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Italienischer Herbst 2016 (2)

Von

Montag 31.10.2016

Der Tag begann früh heute, wieder ... die Zeitumstellung ist schuld. Heute hatten wir uns die Strecke von Aulla nach Lucca ausgesucht. Da war ich zwar schonmal mit Gunar, aber so das ein oder andere Motiv blieb dann damals doch offen, für einen Tag reicht es locker. Ausserdem hatte ich irgendwie noch die Hoffnung den Güterzug von Pieve San Lorenzo zu erwischen. So er denn fährt? Aber wann? Hm ... irgendwann Vormittags. Wir wollten es einfach mal drauf an kommen lassen.

Beim aufstehen um 7 Uhr war mir speihübel, das war dann doch viel zu viel Futter gestern Abend. Aber wer fressen kann, der kann auch leiden :-). So schleppten wir uns in den ersten zaghaften Sonnenstrahlen raus zum Auto. Wir schlugen sofort den Weg nach Fivizziano Gassano ein. Da wollte ich den Tag beginnen. Und mit einem RE der kurz vor 8 Uhr Aulla verlässt hätten wir auch ein gutes Ziel.
Wir kamen aber nicht so recht vorwärts auf den Strassen, es war erstaunlich viel los und immer hing man irgendwo hinter etwas fest. Ausserdem fuhren wir unterwegs voll in den Nebel hinein. Wobei der zum Glück nur Lokal war, in Gassano war davon nichts zu sehen.
Gerade als wir die Feldwegbrücke an der Stelle passierten rauschte unter uns ein Polnisches Dach vorbei. Da hat uns „unser“ Zug doch glatt eingeholt.
Das war aber nicht so schlimm, schlimmer war das die Stelle gar nicht im Licht war. Die Bahn liegt im Einschnitt (kein Problem) an dem Weinreben wachsen (Problem).
So mussten wir in der Gegend erst etwas basteln. Wir begannen mit einem Nachschuss am Bahnhof von Fivizziano Gassano.

Ein RE nach Aulla legt in Fivizzano Gassano einen kurzen Halt ein. Er hätte es sich auch sparen können, denn es stieg weder jemand zu noch aus.


Auf der Baustelle einer neuen Strasse (?) liefen wir etwas umher und fanden einen netten Blick für einen Zug zur Mittagszeit nach Aulla. Was sich aber etwas mit unserem Programm beisst.
Aber das war ja noch weit weg, wir liefen erst zurück Brücke zurück und schossen da dann den nächsten RE nach Lucca ... das mit dem Schatten muss man halt irgendwie verkraften. Denn wie der Ort auf dem Hügel thront ist schon sehenswert!

Der nächste RE am Ortsblick von Gassano.


Was tun wir? Es sollte noch ein RE nach Aulla kommen ehe der Betrieb etwas in die Ruhephase übergeht und bis um halb 1 Uhr pausiert. Mit diesem Zug hatten wir etwas vor ... oder verschieben wir unser Programm nach hinten und machen den Zug an der gefundenen Stelle?
Ach alles Käse, ziehen wirs durch. So fiel der Entscheid und das Resultat war ein Bild mit Frontschatten vom nächsten RE nach Aulla.

Die Stelle wäre ja wirklich nett .. mit richtigem Licht :-)


Und jetzt weiter. Nach Pieve San Lorenzo. Weit war es nicht und schon 20min standen wir auf dem Bahnhofsplatz und sahen nichts ... kein Güterzug. Dann war er schon weg, ob wir ihn gerade überfahren hatten oder ob er früher durch ist? Ach, wenn man an einer Regiobahn sitzt kann man sich nicht noch nach den Güterzügen richten, so war uns das ganze irgendwie egal.
Denn jetzt stand DIE Stelle an. Wir parkten an der Kirche, verwirrten die Handwerkerkers die gerade dabei waren das Gerüst von der Kirche zu entfernen, und stellten uns in die Sonne.
Lange mussten wir gar nicht mehr warten bis der RE nach Lucca durchgerutscht kam.

In Argigliano steht diese Kirche und das Viadukt. Der RE nach Lucca der kurz nach Mittag das Viadukt passiert kommt dabei im allerbesten Licht.


