bahnbilder.ch

Flucht in die spanische Wärme – Teil 1: Anreise und NBS

Von

Prolog
Wochenlang eierte ich rum. Norwegen oder nicht Norwegen?! Wie im Reisebericht von David zu lesen ist, weilte er und Nil inkl. Freundin Anfangs – Mitte Mai in Norwegen und wollte unter anderem die Nordlandsbahn besuchen. Hier wollte ich auch nochmals hin, ehe die neuen Loks eintreffen und die altehrwürdigen Di4 ablösen. Doch ja, Saltfjell und das Wetter ist so ein Thema. Ich wollte es vermeiden da oben zu sitzen und tagelang die Sonne zu suchen. Zudem ist dieses Jahr mein Ferienbudget für Eisenbahnurlaub sehr knapp bemessen, da ich im Herbst für 2 Monate am anderen Ende der Welt (nicht Eisenbahn-)Urlaub machen werde. Insofern wollte ich das Maximum aus meinen verbleibenden Urlaubstagen rausziehen. Meine Entscheidung lautete deshalb bei die Anfrage auch nach Norwegen zu kommen: Ich buche kurzfristig und lasse das Wetter entscheiden.

Das angestrebte Zieldatum kam immer nähe und ich hatte bis Mittwochnachmittag noch eine Sitzung in München. Meine Idee war es am selben Abend noch mit Lufthansa nach Oslo und gleich weiter nach Bodoe zu fliegen. Der Preis war ein bisschen höher als vor 2 Monaten, mit rund 400€ für Hin- und Rückflug jedoch noch im Rahmen. Entsprechend hatte ich im Geschäft auch Urlaub für die Tage Donnerstag – Mittwoch angegeben, jedoch mit der Bemerkung, dass ich die Tage ggf. noch schieben werde. Insofern war ich einigermassen flexibel und hatte auch keine geschäftlichen Verpflichtungen an den Tagen. Die Wettervorhersagen beobachtete ich seit Tagen mit Argusaugen. Der blaue Wetterdienst, Meteoschweiz, SRF, yr.no…alle waren ein bisschen unentschlossen. Die Prognosen gingen von Dauerbewölkung bis zu 10 Sonnenstunden für Samstag und Sonntag. Da ich mich nicht im Voraus entscheiden konnte packte ich mal für mein geschäftliches Meeting in München meine sieben Sachen zusammen und reiste mit grossem Gepäck am Dienstag, 7.05.2019 mit EC 191 in die bayrische Hauptstadt, noch immer uneinig, ob ich reisen werde oder nicht. Der Tag verging schnell, der Abend im Isartaler Brauhaus war gut flüssig…und so lag ich gegen Mitternacht mit dem Laptop im Bett und musste eine Entscheidung treffen. Fliegen oder nicht fliegen. Wieder 3 oder 4 Prognosen angeschaut, Wetterkarten studiert….und schlussendlich entschieden. Ich fliege nicht. Die angesagten Sonnenstunden wurden immer weniger und auf der Wolkenkarte sah es nach noch weniger aus. Einzig der Donnerstag versprach einige sonnige Momente. Gerne wollte ich meine Kollegen treffen…schon alleine die soziale Komponente einer solchen Reise wäre toll gewesen…doch die Kosten und die Zeit standen in keinem Verhältnis. Leider sollte ich Recht behalten, doch hierzu könnte ihr in Davids Reisebericht mehr lesen.

So ging es am Mittwoch nach dem zweiten Meeting in München wieder auf den Zug nach Hause und ich sortierte meine Habseligkeiten wieder in meinen Kleiderschrank. Schade, doch der Sommer ist noch lang! Leider platzte aus wettertechnischen Gründen die Alternative am selben Tag auch noch. Dieses Wochenende sollte ein Extrazug aus der Schweiz über die Tendabahn fahren….und das Wetter sollte sogar gut sein. Dies jedoch ausschliesslich am Sonntag und nicht die Tage davor und danach. Auch dies wäre Blödsinn gewesen, extra für ein Bild dahin zu fahren.

Freitag, 10.05.2019
Man kennt es, Freitagnachmittag, man sitzt im Büro, das Wochenende naht. Ich sehnte mich nach Norwegen, endlos lange Tage, grandiose Landschaft, tolle Dieselzüge, sonniges Wetter. Naja, Tagträume die leider so nicht erfüllt werden konnten das kommende Wochenende. Der Wetterbericht hatte sich im Norden noch weiter verschlechtert und ich war froh, mich nicht vom inneren Drang da hoch zu fliegen, übertölpeln lassen konnte. Ein in der Schweiz verregnetes Wochenende stand bevor und meine bessere Hälfte hatte einen Kongress am anderen Ende der Schweiz im Kalender stehen. Kann ja nicht sein, dass ich einfach so zuhause sitzen sollte….ich wollte ja in den Urlaub.

