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Vom Winde verweht.. Teil 8

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7.5.2016 Ventimiglia - Briançon

Obwohl eigentlich nur Südfrankreich geplant war, hat uns das Wetter inzwischen nach Italien getrieben. Hier bestand für heute zumindest am Morgen noch die Chance auf etwas Sonne, währenddem es weiter westlich (sprich in Frankreich) einfach nur düster sein sollte. So standen wir um 0700 auf und machten uns bald auf den Weg.
Wir hatten uns gestern noch ein bisschen orientiert was es denn in der Gegend an Fotostellen hat und so steuerten wir recht zielgerichtet nach Cervo was rund einer halben Stunde Fahrt auf der Autobahn bedeutete. Gerade als wir in Ventimiglia auf die Autostrada bogen sahen wir einen Güterzug aus dem Güterbahnhof in Richtung Genua ausfahren. Den wollten wir unbedingt erwischen und so hatten wir keine Zeit zu verlieren. In Cervo waren wir bald auf der Küstenstrasse wo sich dann das Parkplatzproblem stellte. Wir fanden aber einige hundert Meter nach der vermuteten Einstiegsstelle zur Fotostelle einen passenden Ausstellplatz wo wir unser Auto hinstellten. Den Weg runter zur Fotostelle hatten wir auch recht bald aufgefunden und so standen wir dann an der Strecke und warteten. Zumindest galt das für Pascal und mich. David entschied sich derweil einen Arzt aufzusuchen. Er hatte einige Tage zuvor eine unsanfte Begegnung mit einem dornigen Busch und die Farbe der Haut um die Stichstellen wollten auch Tage danach nicht so richtig gesund aussehen. So verliess uns David bald wieder und machte sich auf den Weg zurück nach Cervo wo wir eine Notfallstation gesehen haben.
Pascal und ich warteten derweil auf den Güterzug. Das Wetter war wechselhaft. Auch wenn der Himmel ziemlich grau war, so schien doch ab und an die Sonne durch das milchige Grau, so dass durchaus die Chance auf ein Halbsonnenfoto bestand. Der Güterzug liess sich Zeit, kam dann aber kurz nach neun doch noch durch - mit Sonne :)

E 655 529 der FS zwischen Cervo-S. Bartolomeo und Andora


Der nächste Zug auf unserem Radar kam ebenfalls von Ventimiglia her. Es handelte sich dabei um den Thello EC 139. Der kam rund eine halbe Stunde nach dem Güterzug hier durch. Erneut hatten wir einen Lichtblick und die Sonne schien recht stark durch das Grau durch.

E 444 056 der FS zwischen Cervo-S. Bartolomeo und Andora


David war bis jetzt noch nicht wieder zurück, so dass Pascal und ich nichts weiter tun konnten als vor Ort zu warten. Als nächstes stand ein Regionale erneut aus Ventimiglia an. Der kam dann zusammen mit einer dickeren Wolke:

Pilota MDVC der FS zwischen Cervo-S. Bartolomeo und Andora


Inzwischen war David wieder zurück, zusammen mit einer Tüte mit Verbandsmaterial und Antibiotikasalbe, deren Besorgung infolge geschlossener Apotheken recht zeitaufwändig war. Ansonsten war es aber zum Glück nichts schlimmes.
So konnten wir erleichtert unserer Fototätigkeit wieder aufnehmen.
Der nächste Regionale von hinten kam in etwas besserem Licht als vorhin:

Pilota X der FS zwischen Cervo-S. Bartolomeo und Andora


Letzter Zug auf unserem Programm an der Stelle war der IC 745 den wir noch abwarten wollten. Leider siffte das Wetter zunehmend ab und so war bei Durchfahrt des Zuges vor Sonne nur noch wenig zu sehen:

E 444 064 der FS zwischen Cervo-S. Bartolomeo und Andora


Wir hatten für hier genug gesehen. Die nächsten interessanten Leistungen waren erst in rund 2h zu erwarten und so widmeten wir uns dem Loch in unseren Mägen. Da wir kein Morgenessen hatten, war dieses duchaus vorhanden und wollte mit etwas gestopft werden. Wir fanden in San Bartolomeo al Mare eine Pizzeria die uns einen vernünftigen Eindruck machte. Als wir dann Pizza bestellen wollten hiess es zu unserem Leidwesen, dass es MIttags keine Pizzen gebe. Wir wurden aber im Seafood/Pasta Bereich ebenso fündig und der Büffelmozarella mit Parmaschinken zum Apéro war eine Klasse für sich. So nicht ganz beabsichtigt gab es schlussendlich ein recht luxuriöses Mittagessen.
Während es zwischenzeitlich kurz sogar mal tröpfelte kam mit dem Ende unserer Mittagspause plötzlich recht viel blau am Himmel zum Vorschein. Uns passte das natürlich ausgezeichnte und so setzen wir uns nun in Cervo an den Strand und warteten ein paar Züge ab.
Als erstes kam ein Regionale mit einer Neulack-E464 durch (Neulack ist zwar eigentlich der falsche Ausdruck, Neubefoliet wäre passender...).

