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Mit der Garratt durch Simbabwe - Teil 7: Von Fehlversuchen und Injektorschäden

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Sa 15. Juli 2017 Victoria Falls – Victoria Falls
Einmal mehr ging es vor Sonnenaufgang aus dem Hotel. Nach einer kurzen Busfahrt ins Stadtzentrum erreichten wir das Victoria Falls Hotel beim Bahnhof. Von der Terrasse dieses Hotels wollten wir den Zug auf der Sambesibrücke im Gegenlicht machen. Mit viel Spray im Hintergrund würde dies sehr gut aussehen, meinte Bernd. Leider hatte es an diesem Morgen jedoch keine Gischt hinter der Brücke. Auch klappte die Anfahrt erst nach Sonnenaufgang, dies weil der Disponent auf sambischer Seite zu diesem Zeitpunkt nicht in seinem Büro war und unser Dampfzug deshalb die Grenzbrücke nicht passieren durfte. Nach dem mässigen Erfolg mit dem Gegenlichtbild, ging es in den Victoria Falls Nationalpark. Hier wollten wir einen Querschuss mit der Sonne auf der richtigen Seite machen. Im Park angekommen, mussten wir jedoch feststellen, dass man die Brücke nur spitz schiessen konnte. Da wir auf simbabwischer Seite standen, funktionierte dies aber auch nur für Züge aus Sambia, wofür unser Zug falsch herum stand. „Alles ein bisschen für nichts“, dachte ich mir und verzichtete aufs Bild. Wenigstens abgedrückt wurde bei der nächsten Scheinanfahrt von einer Strassenbrücke, kurz vor der Grenze. Da der Hintergrund mit ewigem Grün jedoch wenig zu begeistern wusste, war auch dieses Bild für die Tonne. In der Folge musste unser Zug die Strecke räumen. Ein internationaler Zug sei angekündigt, hiess es. Wir hatten derweil zwei Optionen. Bustransfer zum Bahnhof bzw. Hotel, oder eine individuelle Erkundung der Fälle. Nun gut, wenn man schon mal da ist, sollte man sich diese Fälle nicht entgehen lassen, dachte ich mir und entschied mich für die zweite Option. Dies jedoch nicht ohne nachzufragen, in welche Richtung, denn der internationale Zug fahren würde. „The Rovos Train is coming from Daressalam“, meinte Sam. „Nun gut, das wär ja dann schon mal ein Motiv für die Brücke“, dachte ich mir. Da Rovos allerdings mit einer Diesellok kommen sollte, war ich offensichtlich der einzige mit diesem Gedanken. So stand ich dann während 90 Minuten im besten Licht an der Brücke über die Sambesischlucht und hatte zwei, drei Mal das Gefühl Rovos würde nun kommen. Jedes Mal wars jedoch nur ein LKW und keine schöne rote Diesellok, die da über die Brücke fuhr. Damit wäre auch erwähnt, dass es sich bei der Brücke um eine Zweiwegbrücke handelt. Ursprünglich als doppelspurige Eisenbahnbrücke geplant, wird die Brücke heute vor allem von LKWs genutzt. Weiter gilt es zu erwähnen, dass die Brücke ein reines Prestigeobjekt ist. So wollten die Erbauer zum Ende des 19. Jahrhunderts den Bahnreisenden einen guten Blick auf die Fälle und ihre Gischt ermöglichen. Dazu musste die Strecke nach dem Bahnhof von Victoria Falls den Sambesi hinab trassiert werden, nur dass man auf der sambischen Seite dem Fluss wieder hinauffolgen kann. Dies und einige andere Geschichten erfuhr ich von den unzähligen Guides, die ihre Touristengruppen durch den Park am Brückenblick vorbeiführten. Und Rovos? Nun Rovos wäre ein schönes Motiv gewesen, kam aber wenig überraschend doch nicht vorbei. Nach 90 Minuten strich ich deshalb die Segel und gönnte mir noch 30 Minuten an den Fällen. Schliesslich sind die auch ganz schön beeindruckend. Anfangs fand ich es dabei ganz lustig, dass einige in Regenmänteln rumrannten. Als ich trotz eitel Sonnenschein vom Spray der Fälle plitsch platsch verregnet wurde, fand ich dies gar nicht mehr so dumm. Tief beeindruck vom Naturspektakel ging es dann auch für mich noch zum Bahnhof. Schliesslich sollte da ja noch die Lok von Bushtracks rumstehen. Nach einem Marsch ins Depot erblickte ich hinter einem Kohleberg dann auch die Lok der Klasse 12. Da sie wenig fotogen abgestellt war, verzichtete ich allerdings aufs Bild. Stattdessen drückte ich bei der DE10 1043 ab, welche am Morgen den Personenzug aus Bulawayo gebracht hatte.
DE10A 1043 steht nach getaner Arbeit im Bahnhof von Victoria Falls. Im Hintergrund ist unsere Garratt zusehen, die ebenfalls gerade eine Pause einlegt.


