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Betrunkene Finnen und verregnete Trolle 8: Vi sees, Finse!

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Freitag, 16.9.2016

Der heutige Tag hätte gemüüüüüütlich um 7:30 beginnen können.

Wir planten den späten Start, weil der Green Cargo-Zug morgens um viertel vor acht sowieso nicht fotografierter war (Sonne noch zu tief) und danach sich gemäss unserer Erfahrung und den grafischen Fahrplänen für zweieinhalb Stunden kein Rad bewegt. Die angedachte Fotostelle war zu Fuss eine knappe Stunde weg, dort, wo wir vorgestern schon den Nachmittag verbracht hatten, aber diesmal auf der anderen Seite.

Stattdessen wurde um 7:10 direkt vor unserem Fenster der grosse Bohrer angeworfen, und mit „gross“ meine ich drei Meter und mit Dieselaggregat, um Löcher für Sprengladungen in den Fels zu treiben. Dieser musste für ein Bauprojekt weichen. Da halfen auch meine Ohrenpfropfen nichts mehr.

Ein weiterer Dämpfer war der Blick aufs Wetter - wie angekündigt war es primär bedeckt mit wenig Aussicht auf Sonne. Ein schmaler Streif über dem Horizont war zwar orange gefärbt, das war aber auch der einzige Lichtblick im Einheitsgrau.

Früher als geplant gingen wir deshalb zum Frühstück. Wir schienen nicht die einzigen zu sein, die durch die Bohrtätigkeiten geweckt wurden - Das Buffet wurde nach der Eröffnung um halb acht regelrecht gestürmt. Dabei trafen wir auch wieder auf unsere beiden Fahrrad-Kollegen von gestern.

Als nächstes wollte noch das Zimmer abgerechnet werden. Dabei setzte sich die gestrige Zimmernummern-Konfusion fort (aufgrund der Verfügbarkeit mussten wir Zimmer wechseln, womit das Reservationssystem nicht klar kam), denn auch die heutige Dame an der Rezeption hatte den Überblick verloren und ich musste aufzählen, was wir konsumiert hatten. Am Schluss auf der Rechnung wars dann trotzdem falsch, aber der Gesamtbetrag ziemlich nahe an dem, was es überschlagsmässig hätte kosten müssen, und das war uns dann gut genug. Wenn denen noch was einfällt können sie es ja nachträglich auf die Kreditkarte nehmen.

Der Marsch zur Fotostelle war eine triste Angelegenheit, das Wetter machte keine Anstalten sich zu bessern.

Der erste Zug unseres Tages sollte die CargoNet-Leistung sein, welche gestern mit der Traxx-Doppeltraktion kam. Allerdings half alles Warten nichts, der Zug liess sich nicht blicken. Gegen halb elf wurde es Zeit für den Regiontog nach Oslo; doch auch dieser blieb verschollen. Erst kurz vor elf kam dieser mit fast einer halben Stunde Verspätung vorbei - dafür hatte er einen Flåmbanan-Wagen dabei, was wohl auch die Verspätung erklären könnte (Rangiermanöver in Myrdal). Die Wagen sind alle für 160 km/h zugelassen, daran liegt es also nicht.

El 18 der NSB zwischen Finse und Haugastøl


Unschwer zu erkennen ist, dass sich das Wetter nicht gebessert hatte. Wir konnten zwar immer mal wieder kleine blaue Flecken beobachten und gelegentlich wurde es etwas heller, das war dann aber auch schon alles.

Der nächste Programmpunkt wäre der erste Regiontog aus Oslo gewesen, der kurz vor elf hätte bei uns vorbei kommen müssen - also auch schon mindestens 10 Minuten zu spät war.

Nun geschah - einmal mehr - nichts. Abgesehen von den Velofahrern, denen wir ein aufmunterndes (?) „Hey!“ mit auf den Weg gaben.

