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Schaut mal die Zwei! Sind das nicht He Fu Bao und Bei Ho Thsai? - Teil 2

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Sonntag, 10.07.2017 - Beijing


Ich glaube ich habe mich heute Nacht keinen einzigen Zentimeter bewegt. Träge kämpfe ich mich aus dem totenähnlichen Schlaf zurück in die Welt. Es ist noch stockdunkel im Zimmer, was aber nicht an der Uhrzeit liegt, wie mir ein Blick aufs Handy verrät, sondern an den absolut dichten Vorhängen. 10,5 Stunden am Stück habe ich geschlafen. Rekord für einen, den es sonst meist nur um die sechs Stunden im Bett hält. Trotzdem fühle ich mich wie erschlagen. Der gestrige oder besser ja der vorgestrige und gestrige Tag haben ihre Spuren hinterlassen.

Also nochmal ordentlich gestreckt, in die weiche Decken gemummelt und an die Schweizer Abordnung gedacht, die jetzt in diesem Augenblick irgendwo hoch über den Weiten Sibiriens in wahrscheinlich perfekter Falttechnik krampfhaft um ein bisschen Nachtruhe und Geborgenheit ringt.

Kann ich vielleicht manchmal ein klein bisschen fies sein??? *hmm*

Langsam bewegt sich nun auch im Bett nebenan jemand zaghaft, Zeit den Motor Schritt für Schritt hoch zu fahren und sich nach etwas artiger Morgenkonversation und dem brutalen Öffnen der blick- und sonnendichten Vorhänge ins Bad zu schleppen. Eine erfrischende Dusch am Morgen bewirkt Wunder. Wenngleich man bereits in dem Moment, als das Wasser einen sanft umspielt, weiß, dass die Aktion spätestens nach dem Verlassen des Gebäudes sinnlos war. Denn draußen strahlt die große Leuchtmurmel durch einen zarten Dunst was zweierlei mit Sicherheit verheißt: Es ist jetzt schon wieder heiß und es ist jetzt auch schon wieder abartig schwül!

Doch bevor ich mich aus dem angenehm gekühlten Innenraum hinaus in den Trubel der Megametropole stürze, muss ich erst noch eine Grundsatzentscheidung treffen. Was Gunar heute vor hat ist mir klar, war es bereits bevor ich die Reise angetreten habe: Zum ersten Mal Beijing = Besuch der Verbotenen Stadt.

Kann man jetzt nichts dagegen sagen, muss man im Gegenteil schon fast voraussetzen. Und so ist es auch. Nur das Problem für mich ist, ich war da schon zweimal. Und das letzte Mal erst vor Jahresfrist. Weiß ich mit meiner Zeit nun nicht wirklich besseres anzufangen? Mal sehen! Allein durch die Stadt bummeln ist mal keine Option. Macht nicht so richtig Spaß, zudem wird dieser Programmpunkt nach Eintreffen der Schweizer Garde sicherlich nachgeholt, was bei mir wieder doppeltes Programm bedeuten würde. Eisenbahn fotografieren? Definitiv eine Option. Nuuuuur ….. also mal ehrlich, schon wieder Brücke/Stadtmauer ….. nööööö! Also habe ich im Vorfeld mal versucht mittels Netz und Stadtkarte etwas raus zu bekommen. Ganz im Westen der große Güterbahnhof wäre interessant. Da sind aber die U-Bahn Stationen zu weit weg und Taxi will ich nicht, weil ich ja gar nicht weiß wo ich es hin lotsen sollte. Nordbahnhof? Ja, das wäre was. Da sollten Dieselschnellzüge wegfahren! Aber kann man da von außen ordentlich fotografieren? Die Bilder die wir gefunden haben waren entweder von Innen, und da fehlt mir die Fahrkarte, oder von hoch oben. Und letzteres Problem hatten wir ja voriges Jahr schon mit der Ausfahrt aus dem Beijinger Hauptbahnhof. Abgelichtet aus irgendeinem Mietshaus heraus. Das lässt sich von einer Langnase nicht so unbedingt nachstellen.

