Durch den Iran – Inshallah (4) – Touristenprogramm garniert mit etwas Eisenbahn

Von

01.08.1396 (23.10.2017) Täbris – Täbris

Die Nacht war kurz, zu kurz. Aber liegen bleiben war nicht. Denn wir „mussten“ um 6:40 Uhr irgendwo an der Strecke nach Jolfa stehen um den Schnellzug eben dahin zu beäugen. Fährt er heute wieder mit dem bekannten Iranrunner oder wohl mit Rc?
6:40 Uhr an der Strecke heisst um 6:15 Uhr im Auto sitzen, spätestens 6:25 Uhr, aber wir kennen uns ja und setzen die Deadline lieber früher als später :-). Der Plan sah folgendes vor: Ist eine Rc am Zug haben wir Programm bis am Abend. Ist ein Runner am Zug dann ist er dran und wir wechseln sofort zum Touriprogramm - Bazar! Aber erst nach einem Frühstück im Hotel :-).
Das aufstehen war schwer, aber wir schafften es irgendwie. Wer nicht so fit war wie wir, war die neue Frau Hotel. Geld wechseln? Muss dass jetzt sei? Sie erreichte niemanden und hatte dann irgendwie keine Lust. Ok, in dem Moment hatten wir bereits wieder ein Teil des Plans über den Haufen geworfen. Wir übernachten nochmal hier in dem Hotel in Täbris. Eigentlich wollten wir mal im Süden in Miane übernachten z.B. Aber irgendwie hatten wir keine Lust darauf nach dem Programm heute nochmal das Hotel zu wechseln. Ausserdem wären wir, wenn ein Runner am Zug ist sehr früh in der Stadt, um 8 Uhr wird man kaum schon am Basar aufschlagen müssen. Und alle anderen Versuche das Programm anzupassen scheiterten irgendwie.
So konnten wir das Geld wechseln und das bezahlen des Hotels getrost auf „nachher“ verschieben. Ich wollte aber die Pässe gerne dabei haben. Fahren wir wirklich nach Jolfa gehts durch diese ominöse Kontrollstelle. Ohne Pass könnte das blöd enden?
Hotel jetzt bezahlen im Tausch gegen die Pässe? Neein, das ginge nicht. Die Idee am Pass im Hotel sei nicht das Pfand für die Bezahlung, sondern es sei einfach so. Man gab uns aber eine Visitenkarte mit. Polizisten haben es nicht auf Touristen abgesehen wurde uns versichert. Und falls doch einer daher kommt der den Pass will, soll er im Hotel anrufen, dann würde man ihm erklären was Sache ist. Ungefähr so verstanden wir das ganze :-).
Wir bestiegen kurz danach prima in der Zeit unser Auto und fuhren raus aus der Stadt. Der Verkehr war wie erhofft und erwartet sehr spärlich. Der Iraner schläft um diese Zeit noch und ist noch nicht  unterwegs.
Ich wäre ja zu einer Brücke gleich hinterm Bahnhof gefahren. Aber die anderen beiden wollten weiter raus aus der Stadt. Denn da sahen wir gestern noch eine Reihe Güterwagen bei einer Halle. Man wollte sehen ob die noch da stehen. Also dann raus … 30min ungefähr.
Die Wagen waren nicht mehr da, und was tun wir jetzt mit dieser Info? Sie sind weg, sollten sie mit Rc’s nach Jolfa gefahren sein? Warum? Mhm, genau, warum?? Könnte auch nach Süden gegangen sein.
Wir stellen uns an einen „gemütlichen“ Platz hinter dem Zementwerk an die Strecke und warteten einfach mal. Die Sonne kam gerade hinter den Bergen hervor und vertrieb die Kälte von der Fläche.

1 – Wir stehen heute früh auf für ... diesen Blick. Es war noch eisig kalt. Und wir warteten ein letztes mal an der E-Bahn nach Jolfa auf den Regio. Immer in der Hoffnung, dass da etwas kommt mit Bügel auf dem Dach.


