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Einmal im Leben der Erste sein - Premiere am Gotthard

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Nach 17 Jahren Bauzeit war es am 1. Juni 2016 soweit, der Gotthard Basistunnel wurde feierlich eingeweiht. Noch vor den Ehrengästen aus der Politik durften 1000 Vertreter aus der Bevölkerung den neuen Tunnel durchfahren. Dazu wurden 500 Mal zwei Tickets verlost. Ich hatte das Glück, dass mein Vater einer der Glücklichen war und ich so einen Platz im Eröffnungszug bekam.

Die Reise begann kurz vor sechs in Freienbach. Mit regulären Zügen ging es nach Bellinzona. Auf der Fahrt konnte noch einmal die alte Bergstrecke bestaunt werden. Neben dem bekannten „Chilleli vo Wasse“ richteten sich unsere Blicke bereits jetzt auf die beiden Portale, sowie auf die teilweise nicht mehr sichtbaren Überbleibsel aus der Bauphase. In Bellinzona angekommen wurden die Gäste im Teatro Sociale empfangen. Die Eröffnungsrede hielt Moritz Leuenberger. Der ehemalige Verkehrsminister bewies dabei sehr viel Humor. So hiess es in seiner Rede: „Beim Durchstich am 15. Oktober 2010 wollten sämtliche Verkehrsminister der EU zugegen sein. Aus lauter Begeisterung wäre die EU beinahe der Schweiz beigetreten. Doch diese hätte das als Masseneinwanderung bekämpft, so dass die Minister das historische Ereignis dann doch lieber per Direktschaltung aus Luxemburg verfolgten.“ Im Weiteren erklärte Leuenberger, dass der neue Tunnel ein Kind der Schweizer Demokratie sei. Die Schweizer Stimmbürger hätten den Mut zu diesem Tunnel mehrmals an der Urne bewiesen. Auch stärke der neue Tunnel die Willesnation Schweiz, da der er den Kanton Tessin noch näher an den Rest der Schweiz bringe. Schliesslich machte er darauf aufmerksam, dass der Gotthard Basistunnel zu einer Familie gehöre, zu welcher auch die Tunnel am Lötschberg und am Ceneri gehören.
Bellinzona


Nach der Begrüssung durch den ehemaligen Bundesrat ging es zum Bahnhof in Bellinzona. Hier wurden Fahrgäste und Gepäck einer Sicherheitskontrolle unterzogen. Schliesslich ging das grosse Warten los, ehe nach rund einer halben Stunde der RABDe 500 010 „Robert Walser“ einfuhr und die wartenden Gäste aufnahm. Da für die Premierengäste nur ein halber Perron reserviert war, füllte sich der Zug von hinten auf. Ich wollte unterdessen noch ein Bild von vorne machen und setzte mich dann in den ersten Wagen. Rasch kam ein Zugbegleiter und klärte uns auf, dass dieser Wagen für die mitreisende Schulklasse reserviert sei. Schnell stellte er jedoch selbst fest, dass die Klasse keinen ganzen Wagen brauchte. Schliesslich kam ein Herr vom Fernsehen und besprach mit der Schulklasse, das Vorgehen während der Fahrt durch den Tunnel. Das Fernsehen wollte die Klasse in einer Liveschaltung zeigen. Einem SBB-Mitarbeiter an Bord fiel dabei auf, dass es keinen so guten Eindruck machen würde, wenn man die Schulklasse im leeren ICN zeigt. Das Fernsehen entschied sich deshalb die Klasse in einen hinteren Wagen zu verfrachten. So sassen wir also noch zu fünft im vordersten Wagen. Der Herr von der SBB erklärte uns derweil, dass es schwierig war die Leute zu verteilen, weil man nicht aus allen Landesteilen so früh am Morgen nach Bellinzona kommt. In unserem Zug waren deshalb nur 300 Personen, währenddessen im Gegenzug (einem doppelten ICN) rund 700 Fahrgäste waren.
RABDe 500 010 der SBB in Bellinzona


Dank des grosszügigen Zeitplanes ging es in Bellinzona pünktlich los. Kurz nach der Abfahrt wurde uns derweil das Prozedere der Fahrt erklärt. So mussten wir vor der Einfahrt in Pollegio kurz anhalten, damit beide Eröffnungszüge gleichzeitig in den Tunnel fahren konnten. Gleiches passierte kurz vor der Ausfahrt aus dem Tunnel, so dass wieder beide Züge gleichzeitig aus dem Tunnel kamen. Als wir kurz vor dem Portal in Pollegio zum Stillstand kamen, ging ich zur mitgereisten Bahnpolizei und fragte, ob man kurz die Führerstandstür öffnen könne. Dieses Begehren wurde erst abgelehnt. Nach längerem Stillstand war die Tür dann aber doch auf, so dass ich ein Erinnerungsfoto aus dem Führerstand schiessen konnte.
SBB in Pollegio


Dann kam auch schon der Countdown: Noch 30 Sekunden, 20, 10, 5 und schon ging es los in den längsten Tunnel der Welt. Extra für die Eröffnungsfahrt waren dabei die Lichter angestellt. Dies führte vor allem dazu, dass man die Nothaltestellen sah. Jene in Faido beispielsweise. Mit Freude erinnerte ich mich dabei an das Jahr 2009, als ich an dieser Stelle die Bauarbeiten besichtigen durfte.
Multifunktionsstelle Faido


Faido


Unidentifiziert der ATG in Multifunktionsstelle Faido


In rasanter Fahrt erreichten wir Amsteg, wo der Zug auf die Ausfahrt warten musste. Auch hier war ich schon einmal, 2012 fehlte an dieser Stelle jedoch noch Fahrbahn und Fahrleitung.
Amsteg


Während der Zug noch stand, schaltete der SBB-Mitarbeiter auf seinem Laptop nun den Livestream zur Eröffnungsfeier ein. Auf seinem Laptop sahen wir nun also die Tanzdarbietung des Theater 57. Eine Aufführung, die in gewissen Ländern für viel Aufregung gesorgt hatte. Zum Schluss der Show strömten die Tänzer, Schauspieler und Ehrengäste aus der Betonhallen in Rynächt und winkten unserem Zug zu, der inzwischen aus dem Schlund des Tunnels gefahren war.
Rynächt


Nach diesem Highlight wurde der Zug direkt nach Luzern Verkehrshaus geleitet, wo es ein abschliessendes Mittagsessen gab. Schliesslich konnte man den Tag im Verkehrshaus ausklingen lassen.

Dem Eröffnungsanlass vom 1. Juni folgte am 4. und 5. Juni der Publikumsanlass zur Eröffnung des Tunnels. Leider fiel das Wochenende ins Wasser, so dass es kaum möglich war von den vielen Extrazügen gute Bilder zu machen. Ich beschränke mich deshalb auf ein Bild von der sehenswerten Aufstellung vor dem Depot Erstfeld.
Ae 6/6 der SBB in Erstfeld