Und da ich mich ehrlicherweise gesagt nicht wirklich zu irgendwas aufraffen kann, wähle ich den Weg des geringsten Aufwandes und dackel semi-motiviert mit Gunar mit zum Touristen-Hotspot von Beijing. Verbotene Stadt die Dritte. Muss ich rum maulen? Nein, ich hätte es ja anders haben können.











Per U-Bahn geht’s flott zum Platz des Himmlischen Friedens, der aufgrund der Menschenmassen vor der Sicherheitsschleuse und der Dauerbeschallung mit gebrüllten Anweisungen und Hinweisen aus einem knarrenden Lautsprechen, natürlich ausschließlich im besten Chinesisch, im Moment weder himmlisch noch friedlich ist. Naja, einen Vorteil hat die Lautstärke, sie überdeckt mit der Zeit die sprachlichen Unterschiede komplett. Nein, nicht dass ich jetzt Chinesisch könnte, aber spätestens nach 5 Minuten in einem Umkreis von 10 m um diesen fiesen kleinen Kasten sind alle gleichermaßen taub, sodass ursprünglich vorhandene Sprachunterschiede nun keine Rolle mehr spielen.





Schlangen haben sich gebildet vor der Sicherheitskontrolle, die man vor dem Betreten des Platzes passieren muss. Und damit man ganz genau weiß wie man sich zu verhalten hat, werden auf Chinesisch Anweisungen durch einen kleinen Lautsprecher gebrüllt.






Kurz nachdem wir uns in die Schlangen vor der Kontrolle eingereiht haben, verfalle ich fast reflexartig in die im letzten Jahr erlernten Schneidetaktiken, mit denen man die Dauer des Anstehens doch deutlich verkürzen kann. Bald schon sind wir durch und draußen am Platz „verläuft“ sich die Menschenmasse dann erfreulich schnell.















































Nach den üblichen Standardaufnahmen vom Platz, von Menschen auf dem Platz, von Menschen die sich auf dem Platz fotografieren lassen, schliesslich sind wir ja artige Touris, geht es Richtung Haupteingang. Diesmal nicht von Tribünen verstellt, ballen sich hier wieder anstürmende chinesische Horden und lassen Schlimmes vermuten. Da kommt der Rat einer Touristenführerin vermeintlich passend, die uns empfiehlt, einen Nebeneingang zu nutzen. Neben dem Gang durch einen ruhigen Park, in dem wir uns zur Gänze der Kontemplation hingeben könnten, würden wir auch schneller ans Ziel kommen.

Gut, wie oft war ich in meinem doch nun etwas länger andauernden Leben an Tourismuszielen? Anscheinend noch nicht oft genug! Denn eigentlich hätte ich es wissen müssen, solcher Rat ist nie uneigennützig. Denn am Ende des Wegs, der uns in den gefährlichen Einzugsbereich eines Kaligrafieworkshops mit angeschlossenem Geschäft bringt, welches wir aber beides, nebst der Einladung doch einzutreten, mit Entschlossenheit ablehnen, kostet die Passage durch den lauschigen Garten den ein oder anderen Yuan. Nicht viel und der Park ist wirklich lauschig, doch am Ende stehen wir wieder genau vor dem Haupteingang, den wir auf dem direktem Weg auch angesteuert hätten.

Kurz orientiert wo es die Eintrittskarten gibt, bei den letzten beiden Besuchen waren die schon immer vorab organisiert, dann in die nächste Schlange gestellt. Hier ist für die anwesenden Menschenmassen erstaunlich wenig los und hüfthohe Gitterbarrieren sorgen gleichzeitig dafür, dass des Chinesens liebster Volkssport, das Vordrängeln, hier gleich im Keim erstickt wird. So geht es zügig voran und schon stehen wir mit unserem besten Lächeln, gezückten Yuan und zwei erhobenen Fingern vor der netten Dame am Schalter, die auch sofort......

