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Als Multimillionär durch das Jahr 1385 - Teil 8

Von

Panjshanbeh: 26. Farvardin 1395

Und was tun wir heute? Wir bleiben in der Gegend, zumindest zum Anfangen. Es ist ein Tag der Eisenbahn und deshalb halten sich die Zeilen in Grenzen, viel gibt es nämlich nicht zu berichten, dafür gibt es umso mehr zu sehen.
Das Fenster im Zimmer blieb offen und in der Nacht wurde es richtig kalt, der Regen mochte das Land abkühlen, dazu zog ein kalter Wind aus den Bergen durch die Stadt. Dieser vertrieb dafür praktisch alle Wolken zum Sonnenaufgang, und die wenigen die die Nacht überstanden wurden in den ersten 2h von der Sonne verbrutzelt.
Wir standen gegen 7 Uhr auf und fuhren um gegen 7:30 Uhr los, eigentlich etwas zu spät, wir wollten früher. Aber so ist es halt wenn man wieder mal spät ins Bett kommt ;). Aber wir hatten gestern Abend noch probiert die Fahrpläne für heute raus zu schreiben, aber mit dem Wissen kaum alle Züge „erwischt“ zu haben auf der Zusammenstellung.
Wir nächtigten ja gut gelegen am Ortsrand und darum schnell an der Ausfallachse. Wir tankten noch am Stadtrand und ich kaufte derweil bei den Krämern am Strassenrand unser Proviant für den heutigen Tag ein. Da so kurz vor der Autobahn ist auch die Bushaltestelle für kurzentschlossene. Die Fernbusse die aus der Stadt kommen fahren langsam am Platz vorbei, der Beimann steht in der offenen Türe und ruft das Ziel in die Menge, wenn einer die Hand hebt wird angehalten und eingestiegen. Da dies viele Busse und viele potentielle Fahrgäste sind gibt es etwas Chaos am frühen Morgen. Aber das behinderte uns kaum.
Wir fuhren raus an die gestern gefundenen Stellen bei der Karvanserei (Mohammad Abad) und stehen seit diesem Zeitpunkt in der Gegend. Es begann an der Brücke der Nebenstrasse südlich der Karvanserai wo wir uns für einen ersten Zug nach Süden stellten. Wie es so ist kam aber nur Verkehr nach Norden, ausser einer Draisine.
Wir mussten bis 11:30 Uhr warten bis ein Zug nach Süden kam. Aber der Blick nach Süden in die Berge war genau so traumhaft!

Der erste Zug an unserer Stelle war ein Nordfahrer mit einem einzelnen Iran Runner.


Man sieht, die Strecke ist Doppelspurig und bietet entsprechend auch etwas Kapazität. Wir rechneten heute nicht nur mit Personenzüge sondern auch mit ein bisschen Güterverkehr.


Auf den Lokbespannten Zug folgte eine Paradis Triebwagen.


Und nur etwa eine halbe Stunde später gleich nochmal einer. Diesen dann als Nachschuss da das Rollo oben war.


Hier der angesprochene Hobel ... der erste Südfahrer nach fast 3 Stunden.


Und nochmal ein Nordfahrer, diesmal immerhin mit Ami. Die Sicht hatte schon arg nachgelassen und die Sonne drehte immer weiter hinauf.


Dafür waren die Wolken nun als dankbare „Füllfläche“ am Himmel.


Derweil war auch auf der Strasse reger Betrieb und der ist ja auch nicht unspannend ... wie z.B. Dieses Gefährt.


Und dann ENDLICH kam der erhoffte Südfahrer. Leider zu einem Zeitpunkt zu dem die Sonne schon fast rausgedreht hat. Immerhin kein Wolkenschaden :)


Das Wetter startete tadellos, verschlechterte sich um die Mittagszeit extrem schnell und der Schatten gewann die Oberhand. Das hat uns zwischen 12 und 14 Uhr so ziemlich alle Zugfahrten vermiest.
Wobei die Sonne sowieso in der Streckenachse stand um diese Zeit und wir nicht sehr viele Alternativen gehabt hätten als es „auszusitzen“. Sehr schade ist ein Zug in die Berge den wir verpasst haben, gebildet nur aus Silberlingen der DB, in dreierlei Lackierung. Rot, Mintgrün und in einer Iranischen Lackierung. Aber auch sonst waren die Züge bisher uhueren abwechslungsreich, kaum einer hat die selbe Lackierung an den Wagen und GM's und Iran Runner lösen sich ab. Es ist einfach schön zum zuschauen!

