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Als Multimillionär durch das Jahr 1385 - Teil 7

Von

Chaharshanbeh: 25. Farvardin 1395

Unser Plan war perfekt heute, oder zumindest nahezu perfekt (etwas Eigenlob darf ja durchaus sein, die Reiseleitung braucht ja auch etwas Motivation ;)). Und wir waren richtig gut vorbereitet, für unsere Verhältnisse zumindest. Nur der Wetterbericht, tja der wieder ... der hatte sich von „sehr gut“ gestern Morgen und Nachmittag zu „eher bescheiden“ gewendet. Aber wir wissen ja was wir auf den Wetterbericht geben können, viel ist's nicht.
Und da kam der Vorteil von unserem Zimmer zum tragen, denn wir wussten ja nicht was für Wetter ist bis wir oben bei der Rezeption stehen. Deshalb ging alles wie geplant los, 6:30 Uhr aufstehen, 7:00 Uhr Zimmer verlassen, 7:15 Uhr losfahren. Etwas Verzögerung brachte nur der Rezeptionist in unseren Plan. Zu Beginn war er äusserst freundlich, doch als wir etwas aufs Ührli drückten begann er uns zu ignorieren. Ich wollte schon was sagen da kam ein Hotelangestellter von unten und übergab ihm unseren Schlüssel. Ah, hier wird geschaut ob wir nichts vergessen haben .... oder das wir nichts mitnehmen, dabei wäre der Perserteppich doch wunderschön gewesen, zum Glück konnte sich Daniel gerade noch so zurück halten. Sonst ... Fingernägel ;).
Das Frühstück liessen wir ob der bescheidenen Qualität ausfallen, auf Toast mit Karottenkonfitüre konnten wir ohne eine Träne zu verdrückten bestens verzichten.

Wir bezahlten das günstige Hotel (wirklich cool) und gingen zum Auto. Das Wetter war etwas eine Enttäuschung, weil es war halt dunkel und nur wenige blaue Flecken waren in der Wolkenschicht zu erkennen. Aber wer weiss schon was in zwei Stunden ist.
Thema Zugverkehr heute früh: Wir erwarteten den Seamaul von Teheran nach Isfahan gegen 10 Uhr im kleinen Hügelzug den wir ja vorgestern schon kennen gelernt hatten. Gegen 16 Uhr kommt er zurück, evtl. kommt ja Abends wieder dieser Zug den wir auch nach längerer Recherche einfach nicht gefunden haben in den Fahrplänen. Und vielleicht, Inshalah, kommt der sogar am Vormittag noch? Das war so unser Plan. Aber wir rechneten auch noch mit etwas Güterverkehr – alles vom Norden nach Isfahan und Shiarz muss schliesslich über diese Strecke.

Wir fuhren durch die leere Stadt, der Boden war noch feucht vom der Nacht, es muss geregnet haben vor kurzem. Die wenigen Leute die unterwegs waren sahen nicht so aus als ob sie bereit fürs Tageswerk wären. So waren auch alle Läden verrammelt und die Rollläden unten. Der erste Bäcker und der erste Krämer der auf unserem Weg aus der Stadt bereits geöffnet hatte hat dann mit uns Business gemacht. Denn die Vorräte waren erschöpft und wir brauchten wieder Waren des täglichen Bedarfs.
Dabei entdeckten wir eine Bananenmilch die vorzüglich schmeckt, müssen wir uns vormerken für die nächsten Tage (Detail am Rande ;)).
Wir fuhren über bekannte Wege aus der Stadt hinaus und es zog sich verdammt hin, aber wir kamen den Stellen immer näher und waren sehr gut in unserem konservativ gerechneten Zeitplan. Und vor uns war das Ende der Wolken zu sehen. Ein abruptes Ende, wie schon öfters die Tage, markierte die Wolkengrenze. Und die war genau in unsere Richtung. Dummerweise zog das ganze mit uns mit der Abstand wurde nur sehr gemächlich kleiner.
So war es dann so das wir am eigentlichen Ort wo wir hinwollten waren und die Wolkengrenze noch vor uns lag. Daniel entschied vermeintlich richtig, wir fahren einfach weiter. Eine Bahnparallele Strasse führt über etliche Kilometer dem Gleisstrang nach Norden entlang und, die Luftbilder bewiesen es, auch da oben ist allerlei möglich.
Wie gewünscht und erhofft, die Wolkengrenze blieb in den Hügeln hängen und bald schon durchfuhren wir die ersten Sonnenfetzen auf der Landschaft und das endlose blau war abzusehen. Die Stimmung in der Düne war merklich besser als bei der losfahrt in Isfahan vor zwei Stunden.
Was dann geschah war aber so was von unnötig, wir fuhren gerade durch die ersten Meter blau da kommt uns ein Zug entgegen, mit Siemens Lok - es war der "unbekannte". Wenn man das gewusst hätte, man hätte nur am Strassenrand stehen müssen, aber die Zeit reichte natürlich nicht mehr. Eine Minute mehr Zeit und wir hätten ihn weit vorher gesehen, so hat er uns in der Aussenkurve überrascht. Es hat nicht sollen sein ...

Tja ... also hinterher!


