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Eines Tages in Japan - Frühjahrstour 2017 (4)

Von

Fukushima - Tsubame

Drei paar Augen? Grüne Zehennägel? Alles noch dran? Na, eine Nacht in Fukushima hat uns nicht umgebracht …. im Gegenteil, man wird von allen Japanern angestrahlt :-). Phuu, schlechter Witz, ich weiss, denn die Japaner strahlen immer, nicht nur die hier in Fukushima.
Ob der etwas „schwierigen“ Hotelsituation über die Japanischen Feiertage haben wir uns bereits heute früh für ein Hotel für die kommende Nacht entschieden. In Tsubame liegt es, direkt am Bahnhof des Shinkansen nach Niigata. Und mit der Buchung dieses Hotels war auch die Stossrichtung klar für die nächsten Tage, wir wollen an die Westküste der Insel … die Dieselbahn durch die Aizu Mountains legen wir vorerst ad acta, ausser heute Nachmittag natürlich, da stand diese Bahn auf dem Programm.

Der erste Punkt gehörte aber nicht kleinen Dieseltriebwä(äääh)gen sondern so ziemlich dem besten was die Japanische Eisenbahnindustrie zu bieten hat, dem „Neuen Wegsystem“, oder auf Japanisch, Shiknansen.
Nebst den klassischen Shinkansen die durchwegs auf eigenem Trasse fahren gibt es auch in Japan Verbindungen die über „Bestandsstrecken“ zu ihrem Ziel gelangen. Der Yamagata Shinkansen ist einer davon. Er nutzt bis Fukushima die NBS und fädelt dann aus um schliesslich sein Ziel zu erreichen. Die Zeitersparnis ist so für Reisen von Zentrum zu Zentrum immer noch massiv gegenüber dem Auto. Dies trotz der ödelei über Ausbaustrecken (ok, das Auto ist eher weniger der Konkurrent des Bahnsystems in Japan, wenn dann der Flieger).
Die Infrastruktur auf den Bestandsstrecken muss natürlich für den Shinkansen angepasst werden, denn die Bullet Trains verkehren auf Normalspur während das ganze Bestandsnetz der JR Gruppen in Kapspur ausgelegt ist. Beim Yamagata Shinkansen hat man einfach gleich die ganze Strecke umgenagelt. Auch der Regionalverkehr welcher parallel zu den Schnellzügen auf der Linie unterwegs ist, wird mit normalspur Fahrzeugen abgewickelt (tolle Silberkisten in Backformform).
Die Bestandsstrecken bieten natürlich den Vorteil der besseren fotografierbarkeit als aufgeständerte gerade Strecken mit meterhoher Betonwanne. Normale Übergänge, Brücken und Bahnhöfen gibt es auf den für die „Mini Shinkansen“ ertüchtigen Strecken (wie sie offiziell genannt werden) nach wie vor. Und für mich als alten Bullettrain Freund war es keine Frage ob man zum Yamagata Shinkansen fährt oder nicht - wenn man schon mal da ist.

0 - Wir sind beim Frühstück in Fukushima. Zur Auswahl stand Western oder Japanese Frühstück. Ich wählte das Western Frühstück. Nun ... mega westlich, momol. Die Nudeln waren aber lecker, genau so wie das Griesdings. Da haben wir schon schlechter gegessen. Nur zum Frühstück gleich so loslegen ... mh. Ich bin da eher für Jogurt ;)


Das Wetter heute früh war ganz passabel, sogar besser als angekündigt. So vertrödelten wir nicht viel Zeit im Hotel sondern legten um 7 Uhr einen gewaltsstart hin. Nur aufgehalten vom Parkplatz. Da mussten wir noch unser Auto befreien. Und die Gebühren für diese knapp 10h waren mit über 15CHF dann doch ordentlich, wobei … man ist ja in der Innenstadt, also wirklich überraschend wars nicht. Aber man ist sichs halt bei Hotels nicht so gewohnt ;).
Wir fuhren als erstes raus vor die Tore Fukushimas. Gleich hinter der Stadt beginnt der Aufstieg in die Berge für den Shinkansen. Die Durchquerung des Hügelzugs selber halten wir nach der Besichtigung der Luftbilder als relativ „herausfordern“. Es ist sehr viel Wald entlang der Strecke …. hier und da könnte vielleicht ein Blick möglich sein, aber so detailliert müssen wir uns mit der Bahn gar nicht beschäftigen, dafür gibts genug was man einfach erreicht und mit einem relativ kleinen Zeitaufwand ansteuern kann. Und mir gings ja um die Baureihe. Für einen ernsthaften Besuch an der Strecke nehmen wir uns ein nächstes mal mehr Zeit (ist halt so wenn man (zu) kurz in einem Land ist und (zu) viel sehen will – alte Krankheit von uns ;)).
Direkt im Gefällsknick macht die Bahn einen 90° Bogen an der ersten ernstzunehmenden Hügelflanke. Und genau da wollten wir hin.

Beim ersten Shinkansen kämpften wir noch etwas mit dem Licht, beim zweiten hingegen war es dann ungefähr so wie wir es uns vorgestellt haben. Ein Regio kam überraschend und einen dritten Shinkansen setzten wir etwas anders um als die ersten beiden. Es war alles in allem eine äusserst gefreute Sache.

1 - Wir sind vor den toren Fukushimas hinter der Station Niwasaka an der Yamagata Shinkansen Line. Die Strecke führt von Fukushima über Yonezawa nach Yamagata. Sie wurde bereits 1992 als Shinkansen Linie eröffnet. Dabei hat man sich einem Teil der Ōu South Line
bedient und diese auf Normalspur umgebaut. So gibts Shinkansen (als Mini Shinkansen bezeichnet) auch auf „normaler“ Strecke. Die weisse Schlange welche den Blick auf sich zieht ist eine E3 Einheit – welche auf dieser Shinkansen Verbindung eingesetzt werden. Ebenfalls im Bild etwas links vom schnittigen Shinkansen ist ein Klotzregio der Ōu Line nach Fukushima. Er ist natürlich ebenfalls auf Normalspur unterwegs. Sein Familienname lautet 719-5000.


2 – der nächste E3 Shinkansen. Der erste von Tokyo nach Yamagata an diesem Tag. Bis Fukushima befährt der Zug (meist gekuppelt mit einem weiteren Zug) den Tohoku Shinkansen mit Vmax 275km/h. Ab da gehst dann gemächlicher noch mit maximal 130km/h über die Bestandsstrecke bis Yamagata.


3 – und mit einem letzten E3 diesseits der Berge verabschiedeten wir diese Kurve. Das Wetter hinter den Hügeln sah auf dem Satelitenbild deutlich besser aus ... und die Perspektive mochte je länger je weniger gefallen.


Und wir erfreuten uns nicht alleine … wieder mal war ein anderer Japanischer Eisenbahnfotograf zur Stelle. Wenn da schon überall die Fotografen rum sin, und die machen wirklich gute Bilder, wo im Internet sind die dann bitte? ;). Müsste man mal auf Japanisch nach Eisenbahnbildern suchen? Hmm, wäre noch eine Idee.

Der Takt auf dem Mini Shinkansen ist erstaunlich hoch, ungefähr alle Stunde rollt ein Bullettrain durch die Landschaft. Jetzt zu den Feiertagen war zudem in mehreren Stunden ein Verstärker unterwegs.
Nachdem wir in dem Bogen zufrieden waren und uns stumm von unserem Mitfotografen verabschiedeten ging es durch die Berge hindurch auf die Hochebene von Yonezawa. Wir hatten es etwas eilig, denn die nächsten Shinkansen drückten und an der angedachten Stelle bei Oitama drehte die Sonne schon bedrohlich weg.
Der Weg da hin war gespickt mit Fallen, Ampeln die keiner braucht aber trotzdem immer rot sind, schleichende Japaner und noch mehr Ampeln die keiner braucht und immer rot sind. Man könnte meinen der Schwager vom Kaiser höchstpersönlich hat eine Firma für Verkehrsampeln und deshalb haben halt überall Ampeln zu stehen.

Wir schauten in der Hochfläche die wunderbar von schneebedeckten Bergen umgeben war zwei Mini Shinkansen der Reihe E3 zu und erfreuten uns an diesen so Japan typischen Fahrzeugen. Auch zwei Regionalzüge nahmen wir noch mit, die natürlich auch auf dieser Strecke verkehren.

4 – Nördlich von Takahata, bereits in den Bergen, der nächste Shinkansen. Hier ist die Strecke sogar einspurig. Was bei dem dichten Verkehr an Shinkansen und Regionalzügen zu etwas Verspätung geführt hat an diesem Vormittag. Dieser Zug ist auf dem Weg von Yamagata nach Tokyo.


4.5 - Die Felder werden bestellt, der Japaner arbeitet. Und daneben fährt der Hochgeschwindigkeitszug über die Hochfläche. Schon eine nette Szene. Wir winken dem Zug hinterher, in ca. einer Stunde ist er in Fukushima und dann gehts geschwind nach Tokyo.


5- Diese Einheit E3 L53 ist auf dem Weg nach Yamagata. Der L53 wurde von Toky Car im Jahr 2005 gebaut. Und verrichtet seit da brav seinen Dienst auf dieser Strecke.


6 – und noch der Nachschuss auf die Büchse L53.


7- Juhu, Blechdosen! Gleich zwei 719-5000 fahren als Ōu Line Regio nach Norden. Die Baureihe wurde 1991 in Betrieb auf dieser Strecke in Betrieb genommen.


8 – nicht schön, aber selten. Mh, wobei nein, von den 719.5 gibts auch genug (immerhin sind noch 48 Einheiten in Betrieb). Der Zug hat Akayu erst gerade verlassen und rollt Takahata entgegen.


Dann drückten bereits wieder die nächsten Shinkansen. Der Takt war wirklich zum aushalten! Wir fuhren nachdem die beiden auf der Brücke durch waren eine Stelle weiter. David entdeckte eine Flussbrücke auf der Karte die so ganz nett aussah auf dem Luftbild. Was dann vor Ort geht? Wir werden es sehen, eine alternative hätte zeitlich nicht mehr gepasst, es musste also etwas irgendwie improvisiert werden. So verwirrten wir etwas die Japaner und holperten mit unserem Hybrid Mobil über ein paar Feldwege zur Stelle. Da fotografierten wir einen Shinkansen und wir waren sofort wieder weg, denn sooo doll wars dann doch nicht.

9 – E3 L55 muss herhalten für den Nasenschuss. Gleich südlich von Takahata überquert die Strecke den Tenno River (ja, auch auf der Karte sah es nach mehr aus ;)) und da passten wir dem L55 ab. Er hat eine etwas andere Geschichte als unser L53 von vorhin. Die eine Hälfte erblickte 2003 als Einheit R23 das Licht der Welt, der zweite Teil als R26 2005. Die R Serie war die „original E3“ Serie. 2015 wurden die beiden R-Züge dann von J-TREC zu eben diesem L55 kombiniert und umgebaut. Nur er und die Einheit L54 teilen das Schicksal der aufgemotzten R Serie.


Wir fuhren zurück zum nächsten Ort und stellten uns da für die letzten beiden Züge die unser Zeitplan noch vorsah. Und einer davon war sogar noch ein ganz spezieller. Ebenfalls ein E3 Shinkansen. Der Blick ins Kursbuch brachte wieder mal die Antwort, nach Shinjo gibt es ebenfalls eine Verbindung, und die Leistung fährt dann wieder mit einem eigenen Fahrzeug. Das ist wirklich eindrücklich in Japan, jeder Linie seine Züge. Aber konsequent bitte.

10 – gegen die tolle Geschichte des L55 hat dieser Zug hier – er ist L70 – nicht viel entgegen zu setzen. Er gehört zur zweiten Serie der E3, also E3-2000. Kawasaki lieferte von 2008 bis 2010 12 Einheiten dieser neusten und letzten Serie der E3 ab. Fotografiert bei Oitama.


11 – wie war das mit nicht schön aber selten? Sorry Blechbüx von vorhin, im Vergleich zu dem hier bist du nicht selten. Dieser E3-700 hat das Prädikat verdient, er ist ein Einzelstück. Er wurde 2014 vom Designer Ken Okuyama zu diesem Unikat umgebaut. Er fährt als „Toreiyu “ zwischen Tokyo und Shinjo hin und her. Dabei hat er eine spezielle Inneneinrichtung. 3 Wagen haben keine normalen Sitze sondern „Japanese style seating“ und in einem gibts sogar Fussbäder. Was auch immer ... nicht schön, aber selten halt. Der edle Spender für dieses formidable Fahrzeug war R18, ein 2003 gebauter E700-R. So, und wenn man sich das alles so liest, Japan ist schon verdammt kompliziert mit den Baureihen :-).


Es tut mir ja wirklich leid, ich würde gerne mehr über das erlebte Berichten, über Begegnungen, über komische Situationen. Aber es geschah einfach nichts erwähnenswertes. Es ist als ob man in der Schweiz unterwegs wäre. Die Leute sind zurückhalten, gehen starren Blickes ihres wegs und beachten einen nicht. Egal was man tut. Auf den Strassen herrscht ein absolut unspektakuläres miteinander und kein mirakulöses Chaos wie bei den westlichen Nachbarn. Es ist einfach etwas langweilig. ABER …. das macht es zu einer sehr genussvollen Art des Urlaubs!
Bei dem ganzen Sinnieren über Mini Shinkansen durften wir natürlich unser Ziel für den Abend, Tsubame, nicht aus den Augen verlieren. Da sonst nicht viel passiert beschränke ich mich bei den Bilderbeschreibungen etwas auf die Technik damit ihr doch noch etwas lernt :-).

Der Nachmittag stand nun aber noch der Dieselbahn von Aizuwakamatsu nach Süden zur Verfügung. Und dahin machten wir uns zur einbrechenden Hochlichtphase auch auf. Durch die Berge ein Katzensprung und schon bald würden wir auf die nächste Eisenbahn treffen.
Ja sogar noch bevor wir aus der Fläche hinaus in die Berge fuhren trafen wir auf die nächsten Schienen. Eine Strecke von Yonezawa nach Norden, die Yonesaka Line. Was da wohl wieder läuft? Nicht viel, wie uns die App des spanischen Supermarktes verriet. Aber ein Regio kam etwa zeitgleich mit uns in dem Ort an, und wir nutzten die Chance eine neue Baureihe zu sammeln. Dabei fanden wir am Ortsrand von Yonezawa eine ganz nette Stelle in einer Aussenkurve. Dank der Kurvenüberhöhung sollte auch das Hochlicht nicht ganz so arg sein. Wir stellten uns an den Platz mit den zuvor im Ort gekauften Sandwiches und warteten gespannt auf den Zug der da kommen mag.

12 – Achtung, es bleibt kompliziert. Ein gemischtes Doppel. Die vordere Einheit ist auch selten, aber immerhin schön. Die zwei Kisten die wir hier am Stadtrand von Yonezawa kurz vor der Station Minami-Yonezawa im vorbei gehen erwischt haben sind zwar ähnlich, aber nicht gleich. Die beiden bewegen sich auf der Yonesaka Line und haben ihren Zielbahnhof gleich erreicht. Der vordere Backstein wurde 2008 gebaut und gehört zu einer 8- Einheiten kleinen Serie mit der Bezeichnung Kiha 120. Der hintere gehört zur Familie der Kiha 110 und ist somit ein Fahrzeug aus einer 247 Einheiten umfassenden Serie. Aber es wäre ja zu einfach. Nehmen wir es genau: Es ist der Kiha 110-214. Somit also ein 110-200, gebaut 1993. Kiha 110-200 gibts immer noch 45 Stück. Aber er gehört zu einer Serie von 10 Stück - aus dem 2 Batch - die einen um 25cm verlängerten Führerstand haben zur Crashoptimierung. Um Himmels willen ... und ich dachte es sei einfach ein normaler Kiha 110.


Wir kamen ganz einfach von der Stelle wieder raus und klebten uns auf die Strasse 121 nach Süden. Ausgeschildert war immer Aizu Wakamatsu, was uns natürlich passte. Da unten war das nächste Ziel. Während ich über die kurvenreiche kleine Passstrasse fuhr checkte David mal den Fahrplan für die Zielgegend. Auf der Dieselbahn war gerade etwas Betriebsruhe, da waren wir doch etwas zu früh. Aber auf der Banetsu West Line war ein bisschen etwas los. Ein Local, ein Lt. Express Spezialzug und nochmal ein Regio waren auf dem Plan. Nach einer Stunde durch die Berge, eine wunderschöne Strecke mit relativ wenig Verkehr, erreichten wir die Bahn und suchten einfach mal eine ganz unspektakuläre Stelle. Die Berge im Hintergrund half das einerlei der Fläche etwas aufzulockern. Was dann als zweiter Zug kam überraschte uns dann mehr als nur ein bisschen ... #grussel.

13 – Und jetzt wirds ganz gewöhnlich. Also nicht selten, aber schön :-). Zwei Kiha 40 in der nächsten Ecke. Wir machten einen Sprung nach Süden und sind jetzt an der Banetsu West Line (Niigata – Aizu Wakamatsu – Koryiama) etwas nördlich von Shiokawa. Die beiden Triebwagen hier sind einfach aus der ganz normalen Serie der Kiha40. Gebaut 1977 – 1982 in total 888 Einheiten waren sie mal eine Stütze auf den Japanischen Nebenbahnen.


14 – gar nicht schön, dafür noch seltener. Wir standen an der Strecke und hatten im Fahrplan einen Zug von Niigata nach Aizu Wakamatsu gesehen. Kein Regio, sondern irgend ein Ausflugszug. Das spricht dann ja für einen hübschen bunten Triebwagen. Der Zug hiess SL Banetsu Monogatari. Wie wir da standen auf der Brücke machten wir Witze über das „SL“ ... heisst bestimmt Steam Locomotive. Mh, dass dann C57 180 mit einer schrecklichen Wagengarnitur daher kam war dann aber doch eine Überraschung. Immerhin halten wir positiv fest: Im Hyperdia Fahrplan war der Zug vermerkt :-). Da von den C57 in ganz Japan nur noch zwei Loks betriebsfähig sind lassen wir hier das „selten“ auch mal gelten. Aber der Zug soll ja nicht uns dienen sondern dem Ausflügler. Und es ist ja eigentlich wunderschön zu sehen das auch in Japan solche Konzepte zu funktionieren scheinen und man trotz der ganzen Modernen Bahn anno 2017 auch in das Erbe investiert!


15 – Und nochmal die Stelle. Eigentlich hätte ich ja das Bild nicht bringen wollen. Aber als alter Baureihensammler muss ich. Dieser Kiha 110-200 war der einzige 110er heute der sich als erstes Fahrzeug gezeigt hat. Als 204 entspringt er der allerersten Serie der 200er. Und der Japaner mischt anscheinend gerne, eingeklemmt zwischen den beiden 110-200 ist wieder ein Kiha 120.


Und immer wenn man Zeit vertüdelt wirds dann hinten raus wieder Eng. Und so war es auch diesmal. Denn nach der kleinen Betriebsruhe bis 14 Uhr war auf der Aizu Railway südlich von Aizu Wakamtsu plötzlich wieder zu viel unterwegs. Um uns die Stadtdurchfahrt durch Aizu Wakamatsu zu sparen fuhren wir einen weiten Bogen um die Provinzstadt herum. Ganz falsch war diese Entscheidung sicher nicht ... und trotz etwas Zeitstress musste unterwegs noch ein Eis her. In der prallen Sonne war es heute Nachmittag dann doch ganz gut warm geworden. Aber an jeder grösseren Kreuzung gibt es in dem Land Geschäfte. 7/11 und Konsorten. Da gibts immer frische Getränke, Eis und vorzügliche Eiersandwiches für den kleinen Hunger zwischendurch.

Als wir bei Amaya wieder auf die Aizu Railway trafen war der Aizu Mountain Lt. Express nach Süden bereits durch. Aber nun, die Baureihe 600/650/700/750 war jetzt nicht sooo. Ihr wisst schon. Es lief genug anderes.
Wir fuhren über die Hauptstrasse der Bahn entlang und schauten uns mal die markierten Bereiche auf unserer Karte an. Und gleich das erste war ein Treffer. Stehen konnte man auf dem Lehnenviadukt bei Shiraiwa nicht wirklich. Dichter Verkehr brauste direkt hinter unseren Rücken über die Brücke. Und es war sehr viel los im Tal, kein Wunder, das lange Wochenende neigte sich auch dem Ende entgegen und die Japaner müssen wieder Heim.
Wir standen da oben auf der Strassenbrücke – dem einzigen Flecken an dem man aus dem Wald hinaus schauen konnte. Die Gegend hat sehr viel Vegetation und kaum Rodungen. So nimmt man, was man kriegen kann.
Der erste Zug kam leider gerade so im Schmodderlicht, obwohl es mehrheitlich schön war um uns herum. War aber nicht so arg, denn die hintere Einheit des Triebwagendoppels war ein Werbetriebwagen mit irgendwelche Manga Figuren drauf. Also warten wir doch auf den Gegenzug. Es waren auch kaum 30min hin. Das dann dasselbe Triebwagengespann zurück kam überraschte doch etwas. Da hat die Aizu Railway in Shimogo aber eine sportliche Kurzwende hingelegt!

16 - Nach dem kurzen Besuch an der JR Hauptstrecke gehts rein in die Aizu Mountains. Diese stelle liegt bei Shiraiwa und als Fotostandpunkt dient eine stark befahrene Hauptstrassenrbücke. Gemütlich stehen geht anders, aber der Blick ist ganz oke ... aber


17 – ... der Nachschuss auf die zweiteilige Triebwagengarnitur gefällt da schon besser! Im Bild hier ist eine Doppeleinheit der AT600/650 (oder ist einer davon ein AT700/750? Wegen der schrecklichen Folie aus der Ferne nicht zu erkennen).


Shimogo war dann unser nächstes Ziel. Es stand nochmal ein spezieller Zug an. Ein Ausflugszug der nach Tajima fährt. Taijama ist der „Endpunkt“ der Dieselstrecke. Bis dahin führt nämlich von Süden (Nikko) her der Fahrdraht. Warum jetzt das eigentlich kurze Stück zwischen Taijama bis Aizu Wakamatsu keinen Fahrdraht hat wissen wohl nur die Planer der Aizu Railway.
Was könnte dieser spezielle Zug nun wohl wieder sein? Etwas Zeit zum finden einer Stelle war noch, aber nicht üppig viel. Wir fuhren in Shimogo ran und sahen nur noch Rücklichter an der Stadteinfahrt. Der Individualverkehr staute sich gewaltig durch das Städtchen. Blöd, weil wir wollten nur 200m weiter drüben vom Stauende auf der anderen Bahnseite stehen. Also probierten wir völlig unbedarft einen Weg durch die Wohnquartiere und siehe da, es klappte vorzüglich den Stau in nur 2min zu umfahren. Wir stellten uns auf die Wiese und sahen:

18 – Kaum hatten wir mal „normalen Planverkehr“ im Kasten kam auch schon wieder der nächste Ausflugsbummler. Wir stehen kurz vor dem Bahnhof Aizu-Shimogo und warteten gespannt auf den Zug. Wieder hätte es ein schöner Triebwagen sein können, aber was kam waren zwei Umbauten. Der AT-351 ist ein „offener“ Kiha (grauslig – irgendwie ein Umbau vom AT-301 aus dem Jahr 2009) und hinten läuft der AT-400 (basierend auf einem Kiha 40). Beides Einzelanfertigungen für eben solche Spezialeinsätze. An diesem Tag fuhr der Zug als Memorial Lt. Express durch die Aizu Mountains. Nicht schön, aber selten ... :-). Weitere Infos zu den Fahrzeugen kann ich euch leider nicht geben ... eine Abhandlung über die beiden Triebwagen habe ich nur in Japanisch gefunden (und von einem der nicht mal Ortsnamen richtig ausschreiben kann könnt ihr ja nicht zu viel erwarten ;)).


Danach war mit dem speziellen Zeug endlich fertig :-). Es war noch Planverkehr angesagt, zwei Züge nach Norden und einer nach Süden. Für diese drei blieben wir gleich in der Gegend um den kleinen Ort Shimono. Drei Züge und somit drei Chancen hatten wir also für die Hauptstelle in der Gegend. Drei Chancen brauchten wir auch, denn die Sonne schmodderte wieder etwas in hohen Wolkenfeldern herum. Aber es gelang gar nicht schlecht, auch wenn ein Foto irgendwie repetitiv ausfiel ;).

19 – Wir haben die Ortsseite von Shimogo gewechselt und befinden uns jetzt Südlich vom Ort. Und nach all den komischen Lt. Express die nur einmal alle Schaltjahre fahren noch etwas Planverkehr. Dieses dreier Gespann aus AT-700/750 ist auf dem Weg nach Aizu Wakamatsu und überquert gerade den Aga River.


20 – Wir sind immer noch in Shimogo, gerade nördlich von der Bahnhofsausfahrt. Einige Regios von und nach Aizu Wakamatsu Enden bereits hier in Shimogo, so ist nördlich des Ortes etwas dichterer Verkehr als südlich davon. Dieser Zug hier hört auf den Namen AT-501 und ist einer von zwei Zügen der Baureihe AT-500 (ohne Klo). Es gibt auch noch zwei Züge der Serie AT-550 (mit Klo). Die Aizu Railway Triebwagen sind nicht so durchschaubar. Es gibt Serien von 300 – 750 jeweils nur mit ein bis zwei Exemplaren. Na, immerhin über diesen AT-501 erfährt man bissle was, er wurde 2004 von Niigata Trancis gebaut.


21 – Wer hat denn diesen Werbetriebwagen schon wieder auf die Strecke geschickt?! Wir stehen nochmal an der Aga River Bridge und fotografieren den letzten Zug im Licht des Tages. Der Regio kommt von Aizu Wakamatsu und fährt noch bis Tajima.


Die Strecke noch weiter südlich wäre zwar auch nicht von schlechten Eltern, aber das Hotel war gebucht und wir wollten ja an die Küste. Aber wir hielten die ganze Sache im Hinterkopf für – vielleicht einen späteren Zeitpunkt in diesem Urlaub. Ausserdem war an der nahe gelegenen Tadami Line noch eine Stelle offen die wir sehrsehr gerne machen würden. Also war der Plan hierher nochmal zurück zu kommen gar nicht so unrealistisch.

Und dann war „nur“ noch die Fahrt zu unserem Hotel zu meistern. Der starke Verkehr auf der Strasse hatte etwas abgenommen im laufe des späteren Nachmittags und als wir um 18 Uhr los fuhren war es angenehm leer im Vergleich zu vorhin.
Die Durchfahrt durch Aizu Wakamatsu wollten wir uns nochmal sparen, also gings wieder im Westen der Stadt um selbige herum. Da kannte Osmand auch eine Auffahrt auf den Banetsu Express Way. Als wir dann nach etwa einer Stunde an der Auffahrt angekommen waren die Ernüchterung. Da kamen wir auf die Autobahn nicht drauf. Die Express Ways sind Mautstrassen und es gibt wie in so vielen Ländern entweder ein Elektronisches System oder das System mit Tickets.
Ein Gerät für das elektronische System hatten wir zwar an Bord, aber uns fehlte die Karte dafür. Und die wurde uns nicht angeboten ... die müsse man selber mitnehmen (ist doch auch klar, jeder Japaner welcher Auto fährt hat doch so eine). So zumindest hatten wir es bei der Vermietung so verstanden. An der Auffahrt an der wir standen gab es wohl eine manuelle Zahlstelle, aber nur für Autos die selbige verliessen, nicht für Autos die drauf wollen .Tickets gibts nicht am Automaten, also ist da für Autos ohne Tollcard – wie wir eins waren - einfach keine Auffahrt möglich.
Das war etwas blöd, denn erstmal auf der Autobahn wären wir relativ schnell am Ziel. Aber so wurde in der Dämmerung ein 20km langer Umweg über Nebenstrassen notwendig um möglichst schnell zur nächsten Auffahrt zu gelangen. Erst bei Nozawa gelang uns dann die Fahrt auf die Autobahn und wir konnten mit 80km/h endlich „rasen“ :-)
Bis vor die Tore Niigatas ging es auf dieser Autobahn, dann wechselten wir auf den Hokuriku Expressway nach Süden. Dieser folgt wie auch der Shinkansen und die Bestandsstrecke von Niigata nach Süden immer den Bergen. Gegen 21 Uhr waren wir dann endlich in Tsubame und suchten unser gebuchtes Hotel. Das war gar nicht schwer, denn in der „Neustadt“ waren die Häuser nicht so dicht beieinander und die Häuser die es gab waren riesig (inkl. Grosser Beschriftung auf den Dächern ;)).

Ein Zimmer mit Shinkansenblick gab es leider wieder nicht, obwohl wir nur ca. 500m Luftlinie vom Bahnhof entfernt lagen. Das Auto musste noch geparkt werden und das war gar nicht so einfach. Der Parkplatz am Hotel war nämlich voll (muss man erst mal merken). Aber das Hotelpersonal kannte das Problem wohl und drückte uns sofort eine kleine A4 Karte in die Hand wo wir jetzt hin sollten. Und wirklich, etwas weiter vorne auf einer Brachfläche gab es reichlich Platz. Aber um auf die Fläche zu kommen muss man durch eine Schranke und ein Ticket ziehen. Ich will gar nicht wissen was der Platz auf dieser Halde für eine Nacht kostet. Dabei wäre sooo viel Brachfläche rundherum und Parkplätze von Geschäften gibts auch mehr als genug. Na, lassen wir und überraschen.
Es war schon spät, heieiei, sehr spät. Um diese Zeit noch etwas zu Essen zu bekommen, praktisch unmöglich. Oder doch nicht? Mh, doch, leider doch schon so mehr oder weniger. Die Gegend in der wir waren, war jetzt auch nicht so reich gesegnet an Restaurants. Also setzten wir uns etwas wiederwillig neben der Lobby in das kleine Restaurant um das gastronomische Angebot des Hotels zu probieren. Die gereichte Nudelsuppe (Ramen) war aber gar nicht schlecht, wenn auch eher mehr Vorspeise als Hauptgang. Aber wir waren halt etwas spät, so zumindest verstanden wir das Personal ... :-). Trotzdem gesättigt ging es dann ins Bett. Morgen ist das Wetter perfekt angesagt für die ganze Küstenregion. Obs dann stimmt? Eine stelle für den Start in den Tag um 8Uhr (huch, bissl früh) hatten wir zumindest bereits im Köcher.

Und haben wir mitgezählt? Ohne Unterbaureihen reicht es wieder für 7 neue Baureihen für unsere Sammlung.