Auto und an den Bahnübergang, den wir uns gestern ausgekuckt haben. Weiter entgegenfahren wollen wir nicht, denn ab hier dreht die Strecke um einen Berg herum und es ist, bis man wieder Sicht hat, genug Zeit und Platz um die halbe südafrikanische Eisenbahn dahinter unbemerkt vorbei fahren zu lassen.

Drinnen oder draußen warten, dass ist jetzt die Frage? Es ist dunkel, es ist naß, es ist bäh! Also drinnen..... Aber da hört man den Zug nicht wenn er kommt! Kompromis: Schnell im Auto das erste Teilchen essen solange es noch warm ist, dann raus! Und da rotzt es auch schon hinter der Kuppe. Erst leise, dann immer vernehmlicher! Passt, da Zuch kütt!





Nicht gerade ideales Fotowetter herrscht an diesem Morgen. Darum haben wir uns bei Goree auch nahe ans Gleis gestellt um 35-439 und 35-428 an der Spitze des Güterzugs von Worcester nach Voorbaai aufzunehmen.





Na dann mal auf, auf und hinterher. So richtig eilen muss man garnicht. Zwar sind die Züge stellenweise nicht so langsam unterwegs, trotzdem schafft man es immer wieder problemlos an ihnen vorbei zu kommen. Nächste Stelle die wir uns ausgekuckt haben ist der "Hölzchen-Übergang" bei Robertson.





Mittlerweile hat der Güterzug auf seinem Weg nach Voorbaai den Ortsrand von Robertson erreicht und passiert dabei eine der typischen Siedlungen mit ihren kleinen Häuschen.




Trotz der ellenlangen Ortsdurchfahrt in Ashton, mit ihren unzähligen 4-Way-Stopps, deren ersten ich gleich elegant "überfliege" was mir umgehend eine theoretische Fahrschulstunde von Nil einbringt, nach dem Motto "Du weißt aber schon, was ein 4-Way-Stopp zu bedeuten hat....", jaja, aber ich hab ihn schlichtweg übersehen, erreichen wir den Bahnhof des Ortes noch deutlich vor dem Zug. Wohlgemerkt, unter Einhaltung aller, na gut, fast aller Verkehrsregeln. Die überfahrene Stoppstelle habe ich ja schon gebeichtet. Übrigens, für alle die in Südafrika mit dem Auto unterwegs sein wollen, zu schnell fahren ist eine ganz doofe Idee! Zwar machen es genügend Einheimische, aber es stehen an allen Ecken Radarkontrollen und so kann es, neben der Gefährdung der anderen Verkehrsteilnehmer durch die eigene Raserei, zu einem sehr teuren Vergnügen werden! Insgesamt fahren aber die Südafrikaner meist sehr defensiv, was das Touren dort durchaus zu einer Erholung macht. Erst recht für China geschädigte Autolenker! *grins*

Aber wieder zurück zur Eisenbahn und unserem Güterzug. Wir haben uns mittlerweile auf dem Bahnhofsgelände in Ashton aufgestellt. Von oben nieselts, von hinten tutet es und die ganze Szenerie verbreitet einen leicht morbiden Charme. Auch dieser Bahnhof zeugt von der ehemaligen Bedeutung der Eisenbahn und dieser Strecke. Doch sind die umfangreichen Gleisanlagen leer und verlassen. Auch wenn es im Umfeld der Schienen Betriebe genug gäbe die für Ladung sorgen, verfrachtet man doch dort lieber auf die Gummikonkurrenz. Und mal ganz ehrlich, schaut man sich die Fahrzeiten des Güterzuges an und vergleicht sie mit dem, was die LKW auf der Straße zurücklegen, dann kann man die Frächter durchaus verstehen.