Wir waren weit weg von Täbris, sehr weit … denn bei einer Abfahrt um 06:40 Uhr rechneten wir nicht vor 8 Uhr mit dem Zug. Und so war es auch, erst kurz vor 8 Uhr ging das Signal vom Bahnhof vor uns von rot auf orange. Mhm, und es kam eine Draisine. Und dafür sind wir jetzt heute früh um 6 Uhr aus dem Zimmer gelaufen, dass dann um 8 Uhr eine Draisine kommt? Wir waren belustigt über uns selber, mal wieder :-).
Den Zug hatten wir unmöglich verpasst, also musste er wohl zu spät sein. Und so war es, kurz vor 9 Uhr ging das Signal wieder auf Fahrt und der Zug kam. Man sah ihn schon weit hinten und ich ging zum Auto zurück mit den Worten: TÄBRIS, WIR KOMMEN!!
Ja genau, der Iran Runner war wieder mal am Zug, und wieder derselbe wie gestern und vorgestern. Ist schon blöd jetzt …. die letzte Chance vertan.
Daniel warf dann eine Idee in die Runde und konnte von David und mir ein begrenzt begeistertes Ja ernten. Wir fahren nach Jolfa und schauen ob wir auf einen Güterzug treffen. Falls nein, ein Foto von dem P-Zug und zurück nach Täbris. Da sieht man die Strecke dann wieder 2h und kann sich wirklich sicher sein, dass bis am Nachmittag kein Güterzug unterwegs ist.
Dann Basar, oder Salzsee? Was dabei aber über die Klippe springen musste war der Plan die beiden P-Züge von Täbris nach Mashad heute Nachmittag die wir mal noch im Plan hatten. Wir fuhren also hinter dem Zug her und hatten ihn schnell überholt. Bereits im Tal vor Marand drehte die Strecke einmal ganz nett ins Licht (nicht gerade Frontlicht, aber viel Seitenlicht). Da stellten wir uns ein erstes mal und warteten 2min auf den Zug.

2 – Aber so wollte nicht. Auch heute kam der Schnellzug mit einem Iran Runner. Also hinterher, bis Jolfa und dann auf Güterzug hoffen? So gab es ein erstes Bild auf Höhe von Shor Dara. Ja und dann ... wird die Entscheidung ihm zu folgen wieder über den Haufen geworfen.


Ich stellte in genau diesem Moment die Sinnfrage nochmal. Jolfa würde zwar die Chance auf einen Güterzug geben, aber wie gross ist diese Chance? Inexistent.
Und dafür so viel Autofahren heute? So viel Stress für nichts und wieder nichts. Oder ist die Chance eben doch nicht sooooo klein? Hach, wir wendeten und fuhren zurück nach Täbris. Es war dann doch auch 10 Uhr bis wir in der Stadt eingetroffen sind.
Wir stürzen uns in den grossen Basar von Täbris. Ein Authentischer riesiger Komplex mitten in der Stadt. Ruhige Ecken, quirlige Plätze, verstopfte Gassen. Und überall wird Business gemacht, wirklich überall.
Das Parken war gar nicht so einfach, logisch, mitten in der Stadt. Aber die gewieften Planer haben eine Tiefgarage am richtigen Ort geplant. Wobei das nicht ganz vergleichbar ist mit einer Tiefgarage bei uns. Aber ein Plätzchen gefunden haben wir trotzdem. Was es dann kostet? Man wird es heraus finden.
Wir liefen durch den Basar und sogen die Stimmung in uns auf. Die alten Herren waren am Tee trinken, die Helfer schoben ihre Handkarren durch die Gassen und ihnen hallte immer ein stetes YallaYalla voraus. Wir verköstigten uns hier und da und kauften ein bisschen Zeug zum Essen. Nüsse, getrocknete Früchte und ein paar Kakis.

3 – Entscheidung umgeworfen. Wir gehen in den Basar von Täbris. Hier gibts Nüsse in allen Formen und Farben. Beim Eingang bei der Molla Ahmad Av. Sind die Nusshändler.


4 – Auch die Gewürzhändler sind in dieser Ecke.


5 – Der Basar hat auch neuere Ecken. Dies sind dann mehrgeschossige Gebäude innerhalb des Basars.


6 – Die dreckige Ware gibts draussen ...


7 – Du wolle Teppich kaufe?


8 – Oder eine Hose?


9 – Oder natürlich Stoffe. Es sind die buntesten Geschäfte im Basar.


10 – Am Rand des Basars war es ruhiger. Hier gibts Wolle und Baumwolle.


11 – Nochmal Teppiche in einem kleinen Geschäft.


12 – Und natürlich Kunst. Webereien.


13 – Seile bitteschön?


14 – Und auch Lebensmittel gibts. Wobei dieser Teil in dem Bereich des Basars eher klein ist. Wie wäre es aber mit Unterschenkeln von Mäh?


15 – Basar von Täbris


16 – Die Krämer vom Basar.


17 – Und nochmal am Rand, wir waren schon wieder auf dem Weg in Richtung Ausgang.


18 – Nebst Handwerkskunst und Lebensmittel gibt es auch Elektrohändler.


19 – Und jene mit Waschpulver im Ofenverkauf.