Wie wir um die Kravanserai herum zogen kam auch der erste Güterzug des Tages, es war absolut finster.


Dieser Zug nah Süden hätte gerne zwei Stunden eher oder später kommen dürfen. Nicht nur die Lok im neusten Lack begeistert sondern noch viel mehr die Wagen die dahinter hingen.So darf dies eher als Belegsbild angeschaut werden :-)


Den Mittag verbrachten wir dabei die Karavanserei genauer anzuschauen. Wie der Name es vermuten lässt waren das sichere Rastplätze für die Karavanen die durch die Wüste zogen.

Ja, so kann es gehen ... aber unser Fokus lag ja gar nicht auf den Zügen.


Sondern der Karavanserei bzw. Dem was davon übrig ist.










Jetzt sitzen wir auf dem Hügel westlich der Bahn, die Sonne hat gedreht und das Wetter hat sich wieder gebessert. Die Quellwolken zogen von dannen. Der letzte Wolkenschaden liegt lange zurück. Seit 2h ist der Verkehr nach Süden wieder reichlich, etwa alle 30min kommt ein Zug, während nach Norden überhaupt nichts mehr gefahren ist.
Der erste Zug nach Süden wurde dabei von drei Kamelen auf den Gleisen um einige Minuten verzögert .. hier sinds halt Kamele und keine Kühe.

Der erste Zug nach der Mittagspause war ein Güterzug mit Alstom Diesel. So richtig wollte es noch nicht mit den Wolken und nur durchs Tele gab es den Blick auf eine mehrheitlich angestrahlte Lok.


Weiter ging es mit einem Personenzug mit ER. Gerade so huschte der Schatten von den Gleisen als der Zug kam. Wir hätte nicht damit gerechnet, entsprechend standen wir etwas blöd. Aber ist ja genug Verkehr ...


Der Zug legte hinter uns einen kurzen Zwischenstop ein. Die Kamele mussten erst weg ...




Was wunderschön ist, die Berge hinter Teheran kommen langsam wieder aus dem Dunst, die Sicht ist meeega klar, da haben die Regenfälle die Tage sicherlich geholfen allen Mist aus dem Himmel zu filtern. Das warten geht weiter, Daniel und ich wünschen sich ja noch einen Doppelstockzug ...
Bei jedem Blick in den Himmel war die Situation wieder anders, ein Wolkenschaden gab es zeitnah nachdem ich die Zeilen geschrieben habe. Ein anderer Wolkenschaden war dafür knapp von einem Sonnenspot erhellt. Und das war wichtig, denn es war ein Güterzug mit zwei GM's der kaum vorwärts kam. Wir sahen ihn auf der Ebene vor uns als Punkt auftauchen und nur gaaaanz langsam näher kommen, wir haben nicht mit gestoppt, aber es waren sicherlich 20min bis er dann bei uns war.

Das Wetter machte dann ganz auf ... Und als erstes kam ein Ami mit einer bunten Garnitur. Links erkennt man im Dunst noch die Schneebedeckten Gipfel des Gebirges hinter Teheran.






Nach Norden fuhr seit dem Güterzug am Mittag überhaupt nichts mehr ... da kam der Paradis nach Süden gerade recht um die Stelle in unserem Rücken auch mal Fotografieren zu können.


Wird es langsam eintönig? NEIN! Schaut euch doch einfach mal die Wagen an ... kaum einer wie der andere.


Und dann das akustische Highlight heute. Ein Doppel Ami mit ordentlich Last. Er war langsam und laut.