E 464 der FS zwischen Cervo-S. Bartolomeo und Andora


In der Gegenrichtung kam dann kurze Zeit später ebenfalls ein Regionale durch, diesmal mit einer besser passenden XMPR E464

E 464 der FS zwischen Cervo-S. Bartolomeo und Andora


Während die beiden Regionale eher Zugabe waren, stand nun die von uns gewünschte Zugleistung an: der Thello EC 144, welcher wie schon zuvor die beiden Regionale fast in Voll-Sonnenschein durchfuhr

E 444R der FS zwischen Cervo-S. Bartolomeo und Andora


Wir wechselten nun unsere Position und stellten uns am Dorfende auf das Tunnelende Seite Andora wo sich ebenfalls noch eine bekannte Cervo-Stelle befand. Es standen noch zwei Regionale innert kurzer Zeit an, welche wir mitnehmen wollten, bevor es dann hiess sich auf den Rückweg zu machen. Das schlechte Wetter aus dem Westen war uns nun endgültig am einholen und so waren beide Regionale nur noch im Halblicht, hier derjenige in Richtung Ventimiglia

E464 509 der FS zwischen Cervo-S. Bartolomeo und Andora


Wir machten uns anschliessend langsam auf den Weg in Richtung Heimat. Morgen Nachmittag mussten wir das Auto in Genève abgeben und so hatten wir für heute noch einige Kilometer vor uns. Ziel war Briançon, welches nicht ganz zufällig ausgewählt war. Via Savona - Torino ging es hoch in die Alpen und via Col de Montgenèvre dann runter nach Briançon wo wir kurz vor 1900 eintrafen. Wir schauten als erstes mal beim Bahnhof vorbei. Dort stand bereits der Nachtzug nach Paris bereit, welchen wir dann auch ablichteten:

BB 75341 der SNCF in Briancon


Anschliessend verschoben wir uns in unser gebuchtes Hotel und checkten ein. Wir waren etwas ausserhalb in Chantemerle untergekommen, da wir in Briançon nichts fanden. Dies nicht unbedingt weil es in Briançon keine Hotels gäbe - davon hat es ziemlich viele - doch ausserhalb der Skisaison - und das war es aktuell definitiv - ist Briançon recht ausgestorben. Viele der Hotels waren schlicht dicht. Gegen 2000 machten wir uns aber nochmals auf die Socken, der Nachtzug liess uns keine Ruhe, wollten wir ihn doch trotz des eher düsteren Wetters noch bei der Ausfahrt ablichten. Diese Zugsleistung kann in den Wintermonaten nicht fotografiert werden, dazu verkehrt sie zu spät. Per Ende Jahr soll ja damit schluss sein und so war es für uns eine Gelegenheit noch ein Foto davon zu machen.
Wir stellten uns in die Bahnhofsausfahrt und schauten zu wie es minütlich dunkler wurde. Mehrmals wurde an den Belichtungswerten rumgeschraubt bis der Zug sich um 2027 endlich in Bewegung setzte:

BB 75341 der SNCF in Briancon


Damit endete dann der angesichts der unsicheren Wetterlage doch sehr efolgreiche Fototag endgültig. Während Pascal nach wie vor satt war, plagte David und mich noch ein kleines Hüngerchen, so dass wir noch beim goldenen M vorbei schauten und uns einen kleinen Snack gönnten. Anschliessend ging es zurück ins Hotel. Grossartige Planungen für morgen gab es eigentlich nicht mehr zu machen. Die anzufahrenden Fotostellen sind klar. Der Weg dorthin aber gab uns dennoch etwas Planungsarbeit. Die netten Strassenbauer haben Teile der D1091 in Richtung Grenoble für Unterhaltsarbeiten gesperrt und uns so den direkten Weg in Richtung Genève verbaut. Die Pässe rund um Briançon sind alle noch zu so dass wir eigentlich genau zwei Optionen haben: untenrum via Gap (Riesenumweg) oder durch via Italien und den Fréjus-Tunnel (sauteuer) - aber da müssen wir durch auch wenn es uns nicht passt. Zuerst gab es nun aber noch etwas Schönheitsschlaf...



8.5.2016 Briançon - Genève

Heute ist schon der letzte Tag unseres kleinen Ausfluges angebrochen. Wir standen kurz nach 7 auf. Die Wolkenlage war etwas vage. Es hatte recht viel blau, nur an den entscheidenen Stellen - dort wo die Sonne war - war leider noch ein Wolkenband zugegen. Nicht gerade das was wir uns gewünscht hatten. Nachdem wir die Vermieterin geweckt und den Schlüssel und etwas Geld abgegeben hatten ging es los nach Briançon. Dort besorgten wir uns zuerst mal Morgenessen in Form von Pain au Chocolat, dann ging es flugs an die geplante Fotostelle unterhalb Briançon. Wir wollten dem Nachtzug nochmals auflauern. Die Wolkensituation war langsam am nessern, wir hatten durchaus auch sonnige Abschnitte. Aber wie es so ist wenn man am die Sonne am Rande der Wolkengrenze hängt - es kann so und so kommen. Bei uns war es die schlechtere Variante. So fuhr der Nachtzug halt im Halbschatten durch, viel gefehlt hätte nicht...

BB 75340 der SNCF zwischen Briançon und L'Argentière-les-Ecrins


Wir fuhren nun zurück nach Briançon zum Bahnhof, wollten wir dort doch noch schauen ob was geht. Die Loks waren schon abgekuppelt und gerade am rangieren:

BB 75340 der SNCF in Briancon


Sonst war noch der lokale Hobel am herumtuckern - er verräumte danach die Wagen des Nachtzuges in die Abstellgleise.

Y 8248 der SNCF in Briancon


Nun hatten wir es aber gesehen und wir brachen auf zurück in Richtung Genf. Infolge der gesperrten D1091 ging es mal zurück in Richtung Italien, wobei wir diesmal nicht via Col de Montgenèvre fuhren, sondern vorher abbogen und über den Col de l'Echelle abkürzten, welcher uns direkt nach Bardonecchia am Eingang des Mont Fréjus Tunnel brachte. Dort durften wir mal wieder happige 44€ für die Durchfahrt abdrücken (eigentlich wollten wir ja nur durchfahren und nicht den Tunnel kaufen!). Hintendran ging es auf der Autobahn weiter runter bis nach Chambéry (natürlich wieder etwa drei Mautstellen dabei durchfahren). Ab dort ging es dann einmal wuer durch die Landschaft auf Hauptstrassen weiter. Unser Ziel war noch nicht der Flughafen in Genève, sondern voerst Cize, respektive Bolozon. Dort wollten wir den Nachmittag durch noch einige Fotos des dortigen Viaduktes machen. Wir trafen kurz nach eins dort ein, hatten dann aber Wartezeit bis halb drei bis zur nächsten TGV Leistung. Davi und ich verzogen uns ans Ufer des Ain. Leider war es zu windig, als dass sich eine Spiegelung eingestellt hätte, imposant wirkt der Viadukt aber dennoch. Das Wetter hielt recht gut.

TGV POS der SNCF zwischen Cize-Bolozon und Simandre-sur-Suran


Pascal machte den Zug von der anderen Flussseite aus:

TGV POS der SNCF zwischen Cize-Bolozon und Simandre-sur-Suran


Anschliessend kam er auch zu uns rüber gerannt. Da die Zeit zu knapp war um an den geplanten zweiten Standpunkt zu gelangen, machten wir den recht bald folgenden Gegenzug auch hier.

TGV POS der SNCF zwischen Cize-Bolozon und Simandre-sur-Suran


Für den in einer Stunde folgenden TGV verschoben wir uns nun zum bekannten Fotofelsen wo man einen prächtigen Ausblick auf die Brücke hat. Das Wetter spielte nach wie vor mit:

TGV Euroduplex (2N2) 852 der SNCF zwischen Cize-Bolozon und Simandre-sur-Suran


Anschliessend packten wir unsere Siebensachen und machten uns endgültig auf den Rückweg. Via Bellegarde-sur-Valserine ging schön unter Umfahrung von Schweizerischen Autobahnen zum französischen Teil des Flughafensvon Genève. Die Rückgabe des Autos war problemlos und bald hinter uns gebracht. Nach einem kleinen Spurt quer durch den Terminal reichte es gerade noch auf den nächsten Intercity nach Zürich via Bern. Da bis jetzt seit den Pain au Chocolat nicht mehr viel essbares in unsere Mägen gelangt ist, setzten wir uns direkt in den Speisewagen und genehmigten uns ein richtiges Abendessen. Dabei konnten wir dem die vorbeiziehende Landschaft geniessen und das endgültig zusammenbrechende Wetter anschauen. Schon kurz hinter Genève fuhren wir in ein erstes Gewitter rein - es war nicht der letzte Regenschauer den wir heute noch sahen.
In Bern verabschiedete ich mich dann von Pascal und David und nahm den nächsten Intercity nach Thun, wo ich eine halbe Stunde später dann auch zu Hause eintraf.

Die Tour war aus meiner Sicht sehr erfolgreich. Mit etwas Flexibilität bezüglich der Route konnten wir eigentlich täglich unsere Sonnenfotos schiessen. Nicht ganz einfach ist aber der Verkehr in Frankreich. Die Verspätungen sind mühsam, noch viel mühsamer finde ich in dem Land aber die Fahrpläne, die mit all den Fussnoten und Ausnahmen und Baustellenbedingten ausfällen etc.pp doch recht mühsam zum interpretieren sind. Damit muss man aber wohl einfach leben wenn man in dem Land unterwegs ist. Dafür ist dann der Verkehr recht vielfältig.
Der wetterbedingte Abstecher nach Italien war auch ganz nett und machte Lust auf mehr. Mit dem Schreiben dieser Zeilen ist diese Lust schon gestillt worden. Davon aber ein ander mal auf diesem Kanal wenn es dann heisst: "Molto Bene! Ligurische Küste reloaded..."