Und jetzt hatten wir eine Stunde Pause. Die verbrachten wir gemütlichst unten im Ort. Wir kredezten unser Mittagessen, ein Apfel und dösten etwas vor uns hin. Geweckt wurde wir vom Bäcker der hupend durch den Ort fuhr und seine Ware feil bot. Der hätte mal früher kommen dürfen, dann hätten wir frisches Brot gehabt für unser Mittagessen :-).
Der nächste Zug war dann ein RE nach Aulla ...

Unten am Viadukt von Argigliano ist dieser Blick auf das Viadukt möglich.


Und dann mussten wir die Füsse unter die Arme nehmen. Wir hatten es das erste mal heute wirklich etwas eilig. Wir hatten in 45min ein „Date“ mit einem Polen in Poggio. Dieser Ort liegt auf der anderen Seite des Gebirges und wir mussten da aber noch drüber. Ich prügelte meine Zitrone über die Passtrasse und wir waren zeitig am Ort. Gut, gross war unser Polster nicht. Aber wir liessen es uns unterwegs nicht nehmen den Blick in die weite Landschaft schweifen zu lassen die rot und gelb glühte in der tiefstehenden Nachmittagssonne.

Am oberen Viadukt von Poggio standen zum Zeitpunkt der Zugsdurchfahrt zwei Nasen auf de Leitplanke. Die Leitungen zwangen uns dazu.


Es kam wieder ein Polen Triebwagen. Mit dieser Sichtung gab ich die Hoffnung langsam auf noch auf Fiat Triebwagen zu stossen hier an der Strecke. Aber irgendwie gefallen mir die Kisten auch :-).
Es gab einen zweiten Apfel heute und wir fuhren auf die andere Seite von Poggio, ans untere Viadukt. Das ist nicht minder Fotogen. Da erwarteten wir die nächste Zugfahrt von Lucca. Das sogar eine Doppeltraktion kam war höchst erfreulich an der Stelle.

Ein Doppel fährt in die Berge. Fotografiert auf dem unteren Viadukt von Poggio.


Unser Programm blieb dicht gedrängt (naja, im Vergleich zu sonst die Tage ;)). Für den nächsten Zug wollten wir nach Pontecosi. Da am Lago di Pontecosi hatte ich auch noch etwas offen ...

Und hier dann ein Solo TW – wie bestellt. Am Lago di Pontecosi.


Der Nachschuss in Pontecosi ist auch nicht verkehrt ...


Und jetzt? Der Fahrplan kannte noch drei Züge ... aber ob überhaupt etwas davon noch im Licht kommt hier in den Bergen? Am meisten Chancen rechneten wir uns wieder am Viadukt von Poggio aus ... also gings wieder zurück.
Alle drei Züge kamen da nochmal prima im Licht, und wir konnten den Fototag zufrieden abschliessen.

Den ersten TW etwas näher am Viadukt ...


Für den folgenden dann an der Hauptstelle. Im Herbst ... phuu ... Kalenderpotential :)


Und der letzte zurück nach Lucca dann im letzten Licht. Während sich Gubi im Ort verzettelte lief ich einfach auf dem Wanderweg über die Brücke und bastelte dann etwas mit der Perspektive. Für ein Bastelbild bin ich aber durchaus angetan – auch die Doppeltraktion kam wieder im rechten Moment zurück.


Äusserst zufrieden fuhren wir raus aus dem Tal, nach Süden. In Lucca erwischten wir den Feierabendverkehr und verloren etwas Zeit. Ebenso auf der Autobahn bis Fierenze. Die Italiener können einfach nicht fahren ... es war voll und ging nur sehr mühsam vorwärts :-)
Während wir auf der Autobahn waren suchten wir bei Booking mal ein Hotel für die Nacht. Wo würde es uns denn gefallen?
Wir wollen morgen an der NBS rumeiern ... da dürfte trotz Feiertag ordentlich Verkehr sein. Arezzo? Ja, aber etwas weiter Südlich noch? Wir fanden in Castiglion Fiorentino ein Hotel das uns zusprach. Das Hotel Garden.
Wir erreichten es kurz nach 19 Uhr und ein Parkplatz war am perfekten Ort frei ... wir kamen wieder mal mit wenig Bewegung aus heute :-).
Zum Essen mussten wir noch kurz in den Ort, das Hotel eigene Restaurant war nicht geöffnet, obwohl die Belegung nicht schlecht zu sein schiehn. Aber eine Pizzeria kaum 300m vom Hotel entfernt begrüsste uns freundlich und servierte eine vorzügliche Pizza mit einem Toskanischen Rotwein! Urlaub ... was willst du mehr??