Aber die Streckenführung im Abschnitt hinter uns ist just spectacular! Und eine riesige Schlaufe der Bahn würde es uns ohne weiteres erlauben den Zug nochmal zu überholen. Daniel drehte und wir fuhren dem Zug hinterher. Langsam sind sie nicht und bis zur Kehre blieben wir auch immer hinter der Wagenschlange, aber in der Kehre war es dann soweit, die 3km mehr Weg die er machen muss gegenüber der Strasse killten ihn und wir konnten vorne weg fahren. Aber nicht weit, nur wenige Kilometer hinter der Kehre stellten wir uns an einen Einschnitt diesseits der Strasse. Und es sah gut aus, die Wolken vertüdelten sich gerade komplett in diesem Bereich und die Chancen auf ein Sonnenbild waren riesig.
Aber es hat zum zweiten mal nicht sollen sein heute, der Zug bog ums Eck, ein Hügel weiter vorne im Licht, bei uns in der Dunkelheit. Das war jetzt schade, äusserst schade, weil eine weitere Verfolgung würde sich nicht lohnen. Aber wir waren gar nicht so unglücklich, denn wir hatten ihn nicht am Zettel und immerhin 1/2 Bild gabs ja. Und was folgt wäre eh spannender, nämlich der Seamaul.

Zug unbekannt nach Süden. Ja, auch diese Leistung haben wir im Fahrplan nicht gesehen.


So richtig war die Sonne noch nicht auf unserer Seite heute früh.


Also fuhren wir unter stetig schwindender Restbewölkung wieder zurück nach Norden und schauten uns die nächsten Kehren an. Wir hatten das Ende des Hügelzuges fast erreicht. Vor uns lag Abyazan. Da fuhren wir kurz links, kurz rechts und stellten uns dann nach einigem Probieren in die Aussenkurve in der untersten Hufeisenkurve. Da waren wir relativ nah an der Strasse und konnten eine geplante Verfolgung wieder prima starten.
Normalerweise würden wir uns lieber einmal richtig stellen, aber das geht genau in diesem Abschnitt nicht anders als mit viel Lauferei. An sich kein Problem, aber so sicher war die Wettersituation dann doch nicht, und da dann kein Bild zu haben? Uns schien das etwas zu Riskant. Deshalb wählten wir die Verfolgung. Zudem war unser erklärtes Ziel relativ nah am Zug zu stehen um etwas von ihm zu sehen. Dazu hatten wir drei Stellen im Kopf (also 3 Chancen auf Sonne), inkl, derer wo wir waren.

Wann Der Zug genau kommt war nicht klar, deshalb stellten wir uns ohne einen Gedanken mit dem Auto nächst der Bahn in die Pampa und warteten. In dieser Gegend ist kaum etwas, zwei ganz kleine Ortschaften folgen weiter hinten, ein Kieswerk evtl. auch noch, aber da wird keiner vorbei fahren der sich für unser tun interessiert, zudem ein weisser Dacia Logan in der Pampa so aussergewöhnlich nun wirklich nicht ist.
Ich nenne es jetzt Nachlässigkeit, denn das wir uns da auf dem Präsentierteller servierten war nicht nötig, wir hätten gut etwas versteckt im Wadi parken können anstatt direkt nächst dem Gleis. Denn so wurde die Ordnungsmacht auf uns aufmerksam und wir wurden, wie sagt man es so schön, verräumt. Der Herr im Pick-Up stellte sich direkt hinter uns und lief vor. Wir rechneten damit jetzt ein nononono mit erhobenem Zeigefinger zu bekommen und weiter zu fahren, bzw. zurück zu fahren und uns halt im hinteren Abschnitt zu stellen. Aber so leicht wars dann doch nicht.
Der Irani war zwar äusserst freundlich und die Konversation mit Händen und Füssen war unterhaltsam für beide Seiten, aber weiter kamen wir nicht. Also begannen wir unser tun anhand von Bildern zu zeigen (äh, nicht Eisenbahnbildern), wir zeigten noch Bilder von daheim und der Familie damit er vertrauen fasst und uns gehen lässt. Ihm selber war unser tun zwar irgendwie egal, aber er hat wohl mit einem Anruf schlafende Hunde geweckt. Er selber war auch nicht von der Polizei sondern von der Justizbehörde ... oder dem Eichamt, oder dem Umweltamt, oder Angestellter vom nahe gelegenen Nationalpark? Wir kriegten es nicht raus und weder Logo noch Farsi Umschreibung halfen es zu verstehen. Auch unser kleiner Langenscheidt half da nicht weiter ... :-)
Und wie wir da so standen und er telefonierte rollte natürlich der Zug vorbei. Leider tauchte er urplötzlich auf und wir waren viel zu spät dran. Hätten wir ihn früher bemerkt hätten wir gefragt und vielleicht auch ein Bild machen können, aber so, ach, eine Krux. Wie hat es David so schön formuliert: Irgendwann musste das passieren.

Er telefonierte, kriegte aber niemanden ran der Englisch kann. Er erklärte uns wir sollen hier bleiben, die Polizei kommt und kontrolliert unsere Pässe und Visas, und dann sei alles gut. Warum er dann aber nach etwa einer Stunde einfach fuhr verstanden wir nicht ....
Ok, die Verfolgung des Zuges war eh schon seit mindesten 20min hinfällig als er uns alleine stehen liess, und so schlecht standen wir nicht. Als er weg war machten wir uns alle daran die Eisenbahnbilder von den Karten zu entfernen und an unseren „entfernten Orten“ zu sichern, damit wir der Polizei Flora und Fauna präsentieren können .... denn der Ausblick von der Stelle auf die Berge des Nationalparks waren fantastisch!