Was wirklich einfach faszinierend ist in dem Land sind die Personenzüge. Es gibt wenige Züge die fahren Artrein, und dann gibt es die 2. Klasse Züge die fahren mit alten Ödeln wild gemischt. Ich muss mal durchzählen wie viele Lackierungsvarianten von Wagen wir heute gesehen haben, es dürfte das dutzend überschreiten. Das, und die Abwechslung bei den Loks, machen die Personenzüge in diesem Land wirklich einmalig interessant!
Nachdem der Güterzug durch war und sich am Himmel ein grosser Trümmer vor die Sonne schob nahmen wir reiss aus und fuhren 3km weiter vorne zum nächsten Einschnitt, in der Hoffnung da nicht von der Wolke betroffen zu sein. Das war ein Irrglaube, aber ein positiver, denn auch da vorne war kein Schatten auf der Strecke, der Trümmer zog unerwarteterweise über die Ebene.
Der Blick nach Süden war an dieser Stelle herzallerliebst, vor allem weil ein steter Sandsturm über die Strecke fegte. Es kam je Richtung ein Zug, praktisch zeitgleich (und wieder sind 3 neue Lackierungen bei Personenzugwagen im Kasten).

Wir waren kaum an der Stelle auf Höhe des kleinen Ortes Kaj als als erstes ein Zug aus Teheran heran fuhr. Wir identifizieren ihn als Zug nach Shiraz in dem wir ungefähr vor einer Woche selber Sassen. Die Luft klarte zum Abend nochmal auf und am Horizont sind die Schneebedeckten Gipfel hinter Teheran zu sehen.


Und den Zug nochmal mit diesem grandiosen Blick in die Landschaft.


Kaum umgedreht kam auch schon der nächste Zug. Über diese Ebene fegte ständig ein kleiner Sandsturm.


Und auch diesen Zug nochmal etwas querer mit dem Blick in die weite Wüstenlandschaft.


Weil wir beide Blicke besser nicht haben konnten fuhren wir zurück zum Standardhügel von heute, wir wollten noch gaaaaanz weit oben etwas machen, vor allem mit einem Nordfahrer. Aber soweit kam es nicht, weil eine riesige Regenwolke zog über die Ebene auf uns zu, sie war Teil einer Front die auf der ganzen Länge rein kam. Damit war es dann gegessen. Ein Paradies hätten wir, wären wir am Schluss nicht nochmal nach hinten gefahren, noch in der Sonne gekriegt, aber so wichtig war das nicht, hatten wir schon genug heute :-).

Zurück am „Berg von immer“ ein letztes Bild von einem Paradis nach Teheran. Das Wetter hat sich derart verschlechtert das wir nach diesem Bild aufgebrochen sind zum Nachtquartier.


Wir standen nun vor der Entscheidung vor der wir schon den ganzen Tag standen, was tun? Man konnte die Entscheidung sooo schön herauszögern, aber jetzt musste sie gefällt werden, Theoretisch, denn ich hatte noch eine Idee ... aber das hätte ein aufstehen mitten in der Nacht erfordert, wir kamen davon weg bevor wir sie überhaupt ins Auge gefasst hatten.
Egal was wir tun, es hängt alles davon ab ob die Strecke nach Süden (wo wir ja schonmal standen gestern) durch die Berge wieder frei ist oder nicht. Diese Info erhofften wir uns vom Infrastrukturbetreiber über dessen Homepage zu erhalten. Da fanden wir gestern Abend auch eine Meldung das die Strecke gesperrt sei. Zwar nur auf Farsi, aber mit dem Google Translator wird es doch irgendwie mehr oder weniger verständlich, also zumindest den Sinn der Meldung.
Wenn die Strecke wieder auf ist - oder es absehbar das sie auf geht morgen - fahren wir in die Berge. Auch wenn es etwas Fahrerei ist lässt uns das Tal keine Ruhe. Ausserdem sind die Alternativen eher rar gesät in der Umgebung. Zu sehen gibt es mehr als genug in dem Land, aber in zwei Tagen kommt man nicht sehr weit. Wenn die Strecke gesperrt bleibt dann wollten wir die Mashad Strecke beehren. Das wäre zwar vor allem Masse statt Klasse, achja und evtl. noch an die Strecke nach Sari. Alles ist nicht weit und verspricht etwas Abwechslung. Aber Wetter da oben? Im Tal soll es ja klasse sein, da oben eher nicht bei den Wettergücks in den letzten Tagen.
Wir fuhren also in die Stadt vor unser Hotel der letzten Nacht. Wir hatten ja noch das Office W-Lan Passwort gespeichert auf unseren Handys und vom Parkplatz vor dem Hotel aus könnte das reichen (und sonst hätten wir halt reingehen müssen). Wir stellten das Auto nach einer ereignislosen Fahrt vor die Türe und kamen wirklich ins Netz.
Was wir lasen gefiel uns, die Experten der Eisenbahn haben es geschafft die Strecke wieder befahrbar zu machen. Auch ein Bild vom Unglück gabs zu sehen. Eine Schlammlawine ist über das Trasse gefegt und hat etwas Oberbau mitgenommen, alles in allem halten sich die Schäden in Grenzen und konnten, Inshalah, schnell behoben werden. Also auf ins Tal! JUHU!
Wo übernachten? Hier bleiben und wirklich um 4 Uhr raus, dafür früh ins Bett, oder noch nach Khoramabad? Oder unterwegs nächtigen, z.B. in unserer Lieblingsschwerreaktorstadt Arak. Arak klingt doch nach einem Plan, etwas über die Hälfte Weg nach Dorud, als eine Ankunft gegen 20:30 Uhr, und ein Hotel war im Reiseführer als gut beschrieben. Wir schauten noch kurz im Internet nach dem Hotel und da bestätigte sich der Eindruck, das Etablissement könnte uns zusagen, ausserdem ist die Lage direkt an der Autobahn wo wir eh durchfahren optimal. Von der Innenstadt Arak würden wir zwar nichts sehen, aber die "Perle" zu verpassen, ja, damit konnten wir drei uns alle abfinden.
Wir fuhren also in den Sonnenuntergang nach Osten, nach Arak, wo wir gestern Abend schon durchgefahren sind. Hatten wir gestern mit der Entscheidung nach Qom zu fahren alles richtig gemacht? Ja, denn was wir heute auf der Strecke machen konnten ist doch sehenswert, ausserdem möchten wir den Ausflug gestern Abend in das Zentrum von Qom nicht missen.