[hr]

Dienstag 01.11.2016

Guten Morgen Sonnenschein!

Der Blick am Morgen aus dem Zimmer


Da wir ja an der Neubaustrecke den Tag starten wollten war kein frühes aufstehen von nöten. Da fährt ja eh immer etwas ... also besteht kein Zeitdruck irgendwann da zu sein. Also wir blieben nicht liegen so lange es ging, so gegen 8 Uhr fuhren wir dann schon mal los, aber wir hatten es einfach nicht eilig.
An der Tanke vom Ort liessen wir noch 30EUR rein und dann gings straks an eine Brücke vor Fattoria. Wie wir da ankamen war gerade ausgeprägter keinverkehr ... aber das änderte sich innert 20min schlagartig. So sind wir sogar etwas zu früh verdampft.

Das erste Bild des Tages war ein Italo. AGV. Ich mag die Züge, von nahmen sind sie echt ein Hingucker!


Es blieb gleich bei den Kisten. Auch der erste von Süden war ein Italo.


Ich habe ja nichts gegen die Italo. Aber mittlerweile sind sie nur noch die drittschönsten Züge auf der Strecke. Auf dem zweiten Platz stehen die Frecciarossa ETR ...


Und auf Platz eins? Die Freciarossa 1000! Die Züge sind einfach nur schön! Leider kam dieser hier als wir bereits wieder auf dem Weg zur nächsten Stelle waren ...


Dann auf zum Querblick. Mit Gunar hatte ich den bei Hochlicht gemacht, da kam das ganze so gar nicht zur Geltung. Da erhofften wir uns diesmal etwas mehr Licht auf den Zügen. So wirklich viel mehr wars nicht ... aber bissle schon :-).Wir befinden uns bei Creti.

Ein ETR500 rollt durch die Toscana nach Süden.


An der Strecke ist auch der nächste Italo. Nicht weit. Hier gut zu sehen wie viel Licht diese Lackierung schluckt.


Was dann folgte war der verzweifelte Versuch irgendwie an der Strecke dran zu bleiben und uns gemütlich nahe den Gleisen aufzustellen. Wir holperten über eine Stunde über Feldwege und Kiespisten ohne etwas zu finden. Der Bewuchs im Hinterland war dann doch etwas arg.
Das erste das wir fanden mussten wir uns dann sogar noch erlaufen ... wobei vermutlich genau der Wille etwas zu erlaufen der Schlüssel zum Erfolg war. Vorher probierten wir überall mit dem Auto hin zu kommen, was halt einfach nicht ging. Wir befinden uns bereits weiter südlich bei Fasciano.

Und als erstes kam gleich ein Frecciarossa 1000 ... schöön!


Italo. ... wie bestellt von nahmem.


Ja und damit hatten wir die Stelle eigentlich auch schon gesehen ...
Wir schmissen uns auf die Autobahn und fuhren einen Schritt nach Süden. So richtig Ideen was man noch machen konnte hatte ich nicht. Bis auf das lange NBS Viadukt von Allerona. Das dürfte auch perfekt im Herbstlicht sein und ich meinte mich da an viel Weinreben zu erinnern ... also los.
Bei Orvieto verliessen wir die Autobahn und fuhren zurück zum Viadukt.

Das Viadukt von Allerona begrüsste uns tatsächlich bestens im Licht. Und ein ETR500 kam auch gleich vorbei ... wir waren derweil am verdrückten unserer Vorräte.


Auch wenns repetativ wird, die 1000er müssen einfach Fotografiert werden. Hier kamen sogar zwei im Blockabstand nach Süden. Ob Doppeltraktion noch nicht klappt?


Was es natürlich auch gibt, das geht hier etwas unter, sind die Freccioargento. Mit ETR460 oder ETR600 geführt. Stellvertretend mal ein 600er.