Immerhin standen wir in einer wunderbaren Landschaft.


Ja, und auch die Kurve der Bahn wäre nicht schlecht gewesen ... hätte hätte Fahrrad...


Daniel begab sich derweil dem Fotografieren der Flora hin.


Will man es ihm verdenken? Mitnichten, etwas muss man ja tun ... :-)


Es kam nichts, es kam nichts und es kam nichts. Es kam weder ein Zug noch kam die Polizei, und auch die Sone machte sich rar, eigentlich machte es komplett zu. Sagen wirs mal so, wenn 4h später die Polizei es nicht für nötig hält uns zu Kontrollieren dann wird es soooo wichtig auch nicht sein. Vermutlich kommt heute Abend kurz vorm zu Bett gehen dem Polizisten den Sinn: Oooh, da war doch noch was. Wir fuhren daher als wir uns um 15 Uhr entschieden zu gehen ohne Angst davon. Wer nicht will der hat schon ... und wir haben die Speicherchips völlig Sinnlos umkopiert und bereinigt ;).

Wir fuhren direkt bis zum gebuchten Hotel in Khansar. Denn, jetzt haltet euch fest, wir haben ein Hotel reserviert, oder zumindest haben wir es probiert. Booking.com geht ja nicht, aber ein schlauer Mensch kam auf die Idee eine Seite zu machen die Booking.ir heisst. Aaaha, eigentlich ganz schön praktisch, auch wenn nicht ganz so raffiniert wie die Seite von Booking.com.
Wir reservierten da also gestern Abend ein Hotel und hofften einfach mal es klappt. Sollte es nicht klappen dann könnten wir immer noch weiter fahren, bis ins Tal, bis wohin auch immer. Denn da wo wir hinfahren gibt es genau dieses eine Hotel zu einem annehmbaren Standard, denken wir mal.

Der Weg weg von unserem „bleibt hier Platz“ führte direkt zur Autobahn. Das erste mal nutzen wir eine Bezahlautobahn. Wie funktioniert das hier ... weil Bezahlhäuserl hatte es nicht. Wir fuhren von hinten auf eine Raststätte, tanken da noch voll und fuhren dann auf die Autobahn. Ist das System Italien mit fixen Beträgen, oder hätten wir ein Ticket gebraucht? Oder ist es ein Elektronisches System? Das sind echt fragen die man sich stellt wenn man in einem Land unterwegs ist in dem man nix versteht, weil angeschrieben könnte es ja schon sein ;).
Das Problem löste sich durch ein Bezahlhäuserl irgendwann auf der Autobahn die einen fixbetrag einforderten. Womit geklärt wäre .. guuutgutgut.
Wir fuhren eben direkt nach Khansar, die Fahrt war relativ ereignislos und ich machte es mir im Fonds unserer Wanderdüne gemütlich, so gemütlich man es sich in einem fucking Dacia Logan machen kann der hinten keine Kopfstützen hat. Tschuldigung, Renault Dingsda.

Wir fuhren in die Berge hinein und ich wurde unweigerlich an Bakuriani erinnert, mit ein bisschen Mestia und Chiatura gemischt (äh, Georgien falls euch das nichts sagt). Das Dorf ist nicht verfallen oder wahnsinnig herunter gekommen, einfach nur unheimlich trist. Da hilft auch die Baumreihe an der Strasse nichts, auch wenn es bestimmt gut gemeint ist. Kaum eine Fassade ist verputzt, jeder zweite Laden steht leer oder ist nur spärlich mit ein paar Stühlen gefüllt. Es sieht so überhaupt nicht nach dem Iran aus, nicht nach dem Iran den wir kennen gelernt haben.
Und wir malten uns schon wieder mal aus wie das Hotel wohl aussieht, und wir wollten es gar nicht so genau wissen. Aber der Bunker passt irgendwie in die groteske Szenerie. Erik, du hättest dich hier pudelwohl gefühlt. Das Dorf wurde von der Regierung in Teheran wohl einfach vergessen, so abgelegen wie es ist gut möglich. Wir erwarteten schon auf eine Mc Donalds Filiale zu treffen die seit 1979 unbemerkt von Teheran hier im Tal geschäftet ;).

Wir fahren ein in das Städtchen Khansar.


Was der Ort genau ist, warum er so gross ist und was dieses riesige Hotel hier zu suchen hat werden wir wohl nie erfahren, aber es war ein ganz anderes Erlebnis als bisher.
Das Hotel hatte unsere Reservation natürlich nicht, aber bei der Grösse des Hauses war es kein Problem uns spontan ein Zimmer für drei zu geben. Daran irritiert uns eine Tatsache. Zwei Betten, ein Einzelbett und ein Doppelbett, mit nur einer Decke. In einem Land in dem auf Homosexualität die Todesstrafe steht gibt man drei Männern ein Zimmer mit so einem Bett ... oder steckt der Mann vom Eichamt dahinter der uns so richtig in die Scheisse reiten will? Dani, Fingernägel festhalten!