Achja, wer sich jetzt wundert warum wir uns auf einen Bahnhofsgelände herumdrücken und wo die weiten Landschaftsblicke bleiben, mit den weitwinkligen Panoramen, es ist in Wirklichkeit noch viel dunkler wie die Bilder erscheinen lassen. Und ich, der ich altersbedingt ganz, ganz tief in der Analogzeit verwurzelt bin, bin froh um die feine Pixelmaschine die ich in den Händen halte und das Bildbearbeitungsprogramm das bei mir daheim auf dem Rechner schlummert, denn mit CT18 und Co wäre hier heute kein Blumentopf mehr zu holen gewesen. Eines bleibt aber trotz der modernen Technik bei solchen Verhältnissen unverändert: Besser nah dran als weit weg, sonst gibt es nur noch Matsch bei diesem Licht!

Genüg erklärt, wieder Blick auf die Eisenbahn. Und da taucht unter kolosaler Lärmentwicklung eine Stirnlampe am Ende des Bahnhofsvorfeldes auf. Kurz haben wir das Gefühl die Fuhre kommt zum Stehen, da reißt der Maschinist seine zwei Oldies wieder auf und brüllt und rotzt an uns vorbei, weiter in Richtung Indischer Ozean.





Typisch für den Stil der Gebäude an dieser Strecke ist der Bahnhof von Ashton.







Auch die Stationsschilder sind durchweg gleich. Neben dem Namen teils längst aufgelassener Bahnhöfe oder Haltepunkte zeigen sie noch die Höhe über dem Meer und die Entfernung nach Kapstadt.







Ohne Halt geht es für 35-439 und 35-428 durch Ashton, obwohl die großen Siloanlagen und einige Fabriken im Umkreis durchaus Fracht bieten könnten.












Die Geräuschkulisse der beiden Maschinen genießend, wie sie sich mit ihrem Zug die anschließende Steigung hinauf arbeiten, schlendern wir zum Auto, wohl wissend das übertriebene Eile nicht geboten ist, denn spätestens vor Bonnievale haben wir den Zug längst wieder überholt. Der Grund für diese Zuversicht ist leicht erklärt. Geht es hinter Ashton noch ein Stück relativ gerade, schlängelt sich nur wenige Kilometer später die Strecke entlang der Hügel durch die Landschaft. Denn die nun folgenden Abschnitte sind ein Paradebeispiel für das Prinzip des ursprünglichen Bahnbaus in Südafrika. Möglich wenige Kunstbauten und immer dem Landschaftsprofil folgen. Meint, geht's durch hügeliges Gelände, windet man sich immer brav am Hang entlang, dabei jede Einbuchtung mitnehmend. Muss man über einen Höhenzug, dann schlängelt sich die Strecke in vielen Windungen hinauf und hinunter. Und eines ist dabei immer allgegenwärtig: Enge Kurvenradien, die die Räder der Wagen zum Aufschreien bringen.

So passieren auch wir vor Bonnievale einen Abschnitt, auf dem man sich wahrscheinlich tagelang vergnügen könnte. Nicht nur weil es hier so viele Stellen gibt, nein, eben auch weil hier nur zweimal am Tag etwas durchrollt.

Wir durchfahren Bonnievale und umrunden dabei, wie schon gestern die Kirche, passieren den Bahnübergang am Bahnhof, wo sich in die Richtung aus der der Zug kommt absolut nichts machen lässt, vermerken auf dem Tablet am Hang hinter dem Ort eine Stelle für "wenns mal Sonne hat" und landen schließlich in der Nähe von Merwespont, wo eine langgezogene S-Kurve einfach danach schreit, abgelichtet ...... oh sorry ...... abgedunkelt zu werden. *seufz* Wie könnte dass denn ausschauen, wenn es Sonne hätte und man die Landschaft im Hintergrund sehen könnte......






35-439 und 35-428 kommen die langgezogene S-Kurve bei Merwespont herunter gerollt.





Während Nil, neben der Landschaftsbeobachtung mittels Handy den "Luftraumspäher" gibt, lasse ich begleitend zum Fahren auch den Blick durch die Gegend schweifen. Zwei halb aufmerksame Augenpaare sehen mehr wie eines. Verkehrstechnisch ist das kein Problem, es ist so gut wie nichts los auf der Straße. Und während im Radio der Moderator sich erfreut zeigt und erzählt wie glücklich die Menschen in Kapstadt doch sind, dass es endlich nach dieser langen Hitzeperiode mal regnet *grmbl, können wir jetzt nicht nachvollziehen, grins* rollen wir unserm nächsten potentiellen Standpunkt entgegen, der kleinen Station von Drew. Dort im Umkreis gibt es nichts bis auf das ein oder andere Weingut und eine Farm, in deren Einfahrt wir uns aufstellen.