Beim Fotografieren hatten mich wohl einige Einheimische beobachtet. Sofort wurde ich belagert, wobei man mir alte simbabwische Noten andrehen wollte. 20 Dollar wollte man für den ganzen Stapel Papier haben. Ich erblickte eine 20 Milliarden Dollar Note und bot dem Händler einen Dollar. Als schlechter Feilscher bezahlte ich schliesslich fünf Dollar dafür. Sofort kam ein zweiter Händler und bot mir eine 50 Milliarden Dollar Note an. „This is the bigest one“, meinte er. Ich hatte jedoch meine Note und wollte keine zweite. Sofort zog er seinen Joker und zeigte mir eine 10 Billionen Dollar Note. Noch einmal pries er die Note als „the bigest one“ an. Ich verneinte abermals und verkrümelte mich in einen Souvenirshop. Auch beim Gang vom Souvenirshop zu Hotel wurde ich von diversen fliegenden Händler belagert, die entweder Noten oder Holzimitate der Big Five loswerden wollten. Wieder einmal wurde mir bewusst, wie bludy ich in dieser Touristenhölle war! Etwas Gutes hatte die Touristenhölle dann aber doch noch, so stieg die Qualität des Essens in Vic Falls gewaltig. Gut gestärkt ging es Nachmittag nochmals zum Bahnhof. Laut Internet sollte Bushtracks um 15 Uhr in Vic Falls losfahren. Eine Abfahrt die ich auf Grund der kalten Lok im Depot ziemlich in Zweifel stellte. Doch hatte man ja nichts Besseres zu tun. Kaum am Bahnhof wurde ich mit einem warmen „Hello my friend“ begrüsst. Da war er wieder, der Herr mit den Noten. Wieder wollte er mir die 50 Milliarden andrehen. Ich fragte nach den 10 Billionen, worauf er verschwand. Wenig später war er allerdings wieder da, diesmal mit der Note. 20 Dollar wollte er für das Ding. Mit einer abenteuerlichen Story, wie schwer das Papierchen zu kriegen sei, rechtfertigte er derweil den Preis. Nach einer gewissen Zeit des Feilschens ging mir der Typ langsam aber sicher auf den Geist. Ich gab ihm 15 Dollar und kriegte dafür 10.05 Billionen (Simbabwe) Dollar. Zufrieden zottet er ab, währenddem ich mich um Bushtracks kümmern konnte, der wie erwartet nicht fuhr.
Who wants to be a trillionaire? Die Inflation in Simbabwe machts möglich, dass dort jeder "reich" wird. Gerade wegen der hohen Inflation ist nun der US-Dollar offizielle Währung.


Immerhin gab es im Anschluss eine nette Dinner cruise auf dem Sambesi. Hippos gucken, Sonnenuntergang geniessen und gut Essen war ein toller Abschluss dieses insgesamt nicht sehr erfolgreichen Tages.



