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Vom Winde verweht... Teil 7

Von

6.5.2016 Orange – Ventimiglia
Endlich hatte der Wind aufgehört zu blasen. Dies bedeutete jedoch, dass das Wetter kippen würde. Wieder einmal waren die Diskussionen deshalb gross, wie die Tour denn fortzusetzen sei. Der Wetterbericht meldete vor allem im Norden Frankreichs gutes Wetter, währenddessen das Wetter im Süden spätestens ab Samstag schlecht werden sollte. Als Vorschläge wurden deshalb die Ligne 4, der Raum Strassbourg und die Côte d’Azur in den Raum geworfen. Die Vorabenddiskussion war zu weilen hitzig und intensiv, brachte aber kaum zählbares. Sie endete damit, dass die beiden andern ins Bett gingen und ich mir noch einmal den Kopf zerbrach. Bei der Recherche kam zudem raus, dass sie an der Ligne 4 wohl am Bauen waren. Mit neuen Erkenntnissen ging die Diskussion am Morgen weiter. Die Ligne 4 wurde alsbald wegen ausgedünnten Zugangebot begraben. Strassburg war einerseits nicht auf dem Weg, andererseits wurden dort die Leistungen der 67400 stark zusammengestrichen. So entschieden wir uns schliesslich den ursprünglichen Plan beizubehalten und uns weiter an der Küste vorzuarbeiten. Nach Diskussion und Autofahrt erreichten wir kurz vor elf Uhr Antheor. Hier sollte der Viadukt festgehalten werden. Wir standen noch nicht all zu lange an der Stelle, da kam auch schon der erste TGV. Ich wurde allerdings vom Zug überrascht und verpasste deshalb den richtigen Auslösezeitpunkt. Damit dies nicht mehr passiert musste ein Blick in den Fahrplan geworfen werden. Dieser zeigte etwas Unerwartetes. Tatsächlich gibt es zwischen Nizza und Bordeaux noch ICs. Eine Zuggattung, die in Frankreich beinahe ausgestorben ist. Erwartungsvoll stellte man sich also auf. Wir wurden dann auch nicht enttäusch, kam der IC doch mit einem bunten Gemisch aus Téoz-Wagen.
BB 22200 der SNCF zwischen St. Raphael und Trayas


Weiter ging die Stellensuche in Richtung St. Raphael. Hier hielten wir den TGV von Nizza nach Genf fest.
TGV POS der SNCF zwischen St. Raphael und Trayas


Wie wir feststellen mussten, war die Stellensuche gar nicht so einfach. So musste auch bei Trayas gebastelt werden, dass wir den Réseau Duplex nachschiessen konnten. Gesellschaft bekamen wir an dieser Stelle von zwei russischen Knaben, die sich einen Spass daraus machten irgendwelche Knallkörper zu zünden. Es schien als müssten die beiden das Cliche des verzogenen russischen Bonzenbengels bestätigen. Wesentlich mehr als die beiden Lausbuben entzückte uns allerdings das Bikini-Model, dass sich rund 100 Meter unter uns am Strand räckelte und von einem Fotografen abgelichtet wurde.
TGV Réseau Duplex der SNCF zwischen Théoule-sur-Mer und Trayas


Weil wir auf unserer Suche nach Cannes wenig Erbauliches fanden, entschlossen wir uns in Le Mont Turney für einen kleinen Imbiss. Anschliessend ging es zurück nach Antheor. Hier mussten wir mit Nachdruck eine Stelle suchen, hatten wir doch den nächsten IC im Nacken. Gerade noch erreichten wir die Stelle für den Querschuss auf die Brücke.
BB 22200 der SNCF zwischen St. Raphael und Trayas


Nachdem wir nach Luft gerungen hatten, versuchten wir uns noch ein bisschen besser zu positionieren. Schliesslich lichteten wir während rund einer Stunde alles ab, was der Fahrplan hergab. Dazu zählten unter anderem auch ein Réseau Duplex und ein Région 2N. Dieses Triebfahrzeug des Typs Z55500 machte auf uns einen ganz ulkigen Eindruck. Gibt es in diesen Zügen doch beispielsweise Türenwagen.
TGV Réseau Duplex der SNCF zwischen St. Raphael und Trayas


Z 23500 der SNCF zwischen St. Raphael und Trayas


BB 22200 der SNCF zwischen St. Raphael und Trayas


Z 55500 "Régio 2N" der SNCF zwischen St. Raphael und Trayas


Gesättigt von der Brücke in Antheor ging es noch einmal zum Hafen von Le Mont Turney. Auch hier wurde mitgenommen, was gerade kam. Nach wenigen Zügen hatten wir auch diese Stelle gesehen, so dass wir uns entschlossen weiter in Richtung Cannes zu fahren.
TGV Réseau Duplex der SNCF zwischen Théoule-sur-Mer und Mandelieu-la-Napoule


Z 23500 der SNCF zwischen Théoule-sur-Mer und Mandelieu-la-Napoule


BB 22200 der SNCF zwischen Théoule-sur-Mer und Mandelieu-la-Napoule


Auf der Fahrt wurden unsere Befürchtungen, dass es in dieser Region keine guten Stellen mehr gab, leider bestätigt. So bestand der Rest des Nachmittags aus dem Fahren im Verkehrschaos von Cannes und Nizza mit etwas Sightseeing. Schliesslich hatte man gerade begonnen sich auf das Filmfestival, das eine Woche später stattfand, vorzubereiten. Kurz vor Nizza hatten wir schliesslich genug vom Verkehrschaos. Wir setzten die Reise deshalb auf der Autobahn fort. Da die Alpen in dieser Region unmittelbar auf das Mittelmeer treffen, ist die Autobahn in diesem Bereich sehr aufwändig trassiert. Die Fahrt nach Ventimiglia war deshalb sehr kurzweilig. Dies obwohl wir das grosse Highlight der Côte d’Azur, den Kleinstaat Monaco, nicht sehen konnten. Der Stadtstaat ist nämlich so klein, dass die Autobahn glatt hinter ihm durchführt. In Ventimiglia angekommen folgte noch das Nachtessen. Da ich an diesem Tag Geburtstag hatte, sollte es auch ein entsprechendes Lokal sein. Wie sich schnell herausstellte, ist das Essen in Italien jedoch um Welten besser als jenes in Frankreich. Wir hatten deshalb keine Mühe uns die Bäuche voll zu schlagen. Ein interessantes Detail am Rande war einzig meine Vorspeise. Ich wollte eigentlich einen Salat und wählte deshalb von der Seite mit den Salten eine Nizzarda. Dies schien dem Namen nach eine örtliche Salatspezialität zu sein. Umso überraschter war ich danach, als mir der Kellner die italienische (oder doch die französische?) Version eines Wiener Schnitzels vorsetzte. David konnte sich derweil ein Lächeln nicht verkneifen. Nicht ohne Schalk meinte er: „Es Schnitzel zur Vorspies, chammer mache!“ Nach Schnitzel, Crevetten und einer ordentlichen Portion Tiramisu della Casa waren wir schliesslich froh, dass wir noch einige Meter ins Hotel laufen mussten. Für einmal waren die Diskussionen über den Schlachtplan nicht mehr so ausführlich wie auch schon. Wie dieser genau aussah, verraten wir euch jedoch erst im nächsten Teil.