Das Hotel erreichten wir bei Dunkelheit und von aussen strahlten uns 5***** Sterne entgegen. Ups, im Reiseführer ist es doch Preiskategorie 3, also das was gerade noch so drin liegt. Daniel und ich stopften uns also das Hemd in die Hose (muss ja nach was aussehen) und gingen rein, wir legten das Preislimit einfach mal rauf auf 6 Millionen Rial, wir haben in den letzten Tage allesamt mit weniger als der Hälfte des Geldes gelebt das wir budgetiert hatten, da könnten wir uns auch mal etwas leisten :-).
Das Limit von den üblichen 4 Millionen auf deren 6 anzuheben war aber nicht mal nötig, denn das Hotel kostet 3'990'000 RIAL, also voll im Budget. Und das Hotel toppt alles bisher, es darf als bestes Hotel der Tour bezeichnet werden, zu 98% fertig sagen wir mal ;).
Was wir zuerst brauchten war eine Dusche, nach dem starken Wind in dem wir heute ständig sassen fühlten wir uns alle etwas versandet an. Ein neuer Satz Klamotten durfte auch sein, wir wollen im Restaurant ja einen guten Eindruck hinterlassen, trotzdem gingen wir in den Badelatschen zum Essen. Landestypisch eben :-).
Es gab ein leckeres Essen, mal nicht Hähnchen mit Reis, und dazu ein Bayrisches Bier, made in Holland. Äh, Alkoholfrei, also Malzbier. Also bei uns würde ich sowas jetzt nicht trinken, aber es war mal wieder der Versuch ...

Nach dem Essen fuhren wir runter in die Lobby und konfrontierten den nächsten Iraner mit den ziemlich den selben Wünschen wie gestern schon. 1) das Internet läuft nicht (was dann ein Problem in Arak sein sollte und nicht vom Hotel) und 2) soll uns doch der gute Herr ein Hotel in Khoramabad Reservieren. Dasselbe bei denen wir schon mal nicht auftauchten ... wir nahmen ganz bewusst einen anderen Namen diesmal, wobei die ja nicht blöd sein werden. Wir hoffen jetzt die Frau im Hotel gestern hat es wirklich druchgemeldet das wir nicht kommen.

Über das Zimmertelefon wurde die Buchung noch bestätigt und jetzt sitzen wir im Zimmern. Sichern allerlei Daten von den Speicherkarten auf Laptops und andere Karten, und gehen dann wohl bald mal schlafen. Das Internet läuft noch immer nicht und hier um das Hotel gibt es nichts zu erleben. Wirklich nichts? Nein ... :-)