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Betrunkene Finnen und verregnete Trolle 15: Viele Wolken und viele Kilometer

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Freitag 23.9.2016

Langsam aber sicher war für uns aufbrechen angesagt. Am Sonntag geht mein Flieger ab Oslo in die Heimat, David bleibt noch einige Tage länger und verzieht sich nochmals an die Bergenbahn. Aber auch er hat am Sonntag Nachmittag seinen Zug gebucht. Uns trennt aber noch rund 1100km von Oslo, die es gilt runterzuspulen. Und da dazwischen nur ganz wenige Abschnitte mit Autobahn sind, bedeutet das, dass wir nicht viel mehr als 70km/h im Schnitt fahren können. So hiess es heute definitiv Abschied nehmen vom Saltfjell. Nichtsdestotrotz wollten wir heute nochmal hoch hinauf aufs Fjell. Dazu ging der Wecker wie schon gestern um 0600, da ab 0630 das Morgenbuffet geöffnet war. Nochmals durften wir uns in unserem Hotel die Bäuche vollschlagen. Kurz nach 7 fuhren wir los, ab in Richtung Norden. Erneut beschäftigte uns wieder einmal die Baustelle auf der E6 und wir durften rund 15min bei einer Ampel auf die Durchfahrt warten und zusehen, wie die Baujungs Schutt von Sprengungen wegräumten. Zum Glück hatten wir etwas Zeitreserve. Andererseits war das Wetter heute morgen auch nicht wirklich gut, so dass ein Verfehlen des ersten Talent aus dem Süden verschmerzbar war. Aufgrund dessen und aufgrund eines gestern bei DS Railview gesichteten Fotos entschieden wir uns bei Storvoll kurzerhand zu einer Planänderung. Hier kreuzt die Bahn den Fluss Ranaelva auf einer recht fotogenen Gitterbrücke. Im Abstand von etwa 300m kreuzt ein Fussgängerweg den Fluss ebenfalls - ein idealer Fotostandpunkt. So warteten wir dort auf den Talent in Richtung Norden. Mit etwas ISO Schrauben liessen sich sogar bei der herschenden Dunkelheit halbwegs vernünftige Belichtungswerte einstellen. Nach rund 15min warten kam dann der Zug. Zu unserer Freude wurden gleich zwei Talente auf die Reise geschickt. 2 Talente machen sich hier definitiv besser als einer....

Bm 93 "Talent" der NSB zwischen Dunderland und Bolna



Wir folgten anschliessend dem Zug aufs Fjell hoch. Dass wir den noch einholen würden war ausser Frage, dazu fahren die Züge hier zu schnell, respektive ist man auf der Strasse einfach zu langsam. Aber der Gegenzug stand an, welcher in Lønsdal gekreuzt wird. Auf dem Fjell war das Wetter leider nicht besser. Es gab zwar Grund zur Hoffnung, aber die Chance auf ein Sonnenfoto war dennoch nahe bei 0%. So stellten wir uns an einer Stelle hin, wo wenigstens noch die Bäume und Sträucher etwas Farbe versprühten. Lange mussten wir im eiskalten Wind nicht warten bis der Gegenzug kam.

Bm 93 04 der NSB zwischen Lønsdal und Bolna


Entgegen dem gestrigen Tag war nun nicht 3h warten angesagt, sondern freundlicherweise war heute noch ein zusätzlicher Bauzug eingeplant, mitunter ein grund heute nochmals aufs Saltfjell hochzufahren. Wir hatten den gestern Abend schon in Mo i Rana aus dem Hotel heraus einfahren gesehen und wussten daher was kommt, eine ehemals dänische MZ von Infranord mit einigen Schotterwagen. So stellten wir uns in der Nähe des Polarkreises bei der Strassenüberführung hin und begannen zu warten. Der Zug hatte eine unserer Meinung nach recht grosszügige Fahrordnung, konnte daher aus unserer Sicht auch einiges vor der Planzeit erscheinen. Zum Glück konnten wir unser Fahrzeug in der Nähe abstellen, so dass wir im Fahrzeug warten konnten bis der Zug auftauchte. Der eiskalte Wind der draussen blies hätte ein warten draussen zu einer ekelhaften Sache gemacht. Etwas vorzeitig gemäss dem Plan kam dann der Zug auch. Die Chancen auf ein Sonnenfoto waren inzwischen auf etwa 10% gestiegen. Ab und an öffnete sich in der Wolkendecke ein kleines Loch und man war wieder mal für kurze Zeit in der Sonne. Leider verfehlte der Zug einen entsprechenden Spot knapp.