Sind die Jungs nicht schaaf?







Ohne Halt röhren 35-439 und 35-428 durch die verlassene Station Drew. Blickt man in die Runde, gibt es außer einzelnen, weit verstreut liegenden Weingütern und Farmen keine Ansiedlung zu sehen. Kein Wunder also, dass der Personenverkehr schon lange eingestellt wurde.










Schon bevor der Zug uns erreicht hatte, haben wir überlegt wie wir nun weiter machen wollen. Den Zug verfolgen ist klar, denn wir haben ja einen Plan. Schon vergessen? Gut, nochmal zur Erinnerung! Wir stellen uns früh morgens auf und warten auf den Zug von Worcester her ..... erledigt ..... , dann verfolgen wir ihn ..... teilweise erledigt ..... bis er mit dem Gegenzug von Voorbaai her kreuzt ..... von dem lassen wir uns dann wieder zurück nach Worcester "ziehen".

Für diesen Plan gibt es generell und aktuell zwei Schwierigkeiten! Die erste, die Frage wo genau die Züge kreuzen. Meist ist das wohl in Karringmelk, kann aber auch in Heidelberg oder sonstwo sein. Und da die Strecke zwischen Bonnievale und Heidelberg, mit wenigen kurzen Ausnahmen, meist ohne Einsicht von der Straße her verläuft, muss man schon vor Ort stehen bei der Kreuzung, um zu wissen, wann der Westfahrer auf besagtem Streckenabschnitt unterwegs ist. Die zweite, das Wetter, dass aktuell immer noch triester zu werden scheint.

Somit scheidet der etwas direktere Dreckweg als eine Variante zur Weiterfahrt nach Swellendam aus. Der tangiert zwar laut Karte zweimal die ab hier sehr stark meandernde Eisenbahnlinie, aber die Erfahrungen im Buschland lassen vermuten, dass Strecke gleich neben Weg nicht unbedingt einsehbar und fotografierbar bedeutet. Und selbst wenn es, an Stellen wo Bahn und Weg weiter voneinander entfernt liegen sollten einen schönen Landschaftsblick geben würde, so würde er uns heute bei der "Beleuchtung" aber auch sowas von nichts bringen. Daher wählen wir die Route über die Teerstraße. Ein kleiner Umweg und wir erreichen die Eisenbahn erst wieder in Swellendam, aber dafür sind wir bestimmt vor dem Zug dort.

Angekommen platzieren wir uns erstmal am Bahnhof. Fototechnisch ist hier nicht viel zu wollen, aber die Station ist die erste wo wieder gekreuzt werden kann. Also heißt es warten ob der Zug hier zu halten kommt. Ansonsten läuft man Gefahr beim Vorausfahren den Gegenzug zu überfahren. Und dann hat man ein Problem. Es dauert einige Zeit, dann dieselt es heran und durch! Also, dann wahrscheinlich Kreuzung in Karringmelk. Aber wo zum Teufel ist dieses Nest? Keine unserer Karten zeigt die Station. Wird wohl eine irgendwo im nirgendwo sein. Aber welche?

Bei diesen Überlegungen sind wir aber schon wieder auf der Straße. Buffeljagsrivier heißt der nächste Zielpunkt, welch schöner Name. Von hinten fahren wir ihn an, das erspart uns eine Ortsdurchfahrt. Und so sind wir auch wieder deutlich vor dem Dieselzug an der Station, die zu Dampflokzeiten ein wichtiger Betriebshalt war um Wasser aufzufüllen. Auch verladen wurde hier, wie der Güterschuppen zeigt, der noch steht. Dafür ist von dem ehemaligen Stationsgebäude, dem kleinen Stellwerk und den Wasserkränen nichts mehr zu sehen. Auch einige Weichen wurden, wohl zur Ersatzteilgewinnung, schon ausgebaut.