Hachja, das Zagros Hotel ist doch ganz Nett von aussen. Benannt nach dem Gebirge – dem Zagros Gebirge.


Übrigens, um die Reservation abzuschliessen hätten wir das Hotel noch bezahlen müssen, dass sagte eine Bestätigung die heute Vormittag per E-Mail gekommen ist. Zahlungsmöglichkeit: Paypal, denn alle anderen uns bekannten und liebgewordenen Zahlungsmittel für den Online Einkauf funktionieren im Iran ja nicht.
Wir schmissen das Gepäck aufs schöne und geräumige Zimmer und drehten noch eine Runde durchs Döfli. Dabei entdeckten wir Dinge die wir vom Basar her kannten und neues, z.B. Unmengen an Dörrfrüchten, die man sonst kaum sah im Iran bisher. Die gab es in allen Farben und Formen.
Nach dem Besuch bei einem Bäcker, einem Honigladen (ist hier DAS Business anscheinend) und einem kleinen Supermarkt waren wir fertig für heute, ab zurück ins Hotel, wo die Party schon in vollem Gange war.

Khansar, wir schauten uns mal um.


Der Frühling hält langsam Einzug in den Bergen.


Aber nur zaghaft ....


Die Seitenstrasse entlang der Hauptstrasse.


Es gibt Software aus der Zukunft zu kaufen ... Programme mit Namen 2003! Nicht vergessen, wir sind im Jahr 1385


Das Stätdchen hat durchaus Charme


Khansar.


Krämer an jeder Ecke.


Spezialität der Gegend: Dörrfrüchte


und Nüsse


und Gewürze. Man bekommt alles was das Herz begehrt.


Blick aus dem Hotel. Man sieht schon die dunklen Wolken die herein ziehen.


Wir gingen nochmal rauf aufs Zimmer und versuchten uns etwas zu entspannen (ich sicherte meine Chips wieder extern) und dann gings zum Abendessen. Die Bedienung sprach nur Farsi, wir noch immer nicht. Dank der jungen Dame von der Rezeption wurde die Karte auch übersetzt. Wir blieben aber beim ersten Menü das wir ihm versuchten durch Gesten zu erklären, Chicken Kebap mit Rice, Joghrth und einem Süpli – von dem ich leider schon wieder vergessen habe wie es heisst.
War richtig lecker!
Am Nebentisch nahm eine Iranische Kleinfamilie Platz, Vater, Mutter und Tochter. Die Tochter vielleicht gerade 13 oder 14 Jahre alt und schon voll verschleiert. Wie wir vorhin gelesen habe wäre dass dann das Offizielle Alter für die Heirat ... wir überlegten schon mal wieviele Kamele wir für Gubi wohl lösen könnten, immerhin ist er Software Enegeneer und der Hoteldame in Shiraz ist ja schier die Kinnlade runter gefallen und sie hat ihn sehr offensiv angelächelt als er ihr das verraten hat. Er hätte also sicher einen gewissen Wert. Eine Karawane sollte schon drin liegen, aber beladen und inkl. Oase. Oder war es anders herum? Egal! :).
Nach dem Essen besorgten wir uns neue Internetcodes (die Iraner mit ihren blöden verschlüsselten WLans) und gingen nach der Planung für Morgen ins Bett. Und dieser blöde Wetterbericht überlegt sichs schon wieder ....
Draussen gewitterte es gewaltig und es regnet Bindfäden, schon über Stunden. Die Hochzeitsgesellschaft hat sich aufgelöst und sprintete beobachtet von uns durch die Pfützen und den Regen zu den Autos.

[hr]

Panjshanbeh: 26. Farvardin 1395

Es ist schon wieder Sonntag, wie schnell das schon wieder geht. Aber ich glaube die Zeit im Jahr 1395 vergeht genau so schnell wie im Jahr 2016? Heute ist übrigens der 27 des ersten Monats im Iranischen Kalender, das Jahr eben 1395.
Das Bett und die Nacht waren herrlich, das Fenster war etwas auf und die frische kühle Luft war ganz anders als „unten“ in der Wüste. Das Hotel gefiel uns wirklich gut, wir hätten es mitgenommen hätten wir es gekonnt, bis auf das Internet. Das ist wie bisher überall im Iran eine Leidensgeschichte, einfach funktionierendes W-Lan ohne blöde Beschränkungen haben wir kaum je gesehen.
David stand als erster auf, schaute aus dem Fenster und sagte erquickt: Schnee. Jaja David, und von was träumst du des nachts? Aber es war wirklich so, der starke Regen von gestern Abend hat sich über Nacht in Schnee verwandelt und hat die ganze Landschaft unter einige Zentimeter weiss gelegt. Die Front die angekündigt war zog also heute Nacht über uns drüber, denn heute früh war es wunderbar klar und frisch, eine Luft die wir bisher in der sonst eher Smog und Staub geplagten Umgebung des Iran noch nie gerochen haben. Es war erfrischend ... und man musste sich kneifen um sich daran zu erinnern das man wirklich im Iran ist. Herrlich!

Äh wie jetzt? Schnee!