TMZ 1458 der IN zwischen Lønsdal und Bolna



In Lønsdal hatte der Bauzug nun Kreuzung mit dem täglichen Güterzug von Cargonet. Für den stellten wir uns ein paar hundert Meter weiter hin zum Polarkreis auf. Hier mussten wir uns nun im Wind hinstellen, wir hatten keine Chance im Auto zu warten. Dick eingepackt harrten wir der Dinge die da kommen sollten. Zwischenzeitlich flogen wieder ein paar Sonnenspots vorbei. Als der Zug kam öffnete sich hinter uns auch ein heller Fleck, doch es reichte knapp nicht. Der Zug war vor dem hellen Fleck an der Fotostelle. Schade!

Di 12 "Euro 4000" der CN zwischen Lønsdal und Bolna



Für uns stellte sich nun die Frage: wie weiter. Einerseits hatten wir ursprünglich mal geplant den Südfahrer Tageszug mit Di4 auch noch auf dem Fjell mitzunehmen, angesichts des eher wieder zuziehenden Wetters war die Motivation aber irgendwie bescheiden oder besser nicht vorhanden dies auch zu tun. So entschieden wir uns dann endgültig abzuhauen und begannen unsere Fahrt in den Süden. An der Baustelle der E6 durften wir mal wieder warten. Nicht gerade ideal denn anhand des grafischen Fahrplanes sollten wir in Røssvoll den Güterzug wieder überholt haben, da dieser zwischendrin einmal einen recht langen Stopp hat um einem Erzzug Vortritt zu lassen. Beides lohnende Ziele, doch beides gefährdet. So war die Warterei recht nervend und die Gefahr war, dass wir den beide Züge verpassten, denn mit dem Erzer rechneten wir nicht mehr. Togtrain war auch keine Hilfe und schwieg sich über die Situation aus, respektive lieferte nicht sehr verlässliche Angaben. Dennoch lotste ich David mal zu einer recht fotogenen Überführung in Røssvol. Die Sonne gab kurzfristig auch ihr Bestes und so warteten wir hier einige Minuten. Den Erzzug hatten wir definitiv verpasst, aber der Güterzug tauchte nach rund 10min auf, soger mit etwas Sonne auf dem Näschen.

312 004 der CN zwischen Mo i Rana und Skonseng


Wir fuhren anschliessend nach Mo i Rana wo wir im Coop einerseits mal etwas Müll entsorgten, andererseits einige Vorräte für die Rückfahrt besorgten. Vor der Weiterfahrt verdrückten wir auf dem Parkplatz noch irgend einen Vanillecreme-Strudel. David hatte Lust auf so was gehabt und enstrpechend eingekauft. Da wir keinerlei Weerkzeug hatten, assen wir die recht dünnflüssige Sache mit den Fingern, geht doch auch ;-) Einige komische Blicke von Passanten waren uns aber auf sicher ;)
Hinter Mo i Rana kam uns der Tageszug nach Norden entgegen und so stellten wir uns für den nochmals an einer passenden Stelle an die Strasse.

