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Betrunkene Finnen und verregnete Trolle 1: Stillos durch die Nacht und improvisiert durch Hamburg

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Prolog

Skandinavien war schon wiederholt unser Ziel von Foto-Expeditionen, zuletzt im Herbst 2014 mit Pascal. Dennoch (oder gerade deswegen) hatte ich da noch einiges offen, wo ich noch nie war oder mit der Ausbeute nicht zufrieden bin. Dazu gehört mehr oder weniger ganz Finnland (ich war da zwar mal mit Nil, allerdings im Winter bei weitgehend bescheidenem Wetter) oder auch Teile der Bergenbahn, welche wir 2014 ebenfalls wetterbedingt auslassen mussten. Von Dovrebahn und Nordlandebahn hatte ich zwar gute Winterbilder, aber im Herbst soll das ja auch toll sein…

Die Steilvorlage kam dann Anfang 2016 in Form einer Hochzeitseinladung in Turku, Finnland, Anfang September 2016. Ein perfekter Auftakt für eine Skandinavien-Reise!

Nur, die weitere Planung gestaltete sich dann etwas schwieriger. Huerz meldete sich, dass er auch Zeit hätte, um mitzukommen; Er war zwar auch schon in Skandinavien, aber bezüglich Planung sehr offen.

Ein Fixpunkt war, dass ich die Reise selbst möglichst per Bahn und Fähre machen wollte. Kurz stand sogar die Anreise via Baltikum im Raum; das gab ich allerdings schnell auf, nachdem sich herausstellte, dass die Fahrplaninformationen schwierig zu bekommen sind, die Fahrpläne dünn, die Anschlüsse schlecht und die Fahrzeiten lang waren. Fast eine Woche Anreise nach Turku war mir dann doch zuviel.

Die Alternative war - schliesslich fährt er ja so nicht mehr lange - der CNL nach Hamburg und Weiterreise via Vogelflug-Linie. Damit war die Anreise klar: Im CNL „Deluxe“ nach Hamburg (nicht, dass ich das Deluxe jetzt umbedingt gebraucht hätte, aber ich wollte das mal machen, solange es CNL noch gab), anschliessend ohne Zugbindung nach Malmö, damit ich unterwegs in Puttgarden noch den ICE mit Fähre fotografieren konnte; am nächsten Tag nach Stockholm, und mit der Fähre über Nacht nach Turku. So weit so gut.

Die weitere Planung war schwerfälliger. In Finse, ein erklärtes Ziel der Reise, waren kaum mehr zusammenhängende Tage buchbar; eine gescheite Verbindung von Turku (Fähre) über Stockholm nach Oslo gab es nur Samstags, die NSB hatte fleissig Bausperren im Programm, und die Möglichkeiten an der Bergenbahn waren durch sehr dünne Fahrpläne eingeschränkt. Dazu kam, dass ich mit Huerz „nur“ knapp zwei Wochen hatte, was dann für Finnland *und* Norwegen mit Transfer dazwischen ein Gemurkse geworden wäre. Fazit: Finnland wurde gestrichen, wir wollten uns auf Norwegen konzentrieren. So kam dann doch noch ein schönes Programm zustande: Turku (Fähre) - Stockholm - Oslo - Finse - Trondheim - 8 Tage Mietauto - Oslo (Huerz fliegt zurück) - Voss - Finse - Oslo - Flug nach Zürich. Würde es klappen? Wir werden sehen!

Mittwoch, 7. September

Nachdem im Büro die letzten Ferien-Vorbereitungen getätigt waren, ging es abends auf den CNL nach Hamburg. CNL genoss ja in den letzten Monaten keinen guten Ruf mehr, wurde doch Personal- und Fahrzeugunterhalt schon massiv zurückgefahren; Resultat waren unter anderem fehlende Wagen. Die erste spannende Frage war deshalb: War mein Schlafwagen überhaupt am Zug? Diese Frage konnte mit Ja beantwortet werden, als eine Re 4/4 II den Zug in Zürich bereitstellte.