Die Zeit verging, das Warten wurde aufgrund des aufkommenden Windes je länger desto kälter. Irgendwann nach zwölf, der Regiontog hatte schon mindestens anderthalb Stunden Verspätung, warf ich mal einen Blick in die Live-Karte. Und tatsächlich, da war was im Anflug - Es war aber nicht der Regiontog, sondern der vermisste CargoNet-Güterzug! Zum Stellungswechsel reichte es allerdings nicht mehr so wirklich, deshalb nur als Quasi-Notschuss. Wie gestern hatte er zwei Traxxen vorgespannt, weshalb wir davon ausgehen konnten, dass es auch heute nur einen Zug gab, nicht zwei wie vorgestern.

El 19 der CN zwischen Finse und Haugastøl


Der Regiontog aus Oslo liess sich noch mehr Zeit, kam aber schlussendlich mit knapp zwei Stunden Verspätung doch noch vorbei.

El 18 der NSB zwischen Finse und Haugastøl


Inzwischen war aber eigentlich schon der nächste Regiontog aus Oslo seit 20 Minuten überfällig. Dieser fehlte auf der Live-Karte komplett. Da dieser aus B5-Wagen bestand, wir soeben aber einen Zug aus B7-Wagen fotografiert hatten, waren wir sicher, dass da nichts getauscht wurde oder so. Da wir aber auf dem Rückweg keinen Stress haben wollten und überhaupt nicht absehbar war, wann dieser Zug kommen würde, machten wir uns auf den Rückweg.

Eine kleine Sorge war noch, was mit unserem Zug passieren würde. Wenn der fast zwei Stunden verspätete Regiontog in Voss auf die Gegenleistung gewendet würde, wäre unser Zug auch zwei Stunden zu spät. Angesichts unserer dreieinhalb Stunden Übergang in Oslo wäre das aber zu verschmerzen gewesen.

Der zweite Regiontog aus Oslo überholte uns dann auf dem Weg zurück nach Finse, mit einer Verspätung von geschätzten 50 Minuten.

Zurück in Finse machten wir uns im Bahnhof kurz schlau, unser Zug war aber ohne Verspätung angekündigt. Also gab es da noch eine Reserve in Voss oder sie haben irgendwie um die Bausperre herum manövriert.

Das Gepäck wollte noch abgeholt und umgepackt werden und mit nur ein paar wenigen Minuten Verspätung konnten wir in unseren Regiontog nach Oslo einsteigen.

El 18 2260 der NSB in Finse


Die Fahrt nach Oslo zog sich hin, aber wir sammelten immerhin kaum Verspätung auf, abgesehen von ein paar Minuten nach einem Kreuzungshalt, die wir aber wieder abbauen konnten - Der Kondukteur liess sich zu einer Durchsage hinreissen und erklärte stolz, dass wir nur noch drei Minuten Verspätung haben (sowas erlebt er wohl auch nicht alle Tage).

Die Ankunft in Oslo war pünktlich, aber eigentlich hätten wir auch nichts gegen Verspätung gehabt, denn jetzt mussten wir einfach hier mehr Zeit tot schlagen.

Dies taten wir dann auch, zunächst in Pepes Pizza, welcher aufgrund der ganzen amerikanischen Eisenbahn-Plakate durchaus sehenswert ist. Wir blieben bisschen sitzen, bis wir irgendwann feststellten, dass das Lokal eigentlich seit einer halben Stunde geschlossen war - aber es schien irgendwie niemanden zu stören…

Den Rest des Abends verbrachten wir im Burger King mit Reiseberichte schreiben. Eine halbe Stunde vor Abfahrt unseres Zuges guckten wir mal vorbei, gemäss meiner Erinnerung konnte man da schon relativ früh einsteigen, macht auch Sinn bei den eher kurzen Reisezeiten. Check-In findet im Speisewagen statt, der wohl nur als Büro dient und vermutlich den ganzen Abend lang keine Speisen serviert hat.

Das Abteil war, wie gehabt, ganz ok; die Betten aufgrund des grosszügigeren Lichtraumprofiles auch lang genug. Allerdings war die Inneneinrichtung - passend zum Rest des Zuges, inklusive des Speisewagens - mit dem Charme einer Öltonne ausgestattet. Grau in grau, funktionaler ging es nicht mehr, echt keine Schönheit.
Unser Abteil nahe der Wagenmitte war ruhig, und pünktlich fuhren wir fast unmerklich los durch die Nacht.