Das Frühstück wurde um 7 Uhr gereicht und pünktlich standen wir unten am Buffet, das gerade im Begriff war aufgebaut zu werden, so dachten wir zumindest. Denn nach 5min kam immer noch nicht mehr und die Gesten des Personals deuteten darauf hin, greift zu Jungs, nehmt reichlich.
Wir bedienten uns also an den Zutaten die zur Verfügung standen und bereiteten uns ein Mahl so gut es ging. Dies mochte positiven Eindruck über das Hotel aber nicht negativ beeinflussen. Ebenso mochte der Preis den wir nach dem Zusammenräumen auf der Rechnung hatten unsere Begeisterung nicht bremsen, vor allem das Essen war mit 450'000 Rial unanständig günstig, dabei hatten wir ja zugelangt. Muss man nicht verstehen warum es 1/3 dessen war wie sonst üblich ... und wir verstehen es auch nicht.
Unser Plan für heute sah folgendes vor: Wir fahren nach Dorud und übernachten in Korhomabad. Da hatten wir uns sogar an der Rezeption noch ein Hotel per Telefon reservieren lassen ;).
Dazwischen folgen wir einer schier endlosen Schlucht mit einer Bahn drin. Dieser Abschnitt ist eins der Hauptziele des Urlaubs und wir hatten uns Zeit gelassen um dahin zu kommen. Der Grund war das Wetter. Denn die Prognosen in den Bergen war nie so richtig gut bisher. Ab morgen und für die folgenden drei Tage ist die Prognose aber super, und wenn es soweit ist wollen wir bereit stehen. Heute können wir ja nutzen um etwas Streckenkunde zu betreiben, ein Teil hatten wir gestern Abend über die 2D Luftbilder von Google bereits erledigt und vor Ort kommt dann noch die dritte Ebene dazu, die ja nicht ganz unetnscheidend ist.
Soweit der Plan, es dürfte also klappen. Daniel hatte gestern noch aus Spass gemeint der starke Regen, aussergewöhnlich für die Gegend, hat sicher die Strecke weg gespült und die ist jetzt gesperrt. Haha, Witz komm raus, du bist umzingelt. Das die Regenfälle, oder hier in den Bergen, Schneefälle, aber nicht so gewöhnlich sind merkte man ganz einfach daran: Nichts ist ausgelegt dafür. Als Strassenräumdienst diente ein Raupenfahrzeug von der Baustelle, da wo der Schnee schon als Wasser ablief war alles heillos überflutet, Drainagen gibts nicht. Daniel hat mit seiner Aussage gestern hoffentlich keine schlafenden Hunde geweckt.
Wir befreiten die Wanderdüne vom Schnee (das arme Auto!) und schlitterten los. Immerhin, wir hätten Schneeketten im Falle der Fälle. Denn unsere Finken sind nicht nur für die Wüste ungeeignet sondern auch für Schneebedeckte oder rutschige Strassen, abgefahrene Sommerreifen wäre der wohl treffende Begriff wobei das nett umschrieben ist.
Wir fuhren nicht zurück nach Doguramanath sondern nach Süden nach Baran um da auf die Hauptstrasse von Isfahan nach Azna zu kommen, weiter dann nach Dorud.

Immerhin weiss man wo man ist ... nicht das man es bei dem Ausblick noch vergisst.


Blick zurück auf Khansar.


Phantastisch!


Anstatt weniger Schnee wurde es mit der Fahrerei aber immer mehr, und dazu kam Nebel, und dann wieder praller Sonnenschein mit Blick in die weit entfernten Gipfel. Auch wenn ich mich wiederhole, diese Bilder entsprechen so gar nicht dem Bild welches ich vom Iran im Kopf hatte.

Die Fahrt führte uns weiter in das Gebirge hinein.


Der Nebel hüllte die Landschaft teilweise wieder ein.


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Der Frühling hatte die Landschaft bereits im Griff, da hat die Natur wohl auch nicht mit so einem späten Wintereinbruch gerechnet.


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Blühende Kirschbäume im Schnee ...


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Iran ... von neuen Seiten.


Azna durchquerten wir und kurz dahinter trafen wir auf die Bahn, es ist müssig zu sagen das sich das Wetter bis dahin wieder verschlechtert hatte und in den Bergen eine dicke Suppe hing, ok, es war so angekündigt und deshalb hielt sich die Enttäuschung in Grenzen. Zudem sah es nach Norden, also Richtung Arak, ganz OK aus. Also lasst uns dieser Strecke folgen, eine klare Mehrheit war zwar nicht für diese Entscheidung zu gewinnen, aber wie sagen wir es in diesem Urlaub immer so schön: „chame mache“.
Da „unten“ in dieser Gegend war der Schnee in Form von Regen gefallen, seit dem Hotel haben wir wieder über 1500 Höhenmeter verloren. Und was passiert wenn viel Regen auf Wüste trifft? Es wird matschig und weich, und zwar so richtig. Alles unbefestigte sollte also für heute Tabu sein. Und obwohl wir uns das fest vornahmen warfen wir diesen Vorsatz bei der ersten sich bietenden Gelegenheit natürlich wieder über den Haufen, denn der Bahn folgt es sich so schlecht über befestigte Strassen ;).
Eine vollgelaufene Unterführung meisterten wir noch, dahinter kam dann aber das grosse Matschfeld. Und wer jetzt denk: aha, und dann fuhren sie rein und versenken die Karre - der Irrt. So doof sind wir nicht, denn ein Auto aus dem Sand ausbuddeln ist das eine, aus Matsch das andere. Also rückwärts aus der Unterführung gedrückt und noch ein bisschen probiert. Es war alles sehr uninspiriert, was auch zwei andere Gründe hatte: Es war irgendwie plötzlich Wolkig am Himmel und Zug sahen wir über 90min gar keinen, ausser ein Stopfexpress im Einsatz. Iiiiirgendwie alles blöd hier!