Früher Personenzughalt mit kleinem Stationsgebäude und wichtige Versorgungsstation zwischen Worcester und Voorbaai, ist heute von der ehemaligen Herrlichkeit nicht mehr viel zu erahnen, als 35-439 und 428 die Station ohne Halt durchrollen. Auch von den Wasserkränen sind nur mehr die beiden Sockel geblieben. Sichtbar auf Höhe der letzten beiden Kesselwagen.





Während sich Navigator Nil wieder auf die Karte und die Suche nach Karringmelk konzentriert, beobachte ich den Verkehr auf Straße und Schiene. Denn siehe da, trotz unseres langen Weges von Buffeljagsrivier zurück auf die Hauptstraße, haben wir den Zug schon wieder ein- und leicht überholt. Und da er jetzt noch eine Schleife mit Steigung ausfahren muss, können wir uns bequem und in Ruhe erneut aufstellen.





Kurz gibt sich sogar die Sonne die Ehre und scheint sanft durch die Wolken, als 35-439 und 35-428 bei Bontbokskloof über eine der unzähligen Steigungen herauf donnern.




Nicht weit hinter der Fotostelle merken wir uns gleich einen Punkt für den Westfahrer. Dort oben auf der Leitplanke stehend lässt sich bestimmt gut in eine S-Kurve fotografieren. Und einen Parkplatz für's Auto gibt es hier auch. Wie praktisch!

Noch hängen wir aber an dem Gegenstück, und für das biegen wir nochmal kurz ab. Beim ehemaligen und jetzt verfallenen Haltepunkt von Niekershek beziehe ich Stellung. Nil findets nicht so pricklend und lässt die Kamera in der Tasche. Aber mir gefällt die Linienführung hier und meiner Meinung nach kommt gut zur Geltung, was für Vorteile die Kapspur bietet. Enge Radien und wenig Platzbedarf für die Trasse. Das Quietschen, ja schon fast Schreien, der Radreifen in der engen Kurve sind Ohren betäubend und es summt und pfeifft noch einige Minuten in meinem Gehörgang. Und wieder taucht vor meinem geistigen Auge ein langer Personenzug hinter einer schweren Dampflok auf. Kaum vorstellbar, wenn man die Strecke so in der Landschaft liegen sieht.





35-439 und 35-428 in der engen Kurve vor dem aufgelassenen Haltepunkt von Niekershek.







Langsam kommen wir Heidelberg immer näher und der Stelle wo die Bahn die Hauptstraße kreuzt. Hier irgendwo muss doch dieses Karringmelk sein! Schon lotst mich Nil in die nächste Seitenstraße. Erst Teer, dann Sand, in einem kleinen Ort noch eine Runde auf der Kreuzung gedreht weil Osmand zu langsam reagiert hat, und wir stehen an der Station im Nichts. Ein kleines Farmhaus, drei alte verlassene Zweizimmer-Häuschen mit Flachdach in denen jetzt Schweine gehalten werden, eine große Siloanlage und ein kleiner Gewerbebau gegenüber, das ist Karringmelk Station.





Stationsschild von Karringmelk





Und während wir beginnen zu überlegen ob der Güterzug schon durch ist oder nicht, kommt dieser langsam durch die Wiesen, rollt das Gefälle herab und bleibt vor dem Bahnübergang stehen. Bingo!

Jetzt heißt es abwarten und Tee trinken. Wir haben Zeit, ein Dach über dem Kopf, was zum hinsetzen und jeder ein Buch zum lesen. Und wir werden all dass die nächsten Stunden brauchen!





35-439 und 35-428 haben mit dem Ostfahrer den Bahnhof von Karringmelk erreicht, nun heißt es warten auf den Gegenzug, mit dem die Mannschaften getauscht werden. Bis es soweit ist, wird aber noch einiges an Zeit vergehen.







Ein Bild mit Symbolcharakter. Die Eisenbahn lässt der Gummi-Konkurrenz den Vortritt.





