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Zur Apfelblüte ins Südtirol: Es dieselt (noch) im Vinschgau! - Teil 1/3

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Ferien - endlich. Nach einem strengen Winter mit vielen privaten und beruflichen Herausforderungen kam mir die Woche Ferien im Südtirol gerade recht. Es sollte zwar ein Familienurlaub werden - bedeutet: Nix mit die Ganze Zeit den Bahnen nachjagen - aber begrüsst habe ich den Urlaub trotzdem.
Und so zwischendurch kann man ja auch in Familienferien mal ein Bahnbildli machen. Dazu braucht es vor Allem eines: Streckenkenntnis und Fahrplankenntnis: Die Verbindung von Beidem führt zur Möglichkeit zu sagen: da kommt gleich was, können wir hier kurz warten...
Der Motive gibt es im Südtirol ja genug: es lockt nebst der Brenner-Hauptsrecke auch einige an Schmalspur (z.B. Ritten), aber besonders auch das Vinschgau. Hier gibt es innert Jahresfrist einen grösseren Wandel zu erleben.

Etwas Geschichte:
Die Strecke von Meran nach Mals kam trotz grosser Pläne (Stichwort: Reschenpassbahn) nie über den Status einer Nebenlinie hinaus. Zwei Weltkriege brachten zwar jeweils kurzfristig erhöhte Planungs- und Bauaktivitäten an den Reschenpass, vollendet wurde aber nie etwas und so blieb Mals Endstation.
Ende der 1980er Jahre war die Strecke so heruntergekommen und nicht mehr konkurrenzfähig, dass sie 1990 durch die Staatsbahn FS stillgelegt wurde und dem Verfall preisgegeben wurde. Die lokale Bevölkerung war damit nie so richtig einverstanden, zumal die Strassen im Vinschgau im Sommer regelmässig verstopft sind.
1999 übernahm die autonome Provinz Südtirol die Strecke und begann diese wieder aufzubauen. Der komplette Oberbau wurde quasi unter Verwendung der bestehenden Trasse neu aufgebaut. Zum Betrieb beschaffte man bei Stadler insgesamt 12 Diesel-GTW des Typs ATR-100. Am 5. Mai 2005 wurde die Strecke feierlich wieder in Betrieb genommen.

Mehr dazu aber dann im nachfolgenden Teil dieser Serie, wenn es heisst: Zur Apfelblüte ins Südtirol: Es dieselt (wieder) im Vinschgau!

Nun zurück ins Jahr 2019. Die Wiedereröffnung der Vinschgerbahn war ein durchschlagender Erfolg. Die anfänglich meist in Einfachtraktion verkehrenden GTW sind inzwischen meist zu zweit unterwegs und gerade in den Sommermonaten dennoch hoffnungslos überlastet. Es verkehren stündliche Züge mit Halt an allen Stationen, sowie zweistündlich ein Zusatzzug mit Halt auf den wichtigsten Stationen. Mehr lässt die Infrastruktur einerseits, andererseits der Fahrzeugpark nicht zu, zumal seit einem Unfall im Jahr 2010 ein Fahrzeug (Einheit 007) fehlt.
Im Jahr 2014 beschloss daher das Land Südtirol die Elektrifizierung der Bahn. Eingesetzt werden zukünftig 6-teilige FLIRT des Typs ETR170, welche bereits im Südtirol verkehren und bis Meran vorstossen. Elektrifiziert wird mit 25kV Wechselstrom. Die bestehende ETR170 Flotte wird diesbezüglich angepasst und von Zweistrom (15KV Wechselstrom und 3000V Gleichstrom) zu Dreistromzügen, zusätzliche Exemplare wurden bei Stadler neu bestellt. Infrastrukturmässig müssen besonders die Bahnhöfe für die längeren Züge angepasst werden. Dazu kommen punktuelle Streckenanpassungen, Absenkungen einzelner Tunnels um PLatz für die Fahrleitung zu schaffen, Anpassungen an der Depotinfrastruktur und schlussendlich die eigentliche Elektrifizierung. Aktuell sichtbar davon ist erst die Modernisierung der Infrastruktur - noch sind keine Fahrleitungsmasten sichtbar, doch das wird sich in absehbarer Zeit ändern. Die Elektrifizierung soll 2021 abgeschlossen sein.
Noch kann man aber frei und ohne Einschränkungen den Dieselbetrieb fotografieren, etwas was ich mir mit dem Südtirol-Urlaub auch erfüllen wollte. Ich meldete daher von vornherein die Absicht an, einen Tag lang an der Strecke zu stehen, was auch so seitens der Familie bewilligt wurde.
Aber man kann ja auch sonst noch ab und an was vor die Linse kriegen. Bereits bei der Hinfahrt gab es möglicherweise die Möglichkeit in Göflan von einem plötzlich auftretenden Sonnenspot am ansonsten grauen Tag zu profitieren. Stelle hatte ich, Zug auch gerade und schnell wurde für den Blick auf die Göflaner Töllbrücke eine entsprechende Route navigiert. Es hätte ja geklappt, wenn nicht Mitten in Göflan eine Strassenbaustelle mit gesperrten Strassen die vorhandene Zeitreserve aufgefressen hätte. Tja Pech gehabt.