So war es dann unten. Nicht mehr so freundlich und auch gar nicht mehr weiss.


Vorsicht vor diesen Wegen ... wir taten unser bestes die Karre nicht ein zweites mal zu versenken ;)


Also rein ins Tal südlich von Dourud, fertig mit der Fläche oben, wird nix und kostet nur Nerven. Es war gerade Mittag vorbei als wir im Regen in Dorud eintrafen und aus einer Idee heraus mal am Bahnhof vorfuhren. Die Idee kam daher das wir Fahrpläne haben die sich widersprechen, und überhaupt die Online verfügbaren Fahrplanmedien nicht so ganz vollständig scheinen. Wir wollten vor Ort den Fahrplan bekommen, wie auch immer das gehen sollte ;).

Wir traten auf den Bahnsteig und sahen: Ein GM Doppel mit einem E-Wagen Zug. Die Motoren waren unüberhörbar am laufen und er stand in Richtung der Schlucht. Ein Zug stand ebenso in die Gegenrichtung bereit. Eine Draisine mit Beiwagen fuhr gerade rückwärts am Hausbahnsteig ein und eine Horde Leute rannte ihr vom Bahnsteigende hinterher. Wasndas? Auf Gleis 2 stand ein einzelner Rotling ex DB in etwas malträtiertem Zustand.
Wir liefen gemächlich zum Eingang und stellten reges treiben fest, Bahnmitarbeiter und Polizei hühnerten umher.
Fahrpläne in Englischer Sprache fanden wir nicht, aber einer in Arabisch, und zwar neben dem Info Büro. Wir wollten ihn gerade Fotografieren da tritt einer auf uns zu und spricht uns an. Englisch, Suisse! Ahhh, freudiges gegrinse. Er versuchte uns dann in den folgenden 2min zu erklären: no train! Was man mit Händen und Füssen alles sagen kann ... auf jeden Fall war die Nachricht beim ersten Versuch seinerseits klar: Strecke dicht, no train. Wie lange? Heute no train, morgen no train, übermorgen mhmhm und er verzog das Gesicht und wippte mit der Hand hin und her.

No train?! Nicht nötig, aber sowas von überhaupt nicht nötig!

Die beiden GM's die da mit den E-Wagen standen sprachen aber irgendwie eine andere Sprache oder? Guuut, in Dorud gibts ein ein Aluwerk (?), der Zug könnte natürlich auch für das Werk bestimmt sein ...
Das Bild das sich dann auf dem Bahnsteig bot war für die Götter. Alle Leute versuchten sich in die Draisine mit Beiwagen zu quetschen. Es wurde wild gestikuliert, Eisenbahner und Polizei hatten alle Hände voll zu tun. Wir blieben unbemerkt und schauten zu. Die Draisine fuhr dann überfüllt ab in Richtung Schlucht. SEV ist da hinten nicht möglich (das Wort existiert im Iran vermutlich auch nicht), und ein paar Leute müssen dann da doch hinten rein.
Beim zurück laufen in Richtung Auto schauten wir uns den Rotling genauer an. Man war gerade dabei sein inneres von Dreck und Schlamm zu befreien, und zwar nicht mit Wischmopp und Besen sondern mit Schaufeln. Das könnte dann ... mhm.
Wie wir da so standen und uns das rote Elend beäugten wurden wir von einem jungen Polizisten angesprochen. Kommunikativ sind sie ja diese Iraner, dass muss man ihnen lassen.
Suisse! Ahhh. Nett, Passport! Von wo, wohin? Und alle Fragen muss man verstehen, denn es wird nur auf Farsi auf einen eingeredet, und wenn man es nicht versteht wiederholt man die Frage doppelt so schnell und mit etwas energischerer Stimme. Bringt nix, aber wir haben langsam Übung, wobei wir uns eher die Reihenfolge der Fragen gemerkt haben als die Laute wie sie klingen ;).
Isfahan - Khoramabad. Ahh, und irgend etwas gefiel ihm am Khoramabad nicht. Oder er wollte uns etwas zeigen, es war überhaupt nicht klar. Auf jeden Fall begleitete er uns zum Auto und wir packten die Karte aus. Da es immer noch regnete führte er uns in die Bahnerbude am Eingang. Da drin war ein Weicheinwärter in der Wärme und begrüsste die Gäste aus Suisse herzlich. Chai! Seat down! Alles herzallerliebst, aber was will der Polizist von uns? ;) Wir erklärten auf der Karte wohin, woher. Er wollte dann irgend etwas sehen, Autopapiere? Reichte ihm nicht, oder er interessierte sich nicht dafür. Er telefonierte herum bis er jemanden dran hatte der gaaaanz schlecht Englisch konnte. Daniel verstand nix, David auch nicht und ich meinte dann so etwas wie Driver License zu hören. Aha, also gaben wir diese her und ernteten ermunternde Blicke vom Polizisten. Stolz zeigte er seinen eigenen Führerschein nach der Kontrolle und verglich die beiden, sehen ähnlich aus.
Der Tee war leer und irgendwie alle Infos gewechselt, was man uns wegen Kurdistan ständig sagen wollten war nicht ganz so klar ... Daniel meinte so etwas gehört zu haben am Telefon ;).
Auf jeden Fall kam dann noch ein zweiter Herr in Zivil dazu, klassischer Geheimdiensttyp ... und er wollte die Karte nochmal sehen. Und bei der ganzen Zeit probierten wir immer aus der Polizei raus zu kriegen wo was passiert ist auf der Eisenbahnstrecke, aber die Sprache ....
Uns wurde ganz knapp der Weg nach Khoramabad gezeigt und dann entlassen. Wie immer herzlich. Eben, freundlich sind sie die Iraner.