Hach wir blieben einfach am Viadukt sitzen bis das Licht dir Schraube machte. Dabei führten wir auch die Diskussion: was dann? Es war Dienstag, die Prognosen bis und mit Freitag waren im Südosten noch gut .. oder zumindest besser als sonst überall in Italien. Erst zögerte ich etwas mit der Entscheidung wirklich bis nach Apulien zu fahren heute, L'Aqulia wäre auf dem Weg und da wäre morgen auch was möglich ... aber David überzeugte mich irgendwie. So heisst das Ziel für heute Abend Foccia. Das wäre dann nochmal etwas eine Fahrerei ... aber David machte gleich schonmal das Hotel klar über Booking und so hatten wir eine sorglose Fahrt vor uns.
Aber bis 16 Uhr hatten wir ja noch Licht und wir fröhnten dem Verkehr auf der NBS.
Die Idee mal an die Altbaustrecke runter zu wechseln scheiterte etwas am Verkehr und an den Stellen, denn auf dem Luftblid sah das alles arg zugebuscht aus. Ob wir da glücklich würden?

ETR500 nach Rom. Wir bewegen uns am Viadukt etwas auf und ab.


Es geht auch von weiter oben ...


Mit mehr Herbst im Vordergrund.


Oder auch Quer mit glühenden Reben.


Gar nichts los war auf der Altbaustrecke natürlich nicht. Ist es immerhin die Hauptstrecke von Florenz nach Rom, sogar mit IC Verkehr. Nur Fotografieren kann man so unheimlich schlecht. Dabei wäre die E402A ein Schmuckstück!


Die Sonne drehte langsam und wir stellten uns wieder für Nordfahrer. Es begann mit einem Italo..


Stellvertretend für einige ETR500 und Frecciaargento dieser ETR600.


Ah, ein weiter Landschaftsblick geht nur mit so einer Büchse.


Und kurz vor Licht aus dann noch ein 1000er. Genau auf so einen haben wir gewartet, dann war auch gut.


Das wars dann. Es war dann auch gut, wir hatten es langsam gesehen :-).
Foccia war das Ziel und es führen viele wege nach Foccia. Wir wählten den kürzesten, nicht den schnellsten. Dieser führte uns auf der vollen Autobahn an Rom vorbei (da wurde die Autobahn dann schön leer) bis fast vor die Tore Neapels. Dann ging es über eine Superstrada quer über die Ausläufer des Apennins. Campobasso war immer schön ausgeschildert und ab da dann auch Foccia.
Es ging alles viel geschmeidiger als gedacht und so waren wir schon um kurz nach 8 Uhr vor der Villa Bianca (oder hiess es Hotel White House? ;)) nächst dem Bahnhof von Foccia. Selbst ein Parkplatz direkt vor dem Hotel war noch frei.
Essen? Hm, das war ein Problemchen. Wir waren zwar mitten in der Stadt, aber wegen Feiertag waren die Bürgersteige schon hochgeklappt. Es war nicht ganz einfach etwas zu finden ... und als wir dann ein Restaurant gefunden haben entschieden wir uns doch für einen schnellen Döner am Bahnhof :-D. Aber der war ganz in Ordnung und die Dönerbudenbesitzer (Arabischer Abstammung) hatten Freude. Einer hat lange in der Schweiz gearbeitet (tja wie klein die Welt ist).
Am Bahnhof schauten wir noch etwas den Zügen zu bevor wir durchgefroren zurück zum Hotel sind.
Nicht unspannend hier was so fährt. Wir sahen ein IC mit E402B, ein Frecciabiana mit den alten ETR500 Triebköpfen und die Regiobahn der Region fährt hier mit FLIRT. Alles Ziele die man auch mal anschauen könnte ... aber erst wenn man mit der Dieselbahn und den Güterzügen fertig ist.
Genau, Güterverkehr und Diesel ... eine seltene Kombination in Italien. Hier in Foccia aber noch tägliche Realität. Und genau deshalb haben wir den weiten weg ins nördliche Apulien auf uns genommen. Aber davon dann im nächsten Teil ... ob überhaupt noch etwas fährt? Wir wussten es ja nicht :-).