Es war kurz vor 12 Uhr als wir das Projekt Basar erfolgreich beendet hatten. Wo sind wir? Wo ist das Parkhaus? Die Orientierung hatten wir alle schon lange nicht mehr. Der Zufall wollte es, dass wir ziemlich genau bei unserem Ausgang gelandet waren. Nur noch einmal links, vorbei an den ganzen Nussgeschäften und fertig.
Das Auto stand immer noch da im Parkhaus, welches sich in der Zwischenzeit so richtig gefüllt hatte. Der Iraner ist jetzt also auch da :-). Gekostet hat das Parkhaus dann vielleicht 20'000 Rial. So richtig wussten wir es nicht, denn der auf Verdacht abgegebene Schein wurde Wortlos angenommen und Rückgeld gab es keins. Funktioniert also, auf Verdacht die Scheine mit dem Wert raus zu geben den wir meinen verstanden zu haben hat sich schon mehrmals als die richtige Entscheidung bewiesen :-).
Wir fuhren aus der Stadt hinaus, was heute deutlich zähflüssiger ging als auch schon. Nur die Busse und die Polizei auf der Busspur kamen etwas schneller vorwärts. Wir steckten im Verkehr fest und kamen nur gemächlich vorwärts.
Als wir dann auf der „Autobahn“ waren ging es etwas flotter. Aber wir waren trotzdem etwas zu spät für den ersten Zug der 11:50 Täbris verlassen hat. Aber dem ersten folgt ja noch ein zweiter um 13:40. Und für diesen waren wir zeitig.

20 – Wir sind schon wieder auf dem Weg hinaus. Am Ortsausgang von Täbris mussten wir dieses Schild auch mal noch fotografieren. Die Türkei ist 300km entfernt, Europa 1800? Das wäre dann der Bosporus? :-)


21 – Jaja, auf so Röhrich Laster passt doch allerhand.


Ein Stau an einer Strassenbaustelle warf uns dann nochmal etwas zurück im Fahrplan und wir mussten noch Crema Dinger kaufen. Ohne gehts natürlich nicht :-).

22 – Jever! Es ist kaum Mittag und wir sitzen mit einem Jever im Auto und fahren durch den Iran. German Quality ... pfui!


Wir fuhren an die Kehren vom ersten Nachmittag mit dem Wissen, dass man da bestimmt nochmal etwas machen kann. Ideen hatten wir im Kopf.
Direkt in der Kehre bei der Autobahn gab es tatsächlich ein Hügel der von uns dann in Bergmännischer Manier erklettert wurde. Nett war der Blick in beide Richtungen. Es gäbe ja sogar einen passenden Personenzug nach Täbris um die Zeit, aber nicht heute. Dann halt nöd. Aber anstatt der Personenzug kam dann nach nur wenigen Minuten ein Güterzug nach Täbris. Glück ist das Glück der tüchtigen - Inshallha - besagt ein altes Iranischer Sprichwort :-).

23 – Wir haben wieder bei Khanegah einen Hügel bezogen und wollten da den Personenzug nach Süden fotografieren. Wie schon am ersten Tag. Doch vor dem Personenzug kam wieder, wie gestern, der Güterzug nach Täbris. Richtig gepokert mit dem Berg!


Der Personenzug kam dann etwa im Plan und wir warteten noch einen Block dahinter ab. Der Güterzugsslot nach Süden verstrich ungenutzt und wir machten uns wieder auf den Weg zurück zum Auto, welches unauffällig in einem Wadi brav auf uns wartete.

24 – Und da kam er auch einiges später, der Personenzug. Der Ort ist eben Khanegah. Und man sieht die Bahnstecke ewig weit bis sie in einem Tunnel verschwindet.


25 – Bei wenig Verkehr muss man nehmen was man bekommt. Hier der Querschuss auf den Mashad Schnellzug.


26 – Und noch der Hauptschuss.


Der nächste Programmpunkt war dann wieder touristischer Natur. Westlich von uns liegt der Urmiasee, der grösste Salzsee des Irans. Diese endlose Fläche ist in dieser Jahreszeit nicht so wirklich ein See, eher eine Fläche. Über den See führt die Hauptstrasse nach Urmia. Und an einer Stelle, leider eher im Westen des ganzen, gibt es eine grosse Brücke. Da sollte es sogar noch etwas Wasser geben? Und so war es, wir fuhren 60km raus und verbrachten den Sonnenuntergang ganz alleine am Fusse der Brücke und liefen über den verkrusteten Salzsee.


27 – Dabei blieb es. Wir machten auf zum nächsten Touristenprogrammpunkt. Dem Salzsee den wir schon ein paar mal gesehen haben – dem Urmia Lake. Es gibt mittig im See einen Damm beziehungsweise eine Brücke. Dies war unser Ziel zum Sonnenuntergang. Erst machten wir aber auf Isalmi Island noch eine kurze Pause.