......Kassenübergabe macht! *grmbl* Warum hätte die nicht noch einen Moment warten können. Nein, nein! Denn wie schon der große Steuermann sagte: "Watt mutt, datt mutt!". Na gut, kann ja nicht so lange dauern. Oder könnte! Denn die Kasse stimmt nicht. Immer und immer wieder werden bündelweise Scheine gezählt, alle möglichen Schubladen geöffnet, schon spannend wo die überall das Geld aufbewahren, Summen verglichen. Nö, passt nicht! Und während sich auf der Oberlippe des armen Mädels schon Schweißperlen sammeln, wird die nächsthöhere in der Rangordnung gerufen, die sofort entschlossen und kompetent zur Klärung ansetzt. Sie zählt, rechnet und siehe da: Es stimmt immer noch nicht! Könnten wir nicht bitte in einer anderen Schlange stehen? *hm* Aber dann würde uns ja das Entertainment entgehen, oder? Auch wieder wahr!

Irgendwann ist der Fall dann, wenigstens vorläufig geklärt, binnen Kürze halten wir unsere Tickets in den Händen und nur noch zwei vorbeimarschierende Reihen Uniformierter hindern uns nun noch am Eintritt.





Schon beeindruckend dieser Vorbeimarsch! Auch wenn mich die Ausrüstung des Herren ganz hinten rechts über die Waffengattung der Truppe dann doch etwas grübeln lässt…..













Schon eindrücklich wie die, in disziplinierter Formation äußerst stramm und eindrucksvoll laut singend vorbeidefilieren! Nur dass der letzte der ersten Gruppe dabei einen blauen Plastikbesen mit dazu passendem Aufnehmer in gespannter Haltung in den Händen trägt, schmälert den Gesamteindruck ein bisschen. *grins*

Karten entwerten, Sicherheitskontrolle und drin sind wir. Und es ist wie immer um diese Jahreszeit: Menschen, Menschen, Menschen! Und fast ausschließlich Chinesen! Gibt halt so viele davon.




















Ich versuche mir mal Ecken anzusehen, in denen ich noch nicht war, was allerdings etwas daran scheitert, dass mein Begleiter zu den "wichtigen" Dingen strebt. Also dann doch wieder da hin, wo ich schon war.

So schlimm ist es letztendlich auch gar nicht, bietet die Palastanlage doch so viel, dass man wahrscheinlich auch bei 20 Besuch noch nicht aus dem Staunen heraus kommt und Details entdeckt.













Sonnenschirm oder Mütze, ohne eines von beiden geht es nicht in der prallen Sonne von Beijing.



































Immer wieder unglaublich die Weite dieser Anlage. Und das alles erbaut für eine Handvoll Menschen.







Trotz der Größe kommt es aber immer wieder vor, dass sich die Touristenmassen stauen. Wer hier drin steckt, geht ruck zuck mit seiner Umwelt auf Tuchfühlung.








Freue mich insgeheim als mein Begleiter, kapitulierend vor der Hitze und den Massen, den Abbruch der Aktion und Aufbruch gen Pagode anregt? Ehrlich gesagt, ja. Doch bevor wir zur Bergetappe antreten, gibt es erstmal im am Fuße des Hügels liegenden Gastgarten einen Zwischenstopp. Hat sich doch neben viel Durst auch ein Hüngerli bei uns beiden eingeschlichen, welches Gunar mit Eis bekämpft, während ich mich an Würstchen auf Zahnstocher versuche. Lecker! Da hohl ich mir doch gleich noch eins!





Was für ein Eis isst eine Langnase in China? Na "Langnese", ist doch klar! :-P






Oben am Berg derselbe Lärmpegel wie im letzten Jahr. Und da in Sachen Panorama aufgrund des Dunstes auch nicht viel mehr geboten ist als vor Jahresfrist, genieße ich das Schauspiel um mich herum. Es schnattert, es ruft, es wink, es grinst um die Wette .... und ich mache mal eine kurze Überschlagsrechnung: Würde ich für jedes Selfie dass hier an einem Tag gemacht wird 10 Yuan bekommen, ich würde binnen kürze zur gehobenen Schicht Chinas gehören! Oder? *grins*






Rundumblick von der Pagode. Einmal in die dem Palast abgewandte Richtung, ….