Kurz einen Blick auf die europäische Wetterkarte geworfen und mit Erstaunen entdeckt, dass zwar in Italien das Wetter am Freitag, Samstag und Montag schlecht sein sollte…nicht aber so in Spanien. Da versprachen alle Wetterdienste einheitlich endloser Sonnenschein von Samstag bis Dienstag. Freitag noch bewölkt danach super. Da ich in Spanien auch noch offene Rechnungen hatte eigentlich die ideale Voraussetzung. Kurz auf trainline geguckt wegen einem Zugticket, dass für gut 200 CHF zu kriegen war. Fand ich ok, ich wollte schon immer mal mit dem Zug da runter. Abfahrt in Winterthur wäre um 06:00 gewesen, Ankunft in Madrid gegen Mitternacht. Einen passenden Rückflug am Dienstag fand ich auch, buchte aber noch nichts. Ich wollte abwarten, was der heutige Abend noch brachte.
Am Abend hatte ich noch ein Klassentreffen, bei welchem ich am letzten Mittwoch definitiv zugesagt hatte. Ein Rückzieher war nicht mehr drin und der Abend versprach interessant zu werden. Entsprechend sass ich gegen 1 Uhr Nachts gut angeheitert auf dem Fahrrad und radelte nach Hause. Nach einem Weckerklingeln um 05:00 war mir in diesem Moment gar nicht, entsprechend starb die Anreise mit dem Zug quasi schon auf dem Rückweg vom Klassentreffen. Auf dem Weg ins Bett habe ich mein Handyapp konsultiert und ein Flug hin und zurück mit Air Europa für rund 140 CHF gefunden. Hinreise am selben Tag um 11:20, Rückreise am Mittwochmorgen um 08:00 Uhr. Perfekt! Nachdem alle Kreditkartendaten eingegeben waren per Klick gebucht und den Wecker auf 8 Uhr gestellt. Es musst ja noch eingepackt werden. Gn8

Samstag, 11.05.2019
Wie geplant stand ich um 8 Uhr auf und packte wieder meine sieben Sachen. Zum Glück versprach das Klima in Spanien etwas wärmer zu werden als es in Norwegen prognostiziert wurde. Die kleine Tasche war schnell mit dem Notwendigen gefüllt und ich hatte nach dem Frühstück noch etwas Zeit ein Auto zu reservieren und mich kurz über die Fahrpläne schlau zu machen. Das Auto war schnell gefunden (ist in Spanien zu der Jahreszeit nie ein Problem)…es sollte ein Mittelklassewagen für 44€ für die 4 Tage werden. Vollkasko-Versicherung inkl. Deckung von Reifen und Glas dabei. Ein Schnäppchen. Ziel der Reise war das Viaducto Martín Gil bei Zamora. Dieses sollte ja nach der baldigen Eröffnung der LAV von Zamora nach Ourense nicht mehr befahren werden. DA wollte ich unbedingt hin. Samstagabend und Sonntagmorgen versprachen gute Fotostellen und den Fahrplan hatte ich mir vor einiger Zeit bereits einmal zurechtgelegt. Danach sollte es für Montag und Dienstag an den Pajares-Pass gehen, welcher ja in Zukunft auch geschlossen werden sollte. Das Auto war gebucht, der Plan war reif und die Uhr besagte, dass ich so langsam auf den Zug gehen sollte.
Die rund halbstündige Zugfahrt an den Flughafen verbrachte ich wie so üblich mit rumsurfen im Internet. Mehr per Zufall warf ich einen Blick auf die Website von Renfe und wollte mich davon überzeugen, dass die Züge auch so fuhren wie ich mal im Fahrplan vor einiger Zeit rausgeschrieben habe. Die Zeiten passten alle…doch vor den Zeiten war ein eingekreistes „!“ zu sehen. Was soll denn das bedeuten? Per Mouseover erschien ein spanischer Text…und nach Durchlesen der Zeilen traf mich der Schreck. por obras de la nueva vía de alta velocidad a Galica, se realizará transbordo pro carretera entre Zamora y Ourense destde donde se continuará hasta destino. Mein Spanischunterricht ist zwar schon einige Jahre her, doch die Aussage war ziemlich eindeutig. Dort fährt zurzeit nichts! Mierda! Nun ja, die Zeitung bestätigte mein Verständnis und so hiesse es umdisponieren. Zamora fiel aus, dafür gewann ich Zeit am Pass. Auch nicht schlecht.