Die Sache ist nämlich die! Hier im Karringmelk kreuzen nicht nur die Züge, nein, auch die Mannschaften wechseln. Will heißen, das Personal des Ostfahrers übernimmt ab hier den von Voorbaai kommenden Zug, während das Personal dieses Zugs mit der aus Worcester kommenden Fuhre wieder zurück zum Indischen Ozean dieselt.

Und da der Westfahrer wohl noch einige Zeit auf sich warten lässt, nutzt die Crew des Ostfahrers die Zeit um Wagen aus der Siloanlage zu holen und im Bahnhof bereit zu stellen.





















Wie bei der Reihe 34 wurde ein Teil der 35er von GE und ein Teil von EMD gebaut. Dabei unterscheiden sich die beiden Varianten in manchen Maßen und Details. So ist die GE Variante um gut einen Meter kürzer als die EMD Kolleginnen. Auch der vorne abgeschrägte Vorbau und die Anordnung der Lüfter weichen ab.











Leider ist dieser Job recht schnell erledigt und es kehrt wieder Ruhe ein. So gehen alle in den Dösemodus über, die Maschinen, deren Personal und wir! Jetzt heißt es warten, warten, warten.......

Endlich, nach sage und schreibe 3 Stunden hallt ein Röhren über den Hügel zu unserer linken und der Gegenzug, gezogen von 35-486 und 35-009 schiebt sich heran. Und wie aus dem nichts herrscht plötzlich eifrige Betriebsamkeit auf der kleinen Station.





35-486 und 35-009 rollen mit dem Güterzug aus Voorbaai kommend in den Landbahnhof von Karringmelk ein. Hier kreuzen sie mit dem schon seit 3 Stunden wartenden Gegenzug aus Worcester.











Porträt der an zweiter Stelle laufenden 35-009. Wie bei vielen Maschinen der Nuller-Serie hat auch sie mittlerweile einen zusätzlichen Lüfteraufsatz erhalten.





Gegenüber stehen sich die beiden Züge links und rechts des Bahnübergangs. Taschen werden hin und her getragen, Kühlboxen, Hocker und sonstige Utensilien wechseln, zusammen mit dem Personal, von einer Zuglok in die andere.





Drei Stunden hatte die Crew aus Worcester warten müssen, nun kann sie endlich den Führerstand des Gegenzuges beziehen.











Und während die Crews noch so richtig zu Gange sind, habe ich Zeit mir die Wagen des eingefahrenen Güterzugs einmal ein bisschen anzusehen. An diesen gedeckten Güterwagen wird deutlich, dass man sich an einer Kapspurstrecke befindet.





So langsam sind die Umräumarbeiten beendet und die Truppe aus Voorbaai macht sich, nun mit neuer Garnitur, auf den Rückweg in Richtung Heimat. Auch die Jungs und Mädels aus Worcester werden wieder eisenbahntechnisch aktiv und rangieren zwei der fünf Getreidewagen, welche sie vor gut drei Stunden, da noch mit anderen Zugmaschinen, aus dem Anschlussgleis des Silos geholt hatten, an ihren Güterzug.





Rangierfahrt! 35-009 und 35-486 holen aus dem Nebengleis zwei der dort fünf abgestellten Getreidewagen um sie mit nach Worcester zu nehmen.






Detailansicht der 35-009. Neben dem Lüfteraufsatz fällt auf diesem Bild auch der Überhang der Aufbauten über das Ende der Drehgestelle auf.





Wir schauen noch ein bisschen beim rangieren zu, ich versuche die Stimmung per Video einzufangen was aufgrund unruhiger Hand und fehlendem Stativ nicht wirklich gelingt, dann machen wir uns noch vor Abfahrt des Güterzugs vom Acker. Schließlich wollen wir vor ihm an der S-Kurve sein. Der erste Anflug dorthin misslingt. Wir verpassen schlichtweg die Einfahrt in die Lücke zwischen den Leitplanken. Also in Sichtweite einer Polizeikontrolle brav über eine Nebenstraße gedreht und wieder zurück, zweiter Turn mittels einer Feldeinfahrt und schon haben wir unser Plätzchen erreicht. Nun stehen wir da, balancieren auf der Leitplanke und halten die Ohren gespitzt, um nur ja den Zug nicht zu überhören. Was durch die Lautstärke seiner Dieselloks zwar kein Problem sein dürfte, im Gegenzug aber durch den regen Auto- und LKW-Verkehr gleich hinter unseren Rücken auch wieder erschwert wird.