Wir fuhren raus aber wählten nicht den Weg nach Khoramabad sondern den nach Azna, da wo wir doch herkamen. An der Ortsausfahrt stellten wir am Strassenrand das Auto hin und begannen eine Beratungsrunde. Was tun? Tal, Strecke – cuiso. Alternativen? Alles blöd!
Der Blick auf die Karte sagte dann, auf nach Nordosten. Eigentlich hatten wir den Punkt Sari und Mashad Bahn bereits storniert, aber wir gruben die Pläne wieder aus. Aber um 100% alles klar zu machen müssten wir Internet haben für die Wettervorhersage. Wir wählten aus strategischen Punkten spontan das „Städtchen“ Qom als Ziel heute. Es wären einerseits „nur“ 250km Strecke, also ist man sogar noch da wenn es Hell ist. Andererseits Eisenbahn gäbe es auch zu sehen auf dem Weg und um Quom. Und Quom ist Verkehrsgünstig gelegen, man ist an der Autobahn nach Süden, an der nach Teheran und Richtung Mashad-Strecke. Der Reiseführer wollte zwar nicht viele Hotels kennen, aber es gibt bestimmt genug soviel ist sicher, den Qom ist eine Pilgerstadt für Muslime die man sich ansehen müsse. Wer jetzt wissen will warum --> Wikipedia ;). Dieser Umstand machte die Stadt aber für uns auch interessant, dann hätten wir heute immerhin noch etwas richtiges gemacht als nur blöd im Auto zu sitzen.
Wir fuhren also raus aus den Bergen nach Qom. Der Weg führt über Arak wo wir vor dem Schwerwasserreaktor defilierten und den Polizisten unseren blanken Hintern zeigen – FINGERNÄGEL (hihi, ok das war gefunklert ;)).
Ansonsten fiel vor allem auf das der Verkehr auf der Autobahn extrem dicht war, also bei uns wäre "ein bisschen etwas los", aber für Iranische Verhältnisse war sie praktisch überfüllt. Das hatten wir im Süden ganz anders erlebt, wo wenn überhaupt, nur LKWs unterwegs waren auf den Fernstrassen, hier waren es mehrheitlich PKW's. Trotzdem hielten wir einen flotten Schnitt und trotz einmaliger Pinkelpause und einem verfahrer der uns zu drei U-Turns zwang waren wir nur kurz nach 17 Uhr vor Quom. Da wir so gut durch kamen wollten wir gleich noch Nördlich von Quom an die Bahnstrecke, da muss ja etwas los sein, alles nach Süden ist noch gebündelt in dem Bereich.
Nur das mit dem Wetter, ich muss schon wieder meckern. Die Chance auf Sonne war gleich 0, dafür zogen viel zu viele Gewitter aus den Bergen in die Wüste, wo es nie und nie regnet, neinnein nie. Aber wenn wir schonmal da sind wollten wir uns die Stellen auch anschauen.
Nur wie kommt man da von der Autobahn runter? Bezahlautobahn ... ohne Ausfahrten. Ahm ... also machen wir es wie die Einheimischen die klugerweise Fahrzwege zur Autobahn gefahren haben, zwar dreckige und holprige, aber man kommt runter und auch wieder rauf.

Und so kommt man von der Autobahn und auch wieder drauf ... geht doch!


Die Strecke von Teheran nach Qom und eigentlich überall nach Süden vom Land führt einmal durch die Wüste bis Qom, davon konnten wir bei der Zugfahrt selber überzeugen, die Karte sprach die selbe Sprache. Mit einer Ausnahme, etwa 30m nördlich von Qom gibt es ein ganz kleinen Hügelzug der durchquert wird und so kann man nächst der Bahn etwas an Höhe gewinnen. Da standen wir dann und blickten auf ein Gewitter das vor uns durch die Ebene zog. Blitze zuckten durch die Wolken. Gaaaanz ganz toll, wie wärs dabei noch mit etwas Hagel? Das Wetter hielt heute alles für uns bereit ...
Wir waren gerade am anfahren der Stelle da rollte ein Iran Runner mit einem Zug vorbei nach Süden. Es war gerade hell und man konnte stehen. Zum Glück war keine Sonne, denn dann wären wir falsch gestanden und wir wären nur 2min zu spät gewesen zum wechseln ;). Wenn man schon Pech hat dann wenigstens nicht ganz, verstanden? ;)

Immerhin doch noch ein Zug heute. Nebst dem Stopfexpress das erste das wir sehen. Ein Eurorunner mit einem Zug nach Süden kurz vor Quom.