….einmal natürlich auf die Palastanlage,….







….und zu guter Letzt, auf den See, den der Kaiser der mal einst ausheben lies, um sich mittels Boot fahren die Zeit zu vertreiben. Der Aushub wurde übrigens dann zu dem Hügel angehäuft, auf dem die Pagode jetzt steht.







Gut durchgegrillt und mit lädiertem Gehör machen wir uns an den Abstieg, vorbei an dem netten Häuschen, an dem wir schon fast traditionell einiges von dem getrunkenen Wasser wieder in die Freiheit entlassen, und raus auf die Straße. Gefiel mir im letzten Jahr etwas besser! Sorry, Gunar! Nichts gegen dich, aaaaber...... gegen zusammen mit Angela in eine Rikscha steigen und durch Beijing gefahren zu werden kommst du leider nicht an..... *grins*

Ja nu *seufz* man muss halt mit dem leben was da ist *frechgrins* Also nicht nach rechts verschwinden mittels Rikscha, sondern nach links wenden und per pedes in Richtung U-Bahn streben. Ein Blick auf die Uhr macht es nämlich deutlich: Es wird Zeit! Ungefähr jetzt muss der Flieger der anderen in den Endanflug gehen.






Blick von außen auf den Wassergraben, der die Verbotene Stadt umgibt.














Beijinger Grossstandstraßen







Ooooh Maaaan! Nimmt die Straße denn kein Ende? Wir haben uns nämlich in den Kopf gesetzt, die Straße entlang der Verbotenen Stadt zurück zu laufen. Etwas Lokalkolorit schnuppern und mit den Kameras einfangen. Aber, bei fast 40°C ist's irgendwann kein Spaß mehr und der Weg zieht sich wie Gummi. Endlich wieder am Platz des Himmlischen Friedens angelangt geht's gleich in die Unterwelt und ab in die Kühle des U-Bahnwagens. Lang genießen können wir es nicht, spuckt uns das Gefährt doch bald wieder aus. Nochmal schleppen durch die Schwüle, dann sind wir im Hotel. Klima an, Schuhe aus und rauf aufs Bett. Vielleicht ne Stunde, dann klopft‘s an der Tür. Naja, vielleicht auch eineinhalb, aber nicht länger, denn die Drei anderen sollten gerade in diesem Moment durch das Terminal in Richtung Taxis eilen.


Schnitt.........

Verschlafen blinzelnd war ich erwacht durch das verteilen des Frühstücks, dass darf man sich nicht entgehen lassen. Also nicht unbedingt die Nudeln mit Fleisch die alternativ zum Omelett angeboten werden - sondern eher wegen dem Jogurt dass es zum Omelett gibt. Es ist natürli ein natürli Joghurt aus dem Tösstal. Der letzte Bissen Heimat für 3 Wochen China, wenn man von den ganzen Uhrengeschäften absieht (da gibt‘s aber kein Jogurt nichtwahr).


Unter uns zieht gerade die Mongolei und alsbald die Innere Mongolei vorbei, hätte man denn etwas gesehen, denn alles inkl. der Wüste Gobi ist unter einer dicken Wolkenschicht versteckt. Erst kurz vor Peking lichten sich die Wolken. Erst sieht man ja noch runter, aber je näher wir Peking kommen desto siffiger und smogiger wird es, bald ist vom Boden nichts mehr zu sehen.





Wir sind irgendwo über Russland oder der Mongolei. Über dem Smog ist das Wetter ganz schön, nur der Siff unten wird je näher man Peking kam immer dichter.






So setzen wir dann, ich wäre ja gerade wieder eingenickt, um kurz nach 13 Uhr eher unsanft auf der Landebahn vom Pekinger Flughafen auf, fahren vorbei am schönen Dock und stellen uns dann weit draussen an den Rand. Aha, Bus fahren? Jawohl. Der Uhrenbomber aus Genf scheint nicht wichtig genug für ein Fingerdock zu sein ... wie dem auch sei, wir haben es sowieso nicht eilig (oder „einewäg nöd pressant“ wie es auf Schwizerdütsch heissen würde).