Tags darauf ging es dann auf eine Wanderung entlang des Marlinger Waalwegs. Kenner des Weges wissen, dass man da stellenweise durchaus in Sichtdistanz der Bahn ist und da gilt dann eben: Streckenkenntnis und Fahrplankenntnis. Für die Anreise wählten wir standesgemäss den ÖV. So gab es in Meran ein Foto eines gerade ankommenden GTW:

ATR 100 010 der STA in Merano/Meran


Oberhalb der Brauerei Forst gibt es zwei durchaus nette Stellen. Das Wetter war zwar recht bescheiden, aber da gerade was kam, wartete man einige Minuten und schoss dann zwei Fotos. Die Züge kreuzen jeweils in Töll, so dass innert Minutenfrist jeweils ein Berg- und Talfahrer vorbeikommen.
Zuerst war der Bergfahrende Regio 115 an der Reihe:

ATR 100 003 der STA zwischen Marling und Töll


ein paar Meter näher Richtung Töll kam mir dann der Talfahrer Regio 114 vor die Linse:

ATR 100 009 der STA zwischen Marling und Töll


Das war es dann aber für den Tag. Der Rest des Waalweges verläuft zu Weit oberhalb der Bahn, als dass es noch für ein Foto gereicht hat.

Eigentlich war für den Dienstag mal schönes Wetter angesagt, aber das änderte sich dann je näher der Tag kam. So verzichtete ich da auf den Bahntag. Der Ausflug führte aber erneut beim Bahnhof Meran vorbei. Schwach durch die Wolkendecke drückende Sonne ermöglichte ein Bild des ETR 170 213:

ETR 170 213 der STA in Merano/Meran


Zwei Tage später, gleiche Location, ähnliches Szenario. Immerhin waren diesmal die Berge schon zu erahnen und der ETR 170 106 hatte Spitzenlicht eingeschaltet.

ETR 170 106 der STA in Merano/Meran


Und dann war der Freitag da: Es sollte aufgrund der Wetterprognosen der Tag für meinen Bahntag sein. So ging der Wecker schon um 0645. Ein verheissungsvoller Blick gen Himmel wurde aber mit einer Wolkendecke abgestraft. Plöd, was nun? Hadern und Zadern: Aufstehen? Weiterschlafen? Warten auf Samstag wo auch gut sein soll? Programm der anderen Familienmitglieder umstossen? Fragen über Fragen. Meine Partnerin bekam das mit und so lautete schlussendlich der Beschluss: Weiterschlafen und beim späteren Morgenessen den anderen Familienmitgliedern ein verändertes Programm schmackhaft zu machen. Ich war erfolgreich damit und so ging es dann auf den Ritten, davon aber ein anderes Mal in einem separaten Beitrag.

