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Mit der Garratt durch Simbabwe - Teil 6: Auf dem Weg nach Victoria Falls

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Fr 14. Juli 2017 Thomson Junction – Victoria Falls
Nach dem Debakel vom Vortag stand 15A 414 diesmal bereits richtig rum gekuppelt am Güterzug, der uns nach Victoria Falls bringen sollte. Auch die Diesellok stand schon an den Personenwagen. Die beiden Züge mussten also nur noch vereinigt werden, ehe wir TJ pünktlich verlassen konnten. Erstes Ziel war die Deka Bridge, wo wir zwei Scheinanfahrten machten. Bei der ersten stand ich im Flussbett, bei der zweiten auf der Brücke, wobei mir das zweite Bild wesentlich besser gefiel.
Die erste Scheinanfahrt des Tages auf der Deka Bridge.


Im Anschluss rollten wir in den Bahnhof von Deka, wo wir eine Kreuzung abwarten mussten. Gerade mal vier Leute liessen sich motivieren, sich für diesen Gegenzug aufzustellen. Ok, die Stelle an der Einfahrt hatte nicht viel Hintergrund und das Licht war relativ spitz, doch bot der Bahnübergang wenigstens ein bisschen Motiv. Auch der gemischte Güterzug bestehend gezogen von zwei südafrikanischen 35-400 der Beitbridge Bulawayo Railway gab ein gutes Bild ab.
In Deka kreuzen wir einen Transitgüterzug zwei 35-400 der Beitbridge Bulawayo Railway.


Er sollte übrigens der einzige Gegenzug bleiben, den wir bis zum späten Abend kreuzten. Dies zeigte einmal mehr, wie wenig auf Simbabwes Schienen läuft. Bei der nächsten Scheinanfahrt hinter Deka gab es derweil die Möglichkeit unseren Dieselzug einmal aus guter Position zu schiessen. Der Lokführer der DE6 bewiess dabei, dass er das mit dem black Smoke genauso gut im Griff hatte, wie die Mannschafft der Garratt. Zusammen mit dem stattlichen Fünf-Wagen-Personenzug ergab sich damit ein gutes Bild.
Auch die DE6 hat das mit dem black Smoke im Griff.


Als wenig später der Dampfzug angefahren kam, waren wir uns alle einig, dass der Güterzug heute besonders gut aussah. Dies vor allem dank den Boxcars, die man am Morgen früh aus dem Nachtzug nach Victoria Falls ausgereiht und bei unserem Zug wieder eingereiht hatte. Kaum war der schöne Zug im Kasten, liefen wir einige Meter hinter die nächste Kuppe und machten gleich die nächste Scheinanfahrt. Anschliessend ging es zum Bahnübergang vom Vorabend, wo die Sanguja-Kurve aus einer anderen Perspektive noch einmal festgehalten wurde.
Bis Sanguja folgten drei weitere Scheinanfahrten.




Der aufmerksame Beobachter wir merken, dass wir in der Zwischenzeit die blauen Abdeckplanen entfernen liessen.


Gleich hinter Sanguja folgte die Stelle des Tages. Von einem Hügel hatten wir einen exzellenten Blick in die weite Ebene. Da nach der Scheinanfahrt der Wasserwagen vom Dieselzug in den Dampfzug einrangiert wurde, sollten sowohl Dampf- als auch Dieselzug in den Bahnhof von Sanguja zurückdrücken. Ich nutzte die Gelegenheit und wartete auch noch auf den Dieselzug.
Die Stelle des Tages: einmal mit Dampf, ...


einmal mit Diesel.


Nachdem der Wasserwagen hinter der Lok und die Pumpe angeschmissen war, ging es derweil weiter nach Matetsi. Hier gab es einen Wasserkran, so dass man die Lok etwas effizienter betanken konnte. Das Ganze war ein solches Happening, dass sich innert Kürze die ganze Dorfjungend auf dem Bahnhof einfand. Nachdem die Lok aufgetankt und der Wasserwagen wieder ausgesetzt war, kam es zu mehreren Scheinanfahrten im Bahnhof von Matetsi.
Wasserfassen inkl. Körper- und Lokpflege in Matetsi.


Auch die Dorfjugend war anwesend.


Wenig später wird der Wasserwagen aus dem Dampfzug ausrangiert.


Der Dieselzug verlässt Matetsi.


Ihm folgte der Dampfzug.


Nach dem Bahnhof wurde auch die Brücke dahinter festgehalten. Da die Sonne jedoch beinahe in der Gleisachse war, fand ich diese Aktion etwas unnötig. Das Problem war allerdings, dass es hinter Matetsi kaum mehr Stellen gab. Dies mussten Bernd und ich feststellen, als wir danach auf der Diesellok sassen und eine geeignete Stelle für den Sonnenuntergang suchten. Kurz hinter Dibangombie wurden wir dann doch noch fündig. Bis der Dieselzug abgekoppelt war und der Dampfer zur Scheinanfahrt aufbrach, war die Sonne jedoch schon weg. Umso überraschter waren wir, als aus dem Funk ein „Joni, Joni, Joni can we do it again?“ kam. Bernd hatte eine leicht andere Position, die noch im Licht war, weshalb er die Scheinanfahrt unbedingt wiederholen wollte. Nur wo war Bernd? Ich fand es auf die Schnelle nicht raus. Alles was mir blieb, war so ans Gleis zu stehen, dass ich den Zug wenigstens im letzten Abendlicht festhalten konnte.
Der Dampfer im letzten Abendlicht.


Während sich Bernd danach in den Personenwagen zurückzog, verbrachte ich den Rest der Fahrt bis Victoria Falls auf der Diesellok. Spannend war dabei die Konversation des Lokführers mit der Leitstelle in TJ. Als er anfragte, ob er einen Gegenzug kreuzen müsse, kam die Rückfrage: „Are you finished doing stupid things?“ „Yes, the sun has gone“, meinte dieser. Die Leitstelle liess uns deshalb gewähren. Sofort wurde einem bewusst, wie einfach die Zugsicherung in diesem Land funktionierte. Dies ist allerdings etwas traurig. An der ganzen Strecke stehen nämlich Lichtsignale. Diese stammen noch aus der Kolonialzeit. Da sie seither nicht mehr gewartet wurden, rotten sie jedoch allesamt vor sich hin. Nach Ankunft in Victoria Falls folgte schliesslich ein kurzer Bustransfer zum Hotel. Beim Verlassen des Bahnhofes kreuzten wir dabei noch den Touristenzug, der Bushtraks Railway, der mit einer unbekannten (weil im Dunkeln) Dampflok bespannt war. Im Hotel angekommen, wurde uns schnell bewusst, dass wir vom Nomansland direkt in der Touristenhölle gelandet waren. Dies merkte man beispielsweise daran, dass während dem Abendessen eine Gruppe Einheimischer eine Gesangs- und Tanzeinlage darbot. Bei der anschliessenden Sammelrunde spendete ich einen Dollar, halb aus Mitleid, halb aus Dankbarkeit, dass ich endlich in Ruhe essen konnte.