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Mit der Garratt durch Simbabwe - Teil 1: Wo ist mein Koffer?

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Prolog
In den letzten Jahren, gab es immer eine grosse Sommertour mit den Jungs von bahnbilder.ch. Auf Grund persönlicher Differenzen, fand diese Tour in diesem Jahr ohne mich statt. Auf der Suche nach einem adäquaten Ersatz stolperte ich über die Simbabwe-Reise von Bernd Seiler (Farrail Tours). Diese mochte mich aus verschiedenen Gründen zu begeistern. Einerseits wollte ich einmal die gammlige Eisenbahn im Busch erleben. Ähnliches hatten wir bekanntlich 2014 in Südafrika schon probiert. Dies allerdings mit mässigem Erfolg. Einerseits ist die Eisenbahn in Südafrika relativ modern, andererseits ist der Verkehr trotzdem nur mässig. Für mich war deshlab klar: Will man in einem südafrikanischen Land gute Bilder machen, muss es eine organisierte Reise mit Sonderzügen sein. Ein anderer Grund die Reise anzutreten waren die Lokomotiven des Typs Garratt. Diese Dampfkrokodile gehören in meinen Augen zu den absoluten Kultloks. Als Eisenbahnfan, muss man sie deshalb mal gesehen haben.
Trotz einem grossen organisatorischen Aufwand sind Sonderzugreisen in Simbabwe so eine Sache. Die Leute nehmen alles ein bisschen lockerer als bei uns und so war nicht garantiert, dass die Loks überhaupt fahren würden. Bernd meinte nach der Tour dann auch: „Wenn ihr die Ausschreibung richtig gelesen hättet, dann hättet ihr euch nie dafür angemeldet.“ Immerhin konnte Bernd kurz vor der Abreise noch vermelden, dass die Werkstätte in Bulawayo neben der 16A 611 und der 15A 414 auch noch die 14A 519 zum Laufen gebracht hatte. Der Grund, wieso die NRZ diese Loks immer noch „wartet“ liegt übrigens darin, dass die Kohlemine in Hwange jeweils eine der Loks zum Rangieren anmietet. Ursprünglich hatte die Mine eigene Loks, diese sind jedoch alle nicht mehr betriebsfähig oder bereits dem Schneidbrenner zum Opfer gefallen.

Sa 8. Juli 2017 Freienbach – Johannesburg
Der Tag begann relativ gemütlich, nachdem ich am Vorabend noch den Schulabschluss mit meinen Lehrerkollegen gefeiert hatte, ging es erst gegen Mittag aus den Federn. Mit wenig Stress packte ich meine sieben Sachen zusammen und machte mich gegen 15 Uhr auf den Weg zum Flughafen. Die Gepäckaufgabe lief ohne grössere Probleme ab und auch die Sicherheitskontrolle bewältigte ich trotz des Sommerferienbeginns ohne gross anzustehen. Erst beim Besteigen des Flugzeuges begann die Misere. Erst einmal kam der Flieger zu spät aus Frankfurt, so dass sich der Abflug um rund 20 – 30 Minuten verzögern sollte. Da ich in Frankfurt nur etwa 90 Minuten Zeit hatte, war ich deshalb bereits leicht beunruhigt. Nun ja, würden wir um 18:30 Uhr losfliegen, hätte ich noch immer eine halbe Stunde bis zum Start des Boardings. „Das müsste schon klappen“, dachte ich mir. Dann kam jedoch dir Durchsage des Kapitäns, dass man die Startbahn aufgrund eines Gewitters wechseln musste. In der Folge, fiel unser Flug in der Reihenfolge der Starts weit nach hinten. Aus prognostizierten 15 Minuten, wurden schnell 60 Minuten. So hoben wir erst gegen 19:30 Uhr in Zürich ab. Nach rund 45 Minuten Flug, erreichten wir Frankfurt um etwa 20:15 Uhr. Natürlich musste man den Flieger nun noch auf dem Taxiway warten lassen. Auch gab es kein Fingerdock für uns. So war es 20:35 Uhr, als ich im Terminal A ankam. Nun musste ich die Beine in die Hand nehmen. Mit einem kleinen Sprint erreichte ich sieben Minuten später meinen Flieger im Terminal B. „Last call for Transferpassengers from Zurich“, hiess es gerade. Völlig ausser Atem und beinahe die Lunge auskotzend, setzte ich mich in den Flieger. Natürlich hatte der nun auch Verspätung. „We are waiting for some luggage“, meinte der Captain. Wem sein Gepäck das wohl war? Immerhin warteten sie aufs Gepäck, dann wirds wohl ankommen, dachte ich mir. Nach rund einer halben Stunde kam dann die Durchsage, dass der Tower streiken würde und wir eine weitere halbe Stunde warten müssten. Mit rund 60 Minuten Verspätung gings dann doch noch los. Der Flug nach Joburg war soweit angenehm. Das Bordprogramm gab zwar nicht viel her, aber ich war sowieso hundemüde und verschlief deshalb den grössten Teil.