Tja und dann war der Samstag da. Erneut ging der Wecker ordentlich früh um 0645. Diesmal wurde der verheissungsvolle Blick gen Himmel aber mit sehr viel zartem blau und beglückt. Aufstehen und los ging es.
Schnurstracks ging es nach Marling wo ich kurz vor dem Bahnhof was nettes notiert hatte. Die Stelle war auch schon schön in der Sonne wenn da nicht ein klitzekleiner Wolkenfetzen genau vor der Sonne gehangen hätte. So fuhr der Zwischentakt-Regio im Halbschatten durch. Nicht ganz so schlimm, da danach noch der normale Stundentakt-Regio kam. Und bis dahin war die Sonne endgültig da.

ATR 100 009 der STA zwischen Marling und Algund


Klappt ja prima! Ein Wunschmotiv im Kasten ging es an die Verfolgung des Zuges, respektive besser ich fuhr einmal die komplette Strecke hoch nach Mals. Dort gab es in der Ausfahrt eine nette Morgenstelle welche als nächste Punkt auf der Bucket-List stand. Das war zwar nicht extrem effizient, überfuhr ich doch einige Züge, aber egal. Als erstes erwischte ich hier nochmals den R107:

ATR 100 112 der STA zwischen Mals und Schluderns


Eine halbe Stunde später machte sich das Pärchen aus ATR 100 009 und 012 als R112 wieder auf den Weg nach Meran:

ATR 100 012 der STA zwischen Mals und Schluderns


Auch für mich hiess es auf in Richtung Meran. Ich verfolgte den R112 nach unten, gab es doch bei Naturns die nächste Stelle welche ich auf dem Plan hatte. Ich war einige Minuten vor dem Regio dort, so dass auch dies wunschgemäss klappte:

ATR 100 012 der STA zwischen Naturns und Schnalstal


Für den nächsten Talfahrer - den R114 - hatte ich nichts konkretes im Sinn, sondern ich Betrieb etwas Stellensuche dafür. Bei Goldrain fand ich was nettes, so dass auch dieser Zug sein Foto verdient hatte:

ATR 100 001 der STA zwischen Goldrain und Latsch


Die Stellensuche ist übrigens gar nicht so einfach. Oft ist die Bahn hinter Obstplantagen versteckt. Einerseits ist so vieles gar nicht einsehbar, dazu kommt, dass das in den allermeisten Fällen als Privatgrundstück gekennzeichnet ist und es daher sehr sehr ungern gesehen wird wenn man sich da darauf bewegt.
Für mich ging es dann weiter hoch im Tal bis Spondinig. Hier hatte ich im Vorfeld in der Einfahrt was nettes gesehen, aber irgendwie wurde da wohl seither etwas mit den Abstellgleisen gebastelt. Irgendwie wollte es mir nicht so gefallen. Da der R116 drückte und keine weitere Suche zuliess, lichtete ich den halt im Bahnhof selber ab:

ATR 100 006 der STA in Spondinig


Für den nachfolgenden R213 schaute ich mal in Schluderns vorbei. Die eigentliche Stelle war noch nicht im Licht, aber es liess ich andernorts was machen:

ATR 100 003 der STA zwischen Schluderns und Spondinig


Nun hiess es runter nach Kastelbell zu DER Stelle des Vinschgau. Die Ausfahrt aus der dortigen Haltestelle mit Schloss Kastelbell ist wohl die Überstelle der gesamten Strecke. Mal sehen wie die dann zukünftig mit Fahrleitungsmasten umsetzbar ist. Ich habe da meine Befürchtungen...
R117 machte sich die Ehre:

ATR 100 005 der STA zwischen Kastelbell und Latsch


Und weils so schön ist, wartete ich den nachfolgenden R213 auch noch gleich ab und schoss dem in etwas veränderter Position aufs Näschen:

ATR 100 011 der STA zwischen Kastelbell und Latsch


Erneut ging es nochmals hoch bis nach Schluderns. Zwischenzeitlich passte auch hier das Licht um die zweite oft für Werbung genutzte Stelle der Vinschgerbahn abzulichten. Als Motiv dient Schluderns und besonders dann die Churburg im Hintergrund. R122 diente als passender Zug:

ATR 100 001 der STA zwischen Schluderns und Spondinig


Und da der im benachbarten Spondinig R119 kreuzt, gab es von dem auch noch gleich ein Foto in veränderter Position:

ATR 100 002 der STA zwischen Schluderns und Spondinig


Für mich hiess es nun langsam ans zurückfahren denken. Es hätte zwar rund um Mals/Schluderns durchaus nette Abendstellen, aber die Halbpension mit einem Dreigang-Menü rief. Schlussendlich machte ich ja Familienferien ;)
Auch konnte man durchaus auch im unteren Vinschgau was reissen. Passend für R121 fand ich mich in Göflan an der Etschbrücke ein. Diesmal wusste ich von der Baustelle in Göflan und so war da genug Zeit eingerechnet. Die Stelle mit Blick über die Dächer von Göflan auf die Etschbrücke und Schlanders ist nett, hat aber ein Manko: Die Tanne wird immer grösser....
Egal, R121 kam gerade und so lichtete ich den ab:

ATR 100 der STA zwischen Schlanders und Goldrain


Dem nachfolgenden R217 lauerte ich zwischen Latsch und Goldrain auf.

ATR 100 003 der STA zwischen Goldrain und Latsch


Im unteren Bereich des Vinschgau fährt die Bahn meist direkt entlang der Etsch. Gegen Abend sind so dann Fotos über die Etsch auf die Strecke möglich. Einziges Manko: Man muss Stellen finden, wo sich kein Buschwerk zwischen Bahn und Fluss befindet. Bei Rabland gibt es so eine, und so begab ich mich dahin. Da im angrenzenden Töll fahrplanmässig gekreuzt wird, gibt es hier immer gleich zwei Züge hintereinander, dafür hat man dann je nach Uhrzeit 20/50 Minuten Zeit was neues zu finden. R124 gab es als Streiflichtaufnahme beim Verlassen der Haltestelle Rabland:

ATR 100 011 der STA zwischen Töll und Rabland


R125 dann einige Minuten später am selben Standort mit gedrehter Blickrichtung:

ATR 100 005 der STA zwischen Töll und Rabland


Blieb als für mich letzte machbaren Leistungen noch die nachfolgenden R221/R222. Für die hatte ich bei Töll noch etwas ausgemacht, was so langsam ins Licht kam. Da hier ein Streiflichtschuss aufgrund des Bewuchses nicht möglich war, gibt es die Stelle einmal aus dem Fluss und dann vom hoch liegenden Flussufer:

ATR 100 011 der STA zwischen Marling und Töll


ATR 100 003 der STA zwischen Marling und Töll


Dann war aber endgültig fertig und es ging zurück ins Hotel. Das Dreigang-Menü schmeckte nach diesem überaus erfolgreichen Tag umso besser und das Bier zum anstossen hatte ich mir redlich verdient. Ok, mit etwas mehr Planung im Vorfeld wäre eventuell am Morgen noch der eine oder andere Zug mehr möglich gewesen, aber eigentlich hat fast alles Wunschgemäss geklappt. Die Bucket-List fürs Vinschgau ist definitiv abgearbeitet, etwas was aufgrund des anstehenden Traktionswechsels durchaus hoch auf der Prioritätenliste stand, zumal meine Aufnahmen aus dem 2005 nur bedingt meinen heutigen Ansprüchen genügen. Davon aber dann ein ander Mal wenn es dann heisst: Zur Apfelblüte ins Südtirol: Es dieselt (wieder) im Vinschgau!