Wir können den Flieger endlich wieder verlassen. Peking ist erreicht. Und hier ist es heiss! Warum aber der „Uhrenbomber“ aus Genf keinen Fingerdock bekam ... dann
halt Busfahren.






Drinnen geht's durch die Immigration und da verlieren wir gemütliche 30min. Wir haben zwar alles gewissenhaft ausgefüllt, man bekommt die Karten ja auch schon im Flieger, aber das gilt lange nicht für alle anderen Reisenden. Und so treffen wir auch wieder auf die zwei Backpacker die wohl dachten alleine mit ihrer Aura durch die Immigration zu schweben. Die hatten kaum damit gerechnet das man damit hier in China nicht weit kommt ... wer nicht aussieht wie Mao und spricht wie Mao (oder sonst ein hoher Parteikader ist) bekommt wohl gar nichts einfach so ;).


Dann geht's in die komische Bombardier Metro und schon sind wir am Gepäckband. Da drehen ohne unser zu tun bereits unsere Koffer die Runde, also zumindest meiner und Davids .


Einmal aufs Klo und schon sind wir bereit raus zu gehen. Zum Hotel ... aber Moment! Ein Plan hatte ich noch. Am Flughafen gibt es ein Büro der Traffic Police. Irgendwo da unten? Letztes Mal, morgens um 6 Uhr hatten wir es entdeckt, da war es natürlich nicht offen, aber jetzt so gegen 14 Uhr?

Und Tatsache, der unheimlich schön runter gekühlte Raum ist offen und eine einzelne Polizistin mit den doch zahlreichen "Kunden" beschäftigt. Am rechten Rand dieses Büros gibt's ein Tischchen mit einer grossen Anleitung wie man das Formular für den Antrag auf einen Führerschein ausfüllt. Aha! Das ist ja etwa das was wir wollen. Fehlt aber noch ein bisschen etwas bis der Antrag komplett wäre ....

Aber mal schauen was wir wirklich alles machen müssen. Ich will meinen Führerschein ja in erster Linie mal neu ausstellen lassen damit er wieder gültig ist. Und ob das alle Formulare und Checks vom letzten Mal braucht? Die Frau Polizistin kann gut Englisch und so kann ich meine Frage an den Mann, oder besser ja an die Frau bringen. Sie frägt erst nach Kopien vom Pass - hab ich - und dann nach Kopien vom Fahrausweis, hab ich nicht. Die könne man im Business Center machen, oben in der dritten Etage. Klingt schon mal gut. Als nächstes streckt sie mir einen Packen Formulare entgegen. Also doch nicht so einfach? Fehlt noch was? Jaja, Medical Check-Up. Den gibt‘s im Medical Center in der 2 Etage. Und das Übersetzungsformular, über das verliert sie erst einmal kein Wort.

So packen wir die Formulare - jeweils gleich in dreifacher Ausführung - und gehen wieder raus. Zu aller erst mal abwägen: Lassen wir es bleiben weil wir morgen eh den Termin geplant haben mit Mr. Z oder bleiben wir für einen Moment hartnäckig? Entscheidung: Wir wollen es versuchen, denn zu verlieren gibt‘s nix, ausser bissle Zeit, aber wir haben heute ja nichts mehr vor.

Die erste Anlaufstation ist das Business Center, ein verrauchtes Kämmerchen hinter den Check-In Schaltern der Linie H. Ein Kopierer, ein Faxgerät, ein Tisch. Und ein Chinese ... der uns für 8 Yuan allerlei Kopien anfertige. Doppelt gut, denn so können wir schon mal etwas Geld klein machen, denn die ATM's spucken nur 100er Scheine aus.

Bis hierher alles wunderbar. Aber bei der Übersetzung unseres Ausweises auf ein hoch amtliches Formular will und kann uns der Herr vom „Business Center“ nicht helfen. Denn man muss es unterschreiben *mhm* Bringt uns noch nicht aus dem Konzept.