Re 420 155 der SBB in Zürich HB


Die Freude über das verhältnismässig grosse Abteil wurde jedoch durch die Tatsache getrübt, dass die Toilette des Abteils defekt war, und auch vom Schlafwagenbegleiter nicht wieder in Gang gebracht werden konnte. Ausserdem hatte das Klappfenster die Angewohnheit, sich selbstständig zu öffnen; dieses Problem liess sich aber mit einer Zange (alternativ Vierkant) lösen.
In Basel gabs einen etwas längeren Aufenthalt, und damit Gelegenheit, von der 101er zwei Bilder zu machen.

101 097 der DB in Basel


101 097 der DB in Basel


Die Fahrt verlief ruhig und pünktlich bis Frankfurt, wo plötzlich die Besitzer von zwei Velos per Lautsprecherdurchsage gesucht wurden. Wieso auch immer.

Donnerstag, 8. September

Geweckt wurde ich von einer erneuten Lautsprecherdurchsage kurz vor Göttingen. Es war allerdings bereits acht Uhr, und so gab es erst einmal eine Entschuldigung für die 110 Minuten Verspätung. Grund dafür sei, dass man in Frankfurt einen Wagen habe aussetzen müssen - Das dürfte auch der Grund gewesen sein, weshalb man nach den Velo-Besitzern suchte… Soviel zum Thema Zuverlässigkeit und Wartungsmängel.

Das Frühstück kam bald. Dieses hatte zwar die Bezeichnung „Deluxe“ beim besten Willen nicht verdient, aber immerhin gab es was, das war ich mir von Liegewagen-Reisen mit CNL anders gewohnt. Bis Hamburg konnten noch rund 10 Minuten Verspätung abgebaut werden, und kurz vor Ankunft wurden noch die Fahrgastrechte-Formulare verteilt. Ob ich die 25% auf mein Schweizer Konto zurückerhalte...?

Konsequenz der Verspätung war leider, dass mein Anschluss-ICE nach Puttgarden natürlich über alle Berge, Tschuldigung, Ebenen war. Aufgrund der mageren Fahrpläne in diese Richtung war es so nicht mehr möglich, den geplanten ICE-Ablad abzulichten; ein Alternativprogramm musste her. Ich deponierte daher meinen Koffer im Schliessfach und machte mich auf eine kleine Runde durch Hamburg. Es gibt da einige Eisenbahnbrücken, die sich fotografieren lassen.

Zunächst sah aber die Bahnhofseinfahrt noch nett aus, daher stellte ich mich zuerst mal da auf. Viel Spielraum gab es zwar zwischen den Fahrleitungen nicht, aber das war ja auch nicht nötig. Nach kurzer Zeit fuhr ein bereitstehender IC ab - passt!

101 096 der DB in Hamburg


Nächster Programmpunkt war die Oberhafenbrücke. Ich hatte da noch ein Bild von der der Nordseite von einem höheren Standpunkt aus gesehen; Es war jedoch nicht offensichtlich, wo das aufgenommen wurde. Eine kurze Suche offenbarte aber ein Treppenhaus eines Geschäftsgebäudes, das geöffnet war. Im obersten Stock konnte man zudem das Fenster öffnen. Nach kaum 30 Sekunden kam schon ein Metronom vorbei.

BA 766 der ME in Hamburg


Damit war das auch schon abgehakt, das Licht wurde von dieser Ansicht aus sowieso nicht besser. Also Wechsel auf den Stadtdeich. Da kam reichlich Verkehr vorbei.

Baureihe 401 "ICE 1" der DB in Hamburg


Baureihe 101 der DB in Hamburg


Baureihe 146 der ME in Hamburg


Der nächste Zug war kurios formiert: Vorne 112, hinten 218...

Baureihe 112 der DB in Hamburg


Baureihe 218 der DB in Hamburg


Es folgte ein etwas kurioser Versuch: Ich hatte da ein Bild vom Dach des Karstadt-Sporthauses gesehen. Wenn man da schon problemlos hin kommt, kann ich ja auch mal gucken gehen…

Naja problemlos war es nicht, denn die Terrasse war nicht öffentlich. Ein paar Handwerker waren ausserdem gerade an der Arbeit. Aber was solls, wenn ich schon hier bin kann ich ja einfach mal irgendwen fragen… mehr als schief gucken und nein sagen können sie nicht… also den nächsten Mitarbeiter angesteuert, der gerade mit den Handwerkern was am diskutieren war (der hat vielleicht was zu sagen). Dieser schien sich fast über meine Frage zu freuen, und zeigte mir freudig den Dachbereich. Leider zeigte sich aber, dass ich eigentlich noch zu früh war - tja.

