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Skandinavischer Herbst (5)

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20.9.2017: Trondheim - Mo i Rana

Der Wecker läutete mich heute früh aus dem Bett. Ich wollte natürlich den ersten Güterzug erwischen, und musste dafür noch aus Trondheim raus fahren. Das Wetter war, wie gestern vorhergesagt, einwandfrei - so haben wir das gern!

Für den Vormittag hatte ich gestern einen 1A Plan ausgeheckt, da war ich ja gespannt, ob der klappt. Das Ziel für den Abend sollte Mo i Rana sein; dazwischen würde sich sicher auch noch irgendwas improvisieren lassen.

Das Auto hatte ich diesmal an der Strasse geparkt, ich hatte keine Lust auf ein Theater mit nicht funktionierenden Ticketsystemen wie gestern. Die Fahrt aus Trondheim heraus zog sich hin, aber irgendwann hatte ich es doch nach Skogn geschafft und stellte mich auf. Den S-Bahn-Nachschuss lassen wir mal aus, das hatten wir gestern schon als Frontschuss. Es dauerte dann nicht mehr lange, bis die Euro 4000 um die Ecke kam.

312 003 der CN zwischen Levanger und Skogn


Der nächste Programmpunkt war der Tagzug mit Di 4 gegen Norden. Für den Stellenwechsel hatte ich nur 20 Minuten zur Verfügung, flink ging es deshalb um Skogn rum an die nächste Stelle weiter südlich.

Di 4 der NSB zwischen Skogn und Ronglan


Klappt ja wie am Schnürchen heute!

Die nächste Stelle war wieder nördlich von Skogn, nahe der ersten, aber diesmal bei einem Bauernhof. Ich parkte das Auto an der Strasse etwas weiter oben, weil ich da nicht auf dem Hof herum fahren wollte, obschon der Weg so halb öffentlich aussah. Gerade mal 15 Minuten nach dem letzten Bild kam schon ein Bm 92 vorbei.

Bm 9204 der NSB zwischen Levanger und Skogn


Schick schick, aber eigentlich war ich ja wegen dem nordwärts fahrenden Güterzug da. Auch der kam schön im Plan.

312 004 der CN zwischen Levanger und Skogn


Nun, den grafischen Fahrplänen sei Dank wusste ich, dass der in Verdal etwas rum gammelt und soviel Zeit verliert, dass ich ihn nochmal kriegen konnte. Eine praktische Stelle direkt an der E6 hatte ich auf Google Maps auch schon erspäht, also nix wie hin!

Ich kam so gut vorwärts, dass es zu meiner Überraschung sogar noch für den Bm 92 ein paar Minuten vor dem Güterzug reichte.

Bm 9212 der NSB zwischen Sparbu und Røra


Gerade mal 7 Minuten später kam Die Euro 4000 angedieselt.

312 004 der CN zwischen Sparbu und Røra


Nun war ich zwar schon recht weit von Levanger weg, aber eine Stelle hatte ich da noch im Köcher, die ich gestern nicht wunschgemäss umsetzen konnte. Deshalb heute mit Frontschuss.

Bm 9215 der NSB zwischen Røstad und Rinnan


Perfekt!

Nun war es aber Zeit, gegen Norden aufzubrechen, denn es war noch ganz schön weit bis Mo i Rana. Nördlich von Røra stiess ich aber auf einen offenen Abschnitt, der ganz nett aussah, und der Fahrplan versprach auch bald einen Zug. Über die Stromleitung sehen wir mal grosszügig hinweg...

Bm 9215 der NSB zwischen Sparbu und Røra


Das wars nun aber definitiv von den Bm 92. Die weitere Fahrt war wenig ereignislos, aber um Majavatn begann ich mir Gedanken zu machen, was ich wohl mit dem südwärts fahrenden Güterzug anstellen könnte, der bald anstand. Irgendwie wurde ich aber nicht so recht fündig. Südlich von Strendene bog ich mal ab und folgte der Strecke über eine unbefestigste Strasse, aber hier gabs einfach zuviel Wald. Die Uhr tickte und tickte, und irgendwann war die einzige verbleibende Option zurück bis fast nach Majavatn zu fahren und sich dort bei der Brücke der E6 über die Eisenbahn aufzustellen. Der Blick von der Brücke selber klappte aber nicht so recht, Bäume und deren Schatten waren zu sehr im Weg, ganz abgesehen vom dichten Wolkenband, das sich langsam vor der Sonne durch schob...

Nun, etwas weiter hinten wurde ich fotostellenmässig fündig, und auch die Wolken hatten im richtigen Moment ein Einsehen. Passt!

312 006 der CN zwischen Majavatn und Sefrivatnet


Den nachfolgenden Tagzug wartete ich ebenfalls noch ab, aber da war dann lichtmässig überhaupt nichts mehr zu wollen, leider.

Die folgende Fahrt nach Mo i Rana war mühsam. Es wurde bald dunkel. Irgendwo um Korgen gab es eine Schrecksekunde: Irgendwas seltsames, grosses stand da auf der Gegenfahrbahn. Ein Elch! Ich realisierte das so spät, dass ich mir nicht sicher bin, dass ich hätte rechtzeitig reagieren können, wäre der auf meiner Seite gestanden... Sowas kann unschön enden...

Irgendwann erreichte ich Mo i Rana dann doch noch, musste aber Google bemühen um das Hotel zu finden, das Comfort Hotel "Ole Tobias". Ich staunte nicht schlecht, dass die Eingangstür mit einem Hemmschuh offen gehalten wurde. Der Receptionist staunte ebenfalls, denn von einer Reservierung wusste er nichts. Es stellte sich heraus, dass ich das bei der Buchung um einen Tag verrutscht war... aber kein Problem, ein freies Zimmer gab es noch. Besonders nett (insb. aufgrund der fortgeschrittenen Stunde) war, dass es sogar - ohne Aufpreis - einen Snack gab, ein kleines Salatbuffet und selbstgemachte Pizza, das Ganze stilecht und passend zum Eisenbahnthema des Hotels im Spisevogn (Restaurant mit Eisenbahn-Sitzen, Gepäckablage und vielen weiteren Relikten). Für Eisenbahn-Begeisterte ein durchaus besuchenswertes Hotel!

Ich hatte nun vor, die nächsten 1-2 Tage auf dem Saltfjell zu verbringen. Da die Unterkunftssituation dort in der Gegend etwas schwierig ist halt von Mo i Rana aus. Leider sagten die Wetterprognosen für die nächsten beiden Tage mässiges, wenn auch nicht nur schlechtes Wetter voraus, aber das konnte dort oben ja auch wieder alles heissen. Wir werden sehen.


21.9.2017: Mo i Rana - Saltfjell - Mo i Rana

Ich hatte heute keine Eile aufs Saltfjell zu kommen, denn die ersten Zugbewegungen waren die beiden Talent, und die waren erst um 9 da oben. Die Fahrt da hoch war aber sehr mühsam, denn es wurde noch mehr als in früheren Jahren an der E6 gebaut. Baustelle reihte sich an Baustelle. Zwar musste ich nirgends lange warten (bei Sprengungen kann das schon mal vorkommen), aber dennoch verpasste ich den nordwärts fahrenden Talent. Traurig war ich darüber aber nicht, denn das Wetter war sowieso in keinster Weise kooperativ.

Ich stellte mich bei den Häusern an der Bahn im nördlichen Breich des Fjells mal für den bald folgenden Talent in Gegenrichtung auf. Ein rechtzeitig erscheinender heller Streifen in den Wolken machte zwar Hoffnung und zwischendurch war die Fotostelle auch schön ausgeleuchtet, als der Talent dann kam war aber der ganze Spass schon wieder vorbei. Gar nix schönes.

Der folgende Güterzug hatte genausowenig Licht (die Fotostelle gibts nochmal mit Licht) und der Tagzug ebensowenig (dito). Zwischendurch besuchte ich mal das Polarkreis-Zentrum für eine heisse Schokolade, wenig erstaunlich war da überhaupt nix los. Ganz schön deprimierend, so ein einsamer Touristen-Souvenir-Schuppen, erst recht bei dem Wetter...

Beim Tagzug in Gegenrichtung dachte ich ich sei schlau, und stelle mich angesichts der dunklen Wolken im Gegen-Keinlicht auf. Doch auch das klappte nicht so wirklich, wurde es doch im Hintergrund kurz vor der Zugdurchfahrt nochmal hell... Dennoch, hier als Alibi-Bild für den heutigen Tag.

Di 4 655 der NSB zwischen Lønsdal und Bolna


Den noch folgenden Güterzug wartete ich nicht mehr ab, das war ja nun echt aussichtslos. Durch die Baustellen gings zurück nach Mo i Rana ins Hotel. Da ich so gar kein Bedürfnis nach einem Restaurant hatte, machte ich mich auch heute wieder über das Pizza-Salat-Buffet her.

Nun, für morgen wollte ich eigentlich dasselbe nochmal versuchen, diesmal ohne den nordwärts fahrenden Talent zu verpassen. Doof war halt, dass die Wetterprognosen wieder genau so waren wie heute...

Apropos Wetter. Die weiteren Prognosen waren interessant. In der Region Narvik - Kiruna war für die nächsten 3-4 Tage gutes Wetter angesagt. Nun, das passte ja eigentlich zu meinen Plänen, mich weiter gegen Norden zu verschieben... obwohl, schönes Wetter da oben im Herbst, wers glaubt... aber sowohl Yr wie auch Meteoblue waren sich relativ einig. Was solls, gibt ja nix zu verlieren. Ich peilte als Ziel für Morgen daher mal Narvik an. Gute Nacht!


22.9.2017: Mo i Rana - Saltfjell - Narvik

Den heutigen Tag ging ich nur mässig begeistert an, denn wenn das Wetter so wird wie gestern könnte ich auch gleich weiterschlafen. Dennoch ging ich heute ewas früher raus, den ersten Talent nochmal zu verpassen musste ja nicht sein.

Zunächst war das Wetter wie erwartet bescheiden, beim Aufstieg gegen Fjell wurde es aber doch besser. Ich guckte mal beim Bahnhof Bolna vorbei, die Herbstfärbung war da 1A. Warten wir mal auf den ersten Talent...

Bm 93 55 der NSB in Bolna


Irgendwie war im Bereich Bolna das Wetter besser als sonst überall, gegen das Fjell hoch sah es auch wieder schlechter aus. So wartete ich am südlichen Fjell-Ende auf den Talent in der Gegenrichtung, der dann auch im Halblicht vorbei kam.

Bm 93 07 der NSB zwischen Lønsdal und Bolna


Könnte schlimmer sein.

Für den Güterzug wollte ich die Stelle von gestern wiederholen. Man ist da zwar relativ weit weg, aber mit Wasser im Vordergrund und so. Um diese zu erreichen muss man bei den grünen Häusern im folgenden Bild die Gleise überqueren (boo!), dann erreicht man eine Hängebrücke und kämpft sich dann auf der anderen Flusseite durchs Gebüsch. Alles egal, Zeit hat man genug.

Das Wetter gab sich je länger je mehr Mühe, was für ein Kontrast zu gestern, und das trotz gleichen Prognosen! Die Gegend hier ist wettermässig halt immer für Überraschungen gut. Der Güterzug kam wie immer pünktlich, und einwandfrei im Licht!

Di 12 "Euro 4000" der CN zwischen Lønsdal und Bolna


Di 12 "Euro 4000" der CN zwischen Lønsdal und Bolna


Der folgende südwärts fahrende Personenzug ist eigentlich etwas blöd im Licht, weil die Sonne dann vielerorts in der Gleisachse steht. Ein Abschnitt geht aber gut, und da stellte ich mich auf.

Ein paar Ren liefen mir noch vor die Linse...

Zwischen Lønsdal und Bolna


Bis der Personenzug kam hatte dann der Schmodder genug Zeit, sich wieder etwas vor der Sonne festzusetzen. Jänu.

Di 4 653 der NSB zwischen Lønsdal und Bolna


Den folgenden Tagzug gegen Norden wollte ich nicht mehr abwarten, denn der war lichtmässig eh schwierig, der Schmodder am Himmel wurde immer dichter und ich wollte ja noch nach Narvik. Mein Masterplan sah vor, die Fähre Bognes - Skarberget um 18:30 zu erreichen. Ich hatte zwar rund eine halbe Stunde Reserve, aber mir war nicht so ganz klar, wie genau Google rechnet, und ein paar Pausen mussten ja auch noch sein. So ging es zügig ab gegen Norden. Was auf der E6 hier auffiel: Die Norweger hatten es ganz schön eilig. Nördlich der Agglo Trondheim scheint es keine Radarfallen mehr zu geben, und 120 km/h im 80er sind kein Thema. Naja es ist ja auch nicht so, dass die Strasse hier schlecht ausgebaut wäre...

Am Schluss war ich dann immernoch rund eine halbe Stunde vor der Fähre in Bognes, und konnte noch ein paar Fotos machen. Neben der Fähre nach Skarberget fährt hier auch jene nach Lødingen ab, welches auf den Ofoten liegt. Das war dann auch die erste Fähre, welche ankam.

MF Barøy der THN in Bognes


Bald darauf kam auch die Melshorn. Man fühlt sich schon fast Zuhause auf der Melshorn, ist diese hier doch schon seit meinem ersten Besuch im Einsatz...

MF Melshorn der THN in Bognes


MF Melshorn der THN in Skarberget


MF Melshorn der THN in Skarberget


Die restliche Fahrt nach Narvik war wenig spektakulär, es war primär dunkel. Das Scandic-Hotel war auch kaum zu verfehlen. Bemerkenswert ist die Aussicht von der Bar auf die Gleisanlagen des LKAB-Erzhafens, allerdings war nachts aufgrund der Beleuchtung nicht viel auszumachen.

So, genug für heute, bis zum nächsten Teil!