Schier endlos stehen wir so auf dem Präsentierteller und ich erwarte minütlich das einer der Vorbeifahrenden vor lauter kucken "Was machen die da?" aus dem Auto fällt. Dann erlöst uns das Rotzen der Maschinen auf der Steigung hinter der Kuppe und der Güterzug kommt langsam durch die Kurve am Hügelkamm gerollt.





Wieder in der Nähe von Bontbokskloof, diesmal aber in die andere Fahrtrichtung. 35-485 und 009 auf dem Weg nach Worcester.





Die zusätzlichen zwei Wagen tun dem Gesamtbild des Zuges an dieser Stelle gut. Trotzdem ..... *jaja, schon wieder seufz* ...... Ihr wisst schon: Langer Personenzug, helle Wagen, Dampflok, diese S-Kurve ..... o.k., o.k.! Ich hör ja schon auf....

Was ich nicht für möglich gehalten hätte ist mittlerweile tatsächlich eingetreten. Das Licht ist noch lausiger geworden als heute Vormittag. So sinkt unsere Motivation für eine großangelegte Zugverfolgung rapide. Zudem ruft schon das vorbestellte Abendessen, was um 19.00 Uhr serviert wird. Trotzdem versuchen wir noch was zu holen, was aber beim ersten Anlauf an der "Flugplatzzufahrt" von Swellendam aufgrund von Licht und Stelle ziemlich misslingt. In Swellendam selbst ist dann erst einmal ein doppelter Boxenstopp angesagt. Einmal für den Zug, steht doch das Personal für die Ablösung, per Auto aus Worcester gekommen, schon am Bahnhof bereit. Einmal für uns, denn unserem fahrbarem Untersatz gelüstet nach Treibstoff. Der ist an der Hauptstraße gleich besorgt und da ein Blick gen Schienen zeigt, dass man dort noch zugange ist, wählen wir für die Rückfahrt nach Bonnievale gleich mal den Sandweg den wir heute morgen verschmäht haben.

Huiii macht das Spaß auf dem etwas glibrigen Untergrund dahin zu saußen, und juuhuu ist das schön durch die großen Wasserpfützen zu pflügen! Schade dass wir diesmal keinen off-roader haben. Aber unser Straßenflitzer schlägt sich auch tapfer!

Wie erwartet ist die erste Kehre der Bahnlinie, man erinnere sich an unsere Überlegungen vom Vormittag, zwar direkt neben der Straße, aber hätte man keine Karte, man würde die Bahn gar nicht bemerken, so eingewachsen ist sie. Die Trasse lässt sich bestenfalls erahnen. Das Bild eines Güterzuges in einer dieser engen Kurven bleibt weiterhin ein Traum. Auch der weite Landschaftsblick lässt sich nicht auf Anhieb erkennen und mal ganz ehrlich, bei dem Regen haben wir auch nicht die geringste Lust hier durchs Buschland zu latschen. Immerhin, wir sind in Sachen Landschafts- und Streckenkunde wieder ein bisschen schlauer und hey, vielleicht verschlägt es einen von uns ja irgendwann mal wieder in diese Ecke!

Runter von der Schotter-Sandpiste und bei Drew wieder rauf auf die Teerstraße, geht es über Merwespont zurück nach Bonnievale. Dort ein Bild von der Bahnhofsdurchfahrt, weil's so schön ist, mehr muss man sich an Halblichtbildern heute nun nicht mehr geben.





Im Sommerregen passiert der tägliche Güterzug von Voorbaai nach Worcester, mit 35-486 und 35-009 an der Spitze, die Station Bonnievale.