Nächster Schritt, Medical Center, auch da könnte man scheitern wenn denn niemand Englisch kann. Denn das Formular ist nur auf Chinesisch und muss wohl so auch auf Chinesisch ausgefüllt werden. In der zweiten Etage werden wir, mit einer kurzen Hilfe der Englisch sprechenden Infofrau, ganz am Ende fündig. Das Medical Center!

Da drin ist wieder nur eine Chinesin und auch sie hatte schon etwas zu tun. Aber sie findet schnell Zeit für uns. Nett, und zuckersüss ist sie auch noch. Sie versteht was wir mit dem Formular wollen und hilft uns sogar beim ausfüllen. Also helfen .... sie füllt das Formular aus für uns. Und sie hat sogar Leim da um die Bilder aufs Formular zu kleben *grins* . Soviel Service in China!?! Sind wir wirklich in Beijing?!?

Der Medizinische Test ist wieder ähnlich anspruchsvoll wie letztes Mal. Sehtest, den sogar ein Blinder besteht und kurz Rot/Grün nicht-schwäche geprüft . Ob man gut hört oder nicht wird einfach mittels fragen: you hear good? beantwortet. Und da wir die Frage ja allem Anschein nach verstanden haben ist dann auch gut. Es wundert mich nicht wenn man die Strassen anschaut. Kostenpunkt für das Formularchen, 10 Yuan.

So haben wir ja jetzt fast alles, fehlt nur die Übersetzung - denn die Frau Dr. konnte auch nicht.

Die an der Info konnte doch gut Englisch. Also hin! Und wieder werden wir zwar angelächelt, und wieder kann uns niemand helfen, aber nicht böse gemeint. Sie meint aber wir könnten es bei der Polizei in der ersten Etage machen lassen.

Gute Idee, da wollten wir ja sowieso hin ;). Wieder im Büro der Frau Polizei versuchen wir erst mal mit der Vorlage an der Wand das Formular auszufüllen, scheitern aber schnell an gewissen Punkten die man wohl auf Chinesisch hinschreiben sollte. Also füllen wir so gut aus wie es geht. Dann setze ich mich zu der Frau an den Tresen.

Sie ordnet den Papierkrieg und lächelt. Aber das Formular sollte man bitte auf Chinesisch ausfüllen. Lustig, wo die Vorlage an der Wand auf Lateinischer Schrift ausgefüllt wurde. Grrrmbl ;).

Aber sie hat echt gute Laune und macht es gleich selber. Was sie dann noch vermisst, aha, ist die Übersetzung des Ausweises. Das Formular liegt ja da. Ich setze mein schönstes Lächeln auf und sage ihr dass wir das LEIDER noch nicht hätten. Sie versteht den Wink mit dem Zaunpfahl und macht es selber. Und kaum 5min später habe ich einen gültigen Ausweis in den Händen. Kostenpunkt: 10 Yuan. Alles in allem hat uns der Ausweis also 20 Yuan gekostet, und 30min unserer Zeit. Wäre man speditiver weil man weiss wie und wo, ging‘s vermutlich in deren 15min. Alles seeeeehr gut zu wissen!





Tadaa ... 30min Zeit, etwas Nerven und 20 Yuan hat dieser Ausweis gekostet. Zum Kopieren eignet er sich übrigens nicht, die Nummer habe ich weg gestempelt ;)






David tut es mir gleich und bekommt von der Polizistin gerade noch seinen Chinesischen Namen, denn im Gegensatz zu mir hat er noch keinen. Aber sie lässt alles über sich ergehen, auch wenn sich ihre Bude mit ungefähr 10 Chinesen gefüllt hat in der Zwischenzeit. Bei Zingg aber verliert sie entweder die Geduld oder sie ist halt einfach sehr korrekt. Denn sein Führerausweis hat eine Delle, also es fehlt eine Ecke. Das geht natürlich nicht! Wie kann man denn so was abbrechen Herr Zingg? ;-)

Auf jeden Fall gehen wir mit zwei anstatt drei Ausweisen zu den Taxen und fahren in die Stadt. In der Hoffnung auf einen vernünftigen Fahrer zu treffen besteigen wir zwei Taxen, um eine gute Stunde später am Hotel wieder ausgespuckt zu werden. Alles glatt gelaufen, der Verkehr hielt sich in Grenzen.

