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Betrunkene Finnen und verregnete Trolle 14: Polarkreis, die Zweite

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Donnerstag, 22.09.2016

Der heutige Tag begann einmal mehr eher früh, nach einer für mich mässigen Nacht. Ich hatte mich gestern wieder einmal etwas überfressen (das Buffet war guuuuuuuut), was leider bei mir dazu führt, dass ich dann schlecht schlafe. Selber schuld.

Das Frühstück begann um halb sieben, und um sieben wollten wir los, um pünktlich (bzw. mit etwas Reserve) für die beiden Talent oben zu sein - Wer will schon zwei Talent verpassen?

Zunächst gingen wir jedoch pünktlich zum Frühstück; das Buffet hatte gerade eröffnet, und wurde von Arbeitern allerlei Firmen gestürmt. Klar, wer nicht arbeiten muss wäre ja schön blöd, so früh aufzustehen… eeerm.

Das Buffet war vorzüglich, und ebenfalls vorzüglich war das, was wir aus dem Fenster sahen: Blauer Himmel! War das denn möglich? Würde heute eventuell sogar zu einem erfolgreichen Tag, an dem alles einfach so klappt?

Kurz nach sieben starteten wir die erneute Fahrt aufs Fjell, begleitet von „Ihm“, der „Wieder da“ ist. Das Wetter sah nach wie vor sehr gut aus; einzelne Nebelschwaden hingen noch in den Tälern, aber das würde sich geben, sobald die Sonne rein brät - dafür war es aktuell allerdings noch zu früh.

Die anvisierte Stelle waren zwei Motiv-Häuser einen guten Kilometer nördlich des Polarkreises. Alles schön und gut, wenn nicht eine kleine Nebelschwade wunderbar Schatten exakt auf die zweihundert Meter Strecke geworfen hätte, auf denen wir den nächsten Talent aus Trondheim ablichten wollten. Nun gut, das Gewabere hatte noch eine halbe Stunde Zeit, sich aufzulösen.

Die Sonne begann zu braten, und fünf Minuten vor dem Zug war die einzelne Nebelschwade noch genau so da wie vor 25 Minuten. Echt jetzt?!? Ich positionierte mich mal um, Huerz dagegen blieb zuversichtlich da stehen.

Am Schluss ging es gerade so auf, sowohl bei mir wie auch bei Huerz. Immerhin, guter Start in den Tag!

Bm 93 "Talent" der NSB zwischen Lønsdal und Bolna


Bm 93 "Talent" der NSB zwischen Lønsdal und Bolna


Die nächste Tal-Ente wollten wir beim Polarkreis fotografieren, zusammen mit den beiden „Polarkreis-Monumentchen“. Also fix beim Polarkreis-Center geparkt und rüber gelaufen, das sollte von einem Hügel herunter ganz gut kommen. Fotowolken waren hier weit und breit keine mehr vorhanden. Etwas Nebel drückte zwar über die Hügel, das sah aber eher toll aus als dass es uns um die Sonne fürchten liess.

Bm 93 "Talent" der NSB zwischen Lønsdal und Bolna


Bm 93 "Talent" der NSB zwischen Lønsdal und Bolna


Bm 93 "Talent" der NSB zwischen Lønsdal und Bolna


Nun begann das lange Warten auf den Güterzug, der etwa mittags von Nord nach Süd verkehren sollte. Das ist DER Zug auf dem Saltfjell, weil bei diesem Zug das Licht fast überall passt und er eine anständige Länge hat. Verkehren tut er jeden Werktag, so auch heute.

Nun, die Wartezeit war nicht nur lange, sondern auch deprimierend. Es zog nämlich von Süden her eine Schmodderbank rein, die immer dichter wurde. Der Güterzug war zwar etwa 15 Minuten vorzeitig, aber das half dann auch nichts mehr.

312 001 der CN zwischen Lønsdal und Bolna


Ja, was nu? Hier die beiden lokbespannten Personenzüge abzuwarten war sinnlos, das konnte ja nur in die Hose gehen. Im Süden gab es nur Wolken, im Norden hingegen war der Himmel nach wie vor blau und wolkenlos. Der Personenzug aus Bodø war noch über zwei Stunden hin, da hatten wir genügend Zeit für die Flucht nach vorne. Ein paar Stellen hatte ich da auch von letztem Mal noch im Kopf, irgendwas sollte sich da schon finden lassen.

Nun, wir flüchteten zwar vor der Wolkenfront, diese bewegte sich jedoch etwas langsamer mit uns. Wir kamen der Kante zwar immer näher, aber nicht nahe. So konnte das natürlich nichts werden. Hinter Setså ging uns schliesslich die Zeit aus, und wir versuchten, irgendwie die Strecke am Meer unten von der Hauptstrasse aus umzusetzen - diese war sogar halbwegs im Licht, ein kleiner Sonnenspot tat sich auf. Bei Huerz fehlte das Licht, bei mir fehlten dagegen ca. 30 Sekunden und das Teleobjektiv, um das gewünschte Resultat zu erreichen… hier das Bild von Huerz:

Di 4 der NSB zwischen Fauske und Rognan


Weiter gegen Bodø zu fahren war sinnlos, deshalb fuhren wir dem Zug mal nach zurück aufs Fjell. Wir hatten da zwei Ideen: Einerseits wäre es mal spannend, die Erzzüge zwischen Ørtfjell und Mo i Rana abzulichten oder zumindest mal zu sehen; andererseits gab es da am Südende des Fjells noch einen Abschnitt, wo die Strecke etwas dreht, so dass man da den nordwärts fahrenden Personenzug noch umsetzen konnte. Letzteres versuchten wir dann auch, da inzwischen wieder mehr Blau am Himmel zu sehen war; jedoch bewegte sich dieses nicht, so dass kein Sonnenbild gelang.

Di 4 653 der NSB zwischen Lønsdal und Bolna


Anschliessend wollten wir uns mal an die Strecke hinter Ørtfjell stellen. Die Live-Karte sagte aber einen Zug ein der Gegend des Bahnhofs Ørtfjell voraus, und Huerz sah im Wald etwas nordwärts fahrendes, so dass wir uns erst mal an die Brücke direkt bei der Mine stellten.

An der Brücke geschah zunächst mal nichts, aber nach 10 Minuten kam ein Zug aus der Mine gefahren, gezogen von einer Euro 4000 der CargoNet. Die Live-Karte lag demnach etwas daneben; wahrscheinlich zeigte sie einfach die Position der letzten Erfassung.

Di 12 "Euro 4000" der CN in Ørtfjellet


Wir hatten schon befürchtet, dass der Zug wohl rein geschoben wird und wir am falschen Ende der Brücke standen; das wurde zwar jetzt so nicht bestätigt, aber irgendwie erschien es uns dennoch logischer, den Zug in Ørtfjell zu umfahren, anstatt im Berg ein Umfahrungsgleis zu bauen - daher halten wir trotz Beweismangel an dieser Theorie fest ;)

Wir peilten noch kurz die Brücke ein paar Kilometer gegen Mo i Rana an, der Zug war aber 15 Sekunden zu früh da, so dass es kein Bild gab.

Das war es dann endgültig für heute. Aufgehalten von den diversen Baustellen zum Ausbau der E6 (wieso auch immer, für das bisschen Verkehr muss man doch nicht neue Schneisen in die Landschaft schneiden, zumal das Resultat dann eine noch langweiligere, geradere Strasse ist, auf der man dann trotzdem nur 80 oder 90 km/h fahren darf…) ging es zurück nach Mo i Rana - das Buffet wurde von uns schon freudig erwartet!