Di 4 651 der NSB zwischen Mo i Rana und Finneidfjord



Dann begann der mühsamere Teil des Tages. Durch schier endlose Wälder ging die Fahrt in den Süden. Das Wetter verschlechterte sich zunehmends und kurz hinter Holmvassdalen begann es zu nieseln. Kurz vorher überholte uns auch der Güterzug wieder, leider unfotografiert, da wir eine passende Stelle verdaddelten und im Anschluss nichts mehr fanden. Mit fortlaufender Fahrt veränderte sich das Nieseln zu leichtem Regen, was die Fahrt nicht angenehmer machte. In Harran machten wir mal Halt um uns zu Verpflegen. Immerhin war es kurz vor sechs Abends und wir hatten seit dem Morgen nichts mehr rechtes gegessen. Die Bude diw eir auserkoren hatte machte beim Betreten einen etwas zweifelhaften Eindruck. Das Essen geht definitiv nicht als kulinarisches Highlight druch, aber immerhin waren wir danach satt. Als wir nach einem Fahrerwechsel wieder losfuhren - ich durfte auch noch kurz ran - begann es einerseits immer stärker zu regnen, andererseits auch einzudunkeln. Die weitere Fahrt wurde so richtig mühsam, aber da wir in Hell ein Hotel gebucht hatten musste es halt sein. Ab Steinkjer war man dann endlich langsam wieder in der Zivilisation angelangt, noch blieb aber eine Stunde Fahrzeit übrig, bis wir schlussendlich viertel nach neun im Radisson Blue in Hell ankamen.

Einwurf:
Da wir zwischen Steinkjer und Hell einen durchaus fotogenen Abschnitt zweimal einfach so durchfahren haben ohne auch nur ein Foto zu machen, habe ich noch etwas im Archiv gewühlt. 2007 war ich schon einmal zusammen mit zwei Kollegen in der Gegend. Wir waren da jeweils mit der Bahn unterwegs, weshalb Streckenfotos nicht einfach so drinlagen. Immerhin hat die Gegend hier einen +/- Stundentakt und so liegt es auch mal drin an einem Bahnhof auszusteigen und einzelne Züge zu überspringen. Obwohl das Wetter an dem Tag etwas mau war (wie passend zu heute...) machten wir von den Möglichkeiten Gebrauch und stiegen in Ronglan aus. Hier kreuzten sich 2007 jweils zwei Lokaltogs. Da aber nur eine Perronkante vorhanden ist, gibt es jeweils im Stundenwechsel einen Halt nach Norden oder nach Süden. Der zweite Zug fährt dagegen auf dem hinteren Gleis durch. So hatten wir hier 2h Zeit um einige Meter auf die Strecke rauszulaufen. Zuerst gab es aber noch die Kreuzung selber:

Bm 9204 der NSB in Ronglan


Eine halbe Stunde später kam dann ein Verstärkungszug nach Grong durch:

Bm 93 06 der NSB zwischen Ronglan und Skogn


Erneut eine halbe Stunde später stand die nächste Taktkreuzung an, welche für uns aber nicht benützbar war, da eben der Zug nach Norden hielt und der Südfahrer durchfuhr. So konnten wir die zwei Züge einige hundert Meter hinter dem Bahnhof von Ronglan ablichten:

Bm 9252 der NSB zwischen Ronglan und Skogn


Bm 9252 der NSB zwischen Ronglan und Skogn


Bm 9205 der NSB zwischen Ronglan und Skogn


Dann ging es aber zurück zu unserem Nachtlager in Trondheim.
Einige Tage später waren wir bei unserem Schienenbummel erneut in der Gegend angelangt. Das Wetter war noch viel mieser, dennoch wagten wir uns abends noch nach Åsen vor, gab es hier doch eine Kreuzung zweier Züge, einem nordfahrenden Güterzug und dem südfahrenden Tageszug. Der Güter war zuerst in der Station und stand recht fotogen da. Zu unserer Freude war der damals mit zwei Class 66 bespannt. Lokomotiven die man heute in Norwegen nicht mehr sieht...

Class 66 0402 der CN in Åsen


Der Tageszug dagegen fuhr direkt durch und aufgrund der Lichtverhältnisse war da kein Foto mehr machbar.

Nach diesem Exkurs in die Tiefen des Archivs aber zurück ins 2016:

Nach der anstrengenden Fahrerei wurde der Abend bei Beiden nicht mehr allzu lange. Wir planten noch kurz das morgige Programm. Angesichts des Wetters wird es nicht allzu früh losgehen. Für den Abend habe wir uns ein Hotel in Dal gebucht. Plan ist es entlang der Rørosbahn in den Süden zu fahren und abends evtl. noch etwas entlang dem Mjøsa zu fotografieren. Insbesondere die Brücke bei Minnesund am Ende des Sees lässt sich abends mit Streiflicht ablichten. Passend dazu soll es gegen Abend in der Region Oslo Chancen auf Sonne geben. Mal sehen wie das dann klappt....