Die Wildnis ist auch in Vic Falls allgegenwärtig. Beim Anlegesteg unserer Dinner cruise waren einige Warzenschweine am Grasen.


Der Sambesi vor den Fällen. Einige der Steine am rechten Bildrand entpuppen isch bei genauem Hinschauen als FLusspferde.


Ohne Worte



So 16. Juli 2017 Victoria Falls – Victoria Falls
Nach dem mässigen Erfolg vom Vortag, sollte es an diesem Sonntag auf die sambische Seite der Brücke über die Sambesi-Schlucht gehen. Dies hiess, um 5:50 Uhr los, damit wir um 6:00 Uhr an der Grenze waren. Sam organisierte uns derweil eine eigene Zollschlange, so dass wir alle in Windeseile unsere Ausreisestempel bekamen. Dann sammelte Sam die Pässe ein, um damit zum sambischen Zoll zu gehen. Wir stiegen derweil im Niemandsland zwischen den beiden Grenzstationen aus und machten uns auf eine Stelle für den Gegenlichtschuss zu suchen. Dank Sam sollte heute auch die Station in Livingstone etwas früher besetzt sein, so dass unser Zug pünktlich zum Sonnenaufgang über die Brücke rollen konnte. Da auch der Zug ausnahmsweise pünktlich war, klappte für einmal alles wie am Schnürchen. Das Problem war nur, dass wir von unserer Position die aufgehende Sonne nicht im Bild hatten. Dies, weil sie hinter einem Hügel aufging. Nach einer ersten Scheinanfahrt kämpfte ich mich deshalb über den schmalen Grat (auf beiden Seiten ging es runter in die Sambesi-Schlucht) und fand eine etwas bessere Position. Von dieser Position aus gelang mir ein brauchbarer Gegenlichtschuss. Wobei das Ergebnis mit der tieferen Sonne noch besser gewesen wäre.
Der Gegenlichtschuss von der sambischen Seite.


Nach diesem Bild ging es (ohne Pass) am Grenzposten vorbei in den sambischen Victoria Falls Nationalpark. Während Sam noch immer die Zollformalitäten erledigte, standen wir nun auf der richtigen Seite der Brücke. Leider war die Gischt an diesem Morgen aber extrem hoch, so dass sie die Sonne verdeckte. Kam dazu, dass sie Bernd an diesem Sonntag nicht gerade als geduldig erwies. So liess er den Zug bei mässigem Licht fünf Mal über die Brücke fahren. Schnell war klar, dass wir uns nach der letzten Überfahrt rund 30 Minuten hätten gedulden müssen. Dann wäre die Sonne endgültig aus dem Spray und die Brücke im Licht gewesen. Diese Zeit wollte Bernd jedoch nicht abwarten. Stattdessen wollte er noch eine Stelle zwischen der Brücke und dem Bahnhof machen.
Die andere Seite der Brücke, durch den Spray leider nicht voll ausgeleuchtet.