In den 30min in denen wir an der Stelle ausharrten kam immerhin ein Paradis und ein Modern von hinten, sonst sahen wir nichts. Ausser eben dem Gewitter und die herein brechende Dämmerung. Also machten wir uns wieder auf, dann müssen wir nicht bei kompletter Dunkelheit in Qom ein Hotel suchen.
Es war aber viel einfacher als gedacht, denn gleich nach der Autobahn am Stadtrand - nach dem ersten Kreisel sahen wir ein Hotel am Rand das sich selber mit 3 Sternen bewertete. Nuuun, in die Stadt kann man mit dem Taxi, dann ist man morgen früh auch ohne weiteres draussen. Also an der nächsten U-Turn Spur drehen und anschauen. Man konnte sogar etwas Englisch an der Rezeption. Zimmer für drei, geht sich, anschauen. Der Wachmann kam mit und hatte seine Freude an uns. Suisse, ooooh!
Das Zimmer war ganz OK, der Blick ins erste Bad war gut, Western Toilett, uns zweite Bad dann weniger. Aber he, eine schlaue Idee, einmal Western Toilett und einmal ein Stehklo, so werden alle Bedürfnisse befriedigt. Das Zimmer sonst ist wirklich ok, einfach nicht zu genau hinschauen, beim Renovieren gingen einige Ecken vergessen ... :-).

Und dann wurde es gemütlich, wir schauten aus dem Fenster dem Sonnenuntergang über Qom zu.

Sonnenuntergang über Quom vom Hotelzimmer aus.


Dann schauten wir beim Bäcker gegenüber vorbei, der die Spezialität aus Qom herstellt. Wir deckten uns für daheim ein. Dann nervten wir die Dame an der Rezeption mit zwei Wünschen. Erstens funktioniert das Internet nicht, was aber gelöst wurde indem sie uns das Passwort fürs Office W-Lan gab das man immerhin in der Lobby nutzen konnte. Beim zweiten Wunsch bissen wir aber auf Granit. Wir baten das Sie doch das Hotel in Khoramabad zu stornieren, dann können wir guten Gewissens da wieder mal auftauchen ;).
Irgendwie verstand sie was wir wollten, aber tat es dann nicht. Oder auch ... ach egal. Wir sind dann mit einem extrem freundlichen Taxifahrer ins Städle gefahren und haben uns die Sehenswürdigkeiten angeschaut. Eine riesige Moschee - und da sage jemand die Christen würden Prunkbauten hinstellen. Wir kamen relativ einfach rein, trotz Sicherheitskontrolle hatte man an uns nichts zu beanstanden.

Die Fatima-al-Masuma Moschee ist eine Pilgerstätte für die gläubigen Iraner.


Schön ist's scho ...


Danach schlenderten wir durch den Markt in Richtung Bahnhof und verköstigten uns gleich noch an einer Strassenbude. Da gabs Spiesse im Brot mit Tomate und undefinierbarem Gewürz. Das ganze wird gegessen mit einer Gabel, ohne nichts. Und wie soll man jetzt die linke Hand nicht ans Essen griffeln so ohne Messer? Wir wissen es nicht ... es wird uns immer ein Rätsel bleiben.

Abendessen in einer Seitenstrasse.


Nach dem Essen latschten wir noch zum Bahnhof, durch die Hinterquartiere von Qom, dass sich dann plötzlich nicht mehr so Prunkvoll zeigte. Am Bahnhof gibts zwei Überführungen die wir beehrten. Dabei beobachteten wir eine Rangierfahrt von zwei GM's. Eine davon war ziemlich fies verdreckt ... sollte das etwa?
Dann schauten wir uns den Bahnhof selber an und gelangten durch ein weit geöffnetes Tor auf den Bahnsteig. Und dann am Bahnhofsgebäude die Überraschung, wir sind auf der falschen Seite vom ganzen Zauber. Das verstand vor allem das Personal welches die Ausgänge vom Gebäude bewachte nicht. Wo kommen die blöden Touristen her?? Wir wurden speditiv durch die geschlossene Türe der Bahnsteigsperre hinein gebeten. Und natürlich gleich wieder angesprochen, wir zogen uns aber flott aus der Affäre, wir hatten für einmal keine Lust auf Diskussionen.

Als wir um die Bahnhof rum liefen wurde der Nachtzug nach Mashad bereit gestellt.


Mit dem Taxi gings dann wieder zurück zum Hotel, diesmal wars deutlich günstiger. Vielleicht weil wir uns absichtlich das ranzigste Sapia Taxi suchten das wir fanden ... eine Schüssel, aber 480'000km und noch immer Fahrtauglich, wobei sich der TÜV Prüfer wohl im Leben nicht in so ein Auto setzen würde. Aber auch das wollten wir mal erlebt haben! ;)

Im Hotel machten wir noch die Lobby unsicher (Internet) und beobachteten die Hochzeit die wieder mal im Hotel stattfand, wir ziehen es irgendwie an. Gute Nacht!