28 – Hier die Brücke über den Urmia Lake. Mittig wird es eine Eisenbahn geben, eine Neubaustrecke nach Urmia – welches aktuell nur mit grossem Umweg dem nördlichen Ufer entlang erreicht wird.


29 – Hinter der Brücke wird der Überweg zu einem Damm, mit Parkplatz. Da machten wir es uns gemütlich und liefen ein paar Meter auf den Salzsee hinaus.


30 – Der Urmiasee war einst ein riesiger Wasserspeicher. Weniger als 1/3 der ursprünglichen Fläche ist mittlerweile trocken. Die Fähre dürfte also nie mehr Wasser unter dem Kiel haben.


31 – Der See droht zudem zu versalzen. Über 300g Salz sind es bereits pro Liter.


32 - Seit die Brücke in Betrieb ist, ist diese Fähre arbeitslos geworden. Bei dem bisschen Wasser würde sie aber auch nichts mehr nützen.


33 – Urmia Lake


34 – Sonnenuntergang über dem Salzsee


35 – Urmia Lake


36 – Die Sonne verabschiedete sich. Ebenso wir, wir fuhren zurück in Richtung Täbris.


37 – Die Nacht fällt über den Urmia Lake.


Die Brücke soll übrigens bereits für die Bahn vorbereitet sein. Es gibt ein Projekt einer Neubaustrecke nach Urmia. Und tatsächlich ist zwischen den beiden Fahrspuren der Strasse noch viiiel Platz für ein Gleis. Aber nur auf der Brücke, nicht auf den Zufahrten. Inshallah, man wird sich etwas überlegt haben dabei.
Zurück nach Täbris ging es dann in einem Rutsch, wobei der Verkehr noch immer sehr zähflüssig lief und das ganze in der Dunkelheit etwas anstrengender machte als nötig. Wie war das gestern? Wir vermeiden Nachtfahrten? :-D
Google kündigte dann im Grossraum Täbris überall verstopfte Strassen an, dass war wenig erbauend, denn wir hatten ein ordentliches Hüngerli. Ein paar Restaurants „an der Fressmeile“ entlang der Autobahn brachten dann die Idee. Wir Essen dann da draussen um den Traffic Jam in der Stadt etwas abklingen zu lassen? Prima Idee! Obwohl wir schon an etlichen Lokalen vorbei gefahren waren hatte es nochmal eins und da stapften wir rein.
Es war eine vorzügliche Wahl, das Essen war klasse und am Boden sitzend gehts ja auch. Es gab wieder mal Spiesschen vom Huhn mit Reis, Jogurt und etwas Beilagen Gemüse.

38 – Nomnom! Wir sind schon im Speckgürtel von Täbris und hatten Hunger. Die Lust noch 30min durch den Stadtverkehr zum Hotel zu fahren ohne zu Essen hielt sich in Grenzen. So sind wir an der Einfallachse zum erstbesten Restaurant gefahren. Und die Wahl war vorzüglich! Dieses Essen geht als eins der besten in die Geschichte unserer Iranferien ein :-)


Etwas mussten wir aber noch checken, wir waren fast pleite mittlerweile. Noch knapp 1 Million schlummerte in unseren Geldbörsen. Diesen Betrag sollte das Essen nicht überschreiten, sonst müssen wir Gubi früher als gedacht - und vermutlich auch unter Wert - verkaufen. Und so muss ja nun nicht! In der Konsequenz gab es nur Tee zum Essen damit wir mit dem Budget durchgekommen sind. Aber dafür eine ganze Kanne, und die gehört anscheinend gleich zum Essen dazu.
Als wir kurz nach 20 Uhr das Lokal verliessen waren die meisten Iraner von der Strasse verschwunden. Natürlich nicht alle, aber es lief wie geschmiert :-).
Im Hotel taten wir dann nicht mehr viel. Ausser Geld wechseln. Aber es war wieder etwas enttäuschend. Neinnein, EURO Tauschen geht nicht, nur USD. Und sowieso, sie habe fast keine Rial mehr da. Wir sollen morgen früh beim Kollegen tauschen. Mhmm, wie heute schon? Lustige Bohne! Immerhin 3 Millionen konnten wir ihrem Save entlocken, das würde dann im Notfall schon mal wieder für einen Tag reichen.
Im Zimmer gab es dann noch eine lange Runde in der wir uns übers Internet aufgeregt haben (könnte mal jemand den Reset Knopf beim Internet Router im IRAN drücken??). Morgen wollen wir direkt um 7 Uhr zum Frühstück. Und dann schau’mer mal .... wie so oft.