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Vom Winde verweht ... Teil 3

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2.5.2016 Perpignan – Montpellier
Wie so oft auf unserer Reise hatte der Kriegsrat am Vorabend darüber getagt, was denn das Programm für diesen zweiten Mai sein sollte. Nachdem die Recherche im Internet eine Stelle beim Portal des Perthus-Tunnel ergeben hatte, entschieden wir uns mit dieser zu starten. Gegen Mittag sollte es dann nochmals an die Strecke nach Villefranche-de-Conflent gehen. Gegen Nachmittag war eine Verschiebung in Richtung Norden und Marseille geplant.

Wir fuhren am Morgen also zum Tunnelportal des Perthus-Tunnel. Dass es da einen Aussichtspunkt gab, hatten wir derweil auf einem Youtube-Video gesehen. Da es an diesem Punkt Fahnen hatte, war er auch recht schnell ausgemacht, nur wie kam man dort hin? Wir konnten uns kaum vorstellen, dass man einen Aussichtspunkt baut und ihn dann nicht richtig erschliesst. Trotzdem versuchten wir es über einen eher schlechten Feldweg. Dieser stellte sich tatsächlich als zielführend heraus. Da wir nun aber den ersten Zug aus Barcelona verpasst hatten, hiess es erst rund eine Stunde im bereits wieder sehr kräftigen Wind zu warten. Es war für uns dann auch kein Wunder, dass man den beiden Röhren des Tunnels die Namen Mistral und Tramontane (die spanische Version des Mistrals) gab. Kurz nach zehn tauchte endlich der erhoffte AVE 9729 Toulouse – Barcelona am Horizont auf und flog mit seinen 300 km/h dem Grenztunnel entgegen. Rund 30 Minuten später folgte TGV 9702 Barcelona – Paris in der Gegenrichtung.
Baureihe 100 der RENFE in Montesquieu-des-Albères


TGV Euroduplex (2N2) der SNCF in Montesquieu-des-Albères


Nach dem wir nun AVE und TGV an dieser Stelle hatten, entschlossen wir uns für eine neue Stelle. Die Recherche auf Google Earth hatte ergeben, dass die nahe gelegene Selbstüberwerfung bei Villemolaque ebenfalls umsetzbar ist. Diese Selbstüberwerfung wurde nötig, weil in Frankreich links und in Spanien rechts gefahren wird. Auf der Suche nach der Brücke über die Überwerfung stiessen wir in Le Boulou auf ein Containerterminal. Nun war klar, dass die Güterzüge wohl nicht über die NBS sondern nur bis Le Boulou fuhren. Pünktlich ca. zehn Minuten vor dem Zug erreichten wir dann die erwähnte Brücke, hier wurde AVE 9731 Marseilles – Madrid festgehalten.
100 019 der RENFE in Villemolaque


Wie im Plan festgehalten folgte nun der Transfer an die Brücke über die Llentillà bei Vinça. Hier wurde TER 77655 nach Villefranche-de-Conflent nachgeschossen. Die Rückleistung wurde derweil bei der Strassenbrücke bei Rodes erlegt.
Z 17369 der SNCF zwischen Vinca und Marquixanes


Z 17369 der SNCF zwischen Vinça und Ille sur Tet


Hatten wir uns bis jetzt an den Plan gehalten, folgte nun wieder etwas Freestyle. Wir entschlossen uns nämlich dazu nochmals an die LGV zu fahren. So ging die Reise nach Mas Cantarana, wo wir am Morgen bei der Vorbeifahrt eine Stelle mit Solarzellen gesehen hatten. Hier wurde TGV 9704 Barcelona – Paris nachgeschossen.
TGV Euroduplex (2N2) 810 der SNCF in Mas Cantarana


Da der nächste Zug auch ein TGV sein sollte, entschieden wir uns, die Brücken in der Umgebung zu begutachten. So standen wir alsbald an einer Strassenbrücke bei Canohès. Wie wir so stand und warteten, parkierte ein Traktor vor unserem Auto und der Bauer stapfte auf uns zu. Wieso wir hier seien, wollte er wissen. Huerz erklärte unser Handeln, worauf er ein Schmunzeln erntete. Die Trassengebühren für den Perthus-Tunnel seien so hoch, dass hier kaum je ein Zug käme, meinte der Bauer. Wir klärten ihn auf, dass wir in den Fahrplan geschaut hatten und in nützlicher Frist den nächsten TGV aus Paris erwarteten. Der Bauer nahm dies zur Kenntnis und zog wieder von Dannen. Uns war derweil auch aufgefallen, dass auf dieser LGV sehr wenig lief. Es ist in meinen Augen schon ein wenig fragwürdig ob man für fünf Zugpaare eine LGV für 1,1 Milliarden Euro bauen musste. Dies sollte jedoch nicht unser Problem sein, denn schon kam TGV 9713 Paris – Barcelona mit dem unglaublichen Tempo von 80 km/h angeschlichen.
TGV Euroduplex (2N2) 807 der SNCF in Canohès


Da der Nachmittag nun schon recht weit vorgeschritten war, entschieden wir uns das gute Abendlicht in Cerbère zu nutzen. Dort angekommen stellten wir uns für Züge in Richtung Spanien. Nach dem ersten ersten Z 7300 meinte Huerz, dass die Gegenseite wohl auch noch schön wäre. David bejate, schliesslich waren wir ja schon mal hier, erst wollten wir aber auf einen möglichen Güterzug warten. Kaum gesagt, kesselte es auch schon von hinten. „Bestimmt ein AGC“, dachten wir alle. Umso grösser war das Staunen, als der TER nach Avignon aus einer Nez cassé und drei rot-gelben Wagen bestand. „Den hätte man nun tatsächlich von der anderen Seite machen müssen“, waren wir uns einig. Immerhin schenkte uns die ECR danach einen leeren Autozug mit einer BR 186 in Verkehrsrot.
Z 7300 der SNCF zwischen Cerbère und Banyuls sur Mer


Baureihe 186 der ECR zwischen Cerbère und Banyuls sur Mer


Nun wars definitiv Zeit zum Wechseln. Hier wurde der bereits bekannte Z 7300 festgehalten.
Z 7300 der SNCF zwischen Cerbère und Banyuls sur Mer


Für den nächsten TER nach Cerbère wechselten wir wieder die Seite. Ich hatte irrtümlicherweise gelesen, der Zug käme aus Avignon und hatte deshalb einen Verdacht auf Lok und Klasse. Auch wenn David den Irrtum noch aufklären konnte, wurde dieser AGC nun wieder mit einem Frontschuss abgelichtet.
Z 27500 der SNCF zwischen Cerbère und Banyuls sur Mer


Danach stellten wir uns ein letztes Mal um. Langsam aber sicher wuchsen jedoch die Schatten ins Motiv, so dass nach dem TER 76430 nach Nîmes endgültig Feierabend war. Dies galt zumindest fürs Fotografische. Es folgte nun nämlich noch eine längere Autofahrt hinauf nach Montpellier.
Z 27500 der SNCF zwischen Cerbère und Banyuls sur Mer