So 9. Juli 2017 Johannesburg – Bulawayo
In Johannesburg angekommen ging es zum Transferzoll, der mir einen Stempel in den Pass drückte. Dann ging es zum Schalter von South African Airways. Schliesslich hatte die Dame in Zürich gemeint, ich müsse eventuell mein Gepäck in Joburg abholen. Gerade vor mir waren zwei Deutsche, die selbiges Fragen wollten. Ich schnappte nur Bulawayo auf und erkannte, wie sie an den Schalter der Regionalfluglinie verwiesen wurden. Zwei Deutsche auf dem Weg nach Bulawayo, beide mit einer Fototasche? Das konnte eigentlich nur eins bedeuten. Richtig, die waren auch auf dem Weg zu den Garratts. Zu dritt erfuhren wir, dass unser Gepäck durchgecheckt wurde. Dann ging es durch die Sicherheitskontrolle um dahinter auf drei weitere Deutsche zu treffen, die aus München gekommen waren. Man kannte sich offensichtlich bereits aus früheren Reisen. Während wir nun am Gate warteten, kamen weitere Dampfenthusiasten dazu, die anscheinend ebenfalls zur Stammkundschaft von Farrail gehörten. Ich nutzte derweil die Zeit mir noch einen Adapter für Simbabwe zu kaufen. Eigentlich wollte ich ja einen Südafrikanischen kaufen, weil ich der Meinung war ich hätte den britischen, der in Simbabwe üblich ist schon. Die Dame im Shop meinte jedoch, der Südafrikanische sei in Simbabwe nicht gebräuchlich, ich soll den britischen nehmen. Dies tat ich dann auch. Der Flug rauf nach Bulawayo war einmal mehr angenehm. Der Flughafen vor Ort war sehr klein. So musste man nach dem Aussteigen übers Rollfeld zum Terminal laufen. Im kleinen Terminal, musste wir uns noch ein Visum besorgen. Double Entry sollte es sein, da es auf der Reise einmal über den Sambesi nach Sambia gehen sollte. Alles kein Problem, wenn man in der richtigen Reihe stand. So wurde der eine Kollege in eine andere Reihe versetzt, worauf man ihm sagte, dass es an diesem Schalter kein Double Entry gab. Als später noch drei weitere Leute ein Double Entry Visum wollten, verschwand der Zöllner kurzzeitig. Später kam er einem Block Double Entry Formularen zurück und konnte diese nun auch ausstellen. Ich, der ich von Anfang an in der richtigen Reihe stand, beobachtet das Treiben hinter dem Zoll. Dabei versuchte ich meinen Koffer auf dem Gepäckband auszumachen. Zwei graue Koffer drehten die Runde, wurde aber von anderen Passagieren weggenommen. Als ich durch den Zoll war, fragte ich, ob da noch mehr kommt. Nein! Super, da blieb mein Koffer irgendwo stecken und das ausgerechnet auf der Reise ins Nirgendwo. Nachdem der Zoll auch noch meine ganze Kameraausrüstung sehen wollte, war ich der letzte von der Gruppe, der aus dem Arrival-Bereich rauskam. Ich meldete, dass ich noch zum Lost and Found musste wegen des Koffers und war dann weg. Typisch afrikanisch (oder von mir aus simbawisch) hatte der Typ bei Lost and Found keinen Stress: „Ja, dann kommt der Koffer wahrscheinlich Morgen, oder vielleicht auch Übermorgen.“ „Können sie vielleicht nachprüfen, wo er ist“, entgegnete ich. „Das tun wir normalerweise erst um 18 Uhr“, meinte Mr. Easygoing wenig inspiriert. Etwas genervt ging es dann zurück zum Ankunftsbereich. Dort war inzwischen keiner mehr. Congrats, die sind nun ohne mich los. Ich zog mein Telefon und rief Bernd Seiler an. „Da wartet ein Bus mit einer Farrail-Tafel“ auf dem Vorplatz meinte dieser. So ging ich dann auf den Vorplatz und suchte den Bus, nur war da nix. Also nochmals telefonieren. Diesmal war Pietro der Kollege von Bernd am Apparat. „Everybody was picked up from the Airport!“, meinte er. „No I’m still there“, entgegenete ich. „Oh, we’ll be there in 5 minutes“, kriegte ich zur Antwort. Tatsächlich waren Bernd und Pietro kurze Zeit später da. Eigentlich wollte sie zwei andere Gäste abholen, die mit dem Air Simbabwe Flug aus Joburg kamen. Da dieser verspätet war, musste ich nochmals 30 Minuten warten. Nun gut, Stress hatte ich keinen. So waren wir dann gegen 14:30 Uhr im Hotel. Nach dem Einchecken gings aufs Zimmer, wo ich Mike, meinen Zimmergenossen aus Kalifornien kennenlernte. Der gute Mann stammt aus Tehachapi. Am Loop sei er jedoch nicht so oft. „I’m not a Dieselfan“, gab er derweil als Begründung an. Nach all der Aufregung, ging es nun zum Depot von Bulawayo. Dort angekommen erwartet uns ein grotesker Anblick. So gemmelten rund 20 Garrats vor sich hin. Auch der Loksschuppen machte derweil keinen vertrauenserweckenden Eindruck. So war im einen Teil das Dach eingestürzt, so dass der „Schuppen“ nur noch aus einem Gerippe bestand.
Der Lokschuppen in Bulawayo besteht nur noch aus einem Gerippe. Auch die Loks sahen schon mal besser aus.


Von den angeheizten Garratts machte vor allem die 14A einen guten Eindruck. „Jetzt sieht das Ding doch aus wie ne Lok“, meinte Bernd. Pietro erklärte derweil, dass Bernd noch am Morgen mit Nachdruck darauf gedrängt hatte, dass die Eisenbahner die Garratt putzen sollten. Ebenfalls wurden Lokschilder montiert. Interessanterweise jedoch nicht die der 14A 519. Diese waren nämlich aus unerfindlichen Gründen nicht auffindbar. Besser stand es derweil um den Schildersatz der 14A 525. So entschied man sich die Lok kurzerhand umzunummerieren.
Noch wird fleissig gewerkelt an Garratt 525, ähhh sorry 519.


Sie macht sich gut, die 14A 519, sogar die falschen Schilder geben ein gutes Bild ab.


Nach dem Depotbesuch gings wieder zurück ins Hotel. Abendessen und Briefing für Tag eins der Tour war angesagt.