Etwas enttäuscht über das mässige Bild ging es zurück über die Brücke. Nun gab es die Pässe zurück. Wobei der Stempel fürs Day-Tripper-Visum von Sambia doch sehr schäbig daher kam. Auf der simbabwischen Seite galt es dann noch einmal anzustehen, um den erneuten Einreisestempel in seinen Pass zu kriegen. Anschliessend ging es zu einer bekannten Stelle mit einem Vic-Falls-Schild. Diese war jedoch völlig im Gegenlicht, so dass ich auf dieses Bild verzichtete. Stattdessen sollte der Diesellok fotografiert werden, die sich nach der Scheinanfahrt ans andere Ende des Dampfzuges setzte. Sollte, weil nach dem Ankuppeln sehr viele Leute auf die Lok stürmten und somit auch dieses Bild zerstörten. Etwas genervt stampfte ich anschliessend zum Bahnhof. Dort stand der Zug an der Einfahrt. In diesen konnte er jedoch nicht einfahren, da der Bahnhof bereits zugestellt war. So stand auf Gleis eins beispielsweise Rovos Rail. Nicht jener aus Daressalam, dafür jener aus Pretoria, der jedoch nur bis Victoria Falls fuhr. Da die Loks bereits umgesetzt hatten, war der Zug jedoch nicht mehr umzusetzen. Ich entschied mich trotzdem noch ein bisschen am Bahnhof auszuharren, was sich durchaus lohnte, da unsere Personenwagen im Anschluss von einer DE10 rangiert wurden.
Viel Betrieb im Bahnhof von Victoria Falls. Während auf Gleis 1 gerade unser Zug weggestellt wird, wartet auf Gleis 2 DE10 1025 mit einem Schlafwagen. Dieser muss im Nachtzug jeweils hinter der Lok laufen, weshalb er der Endstation jeweils rangiert wird.


Wenig später hat sich die Lok vor unsere Personenwagen gesetzt.


Auch diese werden neu gereiht.


Dank dieser Bilder konnte ich die Enttäuschung vom Morgen etwas besser wegstecken. So ging es guten Mutes zum Mittagessen, wo uns eine nächste Hiobsbotschaft erwartete. Unsere 15A 414 hatte einen Injektorschaden erlitten. Zwar verfügen Garratts über zwei Injektoren (sie haben ja auch zwei Wassertanks), doch wollten die Verantwortlichen die Lok nicht mehr auf die Strecke lassen. Bernd insistierte zwar, dass wir noch eine Diesellok dabei hatten. Da diese jedoch ebenfalls in einem schlechten Zustand war, wollte man uns nicht mehr auf die Strecke lassen. In aller Eile musste also ein Ersatzprogramm auf die Beine gestellt werden. In Frage kam dabei eigentlich nur die Kohlemine in Hwange. Diese wollten uns jedoch nicht empfangen, denn es war Sonntag und sonntags habe es dort keine Security. Nun Sam wusste auch dieses Problem zu lösen, so dass wir am Nachmittag erst zum Bahnhof fuhren um uns vom Zugteam zu verabschieden. Anschliessend fuhren wir mit dem Bus nach Hwange, wo wir erst einmal den Schrott im Depot der Mine begutachteten.
Das Depot der Hwange Colliery Ltd macht einen sehr traurigen Eindruck. Sind die Loks noch nicht abgebrochen, wie das unbekannte Exemplar im Vordergrund. So gammeln sie einfach nur vor sich hin.


Extra für uns fuhr die Lokmannschaft im Anschluss mehrmals in der Mine hin und her, so dass wir einige Bilder in der Abendstimmung machen konnten. Im Anschluss wollten wir eigentlich noch einige Nachtaufnahmen machen. Da die Lampen in der Mine jedoch sehr schwach waren, verzichteten wir darauf.


Auch die Mine selbst scheint ihre besten Tage längst hinter sich zu haben. Gerade im Abendlicht bekam die Gammelatmosphäre jedoch einen speziellen Charme.


Dank einem versöhnlichen Abschluss ging es damit wieder zurück ins Hotel. Dort gab es diesmal ein Buffet. Wobei uns auch Krokodil und Kudu angeboten wurde. Während dem das Vieh mit dem grossen Maul nicht sehr speziell war, mundete mir das Kudu sehr gut. Von Sam gab es derweil eine letzte Hiobsbotschaft. Er hatte nämlich nicht verstanden, dass wir bis zum Schluss in Victoria Falls bleiben wollten, weshalb wir für die letzte Nacht nochmals das Hotel wechseln mussten. Während sich Bernd fürchterlich darüber aufregte, schienen es die restlichen Reiseteilnehmen ziemlich locker zu nehmen, dass wir Tags darauf nochmals umziehen mussten.