„Nächster Halt Zürich Flughafen“ schallte aus dem Lautsprecher und ich packte mein Gepäck. Da ich nur Handgepäck hatte liess ich den Check-in rechts liegen und spurtete gleich zur Gepäckkontrolle. Viel vorzeitig war ich ja nicht, in Zürich reichen i.d.R. 30-45min vor Abflug bei Reisen ohne Aufgabegepäck. An der Gepäckkontrolle war jedoch ein riesen Schlage (ja, ich hatte die Mittagsspitze mit den grossen Kisten nach Asien vergessen), doch ich kam genau rechtzeitig am Gate an. Nach mir kamen noch ca. 10 Personen, die Tür wurde geschlossen und ab ging es in den Süden.
Der Flug war angenehm kurzweilig und ich vertiefte mich in meinem neu angefangenen Buch. In Madrid erwartete mich eine angenehme Wärme beim Aussteigen und das Auto stand bei Hertz auch erwartungsgemäss bereite. Ein Opel Mokka sollte es sein. Reingesetzt, das Navi auf Deutsch umgestellt….und….nun ja, wo sollte es eigentlich hingehen. Auf den Pajares sind es rund 400km, welche in 4 Stunden zu schaffen sind. Blick auf die Uhr…+4 Stunden…und siehe da…wir haben die ungefähre Durchfahrtszeit des letzten Avant nach Gijon. Naja, das würde aber auch bedeuten, dass ich heute nur noch von diesem Zug ein Bild kriege…und dann aber nichts mehr. Auch doof! Ich entscheid mich diesen fahren zu lassen und stattdessen in der Nähe von Segovia etwas an der NBS Madrid – Valladolid zu versuchen. Das Navi schlug mir zwei Wege vor…entweder über die Autobahn oder quer durch die Berge nahe Madrid. Da ich kein Stress hatte wählte ich die Berge und genoss die Fahrt durch eine mir gänzlich unbekannte Gegend bei Navacerrada.

Nahe Segovia fand ich einen netten Hügel und wartete einige Minuten, ehe der erste Zug erschien. Ein S-114 eilte im hohen Tempo Madrid entgegen und begrüsste mich eisenbahntechnisch in Spanien. Ein Blick ins Renfe App offenbarte einen baldigen Gegenzug, den Alvia 4167 nach Irun sowie den Alvia 4325 nach Lugo. Lugo liegt ganz am westlichen Ende und es war einer der Züge, welcher zwischen Zamora und Ourense durch Busse ersetzt werden. Mal schauen was da kommt. Gleich in der Nähe fand ich eine passende Stelle und wartete ab.

Baureihe 114 der RENFE zwischen Valladolid und Segovia


Baureihe 120 der RENFE zwischen Valladolid und Segovia


730 042 der RENFE zwischen Valladolid und Segovia

Nach der Zugsdurchfahrt sollte es gut 2 Stunden gehen ehe wieder etwas kam…und die Stelle war nicht besonders berauschen. Daher fuhr ich weiter nach Matapozuelos, wo ich auch noch eine Stelle auf meiner ToDo-Liste hatte. Kaum angekommen erwartete mich Alvia 4140 aus Gijon. Der kommt daher, wo ich heute noch hin möchte ;-).

Nach dem Alvia stand noch ein MD auf den gegenüberliegenden Breitspurgleisen auf dem Programm, welcher auch erwartungsgemäss kam.
Baureihe 130 "Patito" der RENFE in Matapozuelos

Baureihe 449 der RENFE in Matapozuelos

Gemäss meinem Fahrplan stand nichts mehr auf dem Programm und ich wollte ja noch etwas weiter in Richtung Norden heute. Deshalb entschloss ich mich trotz Sonnenschein einige Kilometer unter die Räder zu nehmen. Mein Ziel war Villamanín, wo das Hostal Golpejar hoffentlich noch ein Zimmer für mich hatte. Alternativen hätte es genug in der Region. Rund 250km sollten es noch sein…geschätzte Ankunft gegen 21 Uhr.
Baustellen und etwas Verkehr auf der Strasse haben dann ihr übriges getan…und bei der Umfahrung von León entschied ich, dass die verbleibenden 50km auch morgen früh noch gefahren werden können. Also entschied ich mich beim Ortsausgang dem Hotel Santiago León einen Besuch abzustatten und dort mal nach einem Zimmer zu fragen. Nun, offensichtlich war dies eine schlechte Idee, den gleich vor mir entlud ein Reisecar seine Fahrgäste in die Lobby, welche auf die Rezeption stürmte. Die Zeit genutzt um in der Schlange booking.com zu konsultieren und festzustellen, dass nur noch ein 3er-Zimmer frei war. 90€ sollte es kosten, für Spanien eigentlich eher die obere Grenze. Nun ja, vielleicht hat die nette Dame an der Rezeption noch etwas anderes für mich. Fehler! Hatte sie nicht…auch das besagte 3er-Zimmer wollte sie mir nicht geben. Die 20min anstehen in der Reihe hätte ich mir sparen können. Wenigstens fragte sie per Telefon beim nahegelegenen Hotel Abad nach, welches ebenfalls ausgebucht war. Angeblich sei am Sonntag irgendwas mit der Uni, weshalb so viele Leute in der Stadt waren. Gemäss Booking.com gab es Alternativen, welche ich im etwas ausserhalb gelegenen Hotel las Moreras fand. Nicht gerade neu, dafür mit 55€ schön günstig. Schnell geduscht und dann ab in die Gästestube. Zum Glück war es in Spanien kein Problem gegen 22 Uhr noch etwas zu bestellen und so speiste ich wenig später das formidable Tagesmenü zum Tagesabschluss.

Todmüde stellte ich meinen Wecker auf 7 Uhr und entschlief kurz darauf ins Traumland. Gn8