Baureihe 472 der DB in Hamburg


Die Stelle, wo auf obigem Bild die S-Bahn zu sehen ist, konnte man doch bestimmt auch von Nahem umsetzen? Gedacht, getan.

474 508 der DB in Hamburg


Baureihe 472 der DB in Hamburg


Was für ein hässliches Ding, die Baureihe 472…

474 105 der DB in Hamburg


Der letzte Programmpunkt war die Binnenalster. War zwar alles bisschen weit weg, dafür konnte man mit den Motiven spielen…

Baureihe 401 "ICE 1" der DB in Hamburg


Baureihe 472 der DB in Hamburg


Baureihe 474 der DB in Hamburg


Baureihe 474 der DB in Hamburg


Nun wars aber langsam an der Zeit, den ICE nach Kopenhagen aufzusuchen. Ich hätte zwar noch eine spätere Verbindung nehmen können, aber irgendwann wollte ich auch noch in Malmö ankommen.

Der ICE-TD war mässig besetzt, die Fahrt angenehm. Es fiel jedoch auf, wie extrem langsam die Dinger beschleunigen - da ist man sich von Elektrozügen anderes gewohnt!

In Puttgarden beäugte ich die Situation, und musste dabei feststellen, dass es gar nicht so klar war, wie man auf die Überführung kam, um das bekannte ICE-vor-Fähre-Bild zu schiessen. Möglicherweise hätte das deshalb auch gar nicht geklappt, und das wäre dann schön ärgerlich gewesen. Also alles nicht so tragisch, zumal ich mit den Bildern aus Hamburg sehr zufrieden war.

Auf der Fähre gab es endlich ein Mittagessen (Schnitzel, mjam!). Auch konnte ich noch ein Bild des ICE-TD in der Fähre machen.

Baureihe 605 "ICE TD" der DSB in Rødby


In Dänemark wurde der Zug langsam, aber sicher voll, zwischenzeitlich mit Stehplätzen. Irgendwann kamen wir dann aber doch noch in Kopenhagen an.

Ab Kopenhagen fuhr knappe 20 Minuten später eine dreifach-Gumminase nach Kastrup, und endete dort. Der Grund dafür sind bekanntlich die Grenzkontrollen der Schweden. Da Kastrup nur zwei Gleise hat, war das Ganze etwas ein Gemurkse und mit Verzögerungen im Betriebsablauf verbunden.

Auf der schwedischen Seite war billiges Security-Personal mit mässig sorgfältigen ID-Kontrollen beschäftigt. Das Ganze ging sehr zügig, und eine einzelne Gumminase mit kaputter Klimaanlage stand schon bereit. 10 Minuten nach Ankunft ging es so schon wieder weiter.

Am ersten Bahnhof in Schweden waren ein Haufen Absperrgitter und Polizeicontainer zu sehen, aber sonst weit und breit keine Polizei. Dennoch waren 10 Minuten Aufenthalt eingeplant, wohl um wieder in die normale Taktlage zu kommen (20-Minuten-Takt).

In Malmö angekommen ging es zum Hotel, und darauf nochmal kurz zum Bahnhof für ein paar Nachtaufnahmen. Zuhinterst stand eine Rc mit Nachtzug nach Stockholm; hmmm, Mist, wusste garnicht, dass es sowas gibt! Sonst hätte ich mir die Übernachtung in Malmö evtl. gespart. Jänu. Ach ja, hab ich schon gesagt, dass schwarze Rcs mit schwarzen Wagen äusserst schlecht für Nachtaufnahmen geeignet sind? Nein? Gut :) Deshalb hier ein Bild eines X2000.

X2000 2017 der SJ in Malmö


Da die letzte Mahlzeit noch nicht so lange her war und man in Malmö schon die Trottoirs hochgeklappt hatte, beschränkte sich das Abendessen auf einen Poulet-Salat aus dem 7-11. Na dann, gute Nacht!