Schier ewig sind wir am Bahnhof im Auto gesessen, weil, da wo gestern noch der Schweiß in der afrikanischen Sonne floss, es heute gießt wie aus Eimern. So war letztendlich beim Fotografieren nicht nur die richtige Einstellung wichtig, sondern auch die Frage: "Wie halte ich meine Kamera einigermaßen trocken."

Ein Blick auf die Uhr zeigt uns zweierlei. Nämlich, das bestellte Abendessen rückt näher und, wir hätten vielleicht gestern doch noch etwas länger hier in der Sonne ausharren sollen. Ja nu, hinterher ist man immer gescheiter.

Eigentlich könnten wir die Fuhre ja jetzt getrost ziehen lassen, doch wir haben noch eine wichtige Mission am heutigen Tag! Hölzchen stecken!

Die Sache ist nämlich die: Wir wollen morgen zur Hauptstrecke um Personenzüge zu fotografieren. Aber, wenn wir morgen zeitig genug aufstehen und der Güterzug so wie heute unterwegs ist, dann könnten wir hier noch ein Bild machen und ihn vielleicht sogar noch bis nach Bonnievale verfolgen. Dann über Montagu und die Berge hinüber zum Hexrivier Pass und *taadaa!* wir sind pünktlichst für den ersten Zug an der Hauptbahn. Genial, oder? Und morgen solls laut Wetterbericht Sonne geben!

Und darum stehen wir jetzt hier pflichtbewusst am Bahnübergang nahe unserer Unterkunft, warten in der aufkommenden Luftfeuchtigkeit auf den Güterzug, machen bei seinem Erscheinen sogar noch ein Alibibild Marke "man weiß ja nie" und stecken dann brav und sorgfältig unser Hölzchen.

Tagesaufgabe erfüllt, ab zu den Fleischtöpfen. Und vor allem, zu den Weingläsern!

Also nicht dass wir jetzt hier für eingefleischte Alloohoiker gehalten werden, aber es ist doch eine unumstößliche Weisheit, dass Wein immer dort am besten schmeckt, wo er angebaut wird. Und wenn man nun auf einem Weingut nächtig, umgeben von felderweise Reben, ja was soll man denn da auch trinken?!? Bleibt einem doch gar nichts anderes übrig, oder?

In unserer Pension angekommen bleibt uns gerade mal Zeit uns etwas frisch zu machen, dann stehen wir pünktlich bereit unser köstliches Mahl kredenzt zu bekommen. Und es ist wirklich vorzüglich.

Peter, der serviert, bereitet uns auf die köstlichen drei Gänge des Menüs vor, erst Lachs, dann das in Südafrika unvermeidliche 300g Steak, und zum Schluss etwas süßes hinterher, und fragt dann, welchen Wein wir dazu gerne trinken würden. Gleich sechs Stück aus eigenem Anbau hat er im Angebot, drei weiße, drei rote.

Wir, ganz Weinkenner, lassen uns die Namen der Rebsorten ganz genußvoll durch den Gehörgang rieselt, um dann gewohnt souverän und fachkundig, bestimmt mit den Schultern zu zucken......

Hm! Problem! Aber Peter hat die Lösung. Er schlägt vor, dass er uns von jedem eine Probe einschenkt und wir entscheiden, sobald wir bei einem bleiben wollen. Hm! Schwer! Einer nach dem anderen ist gut. Und da uns während des tollen Essens der Forschergeist und die Neugierde wie wo die anderen Sorten schmecken nie verlässt, und zudem die "Proben" von Peter immer heißen "ein Glas gut gefüllt", kommt am Ende ganz schön was zusammen und wir zu der Erkenntnis: "Die waren alle Spitze!"

So rundrum gestärkt und mit Bacchus Hilfe tiefenentspannt geht's ins Bett. Vergessen ist der Regen von heute, vergessen ist das Nichtlicht, egal, wir haben viel ursprüngliche Eisenbahn erlebt, schöne Landschaften gesehen, die Ruhe genossen und zuletzt gut gespeist und getrunken! Ist doch sau gut! Und außerdem, hey, wir haben Urlaub!

Gute Nacht!