Das ging alles zu einfach wenn ihr mich fragt ... ob‘s dann wieder heisst "nocar"?

Na gut, einen Haken hatte die ganze Aktion dann doch: Im Eifer des Gefechts haben wir die beiden anderen etwas vergessen. Also schnell beim einchecken die Zimmernummer erfragt, Gubi und Pascal in den eigenen Räumlichkeiten belassen und *klopfklopf* den Anstandsbesuch gemacht ....vor der Tür


hinter der Tür.... dösen, aus dem Fenster schauen und den Betrieb beobachten, im Internet surfen, und zwischendrin immer wieder auf die Uhr kucken. Langsam bin ich so mit allem durch! Wo bleiben die denn nur? Kann doch gar nicht sein! Entweder der Pilot hat sich verflogen, das Taxi verfahren oder die Drei sind zu Fuß mit Rollkoffer im Schlepp vom Flughafen hierher unterwegs. Wenn wir das gewusst hätten, die Zeit die wir hier dumm rum sitzen und auf die Herrschaften warten hätte man auch anders verbringen können.

Da endlich, ich bin schon in Gedanken am ausformulieren der Vermisstenanzeige, da klopft es an der Tür! "Hey, hallo, alles klar..... schau mal was ich da hab....", so die heitere Begrüßung von außen. Darauf meine nicht weniger heiter hervorgebrachte Antwort "Ja sag mal, ihr macht mir ja Spaß! Hätte man da nicht Bescheid geben können das wir uns richten oder die Zeit sinnvoll verwenden können. Oder auch an den Flughafen raus kommen, und dann hätten wir das Kapitel Führerschein schon komplett erledigt! Telefon gibt's ja wohl keins, oder? ......" Bin ich sauer? Ja, irgendwie schon. Denn die letzten Stunden dumm rum zu liegen und zu warten bis die Herren eintreffen, während draußen der Dunst im Sonnenhell strahlt, haben mich schon etwas angenervt. Und während wir Nil ins Zimmer der anderen folgen geht mein Blutdruck immer noch hoch. So wie bei einer Champagnerflasche wenn der Korken erst mal gezogen ist. Es schäumt, und schäumt, und schäumt.... So kriegen auch die anderen beiden noch ihre Ansprache. Es muss halt einfach raus! Und so maule ich auch noch ein bisschen weiter rum, obwohl mein Innerstes schon längst sagt: "He, sach mal, hast du sonst eigentlich keine Probleme?" Ne hab ich nicht, und irgendwann sind Blutdruck und Gemüt auch wieder auf Normal, und spätestens nachdem das Eingeständnis von den anderen kommt "Ja, da hätte man sich schon mal melden können!" ist alles wieder gut! Na geht doch! *grins*

Gut, Nil und David haben schon mal ihren Schein. Pascal kann es dann morgen mit mir und Gunar nochmal versuchen, wobei ich glaube, dass er auch dann mit seinem ledierten Fahrausweis kein Glück haben wird. Soweit so gut. Was jetzt noch? Für essen ist es noch zu früh. Also warum die Zeit nicht sinnvoll nutzen und schon mal die Aufenthaltsbestätigungen besorgen. Komischerweise werden die nämlich bei Beantragung in der Stadt benötigt, am Flughafen dagegen nicht. Oh ihr unergründlichen Geheimnisse der Bürokratie!

Das Wiederfinden der zuständigen Polizeiwache ist eine leichte Übung. Wenn man weiß wo man hin muss. Was war das im letzten Jahr noch für eine Odyssee. Doch die Freude über unsere pfadfinderischen Fähigkeiten und unser Stolz auf die mittlerweile erworbene Ortskenntnis hilft nicht viel, denn auch wenn wir es noch kurz vor "Ladenschluss" schaffen das Office zu entern, wir kriegen das Dokument nicht in die Hände.

