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Im Land von Haggis und Bagpipes - Teil 1

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Mit meiner Partnerin ging es diesen Sommer für zwei Wochen nach Schottland. Wie üblich stand dabei die Eisenbahnfotografie nicht im Vordergrund, doch mit etwas Kenntnis der Fahrpläne und Vorbereitung bei möglichen Fotostellen gab es immer mal wieder ein Foto der Bahn. Wie so üblich bei Rundreisen konnte dabei aufs Wetter nicht immer Rücksicht genommen werden, so dass man verschiedentlich an möglichen Fotostellen stand und halt ein Schlechtwetterbild in Kauf nehmen musste. Nichtsdestotrotz möchte ich euch die Bilder nicht vorenthalten. Die Bilder sind nicht streng dem Reiseverlauf geordnet, sondern nehmen auch etwas auf die Linien Rücksicht.
Teilweise habe ich auch noch Fotos einer früheren Reise (1999) nach Schottland einfliessen lassen, wobei es da noch viel weniger um Eisenbahn ging. Hierbei handelt es sich um Scans von Negativen - man möge mir angesichts des Alters gewisse qualitative Mängel verzeihen ;)

Schottland ist bezüglich der noch vorhandenen Bahnstrecken heute recht übersichtlich. Zu den beiden Grossstädten Glasgow und Edinburgh führt je eine elektrifizierte Piste aus dem Süden. Im Umfeld und zwischen diesen beiden Städten gibt es einige zusätzliche teilweise neu elektrifizierte Strecken. In den Norden rauf dagegen ist nur noch Dieselbetrieb.
Früher gab es aber einiges mehr. Insbesondere im Viereck Glasgow - Inverness - Aberdeen - Edinburgh war eine Vielzahl weitere Bahnen vorhanden, welche aber alle spätestens mit der Beeching Axe stillgelegt wurden. Überreste davon sind immer mal wieder anzutreffen, teilweise wird das Trasse auch bewusst freigehalten und es gibt Stimmen die eine Reaktivierung gewisser Strecken fordern. Erfolgreich war man diesbezüglich bereits bei Teilen der ehemaligen Waverley-Line (davon aber später mehr).
Der gesamte Schottland Verkehr steht heute unter Verantwortung von Transport Scotland, welche Planung, Netzentwicklung etc. vornimmt. Transport Scotland hat sich inzwischen entschlossen auf den Fahrzeugen ein einheitliches Farbschema einzuführen, welches unabhängig vom Franchise-Nehmer ist. Zukünftig werden daher Umlackierungen bei einem Franchise-Wechsel wegfallen. Der aktuelle Franchisenehmer wird nur noch mit einem kleinen Operated by Schriftzug gekennzeichnet.
Seit Übergabe der Strecken von British Rail an Transport Scotland war zuerst National Express, anschliessend First für die Franchise zuständig. Heute wird ScotRail von Abellio betrieben. Die Umlackierung ist noch nicht komplett, so dass heute noch Fahrzeuge im First ScotRail Farbeschema im Einsatz sind, dies wird sich aber in den nächsten Jahren ändern.
Nebst ScotRail gibt es noch einige wenige Züge von Virgin Trains East Coast nach Aberdeen / Inverness, den aktuell von Serco betriebenen Nachtzug "Caledonian Sleeper" und natürlich etwas Güterverkehr, wobei der mit wenigen Ausnahmen eher auf die Low/Midlands beschränkt ist. In den Highlands wird einzig Inverness noch mit wenigen Güterzügen bedient.

Unsere Reise begann in Edinburgh wo wir unser Hotel in der Nähe des Flughafens hatten. Um in die Stadt zu gelangen stand dankenswerterweise direkt vor dem Hotel eine Station der neu gebauten Edinburgh Tram zur Verfügung, so dass wir damit in die Stadt fuhren. Edinburgh besass einst ein ausgedehntes Tramnetz, welches aber Mitte des letzten Jahrhunderts komplett stillgelegt wurde. Der Neubau des Tramnetzes gestaltete sich schwierig und wies nebst vielen Verzögerungen auch massive Kostenüberschreitungen auf, so dass nur ein Teil des gedachten Netzes gebaut wurde. Die Fahrzeuge von CAF des Typs Urbos 3 sind aber mengenmässig für den zuerst gedachten Ausbau vorhanden, so dass man eigentlich viel zu viele Fahrzeuge hat, auch die Schienen sind scheinbar für die komplette geplante Phase 1 vorhanden. Mehr dazu aber auf Wikipedia: https://en.wikipedia.org/wiki/Edinburgh_Trams
Aktuell fährt das Tram im 10 Minuten Takt zwischen Airport und York Place. Auch wenn aktuell das Tram noch einen Verlust generiert, sind die Frequenzen doch um einiges höher als die Planungen ausgesagt haben und so sind Ideen da für den Weiterbau, respektive die Vollendung der abgebrochenen Phase 1.

Die Sonne zeigte sich erfreulicherweise als wir an der Haltestelle Gyle Centre die Tram Richtung Stadt bestiegen:

Urbos 3 254 der ET in Edinburgh (Gyle Centre)


Und auch beim aussteigen in der Princes Street gab es etwas Sonne

Urbos 3 275 der ET in Edinburgh (Princes Street)


Dies konnte man dann am letzten Tag der Reise nicht mehr sagen, als mir bei leichtem Nieselregen ei der Station Gyle Centre nochmals ein Tram vor die Linse fuhr:

Urbos 3 256 der ET in Edinburgh (Gyle Centre)



Tags darauf ging es für uns nun in Richtung Aberdeen. Erster Stop am morgen bei leider etwas zweifelhaftem Wetter war die berühmte Firth of Forth Bridge - eines der Wahrzeichen Schottlands und Ingenieurtechnische Meisterleistung.
Aufgrund eines Brückeinsturzes der fast benachbarten Firth of Tay Brücke wurde die Firth of Forth Brücke beim Bau komplett anders gebaut als ursprünglich geplant. Heute ist die Brücke UNESCO Weltkulturerbe
https://en.wikipedia.org/wiki/Forth_Bridge

Erfreulicherweise kamen auch einige Züge:

Class 170 der Scot zwischen Dalmeny und North Queensferry


Class 170 der Scot zwischen Dalmeny und North Queensferry


Class 158 der Scot zwischen Dalmeny und North Queensferry


Im 1999 sah dies etwas anders aus, herschte doch eitel Sonnenschein als ein Class 158 über die Brücke fuhr. Damals war die Brücke aber teilweise eingerüstet, leif doch ein mehrjähriges Sanierungsprogramm mit komplettem Neuanstrich der Brücke.

Class 158 der Scot zwischen Dalmeny und North Queensferry


Kurz vor Dundee gab es erneut einen kleinen Fotostopp, gibt es hier doch einen Punkt bei welchem man im Hintergrund die Firth of Tay Bridge mitnehmen kann. Diese Brücke ist verantwortlich für eines der grösseren Zugunglücke in Schottland, stürtzte sie doch kurz nach dem Bau während einem tobenden Sturm mitsamt dem darauf befindlichen Personenzug ein. Baumängel und Konstruktionsfehler waren die Ursache was dann für viele Brücken in Ganz Grossbritannien überprüfungen und Änderungen nach sich zog, so auch für die vorher besuchte Firth of Forth Bridge. Im Detail gibts hier die Infos: https://en.wikipedia.org/wiki/Tay_Rail_Bridge

Auch hier kam erfreulicherweise bald einiges an Zügen durch. Die Vielfalt an Fahrzeugtypen war aber nicht gegeben, werden zwischen Edinburgh und Dundee (und weiter nach Aberdeen) doch fast nur Class 170 Triebwagen eingesetzt. Dies aber immerhin mit zwei Zügen pro Stunde, davon einer über Dundee hinaus nach Aberdeen.

Class 170 429 der Scot zwischen Dundee und Leuchars


Class 170 431 der Scot zwischen Dundee und Leuchars


Class 170 455 der Scot zwischen Dundee und Leuchars


Class 170 429 der Scot zwischen Dundee und Leuchars


Übernachtung war dann in Stonehaven in der nähe des bekannten Dunnottar Castle. Zu reissen gab es an dem Abend sonst nichts mehr, da der Regen drückte. Tags darauf gab es zuerst einen Ausflug in Richtung Cairngorm National Park, welcher in Pitlochry auch zur Bahn führte. Die Bilder kommen aber etwas später. Abends gab es dann aufgrund des kurzfristig vorhandenen blauen Bandes mit Sonne noch eine kurze Fotosession bei Newtonhill kurz vor Aberdeen.
Hier gibt es einige sehr schöne Stellen an denen die Strecke mit Nordsee im Hintergrund umgesetzt werden kann.

Als erstes kam uns ein Class 158 entgegen, welche hier für den Vorortverkehr zwischen Inverurie und Stonehaven eingesetzt werden. Dazu kommen die Verbindungen ab Aberdeen nach Inverness, welche meines Wissens auch mit Class 158 geführt werden.

Class 158 der Scot zwischen Stonehaven und Portlethen


Anschliessend kam eine Leistung nach Edinburgh:

Class 170 der Scot zwischen Stonehaven und Portlethen


Gefolgt vom Gegenzug

Class 170 der Scot zwischen Stonehaven und Portlethen


und nochmals einem Class 158

Class 158 der Scot zwischen Stonehaven und Portlethen


Danach war ein Stellenwechsel angesagt. Leider goutierte dies das blaue Loch überhaupt nicht und bedachte mich mit dem nächsten Wolkenband, so dass die Class 158 im dunkeln durchfuhr

Class 158 der Scot zwischen Stonehaven und Portlethen


Noch trüber ging es dann beim Virgin HST von Aberdeen nach Leeds. Ärgerlich....

Class 43 "HST" der VT zwischen Stonehaven und Portlethen


Ich packte dann meine Dinge zusammen und machte mich zu Fuss auf den Weg in Richtung Fahrzeug. Ich kam bereits arg angefeuchtet dort an und kurz darauf ging ein heftiger Schauer übers Land. So schnell kann es hier oben wechseln...

Damit endet die Berichterstattung für heute. Im nächsten teil geht es dann weiter Rauf in den Norden und Nordwesten.