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Dschingis Khan reloaded - Teil 4: Der goldene Herbst

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Freitag 6. Oktober 2017 – Der goldene Herbst
Neben der Kälte war in der Nacht in der Jurte auch noch etwas anderes wahrzunehmen. Regentropfen prasselten gegen die Aussenwand, der zeltähnlichen Behausung. Dies war jedoch gar nicht mal schlecht, so konnten sich die Wolken ausregnen und der Dreck wurde auch gleich aus der Luft gewaschen. Alles in allem eine runde Sache, denn am Freitagmorgen erwartete uns perfektes Wetter. Bevor es jedoch an die Strecke ging, musste noch einmal der Magen gefüllt werden. Während ich auf Grund meiner Magenprobleme nur Brot mit Konfitüre zu mir nahm, gabs für die anderen ein deftiges Menu mit typischem mongolischen Knorpelfleisch. Dann ging es auch schon an die Strecke.
Auf dem Weg zur Strecke beschwört unser Fahrer noch einmal die guten Geister.


Der erste Zug sollte aus Süden (Ulan Bator) kommen. Doch zeigte sich mal wieder, dass mongolische Zugprognosen so zuverlässig sind wie Wetterprognosen, denn erstens kommt es anders und zweitens als man denkt! Da der Güterzug aus Süden nicht kam, setzten wir uns kurzerhand um, schliesslich war die schöne Stelle, die wir uns am Vortag zurecht gelegt hatten nicht im Licht. Zu unserer Überraschung kam der Zug (schon wieder) mit Dash7. Da die Mongolen nur zwei davon besitzen und eine seit längerem kaputt ist, fuhr uns das Ding dann doch recht oft um die Ohren.
Dash7-001 mit einem Nahgüterzug in Richtung Ulan Bator.


Als nächstes sollte nun definitiv der Zug aus Ulan Bator kommen. Dabei konnte ich die Position so weit optimieren, dass ich an meiner Stelle unbedingt einen Zug machen wollte. Statt einem Brummen aus Süden stellte ich alsbald fest, dass sich die ganze Meute für einen weiteren Zug aus Darkhan (Norden) aufstellte. Also fix vom Berg gesprintet und sich für diesen Zug aufgestellt. Kaum angekommen, bog der 2TE116UM dann auch schon ums Eck.
2TE116UM-006 mit einem langen Güterzug kurz vor Schatan.


Zu meinem Ärger entschloss die Reiseleitung um Teemulen und Peter danach weiter zu ziehen. Da der Güterzug jedoch Ausfall hatte, war diese Entscheidung jedoch genau richtig. Bevor wir zur neuen Stelle kamen, mussten wir uns durch den Fluss kämpfen. Brücken gab es keine, so musste eine geeignete Durchfahrt gefunden werden. Die erste Stelle verwarfen unsere Fahrer dabei. Bei der zweiten sollte es dann klappen. Dies zumindest für den ersten UAZ. Unser Fahrer blieb derweil im Fluss stecken und konnte den Motor nicht mehr starten. Eiligst wurde ein Abschleppseil aus dem Kofferraum geholt, damit UAZ 1 unsere zweiten UAZ aus dem Fluss ziehen konnte. Nach einer weiteren Flussdurchfahrt einige Kilometer weiter hinten im Tal, stellten wir uns eiligst auf. Schliesslich war der Triebwagen aus Ulan Bator überfällig.
RA2-001 im mongolischen Niemandsland. Der Ort im Hintergrund hat wohl keinen Flurnamen, so heisst der dazugehörige Bahnhof ganz einfach Kilometer 290.


Nach dem Triebwagen sollte ein weiterer Güterzug aus Süden folgen. Da sich das Tal in dieser Region sehr stark windet und die Bahn diesen Windungen 1:1 folgt, war der Positionswechsel kein grosses Problem. Einzig ein bisschen Steigung musste überwunden werden, ehe wir bereitstanden für ein paar Container, die auf dem Weg von Deutschland nach China waren. Da sich der Zug noch etwas Zeit liess, ging unser bange Blick vorerst zum Himmel. Dort hatten sich inzwischen einige Quellwolken gebildet. Die Sonne hatte jedoch erbarmen und so kam der Zug beinahe perfekt in einer Wolkenlücke.
Eine weitere 2TE116UM fährt Container aus Deutschland durch die herrliche Herbstlandschaft.


Wie sich herausstellte, wurden die Wolken nun aber immer mehr. Beim nächsten Motiv, einem Güterzug aus Ulan Bator, schafften wir es deshalb nicht mehr die Landschaft schattenfrei zu halten. Dies galt zum Glück nicht für den Zug.
Der Gegenzug passiert das Dorf bei Kilometer 290. Wieder haben wir Glück und die Wolken zaubern ihre Schatten nur auf den Hintergrund.


Da es nun schon Mittag war, sollten einmal mehr die Personenzüge folgen. Wir mussten also wieder einige Meter laufen um den ersten Personenzug aus Süchbatar und Darkhan zu machen. Zur Überraschung vieler kam dieser nicht mit einer weissen Lok angefahren. Nein statt einer 2Zagal hing heute erstmals eine 2M62MM davor. Es gibt sie also noch die letzten Trommeln der Mongolei.
Während im Betriebswerk von Ulan Bator gerade einige M62 modernisiert werden, scheinen die Tage der 2M62 bereits gezählt. Personenzüge mit solchen Maschinen sind bereits zur Seltenheit geworden.


Aus der Gegenrichtung wurde derweil eine 2Zagal erwartet. Ich stellte mich deshalb etwas näher an die Strecke um einmal ein gutes Portrait dieser Lok zu machen. Genau jetzt verliess uns jedoch das Wolkenglück. So kam der Zug noch in der Sonne, dann zog aber bei der Abfahrt eine kleine Wolke genau vor der Lok. Wie festgenagelt verfolgte der Wolkenschaden die Lok auf der ganzen Länge des Motivs. Das Ding war derweil so klein, dass die hinter Hälfte des Zuges bereits wieder im Licht war. Extrem gefrustet kam nun der nächste Positionswechsel. Hier gab es erst einmal etwas zu essen. Teigtaschen mit Knorpelfleisch standen heute auf dem Speiseplan. Da die Mongolen sich mal wieder in Zugpause übten hatte keiner so wirklich Stress. Doch halt, da dieselte plötzlich was. In der Tat kam eine 2Zagal aus Darkhan. Das klacken in den Schienen liess erahnen, dass sie eine üble Flachstelle hatte. Möglicherweise waren diese Flachstellen dann auch der Grund für die ungewöhnliche Bespannung des Personenzuges. Nach der Rumpelzagal war wieder „Bergsteigen“ angesagt. So musste ein Hügel bestiegen um die 2TE116UD mit leeren Erzzug aus Ulan Bator ideal umzusetzen. Da sich aus dieser Zug Zeit liess, ging schon wieder das bibbern los. Diesmal nicht wegen den Wolken, als vielmehr wegen den Schatten, die langsam ins Motiv wuchsen. Trotz etwas Verspätung war die Sorge jedoch unberechtigt und so entstand an diesem Nachmittag eines der besten Bilder der Tour.
Eine 2TE116UD mit einer langen Schlange von leeren Erzwagen. Diese Wagen werden zur chinesen Bahn im Norden von Darkhan geliefert.


In der Folge ging das grosse Rätselraten los, was man mit dem Rest der Züge noch machen sollte. Konkret waren ein Güterzug und der Triebwagen aus Darkhan, sowie der Schnellzug Ulan Bator – Moskau angekündigt. Alsbald revidierte Teemulen jedoch seine Prognose, so dass nur mehr die beiden Personenzüge folgen sollten. Einige wollte sich deshalb am Haltepunkt bei Kilometer 290 für den Triebwagen aufstellen. Dort schien mir das Licht jedoch schon arg in der Achse. Zudem schien mir der Russenzug etwas interessanter zu sein. Eiligst fuhren wir einige Positionen an, fanden jedoch auf Anhieb nichts Brauchbares. So landeten wir schliesslich wieder an der Stelle vom Erzzug, da das Tal nun jedoch arg im Schatten war, entschloss ich mich direkt an den Fluss zu stehen. Dieser Idee schlossen sich meine beiden letzten Mitstreiter an. So standen wir alsbald am Flussufer und erwischten die 2TE116UD mit Zug 24 nach Moskau in gutem Abendlicht.
Zug 24 Ulan Bator - Moskau bestand diesmal mit einer Ausnahme aus Wagen der UBTZ. Bespannt wurde er mit 2TR116UD-074.


Dies war dann auch der Abschluss eines gelungenen Tages in der Region um Schatan und Tunkh. Zufrieden ging es nach Ulan Bator. Nach dem Abendessen musste dort nochmals eine Krisensitzung abgehalten werden. Fürs Wochenende war nämlich richtig schlechtes Wetter mit Regen und Schnee angesagt.