Auch ohne gemeinsame Sprachplattform verstehen wir nach einigem hin und her, dass diese Bestätigung immer nur am Tag der Ausstellung gilt. Und da es für heute etwas knapp wird mit dem Führerschein *grins* müssen wir wohl oder übel morgen doch in aller Frühe raus und erstmal wieder hier her. Doof jetzt, aber nicht zu ändern.

Und nu? Nu haben wir Hunger! Würstchen am Zahnstocher ist langsam durchgesackt, Langnese für Langnase schon längst verdampf, und dass Flugzeugessen nicht gerade anhaltend sättigend ist, ist nun auch kein Geheimnis. Also ab ins Restaurant. Und wie praktisch ist's doch, dass der Schuppen mit dem "Amerikan BBQ" direkt am Weg liegt. Dann mal nix wie rein. Hatten Gunar und ich uns essenstechnisch schon akklimatisiert, nimmt der ein oder andere der drei Nachzügler mit diesem Mahl so langsam Abschied von nicht asiatischer Küche.

Verlaufen die Gespräche zuerst spritzig wie die gereichte Hopfenkaltschale, merkt man mit zunehmender Dauer doch langsam aber sicher die Ermüdung der drei Flieger. Also zurück ins Hotel. Doch da lockt die böse, böse Hotelbar. Und mit etwas Überredungskunst bringen wir die schwächelnden Gruppenmitglieder dazu, sich noch auf einen Absacker nieder zu lassen.

Ein Entschluss, den sie sicherlich nicht bereuen werden, dürfen wir doch, quasi zur Einstimmung auf unsere Tour, ein Musterbeispiel für chinesische Servicekultur miterleben.

Schon bei unserem Eintreffen in der Bar, was heißt hier Bar, es ist ein ganzer Seitenflügel des Hotels mit bestimmt knapp 10 m hoher Decke, irren die Blicke der vier (!) Bediensteten hinterm Tresen panisch umher! Oh Gott! Langnasen! Wer geht?

Ein Mädel opfert sich, oder wird von der Gruppe geopfert. So ganz klar ist das nicht. Uns werden die Karten gereicht, dann auf dem Absatz kehrt und schnellen Schrittes aus der Gefahrenzone!

So, da sitzen wir nun, hören den letzten Töne des Klavierspiels zu und schlürfen genüsslich unsere ....... nene, denkste! Denn wir sitzen auch noch 30 Minuten nach unserem Eintreffen auf dem Trockenen, während hinter der Theke eifrig geräumt, geputzt und neben her nach uns gekommenen Chinesen eingeschenkt wird. Erst als wir unsererseits aktiv werden, das aufmunternde Winken vorher wurde wohl nicht als solches erkannt, und einen aus unserer Mitte erwählen und ihn ins Feindesland schicken, kommt Bewegung in die Sache. Ein Mitglied der Servicecrew war nicht aufmerksam genug und setzte so nur halbherzig und zu spät zum Rückzug an. So schlägt das Schicksal brutal zu und Pascal bestellt.

Der Schock über diese erlittene Schlappe sitzt anscheinend tief, kippt doch das Mädel, als sie sich endlich in Begleitung und mit Tablett bewaffnet unserem Tisch nähert, die Hälfte der darauf befindlichen Gläser erstmal um und den Inhalt auf den Teppich. Hm, Kunstfaser Perser on the rocks! Nicht ganz das was wir wollten.

Als dann endlich alle versorgt sind hängt die Truppe schon ordentlich in den Seilen vor Müdigkeit. Drei vom Fliegen, zwei vom vielen rum latschen. Also schnell ausgeschlürft und ab in die Federn. Für Gunar, Pascal und mich ist die Nacht morgen schon früh wieder beendet. Tststs....immer dieser Freizeitstress. Nil meint noch, er käme morgen mit *warum?* also wenigstens zur Polizei. Hm, ich glaub ja eher das morgen die Bettdecke bei ihm gewinnt. Und warum soll er sich das auch antun.

We will see! Und